Die Paten des Krieges

Die Flüchtlingswelle in Europa hat den eigentlichen Grund für die Flucht etwas in den Hintergrund rücken lassen. Als sich Russland entschloss, militärisch in den Syrienkrieg einzugreifen, hatten viele schon den Überblick verloren, wer gerade in Syrien wen tötet und warum. Dabei ist die Lage nicht so unübersichtlich, sondern kann mit ein bisschen Hintergrundwissen verstanden werden:

Wie es aussieht, scheint Putin dieselbe Strategie zu fahren wie Erdogan: Vorgeben, den IS zu bekämpfen, und dabei tatsächlich ganz andere Gruppen bekämpfen. Die russischen Luftangriffe richteten sich bis jetzt überwiegend gegen Rebellengruppen, die weder zum IS gehörten noch mit ihm verbündet waren, sondern einfach den Assad-Truppen im Weg standen. Die Rebellen hatten im März dieses Jahres ihren größten militärischen Sieg errungen, als sie die Provinzhauptstadt Idlib eroberten und bedrohten weitere Positionen des Regimes. Der IS ist auf dem Schlachtfeld bis jetzt selten mit Assads Armee zusammengestoßen, sie operieren meist in Gegenden, die das Regime schon zuvor an andere Rebellengruppen verloren hatte.

Wie jüngste Meldungen zeigen, sind die russischen Angriffe nicht besonders erfolgreich, vor allem weil die syrische Armee nicht in der Lage ist, zurückeroberte Gebiete zu halten. Angeblich sollen deshalb russische Elitetruppen aus der Ostukraine nach Syrien verlegt werden (obwohl diese Elitetruppen offiziell nicht in der Ostukraine sind). Als Antwort darauf liefert Saudi-Arabien den Rebellen nun stärkere Waffen, mit denen russische Flugzeuge von der Luft geholt werden könnten. Die Folgen des russischen Einsatzes sind somit eine Verlängerung der Patt-Situation, ohne eine Schwächung des IS zu erreichen. Auch die Angriffe der „Anti-IS-Koalition“ zeigen keinen großen Erfolg, auch wenn sie wirklich dem IS gelten, wie ein deutscher Rapper erfahren musste.

Da in naher Zukunft, wenn kein Wunder geschieht, keine Seite eine diplomatische Lösung akzeptieren oder einen militärischen Sieg erringen wird, wird der Krieg wohl noch für lange Zeit weitergehen, eine Lösung ist ferner als je zuvor. Die Fassbomben des Regimes und der Terror des IS werden weiterhin Syrer in die Flucht treiben. Die internationalen Vereinbarungen werden daran wenig ändern, denn trotz aller schönen Verlautbarungen wird es weder eine wirkliche Einigung der ausländischen Parteien in Syrien geben, noch wird diese allein ausreichen, um den Krieg zu beenden, da das Land de facto bereits gespaltet ist, aber niemand die Spaltung akzeptieren will und lieber auf die „territoriale Integrität“ beharrt.

5 Antworten to “Die Paten des Krieges”

  1. EinsamerIrrer Says:

    Ich hoffe, dass ich hier auf diesen Blog überhaupt noch willkommen bin. Falls nein, dies einfach sagen.

    Dennoch die Fragen:
    1. Welche Rebellen unterstützt denn nun Saudi-Arabien? Das ist doch eine Information, die für den Leser hier sehr interessant sein könnte.
    2. Wenn ein militärischer Sieg nicht (mehr) möglich ist, wäre es dann aus Sicht der Konfliktparteien nicht notwendig, eine diplomatische Lösung zu suchen? Wieso unterbleibt dies?

    • arprin Says:

      Natürlich bist du auf den Blog willkommen.

      1. Es handelt sich um Rebellengruppen, die von den USA als „moderat“ bezeichnet werden, also weniger islamistisch als Nusra und IS
      http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4853917/Warum-Russlands-SyrienEinsatz-wenig-Erfolg-hat
      „Insgesamt 39 sogenannte moderate Rebellengruppen, geprüft und durchgecheckt vom Pentagon, stehen auf der Empfängerliste für TOW-Raketen. Vorher wurden sie vom CIA in geheimen Operationen geliefert. Heute übernimmt das Saudiarabien, das eigenen Angaben zufolge mindestens 500 dieser Lenkwaffen seit Beginn der russischen Intervention zu den Rebellen gebracht hat.“
      2. Die Vorstellungen darüber, wie eine Lösung aussieht, sind einfach zu unterschiedlich.

  2. aron2201sperber Says:

    Assad stürzen zu wollen, ohne selbst heineinzugehen, hat sich als Katastrophe erwiesen.

    da man weiterhin, nicht selbst hineingehen will, und der IS das schlimmere Übel ist, muss man sich wohl oder übel mit Assad und Putin arrangieren.

    daher sollte man aufhören, irgendwelche Bedingungen, die man nicht durchsetzen kann und will, zu stellen.

    man muss sich stattdessen darauf konzentrieren, für echte potentielle Partner gegen den IS wie den Kurden das Beste herauszuschlagen

    eine Teilung des Landes ist nach meiner Ansicht ohnehin schon lange unvermeidlich:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/12/18/assads-alternative-2/

    nach dieser Teilung, kann man sich dann zu 100 % auf den IS konzentrieren, ohne dass Assad und seine Schutzherren einem reinpfuschen

    • arprin Says:

      Eine Teilung wird wohl weder international akzeptiert werden noch von den syrischen Konfliktparteien. Im Libanon und Irak gab es aus denselben Gründen auch keine Teilung, die „territoriale Integrität“ durfte nicht aufgegeben werden. In Syrien will man sie auch nicht aufgeben.

  3. Thomas Holm Says:

    Als Chef eines dysfunktionalen Staates, der allerdings zum Scheitern zu gross ist, setzt Putin auf die Rolle eines Rueckversicherungs-Paten fuer gut ausgewaehlte kleinere Kollegen an imperialistisch vernachlaessigten Hot-spots.

    „Game-over mit Regime-change !“ schreit es schrill und quer durch die Lande. Mal gucken, wie lange sie brauchen bis sie entdecken, wie bereits Marx ueber chronische Revolutionsversager herziehen konnte.

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