Kein Optimismus mehr?

Das Jahr 2014 brachte eine ganze Reihe an Katastrophen. Krieg im Irak, Krieg in der Ukraine, Ebola-Epidemie in Westafrika – es gab keinen Mangel an schlechten Nachrichten. Aber die gute Nachricht ist: Der langfristige Trend ist immer noch positiv.

Hans Rosling zeigt in vier Minuten auf, wie sehr die Lebenserwartung und das Einkommen in der Welt in den letzten 200 Jahren zugenommen haben. Der Zustand der Menschheit war in 99% der Zeit Elend und Tyrannei („The normal state of man is misery and tyranny“, wie Milton Friedman es ausdrückte), erst in den letzten zwei Jahrhunderten hat sich das Blatt gewendet. Rosling gehört zur Kategorie der Optimisten. Zu dieser Sorte gehören auch Steven Pinker oder Bryan Caplan, die nicht müde werden zu betonen, wie sehr die Gewalt in der Welt abgenommen und der Wohlstand zugenommen hat.

Und trotzdem gibt es viel berechtigte Skepsis für die Zukunft. Erstens sind nicht alle Regionen in gleicher Weise vom Fortschritt erfasst worden. Zwischen Luxemburg und der DR Kongo klaffen Welten, und für viele Gebiete ist auch keine Besserung in Sicht. Und zweitens kann der Fortschritt schnell rückgängig gemacht werden, dazu bedarf es nur ein paar schlechter Entscheidungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es der Menschheit ebenfalls so gut wie nie zuvor. Es hätte ein Jahrhundert des Friedens werden können – aber es folgten die Weltkriege. Die aktuelle politische und ökonomische Situation der Welt ähnelt der zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Werden wir es diesmal besser machen?

Es ist zwar kaum wahrscheinlich, dass wir einen neuen Weltkrieg erleben werden, aber in jüngster Zeit wurde fatalerweise die Saat für jahre- oder jahrzehntelange Konflikte gelegt. Die Situation im Nahen Osten und Osteuropa hat sich in diesem Jahr drastisch verschlechtert. Der „Islamische Staat“ terrorisiert den Irak und Syrien, in der Ostukraine herrscht Kriegszustand. Man kann diese Konflikte lösen, die Frage ist nur, wie es geschehen wird. Die Lage in der Ukraine ist noch weniger explosiv, im Nahen Osten sieht die Sache dagegen viel schlimmer aus. Die politische Lage ist völlig festgefahren, der Frieden weit entfernt.

Es muss nicht alles in einer Katastrophe enden, und es gibt noch immer Grund für Optimismus. Der Kommunismus in Osteuropa erlebte ein relativ sanftes Ende. Wenn eine Machtergreifung von Islamisten verhindert werden kann, ist so ein Szenario auch im Nahen Osten möglich. Von größerer Bedeutung als die politische wird die ökonomische Entwicklung sein. Wenn das Wirtschaftswachstum in den Ländern der Dritten Welt weiter beständig bleibt, werden sie das heutige Niveau in Europa und den USA erreichen. Uns stehen mal wieder wegweisende Zeiten bevor. Wir müssen vorbereitet sein auf das Schlimmste und hoffen auf das Beste.

4 Antworten to “Kein Optimismus mehr?”

  1. qwerty248 Says:

    guter Artikel! 🙂
    und danke für das Video, das hab ich vor ein paar Tagen mal gesucht, aber nicht gefunden 😀

  2. Martin Says:

    Stimmt, die Diskrepanz zwischen Norwegen und Schweden ist recht spannend.
    Eine schlüssige Antwort habe ich darauf nicht.

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