Der Kampf gegen Mein Kampf

Erstausgabe von „Mein Kampf“

Das Jahr 2015 ist das Jahr 70 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Neben all den Gedenkfeiern und Fernsehdokumentationen bedeutet dies auch: In Deutschland läuft das Urheberrecht für ein ganz besonders Buch aus. In Deutschland bleiben die Urheberrechte eines Autors 70 Jahre nach seinem Tod geschützt. Im Fall von Hitlers „Mein Kampf“ gingen diese nach seinem Tod auf den Freistaat Bayern über, auf dieser Grundlage konnte die Verbreitung des Buches bis jetzt verhindert werden. Der Besitz des Buches ist nicht strafbar, aber als z.B. das Buch im Jahr 2005 in der Türkei herausgebracht wurde und zum Bestseller avancierte, klagte der Freistaat Bayern als Hitlers Rechtsnachfolger gegen die Verletzung der Urheberrechte – und der Verkauf wurde eingestellt.

Das wird ab dem 1. Januar 2016 nicht mehr möglich sein. Nun kann jeder Verlag wieder mit Hitler Geld machen. Doch das wollen einige Politiker verhindern. Das Buch soll verboten werden, weil es – natürlich – Volksverhetzung darstellt. Andere Politiker wollen das Buch zwar nicht verbieten, aber es soll lediglich eine „kommentierte“ Fassung erlaubt werden. Diese Pläne haben sich durchgesetzt. Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) plant für das kommende Jahr, Mein Kampf neu herauszubringen. Die neue Ausgabe soll 2000 Seiten haben, von denen nur 780 der eigentliche Text mit seinen 27 Kapiteln sind, der Rest besteht aus 5000 Kommentaren. Der IfZ-Chef Andreas Wirsching meint: „Wir wollen Hitler umzingeln. Was wir herausbringen, ist eine Anti-Hitler-Schrift“.

Lassen wir mal außer Acht, dass die Politiker offensichtlich glauben, die Bürger seien so dumm, dass sie von der Lektüre eines Buches gefährdet werden könnten, oder dass sich schon jetzt jeder das Buch nach ein paar Sekunden Recherche im Internet besorgen kann. Was an dem Versuch, das Buch mit einer kommentierten Fassung zu „entschärfen“, besonders absurd ist, dass es das Gegenteil bewirkt. Von verschiedenen Leuten, die das Buch im Internet gelesen haben, wurde mir versichert, die rund 800 Seiten Lektüre seien unglaublich langweilig. Ganze 13 Seiten drehen sich nur darum, wie eklig Syphilis ist. Ein Quasi-Verbot führt dazu, dass das Buch mystifiziert wird, während die nackte Lektüre nur Hitlers mangelndes Schreibtalent offenbart.

Dazu braucht es dann auch keine 5000 Kommentare. Wie sollen diese Kommentare denn aussehen? Wenn Hitler von der zunehmenden Vernegerung Frankreichs schreibt, soll eine Fußnote darunter erklären „Es ist falsch, dass die negroide Rasse minderwertiger ist als die kaukasische“ oder wie? Für falsch halte ich aber das Argument, das Buch sei wichtig für den Geschichtsunterricht. Denn weder halte ich es für notwendig, den Nationalsozialismus besser zu verstehen, noch halte ich den Nationalsozialismus für ein in sich logisches Denksystem, über das man durch die Lektüre eines Buches mehr lernen kann. Das Buch ist einfach nur sinnloses Geschwurbel – sowie die meisten Bücher, die man in der Schule lesen muss.

Spannend dürfte es sein zu sehen, wie bestimmte Gruppen auf Ähnlichkeiten in Hitlers Rhetorik mit ihrer eigenen reagieren. Auf Seite 337 äußert sich Hitler zu den „Protokollen der Weisen von Zion“:

Sie sollen auf einer Fälschung beruhen, stöhnt immer wieder die „Frankfurter Zeitung“ in die Welt hinaus: der beste Beweis dafür, daß sie echt sind. (…) Es ist ganz gleich, aus wessen Judenkopf diese Enthüllungen stammen, maßgebend aber ist, daß sie mit geradezu grauenerregender Sicherheit das Wesen und die Tätigkeit des Judenvolkes aufdecken und in ihren inneren Zusammenhängen sowie den letzten Schlußzielen darlegen. Die beste Kritik an ihnen jedoch bildet die Wirklichkeit. Wer die geschichtliche Entwicklung der letzten hundert Jahre von den Gesichtspunkten dieses Buches aus überprüft, dem wird auch das Geschrei der jüdischen Presse sofort verständlich werden. Denn wenn dieses Buch erst einmal Gemeingut eines Volkes geworden sein wird, darf die jüdische Gefahr auch schon als gebrochen gelten.

Das ist haargenau die Argumentation, die in unserer Zeit nicht nur ganz offen von islamistischen Organisationen wie der Hamas oder der Hisbollah in ihren offiziellen Programmen benutzt wird, sondern die sich verklausuliert auch bei antikapitalistischen und antizionistischen Gruppen im Westen wiederfindet: Die Protokolle der Weisen von Zion sind eine Fälschung? Na und? Sie werden trotzdem von irgendjemandem umgesetzt. Irgendjemand steht hinter allen Kriegen, Terroranschlägen und Wirtschaftskrisen, hetzt die Völker gegeneinander auf, führt im Hintergrund einen Plan aus. Der Beweis? In Hitlers Worten: „Die Wirklichkeit“ bzw. „die geschichtliche Entwicklung der letzten hundert Jahre“. Diese Truther-Rhetorik hat sich seit Hitler also nicht groß geändert.

Ein weiterer Grund, Mein Kampf nicht zu verbieten, ist die Heuchelei, die so ein Verbot mit sich bringen würde. Es gibt viele Bücher, in denen schlimmste Volksverhetzung geschrieben steht, ohne dass sie verboten wären: Die Bibel und der Koran. Hass gegen Ungläubige, massive Frauenverachtung, mörderische Homophobie, Sklaverei, Völkermord und noch vieles mehr werden dort gerechtfertigt. Jeder, der diese Bücher gelesen hat, weiß das. Aber weil es religiöse Bücher sind, wird es geduldet und so getan, als seien die Bibel und der Koran Bücher der Liebe und Barmherzigkeit. Das stellt eindeutig eine Diskriminierung von säkularen Ideologien zugunsten von religiösen Ideologien dar. Denn schlimmer als die Bibel und der Koran ist Mein Kampf nun auch wieder nicht.

8 Antworten to “Der Kampf gegen Mein Kampf”

  1. Carl Eugen Says:

    Eine kommentierte Ausgabe paßt zur PRD (Pädagogische Republik Deutschland) ganz wunderbar. Wo Regierungsmaßnahmen, Fernsehtalkshows, Zeitungskartelle vor allem dazu da sind, das stets als widerspenstig und ewiggestrig vorgestellte Volk nicht zu informieren, sondern zu erziehen, da braucht es kommentierte Ausgaben! Nicht nur zu Mein Kampf natürlich. Aber Kinderbücher, in denen „Neger“ vorkommen, werden ja auch bereits umgeschrieben. Volksbelehrende Kommentare der Schriften Lenins und Stalins darf man dann wohl auch erwarten?
    Die Bibel allerdings, mein lieber Arpin, gibt es längst mit Kommentaren. Da muß man sich keine Sorgen machen. Außerdem haben Kirchen über Jahrhunderte für Auslegung und „Recht“verständnis gesorgt. Meist waren indes diese Ausleger schlimmer als der Text. Der des Neuen Testaments zumindest scheint mir wenig volksverhetzend und verglichen mit Mein Kampf absolut harmlos. Beide Textkonvolute (AT & NT) unter der undifferenzierten Bezeichnung „Bibel“ (= Buch) inhaltlich-tendenziell ineins zu fassen, geht nicht an; dafür sind sie, gerade was die Gewaltfrage angeht, viel zu verschieden.

    • arprin Says:

      Stimmt, das NT ist viel harmloser als das AT und der Koran. Auch wenn es dennoch viele Stellen gibt, die heute den Verfassungsschutz auf den Plan rufen würden.

  2. aron2201sperber Says:

    Bücher gehören nicht verboten, sondern kritisiert – das gilt für „Mein Kampf“, so wie für das Buch, das gerade viele Muslime als Grundlage für ihre unseligen Kämpfe nützen

  3. aron2201sperber Says:

    vielleicht wird die deutsche Veröffentlichung wirklich dazu beitragen, die neuen deutschen Kämpfer zu entlarven:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2015/04/29/hitlers-und-elsassers-kampf/

    • arprin Says:

      Für Elsässer könnte es richtig peinlich werden. Man könnte bestimmt ganze Seiten von Mein Kampf rausnehmen, den Begriff „Juden“ mit „Zionisten“ tauschen und dann fragen „Hitler oder Elsässer?“

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