Erfindungen, die in Deutschland verboten werden

Die Raumfahrt steht wieder vor aufregenden Zeiten

Es war eine schlimme Woche für die Raumfahrt. Zuerst explodierte die Rakete eines unbemannten Versorgungsfrachters beim Start zur ISS, zwei Tage später stürzte die Raumfähre SpaceShip Two des Privatunternehmens Virgin Galactic bei einem Testflug ab – ein Pilot starb. Richard Branson, der Chef von Virgin Galactic, hatte geplant, noch dieses Jahr erste Weltraumtouristen ins All zu befördern. Ein privater „Weltraumbahnhof“ in New Mexico steht schon bereit. Diese Pläne werden erstmal verschoben, wir werden weiter auf unseren ersten Urlaub im Weltall warten müssen.

Nicht überraschend ist, dass die Katastrophen Freunde von Regulierungsmaßnahmen aufmerksam machte. Die private Raumfahrt ist derzeit noch frei von Regulierungswahn. Im Jahr 2004 beschloss die amerikanische Regierung ein achtjähriges Moratorium, in denen es keine Regulierungen für die privaten Weltraumunternehmen geben sollte. Die Begründung war, dass die Branche noch so wenig entwickelt sei, dass man keine „intelligenten Regulierungen“ (ein Oxymoron) vornehmen könne. Dieses Moratorium wurde später für drei Jahre verlängert. Im Oktober 2015 läuft es ab.

Das Risiko gehört zu jeder Innovation dazu, oder, um genauer zu sein, zum Leben. Wenn schon immer alles, was gefährlich ist oder sein könnte, verboten gewesen wäre, hätten wir auf nahezu alle großen Erfindungen verzichten müssen. In den USA gibt es noch Hoffnung, dass der Unternehmergeist nicht gänzlich vom Regulierungswahn zerstört wird. In Deutschland, wo schon der Bau eines Bahnhofs zu hysterischen Protesten führt, sieht es düsterer aus. Hier besteht kaum Hoffnung, dass bahnbrechende Erfindungen wie Paket-Drohnen, fliegende Autos oder 3D-Drucker nicht kaputtreguliert oder komplett verboten werden.

Im Februar 2014 legten die Grünen bereits eine 20-seitige Studie vor, die sich mit den Gefahren von 3D-Drucker auseinandersetzt. Mithilfe dieser Technik „könnten“ Waffen gebaut oder Medikamente hergestellt werden, außerdem werden Urheberrechtsverletzungen zunehmen. Deswegen fordern sie eine EU-weite „Task Force“, die „ordnungspolitische Rahmen“ für Erzeugnisse aus 3D-Drucker setzen soll. So sprechen die Grünen immer, wenn sie etwas verbieten wollen. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, was mit anderen Erfindungen passieren wird. Hätten sich die Grünen immer durchgesetzt, wären auch Kabel- und Satellitenfernsehen in Deutschland verboten worden, sowie es im Parteiprogramm von 1987 stand.

Immerhin gibt es ein Happy End: Irgendwann werden diese Erfindungen nach Deutschland kommen. Es wird nur halt etwas dauern. Der erste Weltraumbahnhof, der erste Kernfusionsreaktor, das erste Chlorhühnchen – darauf werden die Deutschen länger warten müssen als es notwendig ist. Aber am Ende wird die Zukunft den Sieg davontragen. Nicht in Parlamenten oder Parteikonferenzen werden die Innovationen ausgetüftelt, die unser Leben verbessern werden, sondern in den Köpfen der Visionäre, die schneller als die Politik sind. Ein tröstlicher Gedanke in Zeiten unserer allseits regulierenden Großen Koalition.

10 Antworten to “Erfindungen, die in Deutschland verboten werden”

  1. Timo Ollech Says:

    Aha, „neu“ ist also automatisch immer „besser“. *kopfschüttel*

    • arprin Says:

      Nicht bloß „neu“, sondern „neue Erfindungen, die unser Leben bereichern“. Ein 3D-Drucker kann doch vieles vereinfachen.

      • Timo Ollech Says:

        Gegen 3D-Drucker sage ich ja auch gar nichts. Und die Kritik des Artikels an denjenigen, die Neues pauschal als Schlechtes verteufeln, teile ich. Allerdings klingt der Tenor für mich doch so, als würdest du alles Neue ebenso pauschal für gut halten. Daher plädiere ich für eine differenzierte Sichtweise und für gehörige Vorsicht im Umgang mit Neuerungen. Das schliesst vorsichtiges Ausprobieren explizit mit ein.
        Übrigens, du spielst bestimmt auf Stuttgart21 mit dem Bau eines Bahnhofs an. Diesen betrachte ich in keinster Weise als Innovation. Und dabei geht es ja den meisten S21-Kritikern gar nicht darum, dass sie nichts Neues wollen, sondern dass sie nicht einbezogen wurden & das Neue einfach fertig vorgesetzt bekommen.

      • arprin Says:

        Ja, ich spielte auf Stuttgart21 an. Aber damit meinte ich nicht, dass S21 eine Innovation ist, sondern dass die ganze Bewegung gegen S21 sehr hysterisch war. Es kam ja zu Gewaltausbrüchen, und einigen ging es um Juchtenkäfer. Dass vieles beim Bau falsch läuft, ist mir klar.

      • Timo Ollech Says:

        Jetzt muss ich doch mal nachfragen: Was sind Juchtenkäfer???

      • arprin Says:

        Eine geschützte Tierart, weswegen großes Theater gemacht und das Projekt umplanen musste:
        http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-aufschub-fuer-die-juchtenkaefer.ddbd974b-8841-4bc7-a4e5-5a609be49143.html
        „Für das Bahnprojekt Stuttgart 21 sollte dem Rosensteinpark ein Stück für eine Straße abgezwackt werden. Dafür wollte die Bahn bis 28. Februar Bäume fällen. Doch sechs davon müssen stehen bleiben, weil geschützte Käfer in ihnen wohnen. Die Straße gibt es vorerst nicht.“

    • Carl Eugen Says:

      „Neu“ ist nicht automatisch besser. Aber, wenn „neu“ von Anfang an verboten wird, kann sich nie herausstellen, ob es besser ist oder schlechter.

  2. besucher Says:

    also das Chlorhühnchen ist nun wirklich keine Innovation. Innovativ wäre es etwas hinzubekommen was wie Fleisch aussieht, wie Fleisch riecht, wie Fleisch schmeckt aber kein Fleisch ist.

  3. Carsten Says:

    Von mir aus können Sie gerne ihre „Weltraumflüge“ betreiben und das Risiko auf sich nehmen (Investoren, Piloten und wer auch immer).
    Überhaupt kein verständnis hab ich aber dafür, dass der Staat hier Haftungsfreistellungen verteilt und die Sause kräftig subventioniert.

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