Eine Chance für Kurdistan

Die Flagge der Autonomen Region Kurdistan im Irak

Die Flagge der Autonomen Region Kurdistan im Irak

Wie die meisten Menschen durch die täglichen Nachrichten wissen, ist der Nahe Osten ein Hort von Chaos, Tyrannei und Elend. Gerade ist der Irak wieder in den Nachrichten. Die ISIS (oder ISIL oder DAIISH oder jetzt nur noch IS), eine islamistische Terrororganisation, hat mit Unterstützung anderer Gruppen die Millionenstadt Mossul eingenommen und nähert sich Bagdad. Aber es gibt auch Orte, die weitgehend stabil sind und wirtschaftlich florieren. Und damit ist ausnahmsweise mal nicht Israel gemeint, sondern eine andere Region: Kurdistan.

Die Autonome Region Kurdistan im Nordirak mit ihrer Hauptstadt Erbil befindet sich derzeit in einem wirtschaftlichen Aufschwung. Der Lebensstandard steigt, die Region gilt als sicher und europäische Firmen beginnen langsam, sich anzusiedeln. Die Region genießt weitgehende Unabhängigkeit: Es hat ein eigenes Parlament, Verfassung, Flagge, Hymne und Armee (die Peschmerga) – eigentlich alles, was ein Staat hat, nur ohne die formelle Unabhängigkeit. Dies war sozusagen ein Kollateralerfolg der amerikanischen Invasion.

Doch die Probleme mit dem unruhigen Nachbarn im Süden sind keinesfalls gelöst. Im Jahr 2012 führte ein Konflikt fast zum Krieg zwischen der irakischen und der kurdischen Armee. Die jüngste Eskalation hat die Trennung zwischen Kurdistan und dem Irak wohl endgültig besiegelt. Die Peschmerga mussten ohne Unterstützung der irakischen Armee die ISIS zurückdrängen und eroberten die wichtige Stadt Kirkuk. Nun plant der kurdische Präsident Barzani in den nächsten Monaten ein Referendum über die Unabhängigkeit von Kurdistan.

Allerdings ist Irakisch-Kurdistan nicht nur mit der Regierung in Bagdad zerstritten, sondern auch mit den kurdischen Nachbarn in Syrien. Ab Mitte 2012 begannen kurdische Selbstverwaltungsgruppen, die Kontrolle über die kurdischen Städte in Syrien zu übernehmen. Diese Gruppen werden von der PYD, dem syrischen Ableger der PKK, angeführt, die gute Beziehungen zum Iran und dem Assad-Regime unterhalten soll. Barzani und seine Partei (DPK) ist jedoch mit der Türkei und den Golfstaaten im Bund.

Im November 2013 rief die PYD die Autonomie von Syrisch-Kurdistan („Rojava“) aus. Der Schritt wurde nicht von Irakisch-Kurdistan begrüßt. Die Grenze zu Syrisch-Kurdistan ist mittlerweile geschlossen, auch für Flüchtlinge. Die inneren Streitigkeiten zwischen den kurdischen Parteien drohen also mal wieder, ein unabhängiges, geeintes Kurdistan zu verhindern. Anstatt das sich die syrischen und irakischen Kurden miteinander verbünden, machen sie lieber Politik gegeneinander.

Barzani hat zwar öfters ein Referendum angekündigt, aber die Lage ist so ernst wie nie zuvor. Der irakische Staat droht zu zerfallen. Der Westen sollte das geplante Referendum unterstützen, anstatt auf die territoriale Integrität zu beharren. Ein unabhängiges Kurdistan könnte ein halbwegs stabiler Staat werden. Als Nächstes sollten die Kurden daran arbeiten, ihre eigenen Streitigkeiten zu überwinden. Im Übrigen gibt es einen Staat, der ein unabhängiges Kurdistan ganz offen gefordert hat – ja, genau: Israel.

3 Antworten to “Eine Chance für Kurdistan”

  1. aron2201sperber Says:

    die Kurden hätten dann auf einmal auch eine staatliche Lobby.

    Die 50 islamischen Staaten wären zwar immer noch deutlich lauter als der kleine Kurdenstaat.

    Trotzdem ließe sich die islamische Doppelmoral dann wohl nicht mehr ganz so leicht verbergen.

    Die Kurden scheinen als einziges islamisches Volk gegen die Heilsversprechungen der Islamisten immun zu sein, da sie die islamische Doppelmoral am eigenen Leib erlebt haben.

    Die linke Doppelmoral bei der Kurdenfrage wird den Kurden wohl bald auch ihre linksextremen Illusionen austreiben.

    • arprin Says:

      Ein kurdischer Staat könnte auch ein strategischer Partner Israels werden. Allerdings werden die Kurden wohl nicht so offen damit umgehen können. Netanyahus Aussage hat wie erwartet keinen guten Eindruck hinterlassen:
      http://derstandard.at/2000002686601/Irakische-Kurden-lassen-sich-alle-Optionen-offen
      „Netanjahu hat den Kurden tatsächlich eher einen Bärendienst erwiesen: Die Verschwörungstheorie, dass die kurdische Unabhängigkeit ein zionistisches Projekt sei – mit dem Ziel, die (ehemals) starken arabischen Nationalstaaten in ethnisch oder konfessionell definierte Kleinstaaten zu zerschlagen -, bekommt so Auftrieb.“

      • Martin Says:

        Naja… das ignoriert, das es für die Arabistanesen völlig wurscht ist, was die Juden sagen oder tun. Schuld sind sie eh an allem.

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