Coca-Cola gegen den Kommunismus

Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

Der eine ist tot, der andere schon bald

Nachdem Obama ankündigte, das seit 1960 bestehende Handelsembargo gegen Kuba aufheben oder zumindest lockern zu wollen, fanden sich viele Stimmen, die diesen Schritt verurteilten. Die kubanische Diktatur würde damit aufgewertet, ja, man würde sie für ihre andauernden Menschenrechtsverletzungen sogar belohnen. Nicht nur aus dem Lager der Republikaner und der Exilkubaner vernahm man solche Mahnungen, sondern auch von einigen Mitgliedern der Opposition in Kuba, die bemängelten, es hätte in letzter Zeit keine Verbesserung in der Menschenrechtslage gegeben, weswegen dieser Schritt zur falschen Zeit kommen würde. Die Befürworter des Embargos meinten also: Erst müsse Kuba Reformen machen, dann könnte man darüber nachdenken, das Embargo zu lockern oder aufzuheben.

Die Embargo-Befürworter sollten sich eine wichtige Frage stellen: Hat das Embargo, geholfen, Reformen in Kuba einzuleiten? Die traurige Antwort darauf lautet: Nein, keineswegs. Und obwohl die Misere der kubanischen Wirtschaft hauptsächlich auf die desaströse Planwirtschaft zurückzuführen ist, hat das Embargo auch dazu beigetragen, den Kubanern Möglichkeiten zu verwehren, an Wohlstand zu gelangen. Die Behauptung, dass das Embargo nur das kubanische Regime trifft, ist nicht zutreffend. Das Embargo verbietet nicht nur Waffenlieferungen und richtet sich nicht nur gegen Regierungsvertreter – solche Sanktionen gegen totalitäre Diktaturen haben sicher ihre Berechtigung – sondern auch gegen kubanische Bürger, denen es erschwert wird, mit Amerikanern Handel zu treiben.

Die USA sind der größte Markt der Welt. Durch das Embargo werden Millionen Amerikaner davon abgehalten, kubanische Waren zu kaufen und damit der kubanischen Wirtschaft zu helfen. Das bekannteste Beispiel ist das Verbot, kubanische Zigarren zu importieren. Es soll der Freiheit in Kuba helfen, wenn man den kubanischen Bürgern verbietet, Zigarren in die USA zu verkaufen? Eine absurde Logik. Schließlich unterdrückt das Embargo auch die amerikanischen Bürger, die ja in ihrer Kauffreiheit behindert werden, und denen auch eine normale Reise nach Kuba erschwert wird. Der US-Senator Jeff Flake sagte dazu schon 2011 treffend: “Wenn jemand meine Reisefreiheit einschränkt, sollte es eine kommunistische Regierung sein, nicht meine eigene.”

Zu allem Überfluss war es auch ein Propagandaerfolg für das kubanische Regime, denn es hatte nun eine perfekte Ausrede für ihr Scheitern, wie man an vielen ihrer Verlautbarungen in internationalen Gremien sieht. Es gibt viele Beispiele für Länder, die sich trotz umfassender Sanktionen für zivile Güter und Dienstleistungen nicht geöffnet haben. Diktaturen wie der Irak unter Saddam oder Simbabwe unter Mugabe hätten sich auch ohne Sanktionen nicht geöffnet, die Sanktionen waren wirkungslos und wurden von den Regierungen für ihre Legitimierung instrumentalisiert. So ließ Saddam tote Kinder durch die Straßen führen, die er zu Opfern der Sanktionen erklärte, während er sich Paläste bauen ließ.

Dazu muss man sagen, dass Sanktionen sicher oft zu schweren Wirtschaftskrisen in den betroffenen Ländern führen, doch das allein kann eine Diktatur meist nicht zum Einlenken bringen. So war es auch nicht das völlig verarmte Kuba, das hinter der neuen diplomatischen Initiative steckt, sondern die Obama-Regierung. Das kubanische Volk hat also in den letzten 55 Jahren weder wirtschaftlich noch politisch vom Embargo profitiert, dafür aber viel Schaden erlitten. Warum sollte es dann aufrechterhalten werden? Im Gegenzug gibt es viele Beispiele für Länder, die dank Freihandel aus ihrer Isolation geholt wurden, wirtschaftlich prosperierten und sich politisch annäherten.

China und Amerika haben dermaßen umfassende Handelsbeziehungen aufgebaut, dass ein Krieg zwischen beiden Ländern völlig ausgeschlossen ist – denn es wäre schlecht für das Geschäft. Das so wie China offiziell noch immer kommunistische Vietnam begann kurz nach dem Ende des Kriegs 1975, seine Wirtschaft zu öffnen und nahm 20 Jahre später diplomatische Beziehungen zu den USA auf. Was wird passieren, wenn das Embargo gegen Kuba aufgehoben wird? Die Anzahl der Amerikaner, die Kuba besuchen, könnte sich verzehnfachen. Fluggesellschaften, Kreuzfahrtlinien und Hotelketten würden davon profitieren, und durch die neue Welle des Tourismus würden neue Arbeitsplätze für die Kubaner entstehen.

Im Bereich der Informationstechnologie würden die Kubaner, die nur langsam in den Genuss von Internet und Handys kommen, mit amerikanischer Hilfe endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Auch hätten die kubanischen Unternehmen mehr Zugang zum Weltmarkt und könnten so an wichtiges Know-how gelangen. Schon heute sind die USA trotz des Embargos einer der wichtigsten Handelspartner Kubas. Wir können also ein großes Wirtschaftswachstum für Kuba erwarten, von dem die breite Bevölkerung profitiert. Der Ansturm amerikanischer Geschäftsmänner in Kuba wäre aber auch eine große ideologische Niederlage für den Kommunismus.

Jahrzehntelang porträtierte das kubanische Regime die USA als den großen Klassenfeind, als dekadentes Imperium, dessen Untergang kurz bevorsteht. Das Imperium ist nicht untergegangen, dafür aber nahezu alle kommunistischen Staaten, und als besonders große Demütigung wollen die Kubaner nun Geschäfte mit dem Imperium machen, um ihr eigenes Land vor dem Untergang zu bewahren (da Venezuela derzeit seine Hilfen für Kuba aufgrund der schweren Krise im eigenen Land zurückfährt). Unter Raul Castro hat das Regime bereits einige Reformen in Richtung Marktwirtschaft unternommen. Der revolutionäre Charme der Insel wird verschwinden, wenn die Kubaner nun auch noch anfangen, Coca-Cola zu trinken und moderne Autos statt der Oldtimer zu fahren.

5 Antworten to “Coca-Cola gegen den Kommunismus”

  1. Gutartiges Geschwulst Says:

    Erneut Vielen Dank, Arprin, für einen weiteren lesenswerten Beitrag, an dem mich allerdings dieser Satz stört:

    „China und Amerika haben dermaßen umfassende Handelsbeziehungen aufgebaut, dass ein Krieg zwischen beiden Ländern völlig ausgeschlossen ist – denn es wäre schlecht für das Geschäft.“

    Nu ja, ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass finanzielle und wirtschaftliche Verflechtungen eben keine Kriege verhindern.

    • Gutartiges Geschwulst Says:

      Eh, dass ich´s vergesse:
      1910 erschien das in elf Sprachen übersetze Buch: „Die große Illusion”, verfasst von Nobelpreisträger Norman Angell.
      In diesem Buch wurde „bewiesen”, dass ein größerer Krieg künftig unmöglich sei, da „bei der herrschenden finanziellen und wirtschaftlichen Verflechtung der Nationen (*) der Sieger nicht weniger als der Besiegte zu leiden hätte“.
      Krieg sei daher „unrentabel geworden, und keine Nation mehr töricht genug, einen solchen zu beginnen“.
      Diese Auffassung war übrigens Lehrmeinung an den Universitäten Manchester und Glasgow.

      *Von der familiären Verflechtung der europäischen Königshäuser, Hohenzollern, Windsor und Romanow gänzlich abgesehen.

      • Silem Says:

        „In diesem Buch wurde „bewiesen”, dass ein größerer Krieg künftig unmöglich sei, da „bei der herrschenden finanziellen und wirtschaftlichen Verflechtung der Nationen (*) der Sieger nicht weniger als der Besiegte zu leiden hätte“.“

        Die Realität hat das Buch dann bestätigt. Frankreich und Großbritannien waren am Ende des ersten Weltkrieges heillos verschuldet und der Zusammenbruch der großen Kolonialreiche eingeleitet.

        Verloren haben am Ende alle Nationen.

        Wo die Idee dann falsch lag war im Vertrauen auf die Vernunft von Politikern. Denn leider waren sie dann doch töricht genug um den großen Krieg zu starten. Und zu feige um ihm wieder zu beenden.

    • arprin Says:

      Du hast natürlich Recht, dass es kein Allheilmittel gegen Krieg ist. Aber wirtschaftliche Verflechtung ist trotzdem ein wichtiger Punkt, der zur Pazifierung beiträgt, auch wenn es nicht der einzige ist. Ich hatte das Beispiel von Amerika und China gewählt, weil es hier am besten deutlich wird. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen diesen beiden Ländern haben geholfen, die politischen Beziehungen zu verbessern.

  2. ribi Says:

    arpin: die wichtigste frage bleibt doch, ob wie europäer uns von den usa vorschreiben lassen sollen, mit wem wir wie zu handel haben. !? ich kann verstehen, das man sagt, der oder der darf nicht in die eu einreisen, aber uns dazu zu bringen, kein iranisches öl zu kaufen, halte ich für schwierig! wandel durch handel. im bestimmten masse mehr als richtig! auch die russlandsanktionen, von der gegenseite aber auch krass beantwortet(keine lebensmittel mehr ins land usw) halte ich für schwiegig! europäer entscheiden über europ. politik, alles andere ist dubios!autos helfen nicht beim atombombenbau, also natürlich kann man die liefern! bei militär. gütern muss es natürlich abwägungen geben können!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: