Der Untergang der Rente

Löst der Neoliberalismus Schiffsunglücke aus?

Die Rente geht unter! Rette sich, wer kann

Wenn jemand in seinem Bekanntenkreis die Nachricht verbreitet, er werde Nachwuchs bekommen, hört er manchmal als Antwort: “Das ist super! Wir brauchen Kinder, damit sie unsere Rente erarbeiten”. Die armen Eltern müssen sich denken: Wenn alles richtig läuft, wird mein Kind nicht in diese kaputte Rentenkasse einzahlen. Wie jeder weiß, ist die Rente so sicher wie der Irak. Eine Studie vom Januar dieses Jahres stellte dar, dass ein heute 13-jähriger im Durchschnitt 77.000 Euro mehr einzahlen wird als er später ausgezahlt bekommt. Man hätte das vorhersehen können, da die Geburtenrate keine unveränderbare Konstante ist. Solche Einwände wurden damals von Adenauer mit dem Satz „Kinder gibt es immer“ abgetan.

Anstatt das Problem zu erkennen und echte Lösungsansätze zu fordern, wird das Rentensystem weiter zerstört. Die Große Koalition erhöht die Rentenbeiträge und senkt das Rentenalter auf 63. Diese Klientelpolitik wird gelegentlich als „Diktatur der Rentner“ bezeichnet. Das greift etwas zu kurz. Es stimmt zwar, dass Rentner höhere Renten fordern, was die Ausbeutung der jungen Generation bedeutet. Aber sie haben ja auch kaum eine andere Wahl. Während ihres Arbeitslebens konnte sie nicht selbst vorsorgen, und sie waren auch gezwungen, einzuzahlen. Außerdem ist ihre Rente vergleichsweise niedrig. Die große Ungerechtigkeit ist das vom Staat festgelegte, umlagefinanzierte Rentensystem.

Man stelle sich vor, ein privates Unternehmen oder eine Privatperson würde so etwas machen. Sie nehmen von ihren Anlegern Geld und versprechen ihnen, es zu späterer Zeit zurückzuzahlen. Aber statt das Geld zu sparen, geben sie es sofort aus – für den eigenen Zweck. Das geht dann über mehrere Jahrzehnte so weiter. Es häuft sich ein Milliardenvermögen an, das nicht gespart, sondern ausgegeben (bzw. an die Rentner ausgezahlt) wurde. Und irgendwann finden sich keine neuen Anleger mehr und das ganze System bricht zusammen. Wie würde man sowas nennen? Ein Schneeballsystem natürlich. Bernard Madoff musste dafür ins Gefängnis. Unser Staat dagegen nennt es „Solidarität“ und zwingt alle, mitzumachen.

Wie können wir das System reformieren? Die naheliegende Alternative wäre eine kapitalgedeckte Rentenversicherung. Doch diese wird derzeit von allen Parteien abgelehnt. Dabei ist diese die beste Form der Altersvorsorge. In Chile z.B. muss jeder Arbeiter 10% seines Bruttolohns für die eigene Altersvorsorge zurücklegen, den Anbieter kann man selbst wählen. Kritiker einer solchen Vorsorge meinen, eine große Krise könnte alle Ersparnisse vernichten. Die chilenischen Rentenkonten erwiesen sich jedoch als krisenfest und erreichten 2-3 Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise wieder Vorkrisenniveau. In Deutschland werden solche Vorschläge immer mal wieder gemacht, z.B. die Errichtung von „Beschäftigungskonten“.

Eine andere Alternative wäre der „Mischnick-Plan„. Wolfgang Mischnick von der FDP forderte schon 1963, die Rente nicht durch das Umlagesystem zu finanzieren, sondern durch drei verschieden Komponenten: Eine aus dem allgemeinen Steuertopf finanzierte Grundrente, eine über 15 Jahre einzuzahlende Beitragsrente und private Altersversicherungen, die jeder selbst abschließen kann. Viele Bürger scheinen eine solche Reform eher zu unterstützen. Obwohl das Modell der kapitalgedeckten Rentenversicherung das Beste ist, wäre eine Reform gemäß dem Mischnick-Plan schon eine Verbesserung. Auf jeden Fall muss das derzeitige, an der Geburtenrate gekoppelte Umlagesystem abgeschafft werden.

Es ist eine Schande, den Opfern dieses Systems selbst die Schuld zu geben. Der 72-jährige Autor Sven Kuntze meint, wer keine Kinder in die Welt setzt, habe sein „Recht auf Rente verwirkt“. Die heute 40-jährigen seien eine „schamlose Generation“, denn sie hätten „den Generationenvertrag aufgekündigt“. Wenn es etwas gibt, dass privat sein sollte, dann der Uterus einer Frau. Jeder sollte selbst entscheiden, ob er Kinder haben will oder nicht. Es gibt kein „zu viel“ oder „zu wenig“ Kinder. Und niemand sollte gezwungen werden, in dieses verbrecherische Schneeballsystem einzuzahlen, dass in orwellscher Verkehrung der Wahrheit „Solidargemeinschaft“ genannt wird. Das ist in etwa so, als hätte Madoff seine Anleger so bezeichnet.

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