Bolivianer wehren sich gegen anti-israelische Sanktionen

Die bolivianische Flagge

Bolivien ist international eher für wenig bekannt. Außer Militärputsche und Drogenkrieg gab es in den letzten Jahrzehnten politisch wenig zu berichten, und im Fußball reichte es 1994 nur für die Qualifikation zur WM, die erfolglos blieb. Für mich, der seinen Migrationshintergrund aus Bolivien hat, gab es in den letzten Jahren fußballerisch viel zu leiden, zum Glück hatte ich Bayern München und die DFB-Jungs. Politisch betrachtet ist Bolivien seit dem Amtsantritt des Sozialisten Evo Morales zwar unterhaltsam, aber auch nicht besser als die Jahrzehnte zuvor.

Nun hat Morales offenbar große Ambitionen. Er hat Bolivien nicht nur zur Raumfahrtnation gemacht, jetzt will er es auch in der „Achse des Widerstands“ integrieren. Dafür hat er bereits 2009 die Beziehungen zu Israel abgebrochen, letzte Woche ist er einen Schritt weitergegangen: Er nannte Israel einen „Terrorstaat“ und beschloss, dass israelische Besucher wieder Visa beantragen müssen, wenn sie nach Bolivien einreisen wollen. Man kann das für eine sinnlose Maßnahme halten, da kaum ein Israeli nach Bolivien will. Und genau da liegt man falsch.

Denn die Nachricht ist nicht überall in Bolivien gut angekommen. Mein Bruder, der in der Tourismusbranche tätig ist, machte mich darauf aufmerksam: Die Stadt Rurrenabaque wird jedes Jahr von 50.000 Touristen besucht – 15.000 davon stammen aus Israel. Durch die neue Visa-Regelung könnten also ein Drittel der Touristen wegbleiben – ein Desaster für die Einwohner. Die Folge: Die lokalen Behörden haben lautstark ihr Missfallen kundgetan und fordern, dass die Regelung wieder zurückgenommen wird. Sie drohen sogar damit, Straßen zu blockieren, falls dies nicht geschieht.

Ein klassisches Eigentor für Morales. Anstatt seinem Kampf gegen den Zionismus zu folgen, wollen seine Untertanen lieber weiter israelische Touristen abkassieren. Wie kam es eigentlich dazu, dass sich so viele Israelis ausgerechnet nach Rurrenabaque verirren, eine Stadt, die mitten im Dschungel liegt? Wikipedia gibt Nachhilfe:

Die Entdeckung der Touristen begann 1982, als sich israelische Touristen im Urwald verirrten und nur einer von ihnen überlebte. Er fand erst nach drei Wochen in die Zivilisation zurück. Er schrieb ein Buch (Lost in the Jungle) über seine Erlebnisse, das zum Kassenschlager wurde und einen entscheidenden Anstoß zur Erschließung der Region gegeben hat.

Tja, wer hätte das gedacht. Ich persönlich hoffe auf einen schnellen und schmerzfreien Erfolg der lokalen Behörden und dass Bolivien in Zukunft bessere Schlagzeilen macht. Im Fußball schaffte es dieses Jahr zum ersten Mal seit den 1980ern eine bolivianische Mannschaft ins Halbfinale der Copa Libertadores, und es gibt ein junges Talent beim AC Mailand. Politisch gibt es dagegen kaum Grund zur Hoffnung. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

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