Wie das Vorsorgeprinzip den Fortschritt bremst

Epic men of flesh and blood

Als Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins am 16. Juli 1969 ihre Reise zum Mond antraten, hatte Nixon zwei Reden vorbereitet, die er vor der ganzen Nation halten sollte. Die eine war die Rede, die er später hielt, die andere wurde erst 1999 veröffentlicht – sie sollte gehalten werden, falls die Mission der Astronauten scheitert und sie sterben. Es war eine kurze Rede, 12 Sätze mit 233 Wörtern, aber sie hatte es in sich:

Fate has ordained that the men who went to the moon to explore in peace will stay on the moon to rest in peace. These brave men, Neil Armstrong and Edwin Aldrin, know that there is no hope for their recovery. But they also know that there is hope for mankind in their sacrifice.

und an anderer Stelle wurde es richtig martialisch:

In ancient days, men looked at stars and saw their heroes in the constellations. In modern times, we do much the same, but our heroes are epic men of flesh and blood.

Es fällt schwer sich vorzustellen, ob eine wissenschaftliche Mission, in der alle Beteiligten ein so großes Risiko eingehen würden, heute möglich wäre. In unseren Zeiten herrscht das „Vorsorgeprinzip„. Bevor etwas erlaubt wird, muss jedes Risiko ausgeschaltet werden. Rückblickend betrachtet waren die letzten 100 Jahre zwar ohne Frage wunderbar für die Wissenschaft und den technischen Fortschritt. Im Jahr 1915 waren Flugzeuge noch so neu, dass Menschen tagelang reisten, um einen Piloten in seiner Maschine fliegen zu sehen. Im Jahr 1960 konnten wir bereits um die ganze Welt fliegen und das Zeitalter der Raumfahrt begann. Im Jahr 1990 machten es Satelliten möglich, ein Dokument innerhalb von Sekunden um die Welt zu senden. Heute leben wir dank Computer, Smartphones und Tablets in der technologisch am weitesten entwickelten Gesellschaft die die Menschheit je gesehen hat.

Doch im Magazin „Aeon“ vertrat Michael Hanlon die These, der technische Fortschritt habe sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr verlangsamt. Laut Hanlon gab es ein „Goldenes Viertel“ des Fortschritts, das von 1945 bis 1971 andauerte und nun vorbei ist. Während dieses Viertels wurde alles erfunden, was die moderne Welt ausmacht: Die Grüne Revolution in der Landwirtschaft, Elektronik, Fernsehen, billige und sichere Autos, Hochgeschwindigkeitszüge, Luftfahrt, Antibiotika und die Pille (sogar die Geburt der Popmusik, des Feminismus und der Bürgerrechtsbewegung fällt in diese Zeit). Danach folgte die bis heute anhaltende Zeit der Stagnation.

Ein Flug von New York nach London dauerte 1971 8 Stunden, dieselbe Zeit, die es heute verschlingt. Niemand war seit 1972 wieder auf dem Mond, es gab keine bemannte Marsmission und es gibt keinen Weltraumtourismus. Wir fahren noch immer von Erdöl und Diesel angetriebene Karosserien. Es gab keine neue Grüne Revolution. Der medizinische Fortschritt mag uns Gentherapien, Organe aus Stammzellen und die Entschlüsselung des menschlichen Genoms gebracht haben, aber keine dieser Behandlungen werden heute großflächig eingesetzt. Wir wissen nicht wie man Demenz bekämpft und die Chancen, Krebs zu überleben, sind nicht viel besser als in den 1970ern. Hanlons Schlussfolgerung: Fortschritt bedeutet heute fast ausschließlich banale Verbesserungen in der Informationstechnologie.

Natürlich gab es auch nach 1971 noch großartige Innovationen: Das Internet und das Handy wurden erfunden und die Segnungen der modernen Technik haben sich auf der ganzen Welt verbreitet. Ein Mitglied der britischen Arbeiterklasse kann sich heute leicht eine Reise nach Paris leisten und man findet Smartphones sogar in den Slums von Indien und Kenia. Die Menschheit war noch nie zuvor reicher, gesünder und gebildeter als heute. 2015 ist viel besser als 1971. Aber man kann nicht leugnen, dass sich der Fortschritt wirklich verlangsamt hat. Peter Thiel, ein Libertärer und Risiko-Kapitalanleger, meinte dazu: „Wir wollten fliegende Autos, wir bekamen 140 Zeichen“. Was ist schief gelaufen? Hanlon nennt einige Gründe, die das erklären könnten.

Vielleicht brauchen wir einfach mehr Zeit, weil es schwerer ist, von einem Propellerflugzeug aus den 1930ern zu den Jets der 1960er zu kommen. Aber es hieß in der Vergangenheit oft, dass der Fortschritt zu Ende war, bevor eine neue Entdeckung auftauchte, die niemand kommen sah. Eine andere Erklärung ist das durch den Ölschock und dem Ende des Bretton-Woods-System markierte Ende des Nachkriegs-Wachstums Anfang der 1970er. Doch das weltweite BIP hat sich seit 1971 mehr als verdoppelt, und es gab viele Aufschwungphasen nach dem „Goldenen Viertel“. Auch die Behauptung, die Regierung würde weniger Geld für Forschung ausgeben, ist falsch. Die öffentlichen Ausgaben für Forschung haben sich seit den 1970ern in absoluten und prozentuellen Zahlen erhöht.

Schließlich gibt es doch eine sinnvolle Erklärung: Zu viel Regulierung. Risiko ist immer ein Teil des Fortschritts. Egal ob technische Neuerungen wie die Eisenbahn, das Auto oder neue Medikamente zur Bekämpfung von tödlichen Krankheiten, es lauern immer Gefahren, wenn man etwas Unbekanntes ausprobiert. Aber in den letzten Jahrzehnten hat die Furcht vor den Risiken von Innovationen immer mehr überhandgenommen gegenüber den Hoffnungen auf ihre Vorteile. Die Folge ist, dass wir immer mehr Regulierung und immer weniger Innovationen haben. Tyler Cowen nennt die letzten Jahrzehnte technologisch betrachtet die „große Stagnation“.

Was ist das „Vorsorgeprinzip“? Es besagt im Grunde, jede Technik soll verboten werden, solange sich ihre Risiken nicht einschätzen lassen (also nicht, wenn tatsächlich eine Gefahr ausgemacht wurde, sondern schon wenn es eine Gefahr „geben könnte“). Aber so gut wie jede neue Erfindung hat Risiken. Hätten die Menschen in der Steinzeit immer nach dem Vorsorgeprinzip gelebt, hätten sie niemals das Feuer oder Werkzeuge erfinden können, und die Menschen in den frühen Hochkulturen hätten nie das Rad erfinden oder Eisen entwickeln können. Die industrielle Revolution wäre unter diesen Bedingungen nicht möglich gewesen. Viele der neu entwickelten Produktionsweisen waren sehr schädlich, wie man heute weiß.

Natürlich können neue Techniken für viele unbeabsichtigte negative Folgen haben, aber für viele andere können sie enorme Vorteile bringen. Es sollte die freie Entscheidung der Menschen sein, ob die Vorteile durch den Gebrauch der neuen Technik für sie die Risiken wert sind. Selbstverständlich schließt das nicht aus, dass die Risiken durch weitere Forschung minimiert werden und die neue Technik sicherer wird. Das Auto z.B. wurde mit der Zeit immer sicherer. Außerdem gilt weiterhin das Prinzip der Haftung. Jeder Mensch, somit auch die Hersteller von neuen Techniken, haftet für sein Handeln. Wer andere nicht über Risiken aufklärt, macht sich strafbar, falls sein Kunde einen Schaden erleidet.

In den 1960ern dauerte es 5 Jahre, bis Boeing das 747 Modell vom Reißbrett zum Flughafen brachte. Die Airbus 380 (die langsamer ist als die 747) brauchte 15 Jahre von der Erlaubnis bis zum ersten Flug. Die Zeit, bis ein neues Arzneimittel zugelassen wird, ist von den 1960ern zu den 1990ern von 8 auf 13 Jahre gestiegen, bei einigen Behandlungen dauert es 20 Jahre, bevor sie zugelassen werden. Letztlich führt das dazu, dass Menschen für das Anliegen sterben, die Medizin sicherer zu machen. Das erschreckendste Beispiel ist die Kampagne gegen das „Goldene Reis“, eine gentechnisch modifizierte Reissorte, die Vitamin A-Mangel bekämpfen könnte, verantwortlich für 1-2 Millionen Tote und 500.000 Erblindungen jährlich. Bis heute ist es verboten.

Das ist nicht alles. Die Atomkraft wird seit langer Zeit durch die Ängste von Politikern und Aktivisten zurückgehalten, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, wo seit 1986 kein neuer Reaktor fertiggestellt wurde. Fracking soll verboten werden, weil sich die Risiken nicht einschätzen lassen (viele der mit Fracking verbundenen Ängste sind jedoch schon längst widerlegt). Hanlon vermutet, das Apollo-Programm wäre heute nicht mehr möglich, weil die Risiken inakzeptabel wären. Das wäre eine Erklärung, warum wir 140 Zeichen bekommen haben statt fliegenden Autos. Die Lösung zur Überwindung der großen Stagnation ist weniger Regulierung und mehr Freiheit.

Obwohl unsere Generation so viel Wohlstand genießt wie keine andere zuvor, bleibt der kleine Makel: Die moderne Technik hätte viel weiter sein können. Was ist mit den kommenden Generationen? Wir haben ein endloses Potenzial für die Zukunft. 3D-Drucker, Kernfusion, künstliches Fleisch, Impfungen gegen Drogensucht, fahrerlose Autos, fliegende Autos, Hyperschallflugzeuge die in 90 Minuten von Berlin nach Sydney fliegen könnten, Weltraumtourismus- und Kolonisierung, Augmented Reality, intelligente Roboter, künstliche Organe, lebensverlängernde Maßnahmen, und vieles mehr. Aber um all diese Träume zu erfüllen brauchen wir mehr Freiheit. Die Vorteile wären unzählig. Hanlon drückt es so aus:

If the pace of change had continued, we could be living in a world where Alzheimer’s was treatable, where clean nuclear power had ended the threat of climate change, where the brilliance of genetics was used to bring the benefits of cheap and healthy food to the bottom billion, and where cancer really was on the back foot. Forget colonies on the Moon; if the Golden Quarter had become the Golden Century, the battery in your magic smartphone might even last more than a day.

Hoffentlich erleben wir dies eines Tages.

18 Antworten to “Wie das Vorsorgeprinzip den Fortschritt bremst”

  1. Kane Says:

    Diese „Stagnation“ ist auch vor allem für alte Science Fiction Fans wie mich kaum ertragbar.

    Mich trifft besonders die darbende Raumfahrt. Kostengründe lasse ich hier nicht gelten. Vor allem, wenn man sich überlegt, dass mit den jährlichen Landwirtschaftssubvention der EU (die nur Schaden anrichten) gleich mehrere Apollo Programme bezahlen könnte.

    Was mich am meisten trifft, ist vor allem der Widerstand gegen bemannte Raumfahrt. Sogar Zettel vom „Zettels Raum“, der sonst viele schlaue Sachen geschrieben hat, war ei Gegner der bemannten Raumfahrt.

    Ich habe überhaupt kein Zugang zu dieser Denkweise. Ich verstehe es einfach nicht.

  2. Anonymer Says:

    Hier muss ich widersprechen:
    Viel Fortschritt hat sich ereignet, ohne das man es als ungeschulter Betrachter so einfach bemerkt.

    Beispielsweise in Sachen Computertechnologie hat sich die Technik so rasant entwickelt, dass jemand, der mit den Kenntnissen im Jahre 2002 stehen geblieben ist, heute nicht mehr mitkommen würde. Da frage ich mich eher, ob ein Pilot von damals nicht heute auch noch fliegen könnte.

    Was die Lebenserwartung von Krebspatienten angeht: Auch hier hat es eine Verbesserung gegeben, meines Wissens. Allerdings war das kein großartiges medizinisches Wunder wie die erste Herztransplantation oder die des Kopfes.

    Was das „vorsorgeprinzip“ angeht: Wenn ein Arbeiter im Jahre 1880-1920 nach vielen Überstunden unkonzentriert geworden seine Hand bei einem vermeidbaren (!) Arbeitsunfall verlor, war das für seine Familie oft das finanzielle Lebensende.
    Heute dagegen sind solche Maschienne abgesichert, damit es eben nicht zu solchen Unfällen kommen kann und die Opfer sind durch eine Sozialversicherung geschützt.
    Das halte ich als offenbar dann doch nicht so liberaler schon für einen Fortschritt, weil mich nämlich die konsequente Anwendung irgendwelcher Ideologien nicht so sehr interessiert wie das Wohlergeben von Menschen.

    • arprin Says:

      Viel Fortschritt hat sich ereignet, ohne das man es als ungeschulter Betrachter so einfach bemerkt.

      Ja, es gab sicher Fortschritt, aber er hat sich verlangsamt.

      Was das “vorsorgeprinzip” angeht: Wenn ein Arbeiter im Jahre 1880-1920 nach vielen Überstunden unkonzentriert geworden seine Hand bei einem vermeidbaren (!) Arbeitsunfall verlor, war das für seine Familie oft das finanzielle Lebensende.
      Heute dagegen sind solche Maschienne abgesichert, damit es eben nicht zu solchen Unfällen kommen kann und die Opfer sind durch eine Sozialversicherung geschützt.

      Darum geht es doch gar nicht. Wir reden hier von neuen Erfindungen. Wenn eine Maschine sich noch nicht nach Risiken abschätzen lässt, muss man sie testen, und wenn Menschen sie freiwillig nutzen wollen, müssen sie über die Risiken aufgeklärt werden (die Hersteller haften für die Risiken). Das Vorsorgeprinzip sieht aber ein komplettes Verbot vor.
      Ein Arbeiter, der einen vermeidbaren Unfall hatte, hatte diesen Unfall wahrscheinlich nicht mit einer neuen Maschine, deren Risiken sich nicht abschätzen lassen. Es geht hier also nicht um das Vorsorgeprinzip, sondern um eine Unfallversicherung. Und auch hier lässt sich das Problem mit dem Haftungsprinzip lösen.

  3. shaze86 Says:

    Mir gefällt der Artikel gut, weil er genau das Gegenteil von dem behauptet was eigentlich commen sense ist. Und ich glaube es stimmt: Die einzigen Innovationen, die mir einfallen sind: Clonen, Gesichtstransplantation, „echtes mobil telephone“ und smartphone, smart gadgets, 3-Druck (ist eigentlich auch schon relativ alt), personal computer (auch schon so ab 1980-1985), Flachbildschirme, schnell aufladbare Akkumulatoren, Internet-Anschluss für jedermann, Big Data, CERN und die Entdeckung des „Gottes Teilchen“.

    Die meisten Sachen sind vermutlich alte Ideen die nun mit der Digitalisierung gelöst-verbessert werden konnten. Meine Vermutung ist, dass es immer schwieriger wird neue MINT-Innovationen zu entwickeln und das jede Technologie ihre grenzen hat. Das erklärt warum Flugzeuge nicht schneller werden (selbe Technologie -> Ende der Entwicklung), aber das mooresche Gesetz immer noch gilt (unterschiedliche Technologien [über die Jahrzehnte], die Technologie ist noch nicht ausgereizt).

    Warum wird es schwieriger für neue Innovationen? Die Relativitätstheorie hat noch ein einziger Mensch ausgedacht, Für CERN, NASA und co. braucht es große Forscherteams. Gebe es einen Markt dafür würde es sicher schnell effizienter werden.

    Wie sieht es eigentlich mit dem Weltraumtourismus aus?

    • arprin Says:

      Wie sieht es eigentlich mit dem Weltraumtourismus aus?

      Macht seit Jahren wenig Fortschritte. Richard Branson ist ja tief im Geschäft drin, mal sehen ob seine Investitionen was bringen.

  4. Martin Luerssen Says:

    Teils richtig und die Idee das die Überregulierung und Überabsicherung den Fortschritt viel zu sehr bremst, teile ich vollkommen. Einiges ist aber auch falsch, bzw. führt in die Irre – da ich seit >40 Jahren an Luftfahrt interessiert bin und auch teils beruflich längere Zeit tätig war, sind mir ein paar Sachen doch aufgefallen. So ist die Aussage die 747 sei „schneller“ als der A380 schlicht falsch – die maximale Reisegeschwindigkeit ist praktisch gleich, bei den ersten Modellen der 747 lag sie unter der der ersten A380s. Zudem ist das völlig irreführend, weil die Geschwindigkeit für große Verkehrsflugzeuge ein maximal zweit- eher drittrangiger Parameter ist.
    Viel wesentlicher sind Effizienz und Wirtschaftlichkeit, die durch ganz andere Parameter bestimmt werden – Nutzlast, Verbrauch, AOG-Zeiten, Turn-Around Zeiten, Wartungskosten über die Lebenszeit, Flexibilität, Reichweite (Tauglichkeit und Zulassung für bestimmte Strecken) usw. usf. Die maximale Geschwindigkeit bewegt sich eh in einem recht engen Rahmen, den es nicht besonders sinnvoll zu überschreiten ist. Die Einschränkungen kommen da weniger von Zulassungseinschränkungen und Bedingungen – obwohl auch das eine Rolle spielt- und eher dadurch, das dem Möglichen eben durch die Ökonomie Grenzen gesetzt werden.. Das wird verständlicher, wenn man sich die Nutzung der Luftfahrt seit Einführung der 747 1970 und heute anschaut: die Passagierkilometer pro Jahr sind von so ca. 0.4 Billionen auf etwa 8 Billionen, die Frachttonnenkilometer von ca. 12 Mrd auf ca. 190 angestiegen.
    Eine mehr als Verzwanzigfachung des Waren- und Personenverkehrs ist halt nur mit rigidem Fokus auf die ökonomischen Aspekte möglich.

    • arprin Says:

      Danke für die Informationen. Ökonomisch betrachtet ist die Luftfahrt ja eine Erfolgsgeschichte, es können immer mehr Menschenzu billigeren Preisen fliegen. Technisch gab es aber wohl wirklich eine Stagnation.
      Wäre toll, wenn bald wieder so schnelle Flugzeuge wie die Concorde entwickelt werden und sie sich auf allen Kontinenten verbreiten.

      • Martin Says:

        Das ist aber höchst unwahrscheinlich, da schlicht nicht sinnvoll. Die Concorde und auch die TU-144 waren nur „Statusspielzeuge“. Geschwindigkeit ist in der Zivilluftfahrt (inzwischen) einfach der falsche Parameter um Fortschritt zu erkennen oder zu messen,da kaum relevant. Ist ein bischen so,als würde man Fortschritt in der Computertechnologie am Stromverbrauch von Grafikkarten messen wollen.

        Und nur mal so – was für Fortschritte es gibt,wie nah man an physikalische Grenzen gelangt und was alles machbar ist, muss man sich manchmal einfach bewußt vor Augen führen.
        Mir ist das so richtig erst klar geworden,seit ich mich -seit 1998 das erste Mal wieder- mit Hardwaredesign und Leiterplattenlayout beschäftige. Inzwischen wird mit Taktraten von mehreren Ghz gearbeitet. Man muß sich da einfach mal klar machen, das bei einet Taktrate von 1 Ghz die Periodendauer 1ns ist. Und das ein elektrisches Signal in dieser Zeit grade mal 20 cm Weg auf einer Leiterplatte zurücklegt.

  5. walterwalter Says:

    „Fortschritt bedeutet heute fast ausschließlich banale Verbesserungen in der Informationstechnologie.“
    Bio-, Neurotechnologie, usw. sind Informationstechnologien

  6. bevanite Says:

    Zwei Gedanken dazu. Möglicherweise sind die westlichen Länder zu sehr von den Erfahrungen des Totalitarismus belastet? Der unbändigen, ja naiven Fortschrittsglauben an Technik und Wissenschaft, den man im ausgehenden 19. Jahrhundert noch pflegte, wurde ja nicht nur durch die Erfahrung des Ersten Weltkrieges, sondern vor allem danach durch Auschwitz und den Archipel Gulag zerstört. Seit diesen Erfahrungen sehen wir technischen Fortschritt nicht mehr als etwas Neutrales, sondern etwas, das politisch instrumentalisiert werden kann – man denke an die Menschenexperimente in den deutschen Konzentrationslagern oder an den wahnwitzigen Glauben der Sowjetunion, zum Zwecke einer forcierten Industrialisierung eine ganze Generation zum Wohle der nächsten opfern zu können. Leider lässt sich nicht leugnen, dass die in dem von Michael Hanlon erwähnten Phänomene Nebenprodukte des Kalten Krieges, also entstanden im Wettstreit mit einem totalitären System, waren. Der Drang, zum Mond zu reisen, hörte in dem Moment auf, als die USA im „space race“ gegen die Sowjets die Nase vorn hatten. Interessanterweise scheint der Fortschrittsglaube heute eher in Schwellenländern – Indien, China, Brasilien – zu bestehen, in denen man die negativen Seiten der Industrialisierung überwinden möchte. Auch erwähnt Hanlon, dass die im „golden quarter“ entstandenen Erfindungen oftmals mit staatlichem Support möglich waren. Seit den Siebzigern fand im Westen allerdings ein Abbau staatlicher Strukturen statt, was sicherlich auch ein Einfluss ist.

    Andererseits grenzt Hanlon den Zeitraum zu willkürlich ein, bewertet die offensichtlichen und sichtbaren Dinge über und übersieht die alltäglicheren, unscheinbaren Revolutionen in der Kommunikation. Wer die Mondlandung live miterlebte, mag sicherlich enttäuscht sein, dass wir heute immer noch keine Mondbasis haben (in einem Song von Pulp hieß es treffend: „we were brought up in the space age, now they expect you to clean toilets“). Aber sehen wir uns doch heute einmal die Realität an! Es gibt zwar keine Hoverboards wie in „Zurück in die Zukunft 2“, aber wir können innerhalb weniger Minuten global an einem Projekt arbeiten, binnen Sekunden von Kontinent zu Kontinent kommunizieren und kriegen mit ein paar Clicks Informationen, die wir noch vor 20 Jahren nur mit Hilfe einer gut sortierten Bibliothek vor Ort bekommen hätten. Kinder von heute wachsen unter technischen Bedingungen auf, die zu meiner Kindheit aufregend und abenteuerlich geklungen hätten. Ich kenne nicht mehr den genauen Wortlaut, aber es gab ein Zitat, nach dem es hieß, dass ein Renaissance-Mensch ungefähr eine Woche bräuchte, würde man ihn direkt in die Fünfziger Jahre versetzen. Ein Mensch aus den Fünfzigern wäre hingegen bei einem direkten Transport in die heutige Zeit über das hohe Tempo im alltäglichen Umgang schlichtweg verwirrt. Um nochmal auf das Zitat von Peter Thiel einzugehen: Vielleicht wollen die meisten Menschen eben lieber 140 Zeichen als fliegende Autos.

    • arprin Says:

      Möglicherweise sind die westlichen Länder zu sehr von den Erfahrungen des Totalitarismus belastet?

      Aber nach Hilter und Stalin gab es viele technische Errungenschaften, trotz der „Belastungen“ durch KZ’s und Gulags.

      Auch erwähnt Hanlon, dass die im “golden quarter” entstandenen Erfindungen oftmals mit staatlichem Support möglich waren. Seit den Siebzigern fand im Westen allerdings ein Abbau staatlicher Strukturen statt, was sicherlich auch ein Einfluss ist.

      Die staatlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung haben sich seit 1971 in absoluten und prozentuellen Zahlen erhöht.

      Andererseits grenzt Hanlon den Zeitraum zu willkürlich ein, bewertet die offensichtlichen und sichtbaren Dinge über und übersieht die alltäglicheren, unscheinbaren Revolutionen in der Kommunikation.

      Die Fortschritte im Bereich Kommunikation werden von Hanlon erwähnt. Er meint trotzdem, dass sich der Fortschritt verlangsamt hat.

      Um nochmal auf das Zitat von Peter Thiel einzugehen: Vielleicht wollen die meisten Menschen eben lieber 140 Zeichen als fliegende Autos.

      Ich denke, die meisten Menschen wollten beides dringend.🙂

  7. besucher Says:

    hm, besser doch kein Fortschritt? Alles reine Nervensache😉
    http://www.gmx.net/magazine/wissen/mystery/menschheit-schrammte-nuklearem-super-unglueck-30889936

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