Make money, not war

Er würde sich im Grab umdrehen: Frédéric Bastiat

Schon er kannte die Vorteile des Handels: Frédéric Bastiat

Man kann über Ronald Reagan sagen, was man will, aber er war ein guter Redner. Dabei stand das, was er sagte, nicht immer im Einklang mit dem, was er tat. So gab sich Reagan als Verfechter von Freihandel, während er viele protektionistische Maßnahmen beschloss. Er konnte aber gut erklären, warum Protektionismus keinen Sinn hat, und zwar sogar dann, wenn die andere Seite ihren Markt gegen die eigenen Waren abschottet. Er meinte dazu treffend: „If one partner shoots a hole in the boat, does it make sense for the other one to shoot another hole in the boat?“

In der Realität reagieren die meisten Länder der Welt auf Handelsrestriktionen mit Handelsrestriktionen. Sie schießen also ein zweites Loch in das Boot, dass sie beide trägt. Das ist tragisch, da Freihandel nicht nur für wirtschaftlichen Wohlstand sorgt, sondern auch friedliche politische Beziehungen stärkt. Ein gutes Beispiel sind die amerikanisch-chinesischen Beziehungen. China und die USA brauchen sich gegenseitig als Handelspartner, es wäre furchtbar dumm, sich zu bekriegen. Dasselbe gilt für China und Taiwan (die abtrünnige Insel, die von China beansprucht wird).

Vom französische Ökonomen Bastiat stammt das Zitat „Wenn Waren nicht Grenzen überqueren, dann werden es Soldaten tun“. Das ist wohl übertrieben, hat aber einen wahren Kern. Desto weniger Handel zwischen zwei Ländern besteht, desto weniger Rücksicht haben diese vor einem Krieg. Bis zum Jahr 1999 hatte der „McDonalds“-Index bestand, der besagte, dass noch nie zwei Länder gegeneinander Krieg geführt hatten, in denen es McDonalds-Filialen gab – bis die USA und Jugoslawien die erstaunliche Pax McDonaldiana beendeten.

Vor diesem Hintergrund sind die derzeitigen Entwicklungen in Europa kein gutes Zeichen. Vor einigen Monaten schien es noch so, als würde ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU abgeschlossen werden. Dieses hängt jetzt nach den Protesten der anti-kapitalistischen Aktivisten mehr denn je in der Schwebe. Übertriebene Ängste von NGOs, Lobbyarbeit von Subventionsempfängern von der Landwirtschaft bis zum Staatsfunk und anti-amerikanische Gefühle, die von der NSA-Affäre beflügelt wurden, trugen zum Stillstand der Verhandlungen bei.

Das wahre Problem ist aber, dass es nicht nur wohl kein Freihandelsabkommen mit den USA geben wird, nein, jetzt droht auch noch ein Handelskrieg zwischen Russland und dem Westen. Putin ist ein echter Handelskrieger. Er benutzte Handelsrestriktionen wann immer es ihm passte, gegen Georgien, Weißrussland, die Ukraine, egal ob es sich dabei um Wein, Milch oder Schokolade handelte, nichts war vor Importverboten sicher. Jetzt werden polnische Äpfel verboten, der Erdgaspreis „könnte steigen“ und auch McDonalds soll aus Russland verschwinden.

Natürlich sind nicht alle Sanktionen schlecht. Es ist völlig legitim, Waffenexporte an Staaten wie dem Iran oder an dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen unter Strafe zu stellen, oder auch die Konten von Staatsvertretern einzufrieren. Diese Sanktionen treffen nicht das Volk, sondern die Regierung. Solche Mittel sind geeignet, um die russische Regierung unter Druck zu setzen, damit sie ihre unverhohlene Aggression in der Ukraine beendet (wobei die ukrainische Regierung nicht unbedingt unterstützungswert ist und selbst russische Bücher verbieten lassen will).

Aber die Erfahrung zeigt, dass Sanktionen oft weiter verschärft werden, gerade dann, wenn das betreffende Land zu Gegensanktionen greift, was bei Russland eindeutig und im erheblichen Maß der Fall ist. Wir können davon ausgehen, dass der Handelskrieg weder die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen verbessern noch zu einer Lösung im Ukraine-Konflikt führen wird. Wahrscheinlicher sind eine Schwächung der russischen Wirtschaft sowie auch negative Konsequenzen für Europa, vor allem bei den Gaspreisen.

Ein besserer Weg, um mit den russischen Sanktionen umzugehen, wäre, sich nicht ins eigene Boot zu schießen und übertriebene Sanktionen gegen Russland zu verhängen, die letztlich keinen Einfluss auf Putins Politik haben, dem Westen selbst schaden und Gegensanktionen provozieren. Stattdessen sollte der Westen sich auf den Freihandel besinnen. Die USA könnten ihre Erdgasexporte liberalisieren, was Europa weniger abhängig von russischem Gas machen könnte. Und in Deutschland sollte man Fracking endlich eine Chance geben.

33 Antworten to “Make money, not war”

  1. Martin Says:

    Tjo. Aber da hab ich wenig Hoffnung. Der Anteil der Bevölkerung, der durch jahrzehntelange bräunlichrote Anti-Ami, Anti-Kapiterallala Beschallung verblödet ist, ist wohl doch zu groß.

    • besucher Says:

      Also in den letzten 20 Jahren brauchte es gar nichts dazu um Ressentiments zu schüren: Die Resultate der US-Politik sind einfach mies.

      • arprin Says:

        Antiamerikanismus hat wenig mit US-Politik zu tun. Es ist völlig egal, was die USA tut, für Antiamerikaner ist es immer falsch.

      • besucher Says:

        Das ist kein Argument: Nenne mir ein Beispiel für erfolgreiche Sicherheits- und Interventionspolitik in den letzten 20 Jahren.

      • qwertzman Says:

        Jugoslawien?

      • arprin Says:

        Selbst wenn es keine erfolgreiche Intervention gegeben hätte, den Antiamerikanern geht es nicht um gute US-Politik oder böse US-Politik. Für sie sind die USA immer die Schuldigen hinter jedem weltpolitischen Ereignis.

      • qwertzman Says:

        Vor allem für Ereignisse für die sie gar nicht die komplette Verantwortung tragen, wie Afghanistankrieg. Oder haben Russland, China und alle anderen 13 Sicherheitsratsmitglieder doch nicht dem Einsatz zugestimmt? …eben 🙂

  2. besucher Says:

    Also ich wüsste wo man super fracken könnte: In München-Fröttmaning. Ich glaube die Meinungsverschiedenheiten beim TTIP drehen sich hauptsächlich um den Investorenschutz bei einem möglichen Konflikt Investor Allgemeinheit. Sicherheitstechnisch gibt es auch unterschiedliche Prinzipien: In Europa setzt man eher auf das Vorsorgeprinzip, in den USA auf das Nachsorge.

    • qwertzman Says:

      bezüglich Vorsorge: Müssten da nicht Chlorhühnchen auf den Tisch kommen? 😛

      • besucher Says:

        Good point! Das Chlorhühnchen kommt auf den Tisch und wer es dann erbricht kann klagen und bekommt vielleicht Entschädigung.

      • qwertzman Says:

        Wieso erbrechen? Wegen dem Chlordioxid? Bestimmt nicht, das wird sogar von europäischen Lebensmittelkontrolleuren teilweise als sicherer als die hiesige Methode angesehen und 2008 wurde überlegt sie zuzulassen. Mein Vater verträgt die Chlorhühnchen im Gegensatz zu denen hier und würde dann wieder welche essen.

      • besucher Says:

        Bis dann in ein paar Jahren wieder ne neue Studie kommt. So wg, Krebserregend usw. Siehe Aluminiumchlorid… http://de.wikipedia.org/wiki/Aluminiumchlorid#Gefahren

        Aber wem dieser Wiesenhof-Müll schmeckt, bitte sehr…

      • arprin Says:

        Deutsche Hühner sind auf keinen Fall gesünder als US-Chlorhühnchen. Sogar die Tagesschau hat dieses Schreckgespenst auseinandergenommen:
        http://www.tagesschau.de/inland/chlorhuehnchen-100.html

      • qwertzman Says:

        Aluminiumchlorid /= Chlordioxid

        Letzteres wird seit Jahren auch zur Wasserdesinfektion eingesetzt. Weiterhin ist mir nicht bekannt, dass Hühnchen essende Amerikaner bisher reihenweise daran verreckt wären, das hätten die TTIP-Gegner mit Sicherheit ausgegraben. Da es aber keine rationalen Argumente gegen Chlorhühnchen gibt, macht man Panik.

        Vielleicht ist es aber wirklich krebserregend, dann sterben aber möglicherweise immer noch weniger durch den Krebs beim Einsatz, als durch Infektionen beim Nichteinsatz. Vielleicht ist es auch für bestimmte Leute besonders krebserregend und für andere nicht. Vielleicht sind auch nur bestimmte Leute auf die Bakterien anfällig und andere nicht. Wie sollte man da verfahren? Allen eine Methode vorschreiben oder den Ungleichheit vertragenden und potenziell Anpassung anbietenden Markt gewähren lassen?

      • arprin Says:

        Es gibt viele „natürliche“ Lebensmittel, an denen Menschen sterben können, z.B. rohe Bohnen oder Kartoffeln. Sogar Himbeeren enthalten viele Gifte. Wären das gentechnisch veränderte Lebensmittel, würden die Grünen mit großen Kampagnen ihre Verbote fordern.

      • qwertzman Says:

        Ach deshalb wird mir von meinen Kartöffelchen immer ganz schümmerig

        Weiterhin gibt es Lebensmittel die für Menschen mit bestimmten Krankheiten nicht zu empfehlen sind.

        Es wird niemand gezwungen gentechnisch Verändertes zu kaufen. Biozertifizierer erlauben keine Gentechnik, warum sollte es nicht konventionelle-ohneGene-Zertifizierer geben? 😉

    • besucher Says:

      Aber Du hast nen netten Nebenkriegsschauplatz eröffnet. In der grundsätzlichen Debatte geht es mir eher darum was Unternehmer dürfen sollen und was nicht. Da gibt es wohl unterschiedliche Auffassungen die geklärt werden müssen.

      • qwertzman Says:

        Ich hab auf das von dir eröffnete Thema Vorsorge/Nachsorge geantwortet 😛
        Was spricht denn gegen Investorenschutz? Das Investment von Gewerkschaften, Krankenkassen muss natürlich genauso geschützt werden. 😉

      • besucher Says:

        Das ein Investor nicht durchsetzen kann dass Gesetze zu Umwelt- und Verbraucherschutz ausgehebelt werden können.

      • qwertzman Says:

        Umwelt- und Verbraucherschutz? Wie gesagt, das Investment von Krankenkassen, aber natürlich auch Waldeigentümern und Fischbestandspächtern muss geschützt werden. Und lässt sich Verbraucherschutz nicht viel einfacher mit Stiftung Warentest durchsetzen?

    • qwertzman Says:

      http://de.ria.ru/business/20140801/269176559.html
      Investorenschutz?

  3. qwertzman Says:

    Ich war zwar etwas unsicher, aber gehörte zu denen die Handelsrestriktionen gegen Handelsrestriktionen forderten, Reagan und der Artikel haben mich umgedreht. Danke!

  4. qwertzman Says:

    Und schon komme ich ins zweifeln: Darf man widerlichen Feudalisten, wie Tamim Al Thani das Vermögen einfrieren und bürgerliche Revolutionäre in seinem Land fördern? http://www.welt.de/politik/ausland/article130843502/Der-Emir-der-die-Hamas-beschuetzt-hat-ein-Problem.html

    • Martin Says:

      Ja, das Einfrieren von Konten von Regierungsvertretern wurde in diesem Beitrag von Arprin als sinnvolle Sanktionsmaßnahme beschrieben, weil man damit direkt Regierungen unter Druck setzen kann.

      • qwertzman Says:

        Aber wo liegt die Grenze, schließlich hilft z.B. Al Thani manchmal dem Westen.

      • arprin Says:

        Bei Katar könnte man damit anfangen, ihnen die WM 2022 zu entziehen. Und einigen Regierungsvertretern könnte man auch die Konten im Westen einfrieren, damit sie ihre pro-islamistische Politik überdenken.

  5. qwertzman Says:

    Sanktionen können zu mehr Währungsvielfalt führen: http://www.bloomberg.com/news/2014-08-06/russia-sanctions-accelerate-risk-to-dollar-dominance.html

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