Von Konformisten und Rebellen

Warum "normal" sein? Gustav Wegert lässt den Arm unten

Warum „normal“ sein? Gustav Wegert lässt den Arm unten

Einer der bekanntesten Sätze von Ludwig von Mises ist folgender:

„Aller Fortschritt der Menschheit vollzog sich stets in der Weise, dass eine kleine Minderheit von den Ideen und Gebräuchen der Mehrheit abzuweichen begann, bis schließlich ihr Beispiel die anderen zur Überzeugung der Neuerung bewog. Wenn man der Mehrheit das Recht gibt, der Minderheit vorzuschreiben, was sie denken, lesen und tun soll, dann unterbindet man ein für alle Male allen Fortschritt.“

Dieses Zitat richtet sich eindeutig gegen Konformität und ist ein Loblied auf die Rebellen. Leute, die sich einfach weigerten, „normal“ zu sein und damit zum Fortschritt der Menschheit beitragen. Leider sind die meisten Menschen jedoch nicht nur Konformisten – d.h., sie orientieren sich an dem, was die Mehrheit tut – sondern haben auch negative Einstellungen gegenüber Rebellen. Ein Rebell gilt meistens einfach nur als „verrückt“, „schräg“ oder gar als dumm und asozial. Auf jeden Fall gelten sie als nicht normal. Wenn dann ein Rebell eine Idee hat, die ungewöhnlich ist, wird diese oft einfach damit abgetan, dass sie verrückt sei, man solle sich stattdessen auf das „Normale“ besinnen.

In einem Punkt haben die Konformisten Recht. Ein Rebell ist nicht „normal“. Der Begriff „Normalität“ sagt aber lediglich etwas über die statistische Häufigkeit einer Sache aus. Es sagt nichts über Wertigkeit aus. Warum soll etwas, dass statistisch häufig vorkommt, deswegen auch gut oder hilfreich sein? Man könnte nun meinen, wenn etwas wirklich hilfreich wäre, hätte es sich bereits bei der Mehrheit durchgesetzt. Die Geschichte zeigt uns aber, dass dies keinesfalls der Fall ist und es kaum eine Idee gibt, die, egal wie dumm und schädlich sie ist, trotzdem von einer Mehrheit übernommen werden kann. Dennoch wird so getan, als sei das Normale automatisch das Gute. Karl August Bettermann formulierte den sogenannten „Beamten-Dreisatz„:

  1. Das haben wir immer so gemacht!
  2. Das haben wir noch nie gemacht!
  3. Da könnte ja jeder kommen!

Man könnte diesen Dreisatz auch die „Regeln des Stillstands“ nennen. Es lässt sich kaum einschätzen, wie viele Fortschritte – ob nun im politischen, im wirtschaftlichen oder im technischen Bereich – durch diese Sätze abgewürgt wurden, und zwar nicht nur von Beamten. Da Dinge wie die Sklaverei, das Gottesgnadentum oder das Patriarchat für etliche Generationen einfach normal waren, wurden sie einfach hingenommen, denn „Das haben wir immer so gemacht!“. Der Gedanke, dass etwas nicht deshalb gut sein muss, weil es immer so gemacht wurde, musste sich erst langsam durchsetzen. Noch heute ist er nicht überall angekommen. In Ländern, in denen es noch immer die Wehrpflicht gibt, wird diese oft damit verteidigt, dass es sie halt schon immer gab.

Der Satz „Das haben wir noch nie gemacht!“ wiederum hat lange Zeit viele technische Neuerungen aufgehalten. Wissenschaftlicher und technischer Fortschritt basiert darauf, Neues auszuprobieren. Die Beamten der Deutschen Post konnten sich in den 1980ern nicht vorstellen, wie das Postsystem sich noch verbessern sollte. Dann kam die E-Mail. Aber auch wenn es um Bürgerrechte geht, fungiert der Satz bis heute als Bremsklotz. Das Adoptionsrecht für Schwule wird von vielen abgelehnt, weil Kinder eben noch nie von gleichgeschlechtlichen Paaren erzogen wurden – als ob es deswegen unmöglich wäre, dass gleichgeschlechtliche Paare gute Eltern sind.

Mit dem Satz „Da könnte ja jeder kommen!“ werden meist gewaltsam durchgesetzte Monopole verteidigt, nach dem Motto: Wenn wir nicht die alleinige Kontrolle hätten, gäbe es Chaos. Wenn der Staat nicht die totale Kontrolle über die Bildung hätte und Taxifahrer sich nicht Lizenzen beim Staat holen müssten, könnte ja jeder einfach so seine eigene Schule aufmachen und sein eigenes Taxi fahren. Die Frage, was daran so schlimm wäre, dürften die Stillstandswahrer nichtmal verstehen. Bei dem Beamten-Dreisatz handelt es sich um die goldenen Regeln der Konformität, mit all ihren negativen Folgen. Tatsache ist: Von der Mehrheit abzuweichen, ist, wie Mises richtig beschreibt, der erste Schritt, um Fortschritt zu erreichen.

Diese Erkenntnisse dürfen nicht dazu führen, die Beurteilung von Rebellen in das Gegenteil zu verkehren. Manchmal werden Menschen nämlich völlig zurecht ausgelacht. Darwin, Einstein und Mises waren Rebellen. Aber Marx, Hitler und bin Laden waren es auch. Als diese Leute zu hören bekamen „Du bist ja verrückt!“, wäre es besser gewesen, wenn sie entmutigt aufgegeben hätten, statt weiterhin mit großem Elan für ihre non-konformistischen Ideen zu kämpfen. Denn ihre Ideen waren nicht nur verrückt, sondern auch schlecht. Nicht nur das Normale, auch das Ungewöhnliche ist nicht automatisch das Gute. Wenn jemand also ungewöhnliche Ideen vertritt, kann es sein, dass er ein genialer Erfinder wird, oder ein totalitärer Diktator und Massenmörder.

Um eine Idee zu beurteilen, sollte man überprüfen, ob sie dazu geeignet sind, das vorgegebene Ziel zu erreichen ist und ob die dabei angewandten Methoden moralisch zu rechtfertigen sind. Eine Idee ist weder schlecht noch gut, wenn sie von der Mehrheit als verrückt wahrgenommen wird (und heute gilt es vielen als schick gilt, sich als Rebellen zu bezeichnen, selbst wenn ihre Ansichten eigentlich vollkommen konformistisch sind – man denke nur an das deutsche Kabarett). Allerdings ist es fast schon eine Gewissheit, dass, wenn wir in Zukunft einen Fortschritt erleben – ganz gleich, ob in der Politik, in der Wirtschaft oder in der Wissenschaft – ein Rebell dafür verantwortlich sein wird.

22 Antworten to “Von Konformisten und Rebellen”

  1. Yadgar Says:

    Die Rebellen- und Nonkonformistenpose der Neurechten funktioniert auch deshalb, weil wir ja seit den 1960er Jahren zu wissen glauben, dass Rebellion bzw. Nonkonformismus grundsätzlich etwas Gutes sei… wenn lange Haare, freier Sex, monatelange Alternativ-Globetrotter-Trips nach Indien und selbstverwaltete Alternativprojekte ohne Chefs cool und progressiv sind, warum dann nicht auch abgeschmackter Sozialdarwinismus, Afrikaner als „Nigger“, Frauen als „Fotzen“ und Muslime als „Hinternhochbeter“ zu bezeichnen, Hitlerverherrlichung und heimliche Träume von Auschwitz 2.0? Es gilt doch das Motto der Postmoderne, „anything goes“…

    • arprin Says:

      Die „mutigen“ Gegner der politischen Korrektheit sind für mich ein Beispiel, dass man als „Rebell“ nicht immer auf der guten Seite steht, denn vielen von ihnen geht es einfach nur darum, beleidigende Worte zu benutzen.

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        @arprin: „…, denn vielen von ihnen geht es einfach nur darum, beleidigende Worte zu benutzen.“

        Was bleibt ihnen übrig? Wer keine Argumente erbringen kann, findet immerhin Zuflucht in der Beleidigung.

      • arprin Says:

        Was bleibt ihnen übrig?

        Es bliebe ihnen übrig, zu schweigen.🙂 Aber viele wissen nicht, wann das die richtige Entscheidung ist.

      • Gutartiges Geschwulst Says:

        @Arprin

        Gestatten Sie bitte, dass ich Hans Krailsheimer zitiere:
        „Das Schlimme ist, daß die Unfähigkeit zu denken so oft mit der Unfähigkeit zu schweigen Hand in Hand geht.“

    • Gutartiges Geschwulst Says:

      @Yadgar

      Wen genau meinen Sie, wenn Sie von Neurechten schreiben, und inwiefern ist es für diese Neurechten typisch, dass sie Afrikaner als “Nigger” und Frauen als “Fotzen” zu bezeichnen?
      Diese zwanglose Wortwahl kenne ich auch von Linken und Moslems.

      • Gert Weller Says:

        Yadgars Problem nennt man wohl Projektion. Linke und Islamisten bilden die Achse des Bösen, mit der dazugehörigen asozialen Sprache.

  2. Paul Says:

    „Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor“(Faust)

    So stehe ich da, nach dem lesen dieses Artikels, weil der Beliebigkeit keine rationalen Grenzen gesetzt werden. Eine Handlungsoptimierung ist auch nicht möglich.

    Zitat:
    „Warum soll etwas, dass statistisch häufig vorkommt, deswegen auch gut oder hilfreich sein?“
    Das ist wohl richtig. Aber das Gegenteil auch.
    Warum soll etwas, dass statistisch selten vorkommt, deswegen auch gut und hilfreich sei?
    Na, ich weiß es nicht.

    Zitat:
    „Wissenschaftlicher und technischer Fortschritt basiert darauf, Neues auszuprobieren.“
    Das Neue ist aber auch kein Garant für Fortschritt, weil vieles Neue sich als Sackgasse erweist. So mancher Patentinhaber kann ein garstig Lied davon singen

    Zitat:
    „Das Adoptionsrecht für Schwule wird von vielen abgelehnt, weil Kinder eben noch nie von gleichgeschlechtlichen Paaren erzogen wurden – als ob es deswegen unmöglich wäre, dass gleichgeschlechtliche Paare gute Eltern sind.“
    Nein, es ist nicht unmöglich. Aber es ist unmöglich, dass die Kinder in der von der Natur vorgegebenen Ordnung aufwachsen.

    Mit dem gleichen Argument könnte ich die Polygamie auch befürworten. Wobei die noch mehr der Natur entsprechen würde als die „Homoehe“.

    Zitat:
    „Um eine Idee zu beurteilen, sollte man überprüfen, ob sie dazu geeignet sind, das vorgegebene Ziel zu erreichen ist und ob die dabei angewandten Methoden moralisch zu rechtfertigen sind.“
    Sehen Sie, das ist der „Casus knacktus“.

    Beurteilungskriterium kann nicht Normalität sein, auch nicht ob eine Mehrheit dies vertritt oder eine Minderheit, sondern das was ich soeben von Ihnen zitiert habe.
    Daraus ergibt sich, dass sowohl die Mehrheit sich irren kann, als auch die Minderheit.

    Insofern hat Mises mit dem von Ihnen zitierten Recht, wenn er etwas rückwirkend analysiert.
    Für eine Zukunftsprognose ist seine Überlegung auch untauglich und als Handlungsmaxime nicht geeignet.

    Jetzt gilt wieder mein Eingangszitat von Faust.
    Einen Ausweg weiß ich auch nicht.
    Letztlich lernen wir nur durch Erfolg und Irrtum. Also immer rückwirkend.

    Herzlich, Paul

    • arprin Says:

      Warum soll etwas, dass statistisch selten vorkommt, deswegen auch gut und hilfreich sei?

      Das habe ich nicht behauptet.

      Nein, es ist nicht unmöglich. Aber es ist unmöglich, dass die Kinder in der von der Natur vorgegebenen Ordnung aufwachsen.

      Aber was soll daran so schlecht sein, so dass man es verbieten muss? Nur weil etwas unnatürlich ist, muss es nicht schlecht sein.

      Daraus ergibt sich, dass sowohl die Mehrheit sich irren kann, als auch die Minderheit.

      Das sehe ich genauso.🙂

    • qwerty248 Says:

      diese unnatürlichen Vögel! http://www.sueddeutsche.de/wissen/homosexualitaet-bei-voegeln-zwei-maenner-im-nest-1.997296

      • Salamshalom Says:

        Super.. und jetzt verlink` mal einen Zeitungsbericht, wo zwei „unnatürliche Vögel“ dabei beobachtet wurden, Küken aufzuziehen😉

      • arprin Says:

        @Salamshalom,

        Wie ich in dem Artikel deutlich dargelegt habe, interessiert mich die Frage der „Natürlichkeit“ gar nicht.
        Aber worum geht es dir beim Thema Adoptionsrecht für Schwule? Um das Kindeswohl oder um die „Natürlichkeit“? Ich hatte ja schon bei der letzten Diskussion zum Thema einen Artikel zu einer Studie verlinkt, die zeigt, dass es Kindern bei gleichgeschlechtlichen Paaren nicht schlechter geht. Es gibt noch viele andere solcher Studien, die das zeigen (und selbst wenn es anders wäre, müsste man trotzdem immer den individuellen Fall prüfen. Wenn es Kindern unter Türken im Durchschnitt schlechter geht als unter Deutschen, müsste man ja auch nicht pauschal allen Türken Adoptionen verbieten).
        Du kannst dich also nicht auf das Kindeswohl berufen. Wenn du es gleichgeschlechtlichen Paaren verbieten willst, Kinder zu adoptieren, musst du dich tatsächlich nur auf das „Natürlichkeit“-Argument berufen. Aber
        1.) Warum ist „Natürlichkeit“ ein valides Argument? Warum muss etwas verboten werden, nur weil es unnatürlich ist?
        2.) Du müsstest dann konsequenterweise alles, was unnatürlich ist, verbieten wollen. Möchtest du das?

      • qwerty248 Says:

        das hatte ich versucht, leider scheinen die besonders scheu zu sein und wollen sich nicht bei der Brutpflege zuschauen lassen😦
        Bei der Energiesparlampenverordnung handelt es sich vermutlich um eine Verschwörung der LSBTTIQ, um Fotos der Brutpflege unnatürlicher Vögel herbeizuquecksilbern!

      • Salamshalom Says:

        @arprin

        zunächst war meine Antwort eine Replik auf @qwertys nicht zu Ende gedachter Provokation.
        Wie so oft im Leben beinhaltet auch dieses Thema verschiedene Ansichts-Ansatzpunkte. Ich, für meinen bescheidenen Teil, kann es innerlich nicht akzeptieren, dass der Mensch tatsächlich glaubt, die Herrschaft über die Natur erlangt zu haben. Wir sind weiterhin Teil der Natur. Das Geniale daran ist ja, dass die „Beweise“ gleich mitgeliefert werden. Salopp gesagt, kann es der Mensch nicht ändern, dass nur die Frau schwanger wird, und dass nur die Vereinigung zwischen Mann und Frau die Gelegenheit bietet, sich fortzupflanzen. Diese natürliche (!) Regel ist einfach mal existenziell und essentiell für unser Dasein.
        Wenn das allen Beteiligten erst mal klar ist, lässt sich der Rest darauf aufbauen. Das Ergebnis dieser Vereinigung sieht also zwingend, von Natur aus, einen weiblichen und einen männlichen Teil (Eltern) vor.
        Nun kann der Mensch sich denken, dass diese essentielle Regel in unserer Zeit nicht mehr greift, da „Studien bewiesen haben“, dass die Aufzucht junger Menschenkinder genauso gut mit zwei Vätern oder zwei Müttern funktioniere. Daran kann man glauben, man darf aber durchaus auch anderer Meinung sein. So ist es in meinem Fall.
        Der Mensch wird immer (per Studie) aufzeigen können, dass dieses oder jenes genauso gut läuft, wie es die „Natur“ auch schafft. Manche Studien aus den `80ern zeigten auf, dass der Mensch durch ausgewogene, laborchemische Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungs- Substitutionspräperate ebenso überleben kann wie durch die Aufnahme von „natürlicher“ Nahrung und Flüssigkeit. Dieser Fortschritt ist wichtig und er wird seit Jahrzehnten in der Medizin auch genutzt, aber kennst du jemanden aus deinem Bekanntenkreis, der sich von Essen und Trinken verabschiedet hat und sich der zeitgünstigeren Variante der Kunstnahrung hingegeben hat, weil es „auch gut funktioniert“?
        Wollen homosexuelle Menschen zusammen sein und heiraten, so haben sie in allen Bereichen meine Zustimmung. Bis auf einer Ausnahme…

      • arprin Says:

        @Salamshalom,

        Du wiederholst dich leider sehr und sagst praktisch nichts Neues.

        Ich, für meinen bescheidenen Teil, kann es innerlich nicht akzeptieren, dass der Mensch tatsächlich glaubt, die Herrschaft über die Natur erlangt zu haben. Wir sind weiterhin Teil der Natur.

        Was ist für dich eigentlich „die Natur“? Alles, was nicht von Menschen gemacht wurde? Straßen, Brücken, Rockmusik, Handys, Gentechnik sind also unnatürlich? Aber der Mensch ist doch Teil der Natur, wie du sagst? Dann sollten doch auch Dinge, die der Mensch macht, natürlich sein, oder? Was ist also für dich „natürlich“ und was „unnatürlich“?
        Und: Die meisten Leute, die für gleiche Rechte für Homosexuelle sind, gehören zum linken Spektrum und sind meist auch Ökos, d.h. für mehr Umweltschutz und gegen die moderne Zivilisation. Zu glauben, das Adoptionsrecht für Schwule zu befürworten würde bedeuten, die „Herrschaft über die Natur“ (Natur definiert als alles, was nicht vom Menschen stammt) zu erlangen, ist absurd. Man will nur gleiche Rechte für Homosexuelle, das ist alles.

        Das Geniale daran ist ja, dass die “Beweise” gleich mitgeliefert werden. Salopp gesagt, kann es der Mensch nicht ändern, dass nur die Frau schwanger wird, und dass nur die Vereinigung zwischen Mann und Frau die Gelegenheit bietet, sich fortzupflanzen. Diese natürliche (!) Regel ist einfach mal existenziell und essentiell für unser Dasein.

        Na und? Kinder können nur von Männern und Frauen gezeugt werden, so what? Warum soll daraus geschlussfolgert werden, dass gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder adoptieren sollen? Warum? Die Zeugung ist doch nicht gleichbedeutend mit der Erziehung. Die Zeugung geht nur mit Mann und Frau, die Erziehung geht sehr wohl mit einem gleichgeschlechtlichen Paar. Es muss dafür nur ein Kind adoptieren und für ihn sorgen. Das ist doch ganz einfach.
        (PS: Derzeit wird an künstlichen Spermien und künstlichen Gebärmuttern geforscht, dann werden Kinder ohne Mann und Frau „gezeugt“ werden können.)

        Das Ergebnis dieser Vereinigung sieht also zwingend, von Natur aus, einen weiblichen und einen männlichen Teil (Eltern) vor.

        Nein, überhaupt nicht, auch wenn du das 12.000-mal wiederholst. Homosexuelle könnten ganz einfach Kinder adoptieren. Es gibt absolut keinen „natürlichen Zwang“ für einen weiblichen und einen männlichen Elternteil. Wie kommst du nur immer auf diese Aussage?

        Nun kann der Mensch sich denken, dass diese essentielle Regel in unserer Zeit nicht mehr greift, da “Studien bewiesen haben”, dass die Aufzucht junger Menschenkinder genauso gut mit zwei Vätern oder zwei Müttern funktioniere. Daran kann man glauben, man darf aber durchaus auch anderer Meinung sein. So ist es in meinem Fall.

        Du hast ein Recht auf deine eigene Meinung. Aber nicht auf deine eigenen Fakten. Erstens mal sind diese Studien der wissenschaftliche Konsens seit Jahrzehnten – wenn du glaubst, er ist falsch, müsstest du Argumente (also selbst landesweite Forschungen anstellen oder die Methodik kritisieren) dafür bringen anstatt einfach zu sagen „glaub ich nicht“. Und zweitens geht es sowieso immer um den individuellen Fall. Nimm z.B. diesen Fall: Ein junger Mann, der nach der Scheidung seiner Eltern bei zwei lesbischen Frauen aufgewachsen und keinerlei Schäden genommen hat: http://bazonline.ch/schweiz/standard/Ich-wuenschte-mir-nie-einen-Papi/story/13655359 Es sind Millionen Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren erzogen worden, und selbstverständlich ist nicht jeder von ihnen misshandelt oder traumatisiert worden. Es gibt keinerlei Hinweise auf eine erhöhte statistische „Gefahr“.
        Weißt du was Kinder brauchen? Sie brauchen gute Eltern. Ob man ein guter Elternteil ist, ist völlig unabhängig von der Frage, ob man biologisch in der Lage ist, ein Kind zu zeugen. Es gibt viele biologische Eltern, die schlechte Eltern sind, und viele nicht-biologische Eltern, die gute Eltern sind. Wenn du aus dem Kindeswohl heraus die Meinung vertrittst, gleichgeschlechtliche Paare sollten keine Kinder adoptieren dürfen, kannst du dich nur auf einen Grund berufen: Dass ALLE gleichgeschlechtlichen Paare schlechte Eltern sind, so dass kein einziges ein Kind adoptieren sollte. Aber das ist durch all die Fälle, in denen gleichgeschlechtliche Paare ihre Kinder gut erzogen haben, eindeutig widerlegt. Das heißt: es geht dir ausdrücklich NICHT um das Kindeswohl, sondern um die „Natürlichkeit“.
        Aber warum ist deine Definition von „Natürlichkeit“ wichtiger als das Kindeswohl?
        Würdest du im Rahmen eines Verbots auch soweit gehen, Kindern, die bereits von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptiert wurden und glücklich sind, ihre Eltern wegzunehmen?

        Manche Studien aus den `80ern zeigten auf, dass der Mensch durch ausgewogene, laborchemische Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungs- Substitutionspräperate ebenso überleben kann wie durch die Aufnahme von “natürlicher” Nahrung und Flüssigkeit. Dieser Fortschritt ist wichtig und er wird seit Jahrzehnten in der Medizin auch genutzt, aber kennst du jemanden aus deinem Bekanntenkreis, der sich von Essen und Trinken verabschiedet hat und sich der zeitgünstigeren Variante der Kunstnahrung hingegeben hat, weil es “auch gut funktioniert”?

        Tolles Beispiel. Ich will doch nicht Homosexuelle mit Gewalt zwingen, Kinder zu adoptieren. Sie sollen nur die Möglichkeit dazu haben. Ob sie das wollen, muss ihre freiwillige Entscheidung sein. Wer kein Kind adoptieren will, muss es nicht. Wer laborchemische Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungs- Substitutionspräperate zu sich nehmen will, soll es tun, wer nicht, nicht. Oder willst du laborchemische Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungs- Substitutionspräperate verbieten, weil sie unnatürlich sind? Und wenn du laborchemische Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungs- Substitutionspräperate trotz ihrer Unnatürlichkeit nicht verbieten lassen willst, warum willst du dann das Adoptieren von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare verbieten, weil es unnatürlich ist?

      • qwerty248 Says:

        @SalamShalom
        mich würde freuen, wenn wenigstens Sie auf meine zweite Provokation mit dem Kinderheim eingehen würden: Kinderheime sind unnatürlich, Studien haben bewiesen, dass das (nicht) genauso gut läuft. Kinderheime abschaffen, verbieten, nicht mehr zulassen? Die Kinder alleinerziehender Väter, Witwer und anderer natürlicher, aber seltsamer Konstellationen kommen nicht ins Heim. Viele Kinder die von homosexuellen Paaren adoptiert werden könnten, bleiben dagegen dort.
        Ich fänds aber gut, wenn sich die Kinder ohne in irgendeiner Form gedrängt zu werden, mit aussuchen dürfen, in welche Familie sie kommen, falls das jetzt noch nicht so ist. Dann wäre es interessant zu sehen, ob sie sich eher in homosexuelle, natürliche Paare oder die Angestellten des Kinderheims verlieben.

  3. Paul Says:

    Zum Adoptionsrecht vertrete ich eine andere Auffassung und auch eine andere Wortwahl.
    Im Adoptionsrecht wird geregelt, welche Voraussetzungen für eine Adoption erfüllt sein müssen. Auch so manche Heteroehepaare erfüllen die Voraussetzungen nicht.
    Wenn nun die Voraussetzung sein sollte, dass nur Heteroehepaare adoptieren dürfen, bedeutet das für mich nicht, dass allen anderen die Adoption verboten wird.
    Das mag sich jetzt für Sie kleinlich anhören. Für mich gibt es zwischen nicht erlauben und verbieten einen großen Unterschied.

    „Nur weil etwas unnatürlich ist, muss es nicht schlecht sein.“

    Nein, aber es kann unerwünscht sein. Für mich ist die Adoption durch Homoehepaare nicht erwünscht. Es steht Ihnen frei, für eine entsprechende Gesetzesänderung die erforderliche Mehrheit zu organisieren.
    Ich werde dagegen sein.

    Herzlich, Paul

    • arprin Says:

      Für mich gibt es zwischen nicht erlauben und verbieten einen großen Unterschied.

      Für mich nicht. Beides ist dasselbe.

      Nur weil etwas unnatürlich ist, muss es nicht schlecht sein.”

      Nein, aber es kann unerwünscht sein. Für mich ist die Adoption durch Homoehepaare nicht erwünscht.

      Für mich sollte etwas nur verboten (bzw. nicht erlaubt) sein, wenn es Schaden anrichtet, nicht weil es unnatürlich ist. Da es grundsätzlich möglich ist, dass gleichgeschlechtliche Paare gute Eltern sind, sollte es nicht allen verboten (bzw. nicht erlaubt) werden.

    • qwerty248 Says:

      Kinderheime sind unnatürlich (sind sie das wirklich? Ameisen, Bienen und andere Insekten…). Nun? Und wetterten sie nicht mal gegen die Hilfsindustrie an?

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