Der kranke Mann am Bosporus

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan

Vom Premierminister zum Präsidenten: Recep Tayyip Erdogan

Niemand kann ernsthaft leugnen, dass Erdogan verrückt ist. In den letzten Jahren fiel er immer wieder durch eigenwillige Zitate auf (s. hier) und gab damit der historischen Bezeichnung „kranker Mann am Bosporus“ eine ganz neue Bedeutung. Aber dieses Jahr scheint er eine neue Stufe erreicht zu haben. Möglicherweise liegt es daran, dass er nun ein neues Amt bekleidet. Auf jeden Fall hat die Dichte an Erdoganismen in letzter Zeit deutlich zugenommen. Hier ein kleines Ranking der besten Erdogan-Zitate von 2014.

10. „Wir überlassen dieses Land nicht der Gnade von Youtube und Facebook“.

Am 7. März, als Erklärung warum er die sozialen Medien (in denen viele kritische Berichte erschienen waren) verbieten will.

9. „Ein Land im Süden zettelt Verschwörungen in der Türkei an“.

Am Dezember, über die zionistische Weltverschwörung, die angeblich mit dem Prediger Fetullah Gülen verbündet sei.

8. „Jene, die von außen in die islamische Welt kommen, mögen Öl, Gold und Diamanten, sie mögen billige Arbeitskräfte, und sie mögen Zwist und Streit. Sie wollen nicht, dass wir Dinge hinterfragen. Glaubt mir, sie mögen uns nicht. Sie sehen wie Freunde aus, aber sie wollen uns tot sehen, sie mögen es, unsere Kinder sterben zu sehen“.

Über den Westen, bei einem Treffen der COMCEC am 27. November.

7. „So etwas passiert eben. Wenn wir in die Geschichte gehen, sind in England 204 Menschen im Jahr 1862 gestorben. 361 Menschen im Jahr 1866. Wieder in England 290 Menschen im Jahr 1894. In solchen Minen passieren immer wieder solche Unfälle“.

Im Mai über das Grubenunglück in Soma. Einen Oppositionsantrag zur Untersuchung der Zustände in der Mine schmetterte die AKP ab.

6. „Ob sie es wollen oder nicht, diese Sprache wird in diesem Land wieder gelernt und gelehrt“.

Am 8. Dezember, über seine Forderung, die osmanische Sprache ohne lateinische Buchstaben wieder in den Schulen zu lehren (was er eigentlich gar nicht bestimmen kann, aber schon der Satz zeigt, was er von Rechtsstaatlichkeit hält).

5. „Wir werden Twitter auslöschen. Es ist mir egal, was die internationale Gemeinschaft sagt. Sie werden die Stärke der Türkischen Republik erleben“.

Kampfansage an Twitter, vom 23. März.

4. „Wenn der verpflichtende Religionsunterricht abgeschafft wird, werden Drogen, Abhängigkeit und Gewalt die Lücke füllen“.

Am 29. September, damit erklärte er seine Ablehnung, den verpflichtenden Religionsunterricht abzuschaffen (mittlerweile will er den Religionsunterricht ab der 1. Klasse verpflichtend machen).

3. „Muslimische Seeleute erreichten schon 1178 Amerika. Kolumbus selbst erwähnte eine Moschee auf einem Hügel an der Küste Kubas“.

In einem Treffen in Lateinamerika am 15. November.

2. „Man kann Frauen und Männer nicht gleichstellen. Das ist gegen die Natur“.

In einer Rede vor einem Frauenverband am 24. November.

1. „Die Israelis haben kein Gewissen, keine Ehre, keinen Stolz. Jene, die Hitler Tag und Nacht verurteilen, haben Hitler in Sachen Barbarei übertroffen“.

Über Israel, am 19. Juli.

7 Antworten to “Der kranke Mann am Bosporus”

  1. Martin Says:

    Tjo.,,, „der kranke Mann vom Bosporus“ ist eigentlich noch geschmeichelt.
    „Das gestörte Schnatteräffchen vom Bosporus“ wäre passender.

  2. Bohumil Rericha Says:

    Ja das ist Recht. Er ist auch gefährlich. Aber wir haben 3 kranke Männer in Europa sogg. Machokraten, Putin, Erdogan und Orbán

  3. aron2201sperber Says:

    Neulich schwelgte Putin in seiner Ansprache in pathetischem Nationalstolz und erklärt die Krim zum Tempelberg seiner russischen Religion, während Erdogan sich gar mit der islamischen Entdeckung Amerikas brüstete.

    Beide schwärmen von ihrer Größe und Unabhängigkeit und sehen sich als Opfer des neidischen Westens, der ihre Großartigkeit nicht anerkennen will.

    Weder Putin noch Erdogan sind jedoch dazu bereit, der Ausbreitung des Islamistischen Terrors etwas entgegenzusetzen, zumal sie nur an ihrem eigenen Machtanspruch interessiert sind.

    Im Übrigen sind jedoch auf lange Sicht gerade Russland und die Türkei vom Islamistischen Irrsinn selbst bedroht, was sie jedoch aus kurzsichtigen Beweggründen ignorieren.

  4. Bohumil Rericha Says:

    Lieber aron2201sperber: Absolut recht !!! Ich danke vielmals für solche Antwort !

  5. qwerty248 Says:

    nicht zu vergessen Le Pen

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