Make holiday, not war

Humboldt und Bonpland am Fuß des Chimborazo

Humboldt und Bonpland am Fuß des Chimborazo

Es gibt nicht wenige Personen, die im modernen Massentourismus mehr ein Fluch sehen als ein Segen. Das ständige Reisen verursache hohe CO2-Emissionen, bedrohe die Kultur der „besuchten“ Völker und zerstöre die unberührte Natur. Es sind also vor allem Menschen aus dem kapitalismuskritischen und grünen Umfeld, die eigentlich über jedes moderne Phänomen in westlichen Gesellschaften meckern. Andere wiederum preisen den Besuch fremder Länder als friedensfördernd an, denn schon Mark Twain war der Ansicht, dass Reisen „tödlich für Vorurteile“ sei.

Ob Reisen bildet, darüber kann man geteilter Meinung sein. Alexander von Humboldt sagte: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben“, doch Konfuzius setzte dem schon zwei Jahrtausende zuvor entgegen: „Schick einen Banausen auf Weltreise, und er kommt zurück als – braungebrannter Banause“. Man kann nicht drumherum kommen zu sagen, dass Reisen allein niemanden automatisch zu einem weisen Mann macht. Che Guevara fand in seiner Lateinamerika-Reise zum Sozialismus, da wäre es besser gewesen, wenn er zu Hause geblieben wäre.

Aber wer vom Tourismus die Lösung solcher Probleme erwartet, hat nicht verstanden, worum es dabei geht. Touristen sind nur auf der Suche nach Entspannung, sie wollen eine Pause vom stressigen oder langweiligen Alltag, oder dieselben Abenteuer in einem anderen Land erleben. Nichts mehr als das soll das Reisen bringen. Aber schon diese Aufgabe zu erfüllen, kann sehr viele positive Nebenwirkungen haben. Es gibt gute Gründe, um in dem Massentourismus eine segensreiche Entwicklung zu sehen, und die ganzen Klagelieder über den modernen Touristen als unbegründet abzutun.

An dieser Stelle sollen drei genannt werden. Der erste Grund ist offensichtlich: Tourismus schafft Wohlstand und wirtschaftliche Verflechtung. Die Tourismusbranche ist ein boomendes Geschäft, jedes Jahr werden Milliarden umgesetzt. Hotels, Restaurants, Reiseführer profitieren ungemein von den sich nach exotischen Abenteuern sehnenden Weltenbummlern. In vielen Entwicklungsländern ist der Tourismus die einzige vielversprechende Branche, die Jugendliche anlockt. Kuba und Ägypten wären ohne Tourismus noch traurigere Orte als sie es jetzt schon sind.

Der zweite Grund: Tourismus baut kulturelle Barrieren ab. Das tut er sicher nicht immer, aber es soll vorkommen. In der chinesischen Mauer treffen sich Amerikaner und Chinesen auf friedlicher Mission, in Scharm el Scheich treffen sich Israelis und Ägypter, die politischen Spannungen sind für kurze Zeit verwischt. Sowas schafft sonst nur der Sport. Viele extremistische Gruppierungen sehen in Besuchern aus „Feindstaaten“ eine Normalisierung und lehnen sie deshalb ab. Das sollte uns anspornen, Visa-Beschränkungen aufzuheben und die Extremisten noch mehr zu ärgern. Obwohl der positive Effekt nicht so groß sein mag wie sich viele wünschen, ist er doch da.

Und ein unbeachteter Segen, den der Tourismus bringt: Er hilft dem Umweltschutz. Viele wilde Tiere wurden in Afrika rücksichtslos gejagt und waren vom Aussterben bedroht, bevor die Touristen-Invasion kam. Nur durch sie bekamen diese Arten, darunter die „Big Five“ (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard), eine Chance zum Überleben. Ohne den weißen Touristen würde sich der Schutz wilder Tiere für die Einheimischen wirtschaftlich nicht mehr lohnen, und sie würden schnell aus der Bildfläche verschwinden. Das sollten sich doch gerade die grünen Naturschützer nicht wünschen.

Natürlich gibt es auch böse Touristen. Die Sorte von ignoranten Menschen, die antike Denkmäler besprühen, oder in Machu Picchu Trinkflaschen in den Boden werfen. Dennoch überwiegt das Positive, und für das Negative kann man Lösungen finden, die mit dem Massentourismus kompatibel sind. Hoffen wir, dass es in Zukunft noch viel mehr Tourismus gibt und wir schneller von einem Ort zum anderen kommen. Forscher tüfteln an Hyperschallflugzeugen, mit denen man in kommenden Jahrzehnten – aufgepasst – in 90 Minuten von Berlin nach Sydney reisen könnte (ja, in 90 Minuten). Yeah Science, bitch!

4 Antworten to “Make holiday, not war”

  1. qwerty248 Says:

    Ist das Zitat wirklich von Konfuzius?

    Extremisten sind so auch leichter überwachbar, als in Bergdörfern. Vielleicht lassen sich Islamisten in westlichen Ländern auch leichter von der westlichen Zivilisation überzeugen. Andererseits machten Islamisten nen Führerschein für 9/11 in Hamburg (Geheimdienste sind eben nicht allmächtig).
    Woher kommen die meisten Islamisten? Sind die Islamisten im oder aus dem Westen die Ausnahme oder die Regel? Haben Islamisten im oder aus dem Westen vornehmlich einen Migrations- und/oder einen Konversionshintergrund?

    „In der chinesischen Mauer treffen sich Amerikaner und Chinesen auf friedlicher Mission“ Das passiert aber auch in Peking 😛 „Es spielt keine Rolle, ob die Katze schwarz oder weiß ist; solange sie Mäuse fängt, ist sie bereits eine gute Katze“: http://www.indymedia.org.uk/images/2013/12/514019.jpg

    • arprin Says:

      Ist das Zitat wirklich von Konfuzius?

      Das Zitat habe ich von Vince Ebert übernommen. Mark Twains Zitat ist verifiziert (stammt von „Die Arglosen im Ausland“), bei Konfuzius und Humboldt sind sie zugeschrieben.

      Woher kommen die meisten Islamisten? Sind die Islamisten im oder aus dem Westen die Ausnahme oder die Regel? Haben Islamisten im oder aus dem Westen vornehmlich einen Migrations- und/oder einen Konversionshintergrund?

      Die homegrown-Islamisten sind wohl nur eine Minderheit bei den Dschihadisten. Fast alle dürften einen Migrationshintergrund haben. In Belgien hat es übrigens einen 13-jährigen aus Marokko stammenden Jungen nach Syrien verschlagen: http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/belgium/11051337/The-13-year-old-Belgian-boy-fighting-in-Syria.html

      • qwerty248 Says:

        Danke. In den verschiedensten Kriegen gab es immer wieder Kindersoldaten (oder richtiger jugendliche Soldaten), die Krieg als Abenteuer empfanden, als Möglichkeit vom langweiligen Alltag, zu Hause, den Eltern wegzukommen, wie eine von der ARD gezeigte 15jährige Kurdin. George Soros berichtete ja mal, dass die Zeit der Naziherrschaft in Ungarn für ihn die aufregendste, spannendste und lehrreichste seines Lebens war. Auch wenn das vielleicht seltsam klingt, und ich darauf verzichten würde, kann ich mir das gut vorstellen.

  2. qwerty248 Says:

    und PacMan and Pe$o flüchten nach Nordkorea: http://www.youtube.com/watch?v=PDfTh3Usqpc
    http://www.welt.de/kultur/musik/article123770855/US-Rapper-drehen-Musikvideo-in-Nordkorea.html

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