Yes, they can!

Ja, sie können es

Ja, sie können es

Das Thema Emanzipation ist in den westlichen Gesellschaften nicht mehr wirklich originell, zumindest nicht in seiner ursprünglichen Bedeutung. Denn ursprünglich ging es ja darum, Frauen die volle gesetzliche Gleichstellung zu verleihen. Diese Mission kann man als erfüllt betrachten. Mittlerweile haben wir es auch geschafft, die klassischen Rollenverteilungen aufzubrechen und Frauen in ansonsten Männern vorbehaltenen Positionen zu hieven, wie z.B. Regierungschefin, Actionheldin und jüngst sogar Trainerin einer männlichen Sportmannschaft. Viel mehr Emanzipation geht nicht.

In anderen Weltgegenden ist die Emanzipation noch weit entfernt. In der islamischen Welt herrscht noch immer das Patriarchat, auch wenn manche emanzipierte westliche Frau keinen großen Unterschied zwischen Österreich und Saudi-Arabien sieht. Wie gefährlich die Ansicht sein kann, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sein sollten, zeigte der Fall Malala Yousafzai, der von den Taliban in den Kopf geschossen wurde, weil sie sich für die Bildung von Mädchen einsetzte. Dafür bekam sie den Friedensnobelpreis. Eine Entscheidung, die vollkommen verdient ist. Wenn man etwas Kritisches finden will, dann Malalas etwas naive Friedensrhetorik – aber sie ist keine Polit-Analystin und muss es auch nicht sein.

Währenddessen hat Mariam al-Mansouri einen anderen Weg beim Umgang mit Islamisten eingeschlagen. Sie ist die erste weibliche Pilotin der Vereinigten Arabischen Emirate und beteiligt sich an den Luftschlägen der Anti-IS-Koalition. Den Nobelpreis wird sie wohl nicht bekommen, aber dafür hat sie reichlich Lob in den sozialen Netzwerken gesammelt. Auch wenn die Behauptung, IS-Terroristen würden nicht in den Himmel kommen, wenn sie von einer Frau getötet wurden, nicht stimmt (nicht nur, weil es keinen Himmel gibt, sondern weil die IS keinen solchen Glaubensinhalt kennt), ist ihre Beteiligung am Krieg gegen die IS, genauso wie die von weiblichen kurdischen Kämpfern, von besonderer symbolischer Bedeutung.

Aber die Symbolik sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Feministen in der islamischen Welt noch ein langer, steiniger Weg bevorsteht. Malala hat zwar viel Anerkennung bekommen, doch ihre Heimat musste sie wegen Drohungen verlassen. In Pakistan geschehen jährlich die meisten Ehrenmorde, Tausende Frauen werden umgebracht, weil sie die „Familienehre“ beschmutzten – fast immer bleiben die Täter straflos. In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es skandalöse Gesetze, die Frauen bei Sexualverbrechen diskriminieren (so wurde eine vergewaltigte Britin verhaftet, weil sie zuvor außerehelichen Sex mit ihrem Verlobten hatte), und Ehemänner dürfen ihre Ehefrauen schlagen.

In vielen anderen Ländern sieht es nicht besser aus. Malala und Mansouri zeigen, dass es selbstbewusste muslimische Frauen gibt, die Änderungen bewirken können. Ihnen gebührt der allerhöchste Respekt, nicht dem Heer an Berufs-Apologeten im Westen wie im Orient, die mit hanebüchenen Argumenten behaupten, es sei alles eigentlich gar nicht so schlimm mit der Unterdrückung der Frauen in den islamischen Ländern (ja, im Iran und Saudi-Arabien gibt es mehr weibliche als männliche Universitätsabsolventen, aber das ändert doch nichts an der alltäglichen vom Gesetz her festgelegten Apartheid, die es in beiden Ländern gibt, liebe Relativierer!).

Am Ende würden nicht nur die Frauen von der Emanzipation profitieren, sondern die ganze Gesellschaft. So meinte Bill Gates über die wirtschaftliche Zukunft Saudi-Arabiens: “Well, if you’re not fully utilizing half the talent in the country, you’re not going to get too close to the top”. Und wer weiß, vielleicht kriegen wir auch im Westen noch mehr Emanzipation. Bald könnten Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen („Social Freezing„) und somit selbst bestimmen, wann sie schwanger werden, auch nach dem 35. Lebensjahr. Denn wer sollte sich einfach mit der Natur abfinden, wenn er sie mit moderner Technik überwinden kann?

10 Antworten to “Yes, they can!”

  1. qwerty248 Says:

    Weil der Mann dann überhaupt gar nicht mehr bestimmen könnte, wann die Frau schwanger wird und das voll gegen die Natur ist. Ich meine, Männer haben verstanden wies geht und das über Jahrtausende ach, was sag ich, Millionen Jahre hinweg immer richtig gemacht und dann kommen diese Frauen und ändern einfach alles, wie männlich 😦 Diese Frauen sind ja gar keine Frauen mehr, sondern Mannsfrauen!

  2. Carl Says:

    Schade nur für die Kinder, die nun keine Großeltern mehr haben, dafür aber Papa und Mama in dem Alter von Großeltern. Wenn Papa nicht schon via emanzipatorischer Selbstverwirklichungsleistung mit Hilfe des Familiengerichts entsorgt wurde. Schöne neue Welt.

    • qwerty248 Says:

      Wenn dank Technologie Menschen länger leben, haben die Kinder auch wieder Großeltern 🙂 Und vielleicht ja sogar irgendwann lebende Urururgroßeltern 😮

      @arprin
      guter Artikel!

      • arprin Says:

        Danke für das Lob.

        Ein interessanter Text über die Folgen von lebensverlängernden Maßnahmen:
        http://www.livescience.com/10458-immortality-social-burden-longer-lives.html

        „Furthermore, if life extension also increases a woman’s period of fertility, siblings could be born 40 or 50 years apart. Such a large age difference would radically change the way siblings or parents and their children interact with one other. „If we were 100 years younger than our parents or 60 years apart from our siblings, that would certainly create a different set of social relationships,“ Hackler told LiveScience.“

    • arprin Says:

      Es wird, wie immer, auch soziale Veränderungen geben. Aber das ist doch kein Grund, um den neuen Möglichkeiten nur negativ entgegenzusehen.

      Ich sehe auch nicht, warum man seine Eltern weniger lieb haben sollte, nur weil sie älter als üblich sind. Und, wie qwerty schon sagte, die Großeltern könnten dank lebensverlängernder Maßnahmen auch noch leben.

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        arprin: „Ich sehe auch nicht, warum man seine Eltern weniger lieb haben sollte, nur weil sie älter als üblich sind.“

        Eben! Zumal die heutigen Eltern, entsprechend ihrem Reifezustand, auch jünger sind, als die Eltern früherer Generationen, wodurch das heutige Kind nur einen Namen benötigt, um gleichzeitig seine Urahnen oder Urenkel zu berufen.
        Egal, die Schuld liegt nicht beim Kind.

      • Carl Says:

        „Und, wie qwerty schon sagte, die Großeltern könnten dank lebensverlängernder Maßnahmen auch noch leben.“

        Klar, als völlig demente Pflegebedürftige aus Haut und Knochen. Ist ja heute schon vielfach so, nur daß die Enkel dann bereits über 20 sind. Natürlich sind umgekehrt Veränderungen nicht nur negativ, das hatte ja auch niemand behauptet. Aber das Thema ist interessant genug, um ausgewogen diskutiert zu werden, damit Für und Wider abgewogen werden können. Letztlich ist es ohnehin eine private Entscheidung, und die meisten Eltern werden, schon im Interesse des künftigen Nachwuchses, nicht so blöd sein, sich älter an die Fortpflanzug zu begeben als unbedingt notwedig.

      • qwerty248 Says:

        In welchem Alter wurden Menschen vor 50, 100, 150 Jahren pflegebedürftig?

      • Carl Says:

        Es wurde wesentlich weniger pflegebedürftig, weil sie nicht so alt wurden. Insbesondere die Wahrscheinlichkeit für Demenz steigt mit dem Alter, und je mehr das Durchschnittssterbealter nach oben geschraubt wurde, desto mehr nahmen Demenzerkrankungen zu. Und solange es noch keine Austauschgehirne gibt, ist hier keine Änderung zu erwarten.

      • qwerty248 Says:

        Das auch, beantwortet aber nicht meine Frage in welchem Alter Menschen pflegebedürftig wurden.

        Worauf ich hinaus will ist, dass Menschen früher vermutlich jünger pflegebedürftig wurden (und früher verstarben), es also eine Entwicklung hin zu mehr Lebenszeit, aber auch mehr Lebensqualität gibt. Heute bleiben Zähne länger gesund (= mehr Lebensqualität + Lebenszeit), warum sollten in Zukunft nicht auch Gehirne länger gesund bleiben? Warum sollte es plötzlich eine Veränderung in der Tendenz hin zu mehr Lebensqualität und -zeit geben?
        Und an Austauschgehirnen wird auch schon gearbeitet: http://www.ted.com/talks/ray_kurzweil_get_ready_for_hybrid_thinking (Wird es dann Gedankenkontrolle und -verbrechen geben?)

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