American Sniper

Der Film „American Sniper“ ist seit zwei Wochen in Deutschland im Kino. In Amerika ist er schon nach kurzer Zeit zum erfolgreichsten Kriegsfilm aller Zeiten avanciert. Dabei löste er eine hitzige Debatte aus, den es geht um die Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle, der im Irak angeblich 160 Menschen getötet hat.

Ich habe mir den Film angesehen und bin etwas überrascht über einige Kritikpunkte, die es an dem Film gab. Die Behauptung, der Film wäre Propaganda für den Irakkrieg, ist absurd. Das hätte man schon daran erkennen können, dass Clint Eastwood, der sich selbst als „libertarian“ bezeichnet, immer ein Gegner des Irakkriegs gewesen ist. Er äußerte dies auch nach Erscheinen des Films, in einem Interview mit dem Focus kritisierte er das gesamte amerikanische Engagement im Nahen Osten. Eastwood ist also frei von jedem Vorwurf, Propaganda für Bushs Außenpolitik machen zu wollen. Der Film ist kein Meisterwerk, aber schon ganz gut. Clint Eastwood ist ein guter Regisseur, das hat man schon bei „Gran Torino“ gesehen, sicher einer der besten Filme aller Zeiten.

Wenn man über American Sniper reden will, sollte man sich klarmachen: Chris Kyle war eine echte Person. Er war jemand, der wirklich glaubte, im Namen seines Landes in einen gerechten Krieg zu ziehen. Den Film zu kritisieren, weil der Hauptcharakter den Sinn des Krieges nicht anzweifelt, macht also wenig Sinn, denn: Ein Film über ihn muss seine Beweggründe richtig darstellen, selbst wenn er sie nicht teilt. Dennoch macht sich der Film nicht mit Kyles Anliegen gemein. Er zeigt wie Kyle, trotz seines Heldenstatus, durch den Krieg traumatisiert wird. Das ist die wahre Essenz des Films. Er ist keine Kriegspropaganda, ganz im Gegenteil: Er ist mehr ein Anti-Kriegsfilm.

Nachdem er von seinen Einsätzen zurückkehrt, ist Kyle stark traumatisiert. Er kommt im Alltag nicht mehr zurecht, eine Ehe bröckelt, seine Frau hält Kyles Mission, „seinem Land zu dienen“, für Schwachsinn, auch sein Bruder hält nichts vom Krieg. In der Front erlebt er den Tod von Kollegen und ist nach einigen Einsätzen emotional mitgenommen. Über den Kriegsalltag gibt der Film eine klare Botschaft: Krieg ist schrecklich. Wer Kriegsdienst für etwas Tolles hält, wird durch diesen Film eher abgeschreckt werden statt sich begeistert für die US Army zu melden. Dass Krieg schrecklich ist, ist jedoch eine Binsenweisheit. Kritisiert der Film auch den „Sinn“ des Krieges? Zu diesem Thema sagt der Film wenig aus – Kyle glaubt an den Sinn, seine Frau und viele andere nicht.

Warum gibt es so viel Kritik an dem Film? Möglicherweise ärgern sich einige, dass Kyles Gegner als Terroristen dargestellt werden, Kyle selbst sie „Wilde“ nennt und der Film sich nicht eindeutig gegen den Irakkrieg positioniert. Aber selbst als Gegner des Krieges sollte man anerkennen, dass es im Irak Terroristen gab und diese den sogenannten „irakischen Widerstand“ bildeten. Man kann bezweifeln, ob Kyles Opfer alle Terroristen waren, doch mit Sicherheit waren nicht alle unschuldig. Und dass der Film sich nicht eindeutig gegen den Irakkrieg positioniert, könnte auch daran liegen, dass ein Film in erster Linie unterhalten und nicht belehren soll (Eastwood selbst hat sich ja, wie bereits gesagt, eindeutig positioniert).

Ein Tweet von Michael Moore wurde von einigen als Kritik missverstanden. Moore meinte, Scharfschützen seien keine Helden, sondern Feiglinge. Sie würden Menschen in den Rücken schießen. Auch wenn Moore später seinen Kommentar klarstellte und den Film sogar lobte, liegt er meiner Meinung nach mit seiner Aussage falsch. Es geht doch nicht darum, ob eine Tat „mutig“ oder „feige“ (also mit Gefahr verbunden oder nicht) ausgeführt wird, sondern ob sie richtig ist. Wäre Kyle ein guter Mensch, wenn er seine Opfer von Angesicht zu Angesicht getötet hätte? Und wäre ein Scharfschütze, der Hitler in den Rücken geschossen hätte, ein schlechter Mensch? Feigheit reicht für eine Beurteilung nicht aus.

Meine persönliche Ansicht zu Kyle ist: Er hatte wohl, wie auch sein Verhalten zuhause zeigt (viele Barschlägereien), einen Hang zu Gewalt, und verbunden mit seinem Patriotismus kommt so eine Geschichte dabei heraus. „Seinem Land gedient“ hat er damit nicht, diese Floskel ist sowieso ziemlich inhaltsleer. Was man auch wissen muss ist, dass er seine Geschichte ausgeschmückt hat. In seinem Buch, auf dem der Film basiert, behauptete er u.a., er hätte in Texas zwei Autodiebe getötet und den Ex-Soldaten Jesse Ventura verprügelt, zwei falsche Behauptungen (für letztere musste er 1,9 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen). Das erinnert an einen Spruch, den ein Fußballtrainer über sein eigenes Buch sagte: „Vieles, was darin geschrieben wurde, ist auch wahr“.

American Sniper ist kein Meisterwerk, und er kommt auch nicht an andere Kriegsfilme heran, wie z.B. „Wege zum Ruhm“, dem meiner Meinung nach besten Kriegsfilm aller Zeiten. Der beste Film des vergangenen Jahres war meiner Meinung nach „Gone Girl“. Ein Thriller, bei dem es um die mutmaßliche Entführung einer Frau durch ihren eigenen Mann geht. Rosamund Pike spielte ihre Rolle perfekt, auch Ben Affleck war gut, damit hat er für mich seinen Auftritt in der Talkshow von Bill Maher mehr als wettgemacht. Auch „Nightcrawler“ war sehr gut, Jake Gyllenhaal finde ich schon seit „Donnie Darko“ einfach klasse. Leider hatte die Oscar-Jury andere Präferenzen.

4 Antworten to “American Sniper”

  1. Martin Luerssen Says:

    Eine Anmerkung. Wie das meiste, was Moore so von sich gibt, ist auch das Blödsinn: „Moore meinte, Scharfschützen seien keine Helden, sondern Feiglinge. Sie würden Menschen in den Rücken schießen. “

    Scharfschützen arbeiten im Gegensatz zu anderen Soldaten häufig alleine bzw. im kleinen 2-Mann Team hinter den feindlichen Linien. Alleine in die Front oder hinter die Front einzudringen, hat mit Feigheit rein gar nichts zu tun.

    Und Scharfschützen kämpfen praktisch grundsätzlich in der Unterzahl, auch nicht grade ein Merkmal von Feigheit,

    Und durch besondere „Feigheit“ haben sich bestimmt auch diese beiden ausgezeichnet. Beides Scharfschützen. Moore ist halt ein typisch feiges linksextremes Arschloch, der seine eigenen Defizite auf seine Feindbilder projiziert.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Randy_Shughart
    http://en.wikipedia.org/wiki/Gary_Gordon

  2. bevanite Says:

    Ähnliche Debatten gab es vor ein paar Jahren ja auch zu den Filmen „The Hurt Locker“ und „Zero Dark Thirty“ von Kathryn Bigelow. Bei „Zero Dark Thirty“ wurde u.a. diskutiert, ob Folterer in dem Film als zu menschlich dargestellt werden. Aber gerade solche ambivalenten Abbildungen bringen das ganze Szenario ja noch stärker auf den Punkt.

  3. Dennis gurt Says:

    Mich würde interessieren wie du die Serie The Wire findest?

    • arprin Says:

      Ich habe bis jetzt nur die erste Stafffel gesehen. War ganz gut, aber nicht spektakulär für mich. Mal sehen, ob ich mal Zeit für die anderen Staffeln habe.

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