Der historische Relativismus

Die amerikanischen Gründungsväter stimmten für Freiheit und Sklaverei

Zu den schlimmsten Auswüchsen moderner Geistesgrößen gehört der Kulturrelativismus. Diese Geisteshaltung geht davon aus, dass es keine allgemeingültigen Werte gibt, die für alle Kulturkreise gelten sollen, stattdessen hat jede Kultur ihre eigenen Werte, die weder besser noch schlechter sind als die von anderen Kulturen. Es geht dabei nicht um eine Diskussion über Naturrecht und Rechtspositivismus, sondern um die Frage, ob es überhaupt Werturteile geben kann, die man nicht mit einer andersartigen Kultur entschuldigen kann. Vor allem in der Islamdebatte hört man gelegentlich kulturrelativistische Positionen, mit denen archaische Rituale und Wertvorstellungen in der islamischen Welt verharmlost werden.

Bei solchen Argumenten sträuben sich den Islamkritikern die Haare. Die Meinungsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Abschaffung der Folter sind zivilisatorische Werte, die nicht verhandelbar sein dürfen. Recht haben sie. In diesen Fragen kann es keine Kompromisse geben. Es gibt auch viele säkulare Muslime, die das so sehen, und diese Werte verteidigen. Gleichzeitig bewundern sie jedoch Mohamed, einen Kriegsherrn, der Ungläubige und Blasphemiker töten ließ und Frauen als dem Mann untergeordnete Wesen ansah. Für Islamkritiker ist das ein Widerspruch: Man kann nicht gleichzeitig für Meinungsfreiheit, der Gleichberechtigung von Mann und Frau oder der Abschaffung der Folter einstehen und Mohamed bewundern.

Auch hier haben die Islamkritiker Recht. Mohamed hatte nichts mit den Werten der Aufklärung gemein. Islam und Aufklärung sind völlig unvereinbar. Insofern sind Leute, die sich gleichzeitig für aufgeklärt halten und Mohamed bewundern, Heuchler. Aber bei genauerer Betrachtung sind das auch viele Islamkritiker. Denn Mohamed ist nicht der einzige Mensch, der von Menschen im 21. Jahrhundert bewundert wird, die teilweise extrem verschiedene Ansichten haben. Im Westen genießen historische Persönlichkeiten wie Martin Luther, Friedrich der Große oder George Washington hohes Ansehen, in Russland wird Peter der Große verehrt. Würden diese Personen heute leben, würde man ihre Leistungen dagegen sicher anders bewerten.

Der Grund für diese Diskrepanz ist eine andere Form von Relativismus: Der historische Relativismus. Während Kulturrelativisten Verbrechen damit entschuldigen, dass die Täter nunmal aus einer anderen Kultur stammen, entschuldigen sie historische Relativisten damit, dass die Täter nunmal aus einer anderen Zeit stammten. Beides ist jedoch grundfalsch. Es spielt nämlich keine Rolle, wo oder wann Verbrechen begangen wurden, sondern nur, ob es Verbrechen sind. Besonders absurd ist es, Verbrechen mit historischem Relativismus zu entschuldigen und gleichzeitig Kulturrelativismus zu verurteilen. Denn wie kann es falsch sein, wenn Herrscher heute mit Gewalt und Terror herrschen, wenn es nicht falsch war, als es Könige vor Jahrhunderten taten?

Wenn etwas ein Verbrechen ist, dann ist es immer ein Verbrechen, egal zu welcher Zeit es verübt wurde. Wenn die Forderung, Hexen und Juden zu verbrennen falsch ist, war es auch zu Martin Luthers Zeiten falsch. Wenn Sklaverei und Völkermord an den Ureinwohnern eines Landes falsch ist, war es auch zu George Washingtons, Thomas Jeffersons und Andrew Jacksons Zeiten falsch. Wenn es falsch ist, ein Diktator und Kriegstreiber zu sein, war es auch zu den Zeiten von Friedrich der Große falsch. Es gibt hier keine Kompromisse, keine Entschuldigungen, nichts. Wer will denn ernsthaft behaupten, Krieg und Völkermord seien früher nicht schlecht gewesen, sondern erst, als die Philosophen der Aufklärung sie schlecht machten?

Eine andere Rechtfertigung für den historischen Relativismus ist die Feststellung, dass einige dieser Gewaltherrscher immerhin besser gewesen wären als ihre Vorgänger und ihre Länder modernisiert hätten. Das trifft z.B. auf Könige wie Peter der Große zu oder das meistgenannte Beispiel für einen „aufgeklärten Despoten“, Friedrich der Große. Sicher gab es Herrscher, die ein Fortschritt zu ihren Vorgängern waren (das trifft vielleicht auch auf Mohamed zu). Es ist jedoch ein gewaltiger Unterschied, ob man einen Herrscher als das „kleinere Übel“ ansieht oder ob man ihn als Idol und perfekten Menschen bewundert und alle seine Verbrechen entschuldigt. Auch heute gibt es Despoten, die weniger schlimm sind als andere, ohne dass es eine Notwendigkeit gibt, sie zu bewundern.

Im Übrigen denke ich, dass es absolut möglich war, schon vor Jahrhunderten dieselben moralischen Werte zu haben wie heute. John Locke hat bereits im Jahr 1690 die Individualrechte formuliert, so wie wir sie heute kennen. Schon zuvor hatte die spanische „Schule von Salamanca“ die Rechtmäßigkeit der spanischen Eroberungen in Amerika negiert, da das Land den Indianern gehöre, die als Menschen dieselben Rechte hätten wie alle anderen Menschen. Der altgriechische Philosoph Zenon von Kition, Begründer des Stoizismus, hat schon vor 2300 Jahren klassisch liberale Standpunkte vertreten und jegliche Form von Herrschaft abgelehnt. Dass sich diese Ansichten so gut wie nie durchsetzten, heißt nicht, dass es sie nicht gab.

Ein letztes Argument, mit denen man den historischen Relativismus verteidigt, ist: Wir wissen nicht, welche als normal geltende Verhalten in Zukunft als barbarisch gelten werden. Vielleicht wird man in Zukunft mit Entsetzen auf die Zeit zurückblicken, in der Menschen Tiere schlachteten, um ihr Fleisch zu essen. Aber dies ist ein technisches, kein moralisches Problem. Das Leid der Tiere in der Massentierhaltung könnte in Zukunft dank moderner Biotechnologie (also die Entwicklung von künstlichem Fleisch und künstlicher Milch) beseitigt werden. Aber auch dann werden Tiere keine Rechte haben können, da sie nunmal nicht fähig sind, vernünftig zu denken und somit Mündigkeit zu entwickeln.

Bei all diesen Gedanken stellt sich letztlich die Frage, wie wichtig sie für unsere heutige Zeit sind. Es gibt ja nur wenige Gruppen wie die Salafisten, die ihre Verehrung für historische Personen so begreifen, dass sie ihre Wertvorstellungen komplett auf heute übertragen wollen. Bei den Simpsons gibt es eine Folge, in der Lisa herausfindet, dass der Held der Stadt, Jebediah, eigentlich ein Pirat war. Sie beschließt, dies der Stadt mitzuteilen, macht aber in letzter Sekunde einen Rückzieher, da sie nicht will, dass die Bürger den Glauben an das große Symbol der Stadt verlieren. Die meisten Menschen denken wohl so über verehrte Persönlichkeiten aus früherer Zeit. Sie sind nur Symbole. Doch aus Respekt vor den Opfern sollte man die historische Wahrheit über sie nicht verschweigen.

42 Antworten to “Der historische Relativismus”

  1. Juergen Rettel Says:

    Lieber arprin, es gibt wissenschaftlich keine Objektivität, nur Intersubjektivität, d.h.eine Gruppe von Menschen einigt sich darauf, dass dies oder jenes als richtig gilt.
    Deshalb gibt es ja auch in der Wissenschaft „Schulen“. Und in Glaubensfragen Religionen.
    Rechtspositivismus sagt nur, dass in einer Gesellschaft das verfasste Recht gültig ist. Nulla poena sine lege, es gibt kein ungeschriebenes Recht.
    Eigentum ist eine Konvention, in der Natur gibt es kein Eigentum.

    • arprin Says:

      es gibt wissenschaftlich keine Objektivität

      Doch, es gibt objektive Wahrheiten, z.B. bei den Naturwissenschaften.

      eine Gruppe von Menschen einigt sich darauf, dass dies oder jenes als richtig gilt.

      Wenn es so wäre, dürfte man niemanden moralisch verurteilen. Die Auffassung, dass man keine Menschen töten darf, die einen nicht bedrohen, wäre dann nur eine Konvention, die nur gilt, solange sich alle darauf einigen.

      • Molot Says:

        @arprin
        Die Auffassung, dass man keine Menschen töten darf, die einen nicht bedrohen, wäre dann nur eine Konvention, die nur gilt, solange sich alle darauf einigen.

        Genau so ist das!
        In dem Falle aber eine extrem starke Konvention, da (fast ) alle Menschen an ihrem Leben hängen und jeder auch eines zu verlieren hat.

      • arprin Says:

        Wenn also eine Mehrheit der Meinung ist, dass man Menschen töten darf, die keine Bedrohung sind, ist Mord nicht verurteilenswert?

      • Molot Says:

        @arprin
        Sie schmeißen da etwas durcheinander in Ihrem
        „demokratischen Mehrheitswahn“.
        Eine Konvention gilt für die, welche sich ihr anschließen. Mit Mehrheiten hat das überhaupt nichts zu tun.

      • Carl Eugen Says:

        Das ist weder eine Frage von Mehrheiten, noch von Konventionen, sondern eine Frage der Moral. Moral beruht nicht auf Konventionen, das ist der Unterschied zwischen Moral und Sitte.

    • Juergen Rettel Says:

      1. Auch die Naturwissenschaften beruhen auf intersubjektiven Übereinkünften, ihren Axiomen.
      2. Ethik sind Werte, Moral ist in Gesetze gefasste Ethik. Schon die Werte sind intersubjektive Vereinbarung, Natur und Tiere haben keine Werte.
      „Die Zahlen sind vom lieben Gott, alles andere ist Menschenwerk“ (R.Dedekind).

      • Carl Eugen Says:

        Für Naturwissenschaften gilt: sie sind empirische Wissenschaften, welche keine Wahrheit schlechthin festzustellen in der Lage sind. D.h. nicht, daß es keine Wahrheit gibt, im Gegenteil setzt jeder Wahrscheinlichkeitsbegriff, jede empirische Methode, jede Falsifikationstheorie einen Begriff von objektiver Wahrheit zwingend voraus.
        Ethik ist normative Theorie, also etwas ganz anderes und nicht empirisch zu begründen. Werte mögen inhaltlich Vereinbarungen sein, moralische Gesetze (Gebote) sind es nicht.

      • Juergen Rettel Says:

        Schmunzel, Carl Eugen, was für die Naturwissenschaften gilt, gilt auch für Geisteswisenschaften. Auch diese besitzen keine objektive Wahrheit. Die Falsifikation setzt z.B. einen Satz vom ausgeschlossenn Dritten voraus, also eine zweiwertige Logik.
        Ethik ist ein Wertsystem, Moral sind die abgeleiteten Ausführungsanweisungen zu den Werten als Gebote. Ethik und Moral sind reine Konventionen.

    • Juergen Rettel Says:

      „Aber auch dann werden Tiere keine Rechte haben können, da sie nunmal nicht fähig sind, vernünftig zu denken und somit Mündigkeit zu entwickeln.“
      1. Woher wollen Sie das wissen ?
      2. Denken denn die Menschen vernünftig ?

      • Enrico Says:

        zu 1) Statt eine Frage zu stellen könnten Sie die Aussage einfach widerlegen, indem sie ein vernunftbegabtes Tier benennen.

        zu 2) Die Frage nach der Denkweise von Menschen hat keinen Einfluss darauf, ob Tiere vernünftig Denken können. Es gibt eine einigermaßen brauchbare Definition von Vernunft, die man für eine Entscheidung heranziehen kann.

      • arprin Says:

        Tiere können nunmal nicht vernünftig denken, das ist Fakt. Menschen können es sehr wohl (außer bei Menschen mit geistigen Behinderungen, die dann auch nicht mündig sind), auch wenn sie natürlich nicht immer vernünftige Entscheidungen treffen.

      • Juergen Rettel Says:

        Enrico, arprin stellt eine Behauptung auf, die er nicht beweisen kann. Die braucht man auch nicht zu widerlegen, sondern erst einmal nur zu hinterfragen.
        Die Gegenbehauptung ist, der Mensch ist das unvernünftigste Säugetier, es führt Kriege ohne jegliche Moral.

      • Carl Eugen Says:

        Tiere haben keine Vernunft. Woher man das weiß? Das ist doch völlig trivial. Tiere handeln nicht aus Pflicht, also nach moralischen Gesetzen, sondern aus ganz anderen Motiven. Tiere haben auch keine Theorie der Moral oder der Erkenntnis entwickelt, weil sie nicht in der Lage sind, Denken von Umwelt abzulösen und auf eine Metaebene zu lenken. Wir wissen in der Tat, daß Tiere nicht vernunftbegabt sind, schon weil sie nicht „wissen“ daß wir es sind.

      • arprin Says:

        Tiere haben keine Vernunft. Woher man das weiß? Das ist doch völlig trivial.

        Ja, das ist völlig trivial. Es ist erstaunlich, dass einige das wirklich anzweifeln.

      • Juergen Rettel Says:

        arprin, Sie stellen ein unbewiesene These auf, womit ihre Ableitungen ebenfalls unbewiesen sind. Es gibt Affenarten, die Werkzeuge herstellen.
        Thesen ohne Beweis sind grds.Lügen.🙂

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        @Juergen Rettel: „Es gibt Affenarten, die Werkzeuge herstellen.“

        Was lediglich eine gewisse Intelligenz beweist, jedoch keine Vernunft.

      • Juergen Rettel Says:

        Vernunft und Intelligenz sind einfach Synonyme. Ein neues Wort schafft noch KEINEN neuen Begriff.🙂

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        @Juergen Rettel: „Vernunft und Intelligenz sind einfach Synonyme.“

        Lediglich für den, der davon ausgeschlossen ist.

      • Juergen Rettel Says:

        Gutartige Geschwulst, es ist ein Zeichen fehlenden Verstandes, Synonyme nicht zu erkennen. Jetzt haben wir schon 3, Intelligenz, Vernunft und Verstand.
        Begriffe ändern sich nicht, wenn man ein neues Wort erfindet.🙂

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        @Schmunzler

        Leider können wir hier nicht alles nachholen, was Ihr Deutschlehrer vermasselt hat.

      • Juergen Rettel Says:

        Was Ihr Deutschlehrer bei Ihnen verpasst hat, ist, dass Synonyme keine verschiedenen Begriffe sind, sondern nur Worte. Und eben Fehlschlüsse entstehen, wenn man Synonyme veschieden interpretiert.🙂

  2. freeman Says:

    Ein Unterschied zwischen historischem und Kulturrelativismus ist, daß ersterer immer nur ex-post funktioniert:

    Natürlich können sich heutige Physiker über Newton lustig machen, der die relativistischen Effekte in seinen Formeln „vergaß“ – Tatsache ist aber, daß jener einer der „Giganten“ ist auf dessen Schultern sie selbst – oft genug als Zwerge – stehen.

    Dieses Beispiel hat natürlich keine moralische Komponente und ist einfacher.

    Wenn man aber Julius Cäsar als einen Warlord sieht, der ganze Völker ausgeplündert und versklavt hat und seinen eigene Heimat in eine Militärdiktatur verwandelte, ist das zweifellos richtig, nur wird diese Sichtweise der ganzen historischen Bedeutung halt auch nicht wirklich gerecht.

    Eine einseitig revisionistische, nichtrelative Sichtweise führt IMHO zu einem historischen Nihilismus, der im Endeffekt noch zerstörerischer ist, als die Konsequenz der klassischen „Heldenverehrung“.

    Wichtig ist, daß man sich beider Aspekte historischer Persönlichkeiten bewusst ist.

    • arprin Says:

      Wie gesagt: Man kann bestimmte Herrscher als „das kleinere Übel“ bezeichnen, wenn sie es wirklich waren. Das geht auch mit modernen Herrschern. Aber es ist nicht falsch, sie für ihre Kriege, Völkermorde und Unterdrückung der Bevölkerung moralisch zu verurteilen.

      Cäsar ist kein gutes Beispiel für ein „kleineres Übel“. Seine Völkermorde in Gallien waren auch für die damalige Zeit besonders grausam. Römische Politiker wie Cato forderten sogar, Cäsar an die germanischen Stämme auszuliefern.

  3. Molot Says:

    „Es spielt nämlich keine Rolle, wo oder wann Verbrechen begangen wurden, sondern nur, ob es Verbrechen sind.“

    Verzeihung, aber das ist augesprochener Blödsinn!
    Wenn Sie im Jahr 1980 versucht hätten über die berliner Mauer zu klettern, dann wäre das in Ostberlin ein Vebrechen gewesen. In Westberlin hingegen nicht. Der selbe Versuch wäre im Jahr 1990 weder in ost noch in Westberlin ein Verbrechen gewesen.
    Wenn Sie im Jahre 1930 in San Franzisko jemandem eine Pulle Wodka verkauft hätten, dann wäre das ein Verbrechen gewesen. in Moskau jedoch nicht. In Moskau wäre es aber 1930 ein Verbrechen gewesen , Jemandem einen Revolver zu verkaufen. In San Franzisko wäre das aber kein Verbrechen gewesen. Im Jahre 1910 wäre es weder in Moskau noch in San Franzisko ein Verbrechen gewesen Wodka oder Revolver zu verkaufen.

    • Gutartiges Geschwulst Says:

      Sie irren sich, @Molot. Ein Verbrechen ist IMMER ein Verbrechen, besonders dann, wenn säuische Machthaber ihre kriminellen Neigungen zum Gesetz machen können.
      Daher spielt es keine Rolle, was wann und wo Gesetz war.
      Gerechtigkeit trennt den Menschen vom Tier, nicht Gesetze.

      • Molot Says:

        @Gutartiges Geschwulst
        „Ein Verbrechen ist IMMER ein Verbrechen, …..“

        Was wollen sie damit sagen? Daß es auch heute noch ein Verbrechen sei, den Mauerstreifen in Berlin zu überschreiten?
        Oder, daß es einer ganz eigenen (göttlichen) Definition bedarf, was denn ein Verbrechen sei und was nicht?
        Im letzteren Falle müßten Sie mir nur noch die Instanz nennen, welche Sie für befähigt und berechtigt halten, eine solche allgültige Definition zu erstellen und durchzusetzen?

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        @Molot: „Wenn Sie im Jahr 1980 versucht hätten über die berliner Mauer zu klettern, dann wäre das in Ostberlin ein Vebrechen gewesen.“

        Nein, es wäre KEIN Verbrechen gewesen (weder in Ostberlin noch sonstwo), sondern ein Gesetzesbruch.
        Sie verkennen den Unterschied zwischen Recht und Gesetz.
        Jeder Mafiaboss kann seine eigenen Gesetze definieren, mit entsprechender Macht durchsetzen, und Andere zu Verbrechern erklären, was indessen nichts mit Recht zu tun hat.
        Wenn Gesetz und Recht dasselbe wären, brauchte es dafür keine zwei Wörter zu geben.

        @Molot: „Oder, daß es einer ganz eigenen (göttlichen) Definition bedarf, was denn ein Verbrechen sei und was nicht?
        Im letzteren Falle müßten Sie mir nur noch die Instanz nennen, welche Sie für befähigt und berechtigt halten, eine solche allgültige Definition zu erstellen und durchzusetzen?“

        Mal andersrum gefragt, Molot, gibt es einen Menschen, den Sie lieben (Kind, Lebens-Gefährtin -Gefährten, Mutter)?
        Angenommen Ihr geliebter Mensch würde vergewaltigt, gefoltert, getötet und anschließend mit Genuss verspeist.
        Würden Sie die Täter als Verbrecher bezeichnen?
        Natürlich nicht!
        Sie würden darauf bestehen,
        „daß es einer ganz eigenen (göttlichen) Definition bedarf, was denn ein Verbrechen sei und was nicht“
        , und verlangen dass Ihnen
        „die Instanz“
        genannt würde, die es wagt solche
        „allgültige Definition zu erstellen“.
        Mir kann´s egal sein, Molot. Glücklicherweise lieben Sie mich nicht.

      • Juergen Rettel Says:

        Sie irren sich einfach, es gibt KEINE absolute Ethik. Ethik wird von einer Gruppe in eine Verfassung geformt, die Moral sind dann die Ausführungsgesetze.
        Die Instanz ist die Gruppe, die Moral das Gesetz.
        Das ist zumindest seit der Aufklärung liberales Grundverständnis, Recht statt Willkür !

      • Molot Says:

        @Gutartiges Geschwulst
        Ziemlich konfus, was sie da geschrieben haben, vielleicht sortieren Sie Ihre Gedanken noch mal und versuchen, meine Frage zu beantworten.

        „Würden Sie die Täter als Verbrecher bezeichnen?
        Natürlich nicht!“

        Natürlich würde ich sie als Verbrecher bezeichnen. aber das ist meine ganz persönliche Meinung dazu, ich bezeichne nämlich auch das Erheben und Eintreiben von Steuern, z.B. als Verbrechen oder die zwangs-Indoktrination unschuldiger Kinder mit kommunistischem Gedankengut in Schulen!

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        @Molot: „…, vielleicht sortieren Sie Ihre Gedanken noch mal und versuchen, meine Frage zu beantworten.“

        Ihre Frage habe ich dadurch beantwortet, dass ich zwischen Gesetz und Recht unterschied.
        Abgesehen davon, stimme ich dem letzten Absatz Ihres Kommentars, wie Ihren früheren Kommentaren, völlig zu.

      • Juergen Rettel Says:

        Man kann nicht zwischen Recht und Gesetz unterscheiden.

    • arprin Says:

      Genau darum ging es mir doch:
      Ein Verbrechen ist immer ein Verbrechen, egal welche Gesetze in dem Land herrschen. Gesetze können Unrecht nicht reinwaschen, egal ob die Berliner Mauer, die Prohibition oder anderes.

    • Juergen Rettel Says:

      Ein Verbrechen wird nur durch ein Gesetz definiert. Nulla poena sine lege. Und was NICHT ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Das ist der Liberalismus des Rechtes.
      Unrecht ist, wenn alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.
      Schon Sie,lieber arprin, beweisen mit dieser Diskussion, dass alles intersubjektiv nur ist, nicht objektiv.
      Philosophie ist die Suche nach Wahrheit, Ideologie erhebt den Anspruch auf Wahrheit, Religion leitet diesen als göttliche Offenbarung ab.

  4. Juergen Rettel Says:

    Schon Archimedes sagte: „Gebt mir einen festen Punkt im Weltall, und ich werde die Welt aus den Angeln heben.“
    Es gibt aber keinen festen Punkt, daher ist alles relativ und nur intersubjektiv.
    Und das ist auch Urliberal, es heißt Vertragsfreiheit. Jede Gesellschaft hat die Freiheit, seine eigene Ethik (Werte) und Moral (Gesetze) vertraglich frei zu vereinbaren.
    Das ist Demokratie. Diktatur ist, statt eines Vertrages eine sog. Moral (Ideologie) aufzuzwingen.

    Auch die Volkswirtschaft ist relativ, das BIP ist kein Maßstab, aber das Preisniveau BIP pro Kopf dividiert durch den Existenzbedarf pro Kopf ist ein Maßstab für erreichten Wohlstand, also ein relativer Index. Und der Kehrwert des Preisniveaus ist der Steuersatz für einen Familienausgleich des Existenzbedarfes.
    Kein Sozialstaat ist Sozialstaat = 0, aber Sozialstaat = 0 ist auch Sozialstaat = Familienausgleich = 0!
    D.h. der Sozialstaat ist die Gauß-Methode der kleinsten Fehlerquadrate als Familienausgleich der Einkommen. Er kostet volkswirtschaftlich rein gar nichts, beeinträchtigt also nicht den Markt.🙂

  5. Gutartiges Geschwulst Says:

    @Juergen Rettel: „.., der Mensch ist das unvernünftigste Säugetier, es führt Kriege ohne jegliche Moral.“
    @Juergen Rettel: „Ethik wird von einer Gruppe in eine Verfassung geformt, die Moral sind dann die Ausführungsgesetze.“

    Wieso kann es dann „Kriege ohne jegliche Moral“ geben?

    • Juergen Rettel Says:

      Im Krieg gelten keine Werte und Gesetze, nur töten ist die Grundbasis jeden Krieges. Zwischen den Kriegsparteien gibt es auch keine ethische Basis.

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        @Juergen Rettel

        Kriege werden durch Gesetzeskraft befohlen und ausgeführt. Ja oder nein?
        Laut IHRER Aussage, der ich mich ausdrücklich nicht anschließe, wird Ethik „von einer Gruppe in eine Verfassung geformt“ und „die Moral sind dann die Ausführungsgesetze“.
        Nochmals gefragt: Wieso kann es dann “Kriege ohne jegliche Moral” geben?
        In schmalbrüstiger Erwartung einer intelligenten Antwort:
        Ihr
        G.G.

        P.S.
        Für inhaltsleere Korinthenkackerei pflege ich mich normalerweise nicht zu interessieren.

      • Juergen Rettel Says:

        Kriege werden nicht durch Gesetzeskraft geführt, sondern treten in D entweder als Verteidigungsfall ein oder durch ein Mandat des Parlamentes für einen bewaffneten Einsatz.
        In den USA ist das anders, der Präsident als commander-in-chief kann jederzeit eigenmächtig Kriege erklären.

        Man versucht zwar z.Zt., für Kriege völkerrechtlich UN-Mandate einzuführen, aber die USA haben für ihre Staatsbürger Immunität gegenüber Kriegen UND Kriegsverbechen bisher durchgesetzt. Insofern sind Kriege menschliche Handlungen jenseits jeder Moral.

        Ob Sie sich meiner Meinug anschließen oder nicht, eine Gesellschaft legt ihr Ethiksystem in einer Verfassung nieder und die Moral aus der Verfassung in Gesetze.
        Deshalb gibt es ja in D in BVerfG, dass die Konformität der Moral mit der Ethik überprüft.
        Zugleich beweisen Sie mit Ihrer dissent opinion nur, das Ethik und Moral nur intersubjektiv sind, nicht objektiv.

  6. spreemaradona Says:

    Historischer Relativismus in Reinform:

    http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/10/karl-marx-denker-harald-martenstein

    Aber der Mann diskreditiert sich intellektuell schon seit längerem selbst:

    http://www.tagesspiegel.de/meinung/nach-vorwuerfen-gegen-jakob-augstein-ich-will-auch-auf-die-antisemiten-liste/7592230.html

    http://www.tagesspiegel.de/politik/harald-martenstein-klaus-und-heinz-der-alte-grieche/11507832.html

    • arprin Says:

      In der Tat. Es gibt keine Rechtfertigung für Marx‘ Vernichtungsphantasien (Wobei ich den Marxismus nur anhand der marxistischen Schriften kritisieren würde und nicht anhand der privaten Ansichten von Marx).

    • Juergen Rettel Says:

      Umso schlimmer für Sie, den Marxismus als Antithese zum Kapitalismus kann man begründen, den Marx´schen Rechtsextremismus jedoch NICHT.
      Übrigens ist die Frage zwischen Marxismus und Kapitalismus nur eine Frage des Steuersatzes bei bGE = Steuersatz * Prokopfeinkommen:
      Steuersatz 0 ist Kapitalismus, Steuersatz 100 ist Marxismus, Steuersatz 50 % ist Soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard, Lohn und Ertrag entwickeln sich gleich zur Produktivität = Prokopfeinkommen.
      Die Sanktionen bei HartzIV sind ein illiberaler Eingriff in die Freie Marktwirtschaft bei der Aushandlung eines Lohnes, d.h. reiner Marxismus !

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