Greifswald statt Paris

Prometheus bringt der Menschheit das Feuer

Prometheus brachte uns das Feuer – bringt Greifswald uns die Kernfusion?

In Mitteleuropa wurde vor kurzem etwas vereinbart, dass die gesamte Zukunft der Menschheit beeinflussen könnte. Es geht um die Energieversorgung. Milliarden Menschen könnten von den beschlossenen Vereinbarungen profitieren, in Form von bezahlbarem und ökologisch verträglichem Strom. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Milliarden Euro investiert, die Ergebnisse sollen aber erst in ein paar Jahren sichtbar werden. Gemeint ist natürlich nicht der Weltklimavertrag von Paris, sondern die Inbetriebnahme des Kernfusionsreaktors Wendelstein 7-X in Greifswald. Auch wenn Greifswald weniger Nachrichten machte als Paris, ist es von potenziell weit größerer Bedeutung.

Bei der Kernfusion geht es darum, die Energiegewinnung in der Sonne auf der Erde zu kopieren. Im Inneren der Sonne verschmelzen Wasserstoffkerne unter großem Druck und hoher Temperatur (15 Millionen Grad Celsius) zu leichteren Helium-Kernen und erzeugen dabei die Energie, die bis in die Erde strahlt (das Gegenteil dieses Prozesses ist die Kernspaltung). Da auf der Erde andere Zustände herrschen, müssen in den Fusionsreaktoren noch höhere Temperaturen erzeugt werden, um die Verschmelzung der Wasserstoffkerne herbeizuführen, um die 100 Millionen Grad Celsius. Gelingt das Projekt, haben wir eine potenziell unbegrenzte Energiequelle: Ein Gramm Brennstoff liefert nach Schätzungen des Max-Planck-Instituts so viel Energie wie 90.000 Kilowattstunden, was 11 Tonnen Kohle entspricht.

Der Weltklimavertrag ist dagegen bestenfalls ein Papiertiger, schlimmstenfalls eine massive Verschwendung. In den kommenden Jahrzehnten sollen sich die Industriestaaten von den fossilen Energieträgern Öl, Gas und Kohle verabschieden und auf Sonne, Wasser und Wind setzen (Atomkraft und Fracking sollen keine Chance bekommen). Die Entwicklungsländer sollen mit Finanzspritzen von 100 Milliarden Dollar jährlich unterstützt werden, um ebenfalls die Energiewende hinzukriegen. Mit dieser Welt-Planwirtschaft wird die Energieversorgung aber nicht gesichert werden können und die möglichen Auswirkungen der globalen Erwärmung, wenn überhaupt, nur minimal gestoppt werden können.

Selbst wenn der CO2-Ausstoß wirklich die negativen Folgen hat, die von vielen Wissenschaftlern prognostiziert werden – höhere Temperaturen, Antarktisschmelze, Meeresspiegelanstieg – wäre es immer noch deutlich billiger, sich auf diese Folgen einzustellen statt Billionen Dollar zu investieren, um den CO2-Ausstoß zu senken, was selbst viele Forscher, die die These von der menschengemachten Erwärmung teilen (ich bin diesbezüglich ein Agnostiker), ähnlich sehen. In Zukunft werden wir an den Weltklimavertrag Paris als eine folgenlose Spinnerei oder ein Billionengrab zurückblicken, doch sicher nicht als der Beginn der Energieversorgung der Zukunft. Der Fusionsreaktor in Greifswald bietet viel mehr Hoffnung für unsere zukünftige Energieversorgung als Paris.

Leider könnte das Projekt noch lange dauern. Es wurden oft Durchbrüche vermeldet, die zu voreilig waren. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass es erst in den 2030ern Fusionskraftwerke geben wird, andere sagen, es wird bis 2050 oder 2075 dauern. Aber wenn endlich ein Fusionsreaktor erfolgreich ist, haben wir bezüglich unseres Stroms eine sorgenlose Zukunft vor uns: Bei der Kernfusion wird nur sehr wenig Radioaktivität freigesetzt, eine schnelle Kettenreaktion mit einem GAU wie bei der Kernspaltung ist nicht möglich und auf der Erde ist soviel Wasser und Lithium (die Elemente, die viel Deuterium und Tritium enthalten, die Wasserstoff-Isotope, mit denen in den Fusionsreaktoren gearbeitet wird) vorhanden, dass immer genug Brennstoff da wäre.

Es wäre der wichtigste Durchbruch seit der Entdeckung des Feuers. Da ist es verschmerzbar, dass für den Reaktor in Greifswald in den letzten Jahren europaweit insgesamt 1 Milliarde Euro an Steuergelder geflossen sind und andere derzeitige Projekte wie das noch nicht ans Start gegangene ITER in Frankreich auch einige Milliarden bekommen. Zum Vergleich: Die völlig ineffizienten erneuerbaren Energien bekommen allein in Deutschland jährlich 20 Milliarden Euro an Subventionen. Wer hat sich aber über die „Verschwendung von Steuergeldern“ beschwert, die mögliche Nutzbarkeit der Energiequelle angezweifelt und die „Behinderung der Energiewende“ kritisiert? Natürlich die Grünen.

7 Antworten to “Greifswald statt Paris”

  1. Yadgar Says:

    Und selbst wenn es auf absehbare Zeit nichts mit der Kernfusion wird: es gäbe immer noch die Möglichkeit, flüssigsalzmoderierte Thoriumreaktoren zu bauen – aber idiotischerweise will man das ja zumindest hierzulande nicht!

    Schreibt das Paris-Protokoll eigentlich explizit den Verzicht auf Kernenergie vor?

  2. Elephantxx Says:

    Optimusmus ist ja etwas Schönes, aber es scheint doch noch etwas früh für Jubel zu sein. Auch bei der Kernfusion wurde versprochen, dass sie alle Energieprobleme lösen würde, von Nebenwirkungen war weniger die Rede.
    Im den Text haben sich leider auch einige naturwissenschaftliche Fehler eingeschlichen, daher gehe ich mal davon aus, dass Du keinen wissenschaftlichen Hintergrund hast.
    Auch Deine Schlussfolgerungen bezüglich der Kosten sind nicht logisch begründbar. Wenn Du nicht weißt, welche Folgen der menschengemachte Klimawandel hat, sind Abschätzungen über die Kosten doch Kaffeesatzleserei.
    Wo ich aber stocke ist, dass Du staatliche Gelder für diese Forschung befürwortest, sollten das nicht besser privat finanziert laufen?

    • arprin Says:

      Optimusmus ist ja etwas Schönes, aber es scheint doch noch etwas früh für Jubel zu sein.

      Aber die Forschungen können ein wichtiger Schritt sein, um die Technik in Zukunft nutzbar zu machen.

      Im den Text haben sich leider auch einige naturwissenschaftliche Fehler eingeschlichen, daher gehe ich mal davon aus, dass Du keinen wissenschaftlichen Hintergrund hast.

      Nein, habe ich nicht, ich habe nur populärwissenschaftliche Literatur dazu gelesen. Vielleicht kannst du ja Korrekturlesen.

      Auch Deine Schlussfolgerungen bezüglich der Kosten sind nicht logisch begründbar. Wenn Du nicht weißt, welche Folgen der menschengemachte Klimawandel hat, sind Abschätzungen über die Kosten doch Kaffeesatzleserei.

      Björn Lomborg hat sich damit eingehend beschäftigt, indem er anhand der Modelle der Klimaforscher eine Kosten-Nutzen-Analyse vornahm:
      http://www.amazon.de/Cool-Klimawandels-k%C3%BChlen-bewahren-sollten/dp/3421043531/ref=sr_1_2?ie=UTF8&
      Seine Schlussfolgerung: Sich auf die Folgen einzustellen ist viel besser als den CO2-Ausstoß zu senken.

      Wo ich aber stocke ist, dass Du staatliche Gelder für diese Forschung befürwortest, sollten das nicht besser privat finanziert laufen?

      Ja, sollte es. Ich sagte, es ist verschmerzbar (wegen des Nutzens und weil an anderer Stelle viel dringender gespart werden muss), nicht, dass ich es befürworte.

  3. Elephantxx Says:

    „Aber die Forschungen können ein wichtiger Schritt sein, um die Technik in Zukunft nutzbar zu machen.“
    Sicher ist jedenfalls, dass sie ohne Forschung niemals nutzbar sein wird. Ob sie mit Forschung jemals den Durchbruch bringt, steht in den Sternen. Ich bin da eher pessimistisch, ich halte andere Ansätze für erfolgsversprechender.

    „Nein, habe ich nicht, ich habe nur populärwissenschaftliche Literatur dazu gelesen. Vielleicht kannst du ja Korrekturlesen.“

    Meiner Meinung nach verfälschen die Ungenauigkeiten zwar nicht die Aussage Deines Artikels, ich stelle mir jedoch in diesen Fällen oft die Frage, wenn die Grundlagen nicht verstanden sind, inwieweit kann man dann den Schlussfolgerungen Glauben schenken.

    „Björn Lomborg hat sich damit eingehend beschäftigt, indem er anhand der Modelle der Klimaforscher eine Kosten-Nutzen-Analyse vornahm:“

    Ich kenne das Buch nicht, habe aber mitbekommen, dass Herr Lomborg nicht gerade unumstritten ist.

    „Ja, sollte es. Ich sagte, es ist verschmerzbar (wegen des Nutzens und weil an anderer Stelle viel dringender gespart werden muss), nicht, dass ich es befürworte.“

    Meine Frage war etwas hinterhältiger gemeint. Wenn in dieser Technik die Zukunft liegt, warum erkennt dies die Privatwirtschaft nicht und überlässt dem (Deiner Meinung nach ineffizienten?) Staat die Entwicklung?

    • arprin Says:

      Meiner Meinung nach verfälschen die Ungenauigkeiten zwar nicht die Aussage Deines Artikels, ich stelle mir jedoch in diesen Fällen oft die Frage, wenn die Grundlagen nicht verstanden sind, inwieweit kann man dann den Schlussfolgerungen Glauben schenken.

      Welche relevanten Ungenauigkeiten gibt es?

      Meine Frage war etwas hinterhältiger gemeint. Wenn in dieser Technik die Zukunft liegt, warum erkennt dies die Privatwirtschaft nicht und überlässt dem (Deiner Meinung nach ineffizienten?) Staat die Entwicklung?

      Natürlich könnten es auch Private machen, aber es ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn der Staat auch dort investiert, bei den Möglichkeiten die diese Technik bietet. Und natürlich ist der Staat ineffizient, er gibt deutlich mehr für die erneuerbaren Energien aus.

  4. Elephantxx Says:

    „Im Inneren der Sonne verschmelzen Wasserstoffkerne unter großem Druck und hoher Temperatur (15 Millionen Grad Celsius) zu leichteren Helium-Kernen und erzeugen dabei die Energie, die bis in die Erde strahlt (das Gegenteil dieses Prozesses ist die Kernspaltung.)“

    Heliumkerne sind schwerer als Wasserstoffkerne, deshalb ja auch Kernfusion und nicht -spaltung.

    „Ein Gramm Brennstoff liefert nach Schätzungen des Max-Planck-Instituts so viel Energie wie 90.000 Kilowattstunden, was 11 Tonnen Kohle entspricht.“

    Kilowattstunden ist eine Energieeinheit. Also nicht so viel wie sondern 90.000 kWh. Eine Minute dauert auch nicht so lang wie 60 Sekunden, sondern eine Minute sind 60 Sekunden.

    „Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass es erst in den 2030ern Fusionskraftwerke geben wird, andere sagen, es wird bis 2050 oder 2075 dauern.“

    Mindestens einer von denen hat keine Ahnung, es ist also reines Kaffeesatz lesen.

    „auf der Erde ist soviel Wasser und Lithium (die Elemente, die viel Deuterium und Tritium enthalten, die Wasserstoff-Isotope, mit denen in den Fusionsreaktoren gearbeitet wird) vorhanden, dass immer genug Brennstoff da wäre.“

    Tritium ist radioaktiv und muss immer neu gebildet werden. Dies geschied in der Natur in großen Höhen und wird dann ausgeregnet, so dass im Wasser immer ein sehr kleiner Anteil vorhanden ist, ob dieser nutzbar ist, ist zweifelhaft. Lithium enthält keinen Wasserstoff, Tritium kann über Kernspaltung aus Lithium „erbrütet“ werden.

    Um mal die ins Auge springenden Ungenauigkeiten aufzuzählen.

    „Und natürlich ist der Staat ineffizient, er gibt deutlich mehr für die erneuerbaren Energien aus.“

    Diese Aussage wäre nur dann nicht völlig falsch, wenn sich die Investitionen in Kernfusion mal bezahlt machen würden, diese Technik also irgendwann mal funktioniert. Das weiß aber heute noch niemand.
    Und falls sie mal funtioniert folgert daraus: Während der Staat Geld in eine Zukunftstechnologie investiert hat, haben dies Private nicht getan. Ineffizienter wären dann aber die Privaten gewesen.

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