Jeder Mensch ist illegal

Die Flüchtlingswelle seit dem Sommer 2015 ist das derzeitige Über-Thema schlechthin. Im Folgenden werde ich auf einige Punkte eingehen, die in der Debatte kursieren. Fangen wir an mit den Torten der Wahrheit:

12074587_10153644889779561_3167993203269647799_n

(Bild: Antibürokratieteam)

Nun zu einigen wichtigen Fragen.

Hat Merkel die Flüchtlinge eingeladen?

Die These, Merkel habe die Flüchtlinge eingeladen, speist sich nach meiner Sicht aus zwei Punkten: Merkels Weigerung, die Grenzen zu schließen, und ihre Aussagen, wonach es keine Obergrenze gibt und wir „das“ schaffen. Nun waren die Grenzen schon vorher nicht geschlossen und bezüglich der von ihr getätigten Aussagen gibt es viele, die ganz anders klingen als „Kommt alle her!“, vor allem aber auch die von ihr abgesegneten Gesetze zur Flüchtlingswelle. Die meisten der von Merkel getätigten Aussagen und von ihrer Regierung beschlossenen Gesetze und andere Maßnahmen hatten das ausdrückliche Ziel, die Flüchtlingszahlen zu beschränken. Hier ein paar Beispiele:

„Wenn wir jetzt sagen: Ihr könnt alle kommen, und ihr könnt alle aus Afrika kommen, das können wir auch nicht schaffen.“ (im Juli bei einer Veranstaltung mit Flüchtlingen)
„Wer nicht schutzbedürftig ist, wer – so verständlich das sein mag – aus wirtschaftlichen Gründen kommt, der kann nicht bleiben.“ (12. September in einem CDU-Treffen)
„Es ist unser Ziel, die Zahl der Flüchtlinge reduzieren.“ (25. November im Bundestag)
„Es droht im Grunde wieder die Flucht von sehr vielen Menschen.“ (1. Dezember, Anlass war die Unterfinanzierung der Lager im Libanon)

– Durch das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz wurden Albanien, Kosovo und Montenegro zu sicheren Herkunftsländern erklärt und schnellere Abschiebungen von abgewiesenen Asylanten zum Ziel erklärt.
– Die Bundeswehr wird sich, wie Anfang Oktober im Bundestag beschlossen, an der Bekämpfung von Schleppern beteiligen.
– In Afghanistan werden Plakate aufgestellt, die den Menschen die Botschaft vermitteln sollen, eine Flucht nach Deutschland würde sich nicht lohnen.
– Dem äußerst vertrauenswürdigen Sultan Erdogan werden 3 Milliarden gezahlt, um die ausreisewilligen Syrer zu stoppen.

Einige werden einwenden, Merkel hätte viel mehr tun können, z.B. die Grenzen zu Österreich dicht machen oder eine Obergrenze beschließen, außerdem hätte sie das Dublin-Abkommen außer Kraft gesetzt. Das kann man so sehen, allerdings ist der Vorwurf, nicht genug gegen eine Sache getan zu haben, nicht gleichbedeutend mit dem Vorwurf, die Sache selbst ausgelöst zu haben (die Flüchtlingswelle aus dem Balkan hat sie übrigens nicht nur nicht ausgelöst, sondern gestoppt). Nebenbei ist die Frage, ob Merkel das Dublin-Abkommen außer Kraft gesetzt, im Gegensatz zur Aussetzung der Bailout-Klausel während der Eurorettung nicht eindeutig (s. z.B. hier die gegenteilige Meinung von Eva Ziessler).

Der eigentliche Grund für den explosionsartigen Anstieg der Flüchtlingszahlen ist nicht Merkel, sondern einerseits die Verbreitung von falschen Gerüchten über das goldene Land Deutschland in den Herkunftsorten der Flüchtlinge (z.B. im Balkan) und besonders die ab dem Sommer dieses Jahres zurückgefahrene Hilfe für die Flüchtlingslager im Nahen Osten andererseits. Die Gelder für die Lager sind teilweise um die Hälfte gekürzt worden, vielen Familien wurden die Hilfen ganz gestrichen. Diese Probleme waren ein viel größerer Auslöser als alles, was Merkel tat oder getan haben könnte. Das sollte man anerkennen, anstatt eine Dolchstoßlegende zu kreieren, denn die gab es in der Geschichte schon genug.

Eine andere Dolchstoßlegende stammt vom französischen Sozialisten Jean-Luc Mélenchon: Merkel hat die Flüchtlinge nach Deutschland gebracht, um den Mindestlohn abzuschaffen, damit die deutschen Unternehmen billiger produzieren können und die französische Wirtschaft zerstören. Verrückter geht es nicht (mal abgesehen davon, dass Merkel lieber Millionen arbeitslose Flüchtlinge hinnehmen würde als den Mindestlohn abzuschaffen). Gegen die Merkelsche Einladungstheorie sprechen nicht nur die Fakten, sondern auch die fehlenden Motive: Warum sollte Merkel Millionen Flüchtlinge nach Deutschland holen wollen? Hat sie geglaubt, ihre Umfragewerte würden in die Höhe schießen, oder die Flüchtlinge würden alle später CDU wählen?

Was kann man tun, um den Flüchtlingen im Ausland besser zu helfen?

Hinter der immer wiederkehrenden Forderung „Die Fluchtursachen bekämpfen“ verstehen die meisten was anderes. Den Krieg in Syrien zu beenden, wird man aufgrund der politischen Differenzen so schnell nicht hinkriegen. Die Linken schlagen vor, den Kapitalismus abzuschaffen (was nicht nur die Flüchtlingswellen, sondern auch Terrorismus, Umweltzerstörung und Depressionen beenden soll) und Rüstungsexporte zu beenden. Aber weder deutsche Fabriken in Brasilien, Rumänien und China noch deutsche Waffenlieferungen an Algerien, Indien und Südkorea haben zu Armut und Kriegen geführt. Ich sage nicht, Deutschland sollte mehr Waffen liefern. Aber keine Waffenlieferungen sind auch nicht die Lösung, um alle Kriege und Völkermorde zu stoppen, die gibt es auch so. In ihrer blanken Not griffen die Menschen in Ruanda 1994 zu Macheten, um sich gegenseitig umzubringen. Dann lieber deutsche Heckler & Koch nehmen.

Ein guter Vorschlag, den bereits zu Flüchtlingen gewordenen Menschen zu helfen, ist die Schaffung von Freizonen für Flüchtlinge. Dieses Konzept wurde von vielen Politikern und Privatleuten ins Gespräch gebracht. Es sieht vor, eine international verwaltete „sichere Zone“ zu errichten, mit einem Rechtsstaat, indem alle Flüchtlinge einwandern können und gute wirtschaftliche Bedingungen geschaffen werden, um ausländische Investoren anzulocken. Diese Zonen können sich in den Transitländern befinden (in der EU sind sie nicht möglich, da Sonderwirtschaftszonen verboten sind). Die Kosten, die von Staaten und privaten Investoren übernommen werden könnten, wären hoch, aber stemmbar, außerdem würden diese Zonen Menschen nicht nur am Leben erhalten, sondern ihnen eine echte Perspektive anbieten.

Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten könnten z.B. in international verwaltete Freizonen in Jordanien untergebracht werden, Wirtschaftsflüchtlinge aus Schwarzafrika in Charter Cities in Nordafrika oder Westafrika einziehen. Dieser Plan hat, wie jeder andere in der Debatte, Unwägbarkeiten (das EU-Protektorat im Kosovo hat nicht gut funktioniert), aber wenn man es schafft, den Menschen eine deutlich bessere Lage anzubieten als in den Lagern im Libanon oder in den armen westafrikanischen Ländern, wird der Auswanderungsdruck in diesen Ländern schon erheblich gesenkt werden. Das wäre eine effektivere und humanitäre Lösung des Flüchtlingsproblems als härtere Grenzkontrollen. Nun zu den Flüchtlingen, die schon hier sind.

Was kann man tun, um die Flüchtlinge gut zu integrieren?

Es ist immer unglaublich schwer, wenn 1 Million Menschen in ein Land kommen, oder? Nun, nicht immer. Nach Deutschland kommen jedes Jahr 30 Millionen Touristen, während der WM 2006 kamen in kurzer Zeit Zehntausende Fans, alles ohne große Probleme. Was wir jetzt haben, ist in erster Linie eine Verwaltungskrise, keine Flüchtlingskrise. Wenn die Flüchtlinge kommen, können sie sich nicht, wie Touristen oder Menschen mit Visa, legal im Land bewegen, sie müssen sich registrieren und dann monatelang in Lagern warten, bis sie überhaupt etwas anderes tun können. Man stelle sich vor, jeder Tourist müsste erst mal fünf Monate in Lagern warten, bevor er Neuschwanstein und die Autobahnen besuchen kann.

Trotzdem gibt es nicht überall dieselben Probleme. In Bayern z.B. gab es relativ wenige Probleme mit der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen. Die meisten Kommunen, die Probleme haben, sind die mit Lücken im Haushalt (nicht wegen zu wenigen Einnahmen, sondern zu viel Verschwendung). Nirgendwo in Bayern kam es zu solch chaotischen Szenen wie in Berlin. Das bestärkt mich in meinem Glauben, dass alles in Bayern besser ist als in Berlin: Besseres Wirtschaften, besseres Wetter, bessere Städte, bessere Fußballvereine, ein Vorbild für Deutschland. Da ist es schon ironisch, wenn mit Seehofer der König des Freistaats Untergangsszenarien beschwört.

Was ist zu tun, um die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge überall besser hinzukriegen? Viele sagen, wenn so viele auf einmal kommen, werde das Asylrecht bald komplett in Frage gestellt. Genau das sollten wir machen: Das Asylrecht komplett in Frage stellen. Wer als nicht-hochqualifizierter Mensch aus der Dritten Welt aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland einwandern will, sollte nicht nur die Möglichkeit haben, durch das Asylsystem zu kommen. Die erste Lösung wäre es, jeden Einwanderer gleich zu behandeln, das heißt: Sowie bei EU-Zuwanderern bekommt jeder, der herkommt, das sofortige Recht auf Arbeit und Bewegungsfreiheit und gleichzeitig keinen sofortigen Anspruch auf Sozialleistungen.

Eine Abschaffung des Asylsystems wird es wohl nicht geben, aber meine vorgeschlagenen Änderungen könnten in einem Einwanderungsgesetz geregelt werden. Mit diesem Reformpaket wären die wirtschaftlichen Bedenken gegen Flüchtlinge schon weitgehend ausgeräumt. Aber es würden noch immer viele Menschen versuchen, auf gefährlichem Weg illegal zu kommen. Um dem vorzubeugen, sollte man mehr legale Wege zur Einwanderung zu schaffen, was den Schleppern das Geschäft entziehen würde. Ein Vorschlag wäre, Einwanderung zu besteuern statt mit Quoten zu beschränken, mit einer Einwanderungsgebühr: Jede einwanderungswillige Person auf der Welt zahlt eine Gebühr – die hoch genug sein sollte, um die von ihm verursachten Kosten für die öffentlichen Kassen zu decken – und erwirbt damit das Recht auf Einwanderung per Flugzeug statt seeuntüchtigen Booten. Die „Festung Europa“ wäre Geschichte.

Neben wirtschaftlichen Bedenken gibt es Bedenken um die andere Kultur der Einwanderer (wer es nicht erraten kann: Gemeint sind Muslime). Deutschland hat alle Macht der Welt, um den radikalen Islam bei sich zu zerschlagen, dazu müssen nichtmal Saddam-Methoden angewendet werden, es reichen schon die Methoden, die man gegen Steuerhinterzieher anwendet. Ich bin zwar gegen solche Holzhammermethoden, aber Burkaverbote in öffentlichen Gebäuden und die Bestrafung von islamistischer Hassreden wären noch immer besser als das derzeitige System der Einwanderung und Integration. Um sicher zu gehen, könnte man vor jeder deutschen Botschaft oder Asylzentrum ein gigantisches Porträt einer Mohamed-Karikatur aufstellen: Wer randaliert, fliegt.

Wird es zur Katastrophe kommen?

Es gibt einen Unterschied zwischen einem Problem und einer Katastrophe. Deutschland hat viele Probleme, keines davon hat aber in den letzten 10 Jahren zu Massenarbeitslosigkeit, Staatsbankrott oder zu explosiver Gewalt und Bürgerkrieg geführt (die letzte Katastrophe war das schlechte Management der Wiedervereinigung, die zu 5 Millionen Arbeitslosen führte). Wir stehen wirtschaftlich und sozial relativ gut da. Wenn jetzt durch die Flüchtlingswelle viele sagen „Wir werden Probleme bekommen“, stimme ich dem zu, der Aussage „Wir werden eine Katastrophe erleben“ eher nicht. Für die Zukunft lässt sich zwar nichts ausschließen – aber man kann anhand der Situation Einschätzungen abgeben, die mehr oder wenig wahrscheinlich sind. Meine Einschätzung ist: Wir werden keine Katastrophe erleben.

Ja, die Versorgung der Flüchtlinge wird gigantische Kosten verschlingen. Genauso wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Beide werden auf 8 Milliarden pro Jahr angerechnet. Diese Kosten sind skandalös, doch man muss die Dimensionen im Auge behalten. Ein Staatsbankrott durch die Flüchtlinge droht nicht. Den produktiven Bayern durch den Länderfinanzausgleich weit mehr Geld entzogen als durch die Flüchtlinge, die Schmarotzer aus Sachsen und Berlin sollten für Seehofer das eigentliche Problem sein, zumal Sachsen und Berlin sichere Herkunftsländer sind. Auch die Eurorettung und die Energiewende sind eine weit größere Gefahr für Deutschlands Wohlstand als die Flüchtlinge.

Wer auf die Lage in Schweden hinweist, gibt mir damit, ohne es selbst zu merken, ein Stück weit Recht. Schweden hat wie Deutschland viele Probleme, z.B. noch immer zu hohe Steuern, hohe Jugendarbeitslosigkeit und ein starrer Wohnungsmarkt, doch die schwedische Wirtschaft steht dank liberaler Reformen seit den 1990ern (gegen die Schröders Reformen ein Witz waren) sehr gut da. Die Staatsquote sank drastisch, ebenso die Steuern, der schwedische Sozialstaat wurde immer weiter zurückgefahren, allein zwischen 2006 und 2011 wurde die Anzahl der Menschen, die von Sozialleistungen leben, um 150.000 reduziert. Schweden ist eines der Länder, die am besten durch die Finanzkrise gekommen sind, ein leuchtendes Beispiel für die Südländer.

Nicht nur die Wirtschaft hat keine Katastrophe erlebt. Die Kriminalitätsrate ist in den letzten Jahrzehnten gesunken, auch in den letzten 10 Jahren. Im internationalen Vergleich ist Schweden eines der sichersten Länder der Welt. Die Vergewaltigungsrate zählt zu den höchsten der Welt, und obwohl es eindeutig eine Überrepräsentierung von Einwanderern unter den Vergewaltigern gibt, ist die hohe Rate zum Großteil auf feministische Umdeutungen der juristischen Definition von Sexualverbrechen zurückzuführen. Es gilt schon als Vergewaltigung, wenn man beim Sex eine falsche Identität angibt. Die Zahl von Anzeigen ist seit 2006 nicht gestiegen, die Zahl der Vergewaltigungen in der Statistik dagegen ging in die Höhe. Trotzdem wird diese feministische Lüge wohl weiterhin für konservative Anliegen benutzt werden.

Wenn also Schweden wirtschaftlich gesehen ein Beispiel für Griechenland, Spanien und Italien und ein weit sicherer Ort als die USA oder Großbritannien ist, frage ich mich, was an Schweden so katastrophal sein soll. Weder jetzt, noch in 10 oder 20 Jahren wird Schweden zusammenbrechen. Es gibt übrigens eine Theorie, wonach der Zustrom von Fremden oft zum Abbau des Sozialstaats führt, da man weniger gewillt ist, für Fremde zu zahlen als für Leute aus dem eigenen „Stamm“ (was den historisch kleineren Sozialstaat in den USA und die jüngste Entwicklung in Schweden erklären könnte). Wenn das auch in Deutschland passiert: Wunderbar, gegen diese „amerikanischen Verhältnisse“ hätte ich nichts einzuwenden.

Bei all dem argumentiere ich natürlich auch aus meiner grundsätzlichen Position für freie Einwanderung heraus. Ich sehe keine Legitimität, Menschen auf Grundlage ihrer Nationalität das Übertreten einer Grenze zu verbieten. Illegale Einwanderung ist für mich ein opferloses Verbrechen, sowie Witze über Gott zu machen. Jeder, der schonmal aus wirtschaftlichen Gründen von einem Ort in einen anderen Ort gezogen ist, ist ein „Wirtschaftsflüchtling“. Wenn das ein Verbrechen sein soll, sind wir alle Illegale. Die Probleme, die sich durch den Flüchtlingsstrom ergeben, sind real, sie können jedoch ohne härtere Abschottung angegangen werden. Es gibt eine Mitte zwischen einem unkritischen „Refugees welcome“ und dem Ruf nach der „Festung Europa“.

Denkt an die Torten der Wahrheit.

10 Antworten to “Jeder Mensch ist illegal”

  1. Yadgar Says:

    „Wenn das auch in Deutschland passiert: Wunderbar, gegen diese “amerikanischen Verhältnisse” hätte ich nichts einzuwenden.“

    Na wunderbar, dann wird es für Millionen Hartzer und Grundsicherungsempfänger demnächst nur noch Lebensmittelmarken und Massenschlafsäle geben…

  2. aron2201sperber Says:

    aus der Sicht des Wohlfahrts-Gegners sind die Massen, die den Sozialstaat zum Kippen bringen werden zwar ein Segen:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2015/11/28/asoziale-sozialhilfe/

    das Ganze wird wohl leider nicht ohne böse Nebengeräusche von sich gehen.

    außerdem kann auch gut sein, dass sich am Ende die Anhänger eines nationalistischen Wohlfahrtsstaates durchsetzen.

    • arprin Says:

      Es wird sicherlich böse Nebengeräusche geben. Aber ich sehe keine so große Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung und für die (weitgehend) freiheitliche Ordnung im Land.

      Außerdem gibt es eine faktische Obergrenze, sowie es auch eine faktische Obergrenze für einheimische Arbeitslose gibt, wie Schröder feststellen musste.

  3. bevanite Says:

    Danke für die Widerlegung einiger gängiger Mythen, die man in den letzten Monaten zum Thema „Flüchtlingskrise“ lesen musste. Es wird nämlich oft übersehen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen nach der Genfer Konvention erfolgt und damit stets nur eine Aufnahme „auf Zeit“ ist. Es müsste aber Konsens sein, dass die, ich nenne es mal „libanesische Lösung“ (eine große Anzahl dauerhaft in Massenlager zu packen) auf Dauer für keinen Beteiligten gut ist. Damit verhindert man Integration. Ein Einwanderungsgesetz würde ich daher auch befürworten, das wird mit einer CDU-geführten Regierung allerdings nicht machbar sein. Wir erinnern uns: auch Merkel sagte schon den Satz „Deutschland ist kein Einwanderungsland“.

    Die Idee mit den „Freizonen“ klingt auf dem Papier erstmal gut, aber es müsste jemand die Initiative ergreifen. Gab es vor ein paar Monaten nicht den Versuch eines tschechischen Millionärs, einen libertären Mikrostaat an der kroatisch-serbischen Grenze zu etablieren? Der wäre dafür doch optimal geeignet.

    Anstatt der peinlichen Mohammed-Karikaturen reicht es doch schon völlig aus, dass Einwanderer gleich bei der Ankunft damit konfrontiert werden, mit weiblichen Mitarbeitern – egal ob das nun Zollbeamtinnen, Lehrerinnen, Polizistinnen oder Sachbearbeiterinnen auf der Ausländerbehöre sind – zu tun zu haben. Das ist gelebte Integration auf grass roots-Ebene und die Leute gewöhnen sich schneller daran, als man denkt.

    Das implizite Berlin-Bashing mit gleichzeitiger Bayern-Glorifzierung ist in diesem Artikel allerdings „nicht hilfreich“. Wenn Bayern so toll ist, warum ziehen dann viele Ausländer (u.a. auch jüngere Israelis) lieber nach Berlin?😉

    Zwei Punkte, in denen ich entschieden widerspreche:

    – Den Sozialstaat zurückzufahren, ist keine Lösung. Damit spielt man nur zwei Minderheiten, Sozialhilfeempfänger und Zuwanderer, gegeneinander aus und schafft sozialen Sprengstoff, der am Ende der AfD zugute kommen wird. Ich sehe auch nicht notwendigerweise Zusammenhänge zwischen Sozialstaat und mangelnder Integration. Auch Norwegen hat hohe sozialstaatliche Standards und dort scheint die Integration trotzdem gut zu laufen.

    – Die hohe Vergewaltigungszahl in Schweden kommt nicht durch die böse feministische Umdeutung zustande. Im Gegenteil: Dank der dort einflussreicheren feministischen Bewegung trauen sich Vergewaltigsopfer in Schweden eher, diese Vorfälle auch der Polizei zu melden. Folglich werden sie häufiger erfasst und auch entschiedener bekämpft. In vielen anderen Ländern werden sie oft gar nicht erst gemeldet, weil dies immer noch bagatellisiert wird.

    • arprin Says:

      Die Idee mit den “Freizonen” klingt auf dem Papier erstmal gut, aber es müsste jemand die Initiative ergreifen. Gab es vor ein paar Monaten nicht den Versuch eines tschechischen Millionärs, einen libertären Mikrostaat an der kroatisch-serbischen Grenze zu etablieren? Der wäre dafür doch optimal geeignet.

      Es gab die Initiative „Liberland“, aber davon hat man nicht so viel gehört. Ein Libertärer wurde bei seinem Besuch von kroatischen Polizisten verhaftet:
      http://www.ksta.de/niederkassel/auf-dem-weg-in-die-freie-republik–liberland–17-jaehriger-aus-niederkassel-landet-im-kroatischen-knast,15189206,30945588.html
      Allerdings gab es auch andere Vorschläge von reichen Unternehmern, z.B. eine griechische Insel für so ein Projekt zu nehmen.

      Das implizite Berlin-Bashing mit gleichzeitiger Bayern-Glorifzierung ist in diesem Artikel allerdings “nicht hilfreich”. Wenn Bayern so toll ist, warum ziehen dann viele Ausländer (u.a. auch jüngere Israelis) lieber nach Berlin?😉

      Bayern ist einfach besser als Berlin, das kann man nicht leugnen.🙂

      Den Sozialstaat zurückzufahren, ist keine Lösung. Damit spielt man nur zwei Minderheiten, Sozialhilfeempfänger und Zuwanderer, gegeneinander aus und schafft sozialen Sprengstoff, der am Ende der AfD zugute kommen wird.

      Der Sozialstaat muss unabhängig von der Einwanderung reformiert werden, z.B. bei der Rente, und wie Schweden zeigt, geht das ohne Hass auf Einwanderer zu schüren.

      Dank der dort einflussreicheren feministischen Bewegung trauen sich Vergewaltigsopfer in Schweden eher, diese Vorfälle auch der Polizei zu melden. Folglich werden sie häufiger erfasst und auch entschiedener bekämpft.

      Naja, das mag sein, aber es gibt sehr wohl auch die Kriminalisierung von einvernehmlichen Verkehr und eine übertriebene Statistik.

  4. Thomas Leske Says:

    Großartiger Artikel! Viel Erfolg für Ihr Buch!

  5. Thomas Holm Says:

    Wenn alle illegal sind (z.B. wegen 120% Umsatzsteuer) dann kann man am ehesten rein menschlich regieren, d.h. aus tiefster Seele.

    Die Loesung aus Ultra-Kaltland: das Gesetz ist nur fuer den Feind, dem Freund* aber steht unser Herz offen.

    *sind nicht so viele … weil es ja immer noch Knappheit gibt.

    104% Wahlbeteiligung verweisen zudem auf einen hohen Respekt vor den Ahnen. Das betreffende Traumland wird auch als das „Indien im Nebel“ bezeichnet.

    Allerdings gilt der allgemeine Orwellsche Farm-Vorbehalt:

    Alle Schneebaeren sind illegal, aber einige sind noch illegaler.

  6. Walter Stein Says:

    Interessanter Artikel, allerdings scheint er mit doch in seiner Intellektualität etwas zu realitätsfern. Die Vorstellung, die Welt bräuchte im Grunde keine Grenzen, hat natürlich mit der Wirklichkeit nichts z u tun und natürlich soll sich auch nicht jeder aussuchen können, wo er lebt. Es hat gute Gründe, dass sich einige Staaten sehr genau aussuchen, wen sie bei sich leben lassen und wen nicht. Und eine derart große Zahl weitgehend bildungsferner Menschen aus einem gänzlich anderen Kulturkreis lässt sich schlicht nicht integrieren. Das sind niedliche Träume aus einem besseren Paralleluniversum, ich halte es da eher mit Helmut Schmidt.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: