Der nächste Schritt der Entkriminalisierung

Machen wir Frieden mit den Drogen?

Jetzt ist es soweit: Cannabis soll in Deutschland legal werden. Allerdings nicht für den Privatkonsum, sondern als Schmerztherapie und von einer staatlichen Agentur überwacht. Der Staat wird also zum Dealer. Schon heute dürfen in seltenen Ausnahmefällen Patienten Cannabis nehmen, dass dafür aus den Niederlanden importiert wird. Mit dem neuen Gesetzesvorstoß sollen weit mehr Patienten legal kiffen dürfen, private Anbieter sollen auf Anfrage der Cannabis-Agentur den Bedarf decken, und erstmals wird der Staat durch den Cannabis-Konsum auch Steuern einnehmen. Der Vorschlag kommt von der für ihre progressiven Ansichten bekannte CSU.

Es wäre natürlich besser, wenn der Staat sich komplett raushalten würde und auch den Privatkonsum legalisieren würde, wie z.B. in den Niederlanden, Uruguay und einigen US-Bundesstaaten, doch Entkriminalisierung ist ein erster Schritt in Richtung kompletter Legalisierung und der Staat verdient letztlich in allem etwas mit, das ist derzeit der Normalzustand, wenn etwas legal ist, also wird es auch bei einer Cannabis-Legalisierung nicht anders sein. Es bleibt zu hoffen, dass der aktuelle Vorstoß tatsächlich durchkommt und den Weg für die komplette Liberalisierung ebnet (nicht, weil Cannabis toll ist, sondern weil die Prohibitionspolitik überall gescheitert ist).

Den nächsten Schritt der Entkriminalisierung könnte Irland gehen. Aodhán Ó Ríordáin, der Minister für Drogenstrategie, kündigte gegenüber der Zeitung Irish Times an, nächstes Jahr den Konsum und Besitz von kleinen Mengen von Cannabis als auch von Heroin und Kokain legalisieren zu wollen (der Verkauf soll weiterhin verboten bleiben). Irland wäre das erste Land der Welt, indem das geschieht. Um den Plan durchzusetzen, sollen sogenannte „Spritzräume“ (injection rooms) errichtet werden, die von Ärzten überwacht werden, um den Konsum sicherer zu machen. Ó Ríordáin wünscht sich im Rahmen eines „radikalen Kulturwandels“, auch den Konsum von allen anderen Drogen zu legalisieren, aber das sei eine Aufgabe für die nächste Regierung.

Ich habe nie verstanden, was für ein Sinn es hat, Drogenkonsumenten zu kriminalisieren. Bei Finanzbetrug wird auch nur die Person, die das Schneeballsystem entfacht hat, bestraft, und nicht die Opfer. Die Entkriminalisierung des Konsums von allen Drogen ist dringend geboten, die Konsumenten sollten nicht als Täter behandelt werden, sie sind entweder normale Kunden oder Opfer ihrer Sucht. Idealerweise sollte auch der Verkauf legal sein, denn es sollte jedem, der sich die Sache genau anschaut, klar sein, dass die Prohibition alles schlimmer gemacht hat, für die Konsumenten, für die „kleinen“ Verkäufer und für die unbeteiligten Passanten bei den Schießereien zwischen den Drogenkartellen und der Polizei.

Aber es wird wohl noch lange dauern, bis man Kokain bei Aldi kaufen kann und damit den Drogenkartellen ihre Profitmöglichkeiten entzieht. Die Bedenken sind einfach zu groß. Das große Leid, dass von Drogen verursacht wird (natürlich auch den legalen!), muss und wird sowieso, egal wie sich die Drogenpolitik entwickelt, weiterhin von der Zivilgesellschaft bekämpft werden. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Zukunft kommt aus dem Labor: Forscher arbeiten seit Jahren an der Entwicklung von Antikörpern, die die Stoffe von Substanzen wie Nikotin, Kokain und Heroin im Blut abfangen, bevor sie ins Gehirn eindringen und ihre Rauschwirkung entfalten. Wer weiß, ob man sich in ferner Zukunft gegen Heroin impfen lassen kann wie gegen Masern.

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