Glaube keiner Statistik, die du nicht verstanden hast

Die "Pyramide des kapitalistischen Systems"

Leben wir in einer neuen Feudalgesellschaft?

Oxfam hat es wieder getan. Wie schon 2014, als sie sagten, die reichsten 85 Menschen würden soviel besitzen wie die ärmste Hälfte der Menschheit, und 2015, als schon die reichsten 80 soviel hatten wie die ärmste Hälfte, sind es 2016 ihren Angaben nach schon die reichsten 62 Menschen. Die Medienresonanz ist erneut gewaltig, ebenso wie die Falschheit der Behauptung. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Vermögen, Einkommen und Kaufkraft. Ein verschuldeter Amerikaner mit einem Nettovermögen von 0 hat zwar weniger Vermögen als ein Slumbewohner in Nairobi, der 10 Cent Vermögen hat, hat aber eine viel höhere Kaufkraft. Da Oxfam diesen Unterschied nicht berücksichtigt, gehören ihren Angaben nach 40 Millionen Amerikaner zu den ärmsten 10% der Menschheit.

Eine große Resonanz hatte im letzten Monat auch eine Statistik vom Pew Research Center in den USA, wonach die Mittelschicht immer weiter schrumpft. Gehörten im Jahr 1971 noch 61% der Amerikaner zur Mittelschicht, waren es 2015 nur noch 50%. Die Medien titelten: „Der amerikanische Traum stirbt“, „Die Mittelschicht verschwindet“, „Immer mehr Ungleichheit“. Was jedoch wenig beachtet wurde ist, dass die Oberschicht im selben Zeitraum von 14% auf 21% gestiegen ist. Die Mittelschicht verschwindet also, weil immer mehr in die Oberschicht aufsteigen (bei der Verschiebung der Einkommensschichten spielen auch demografische Entwicklungen eine Rolle, z.B. der veränderte Anteil von Rentnern und Jugendlichen, der Zustrom von armen Einwanderern, usw.).

Statistiken, die einem nicht gefallen, als falsch abzutun, ohne sich mit dem Inhalt beschäftigt zu haben, ist unterstes Niveau. Aber Statistiken sollten auch richtig verstanden werden. Natürlich kann eine Statistik auch falsch sein, aber nicht schlimmer ist es, eine richtige Statistik falsch zu interpretieren, vor allem, wenn dadurch politische Maßnahmen rechtfertigt werden sollen. Zu was auch eine falsche Statistik führen kann, zeigt ein Beispiel aus Deutschland. Im Jahr 2009 gab es einen Schock, als das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) behauptete: 16,3% der deutschen Kinder leben in Armut. Die schwarz-gelbe Koalition beschloss eine Erhöhung des Kindergelds. Später kam heraus: Die Zahlen waren eine Statistikpanne, die tatsächliche Prozentzahl der Kinderarmut lag bei 8,3%.

Einen ähnlichen Aufschrei gab es über die sogenannte „Generation Praktikum“. In der neoliberalen Hölle, die Deutschland angeblich geworden ist, macht eine ganze Generation von Jugendlichen nach dem Abschluss nur noch jahrelange Praktika zu Niedriglöhnen. In Wirklichkeit ist „Generation Praktikum“ ein Mythos, was schon seit 2007 bekannt ist (nur bei den Geistes- und Sozialwissenschaften nahmen die Praktika zu – wahrscheinlich, weil es kein Bedarf für so viele Menschen gibt, die Vorträge über Feminismus und dem „White privilege“ halten), aber der Mythos starb nicht aus. Die Folge: Der 2015 eingeführte Mindestlohn machte keine Ausnahmen für Praktikanten. Wie erwartet, stellen Unternehmen nun seltener Praktikanten ein. Auch eine nette Problemlösung.

„Zunehmende Kinderarmut“, „Generation Praktika“, „Weltweite Ungleichheit steigt“, „Mittelschicht verschwindet“ – all diese Horrorszenarien sind bei genauer Betrachtung nicht aufrechtzuerhalten. Wenn sie unwidersprochen bleiben, können sie in der realen Welt reale Auswirkungen haben. Der ständige Aufschrei über die weltweite Ungleichheit (wenn es in dem Tempo weitergeht, werden 2020 schon die reichsten 10 soviel besitzen wie die ärmste Hälfte) könnte den feuchten Traum der Piketty-Jünger wahr werden lassen, nämlich eine globale Vermögenssteuer. Da kann ich den Steuerschutzsuchenden nur empfehlen: Haut ab, solange ihr noch könnt! In Monaco, Luxemburg und den Cayman-Inseln soll es eine nette Willkommenskultur geben.

13 Antworten to “Glaube keiner Statistik, die du nicht verstanden hast”

  1. miltonbGE Says:

    Wenn man das Volkseinkommen durch die Einwohnerzahlt teilt, erhält man mit dem Prokopfeinkommen als Mittelwert exakt 2 Hälften, die untere teilen sich in D 90 % der Bürger, die obere 10 % der Bürger. Und wenn man 25 % des Volkseinkommens von Oben nach Unten umverteilt, dann ist das eine Nullsumme, die 90 % haben dann 72,5 % des Volkseinkommen, die 10 % immer noch 27,5 % !

    Da hilft KEIN Leugnen der Zahlen, die Situation der 90 % und damit der Aufschwung auf dem Markt kann eben nach C.F.Gauß so noch optimiert werden. Das erkannte auch der Wirtschafts-Nobel-Preisträger Milton Friedman, der Markt erreicht erst dann sein Optimum, wenn man jedem ein halbes Prokopfeinkommen als Existenzgrundlage gibt und jeder sein halbes Einkommen behält !
    Das kostet der Volkswirtschaft gar nichts !

    Und es ist sogar monetaristisch notwendig, weil die Güter der Existenzgrundlage unmittelbar verspeist werden, ihre Geldschöpfung aber nicht unmittelbar verbrannt wird.

    Der Kapitalismus mästet sich an der Existenzgrundlage der Bürger, in den Finanzkrisen kotzt der Freie Makt das durch Güter ungedeckte Geld nur wieder aus. Boom & Burst !

  2. libertylauch Says:

    Ich verstehe miltonbGEs Kommentar nicht

    • miltonbGE Says:

      Es gibt 2 Naturgesetze :
      1.Wenn jeder nach seinem maximalen Einkommen strebt, dann ist auch das Volkseinkommen maximal (Adam Smith 1776).
      2. Wenn das Volkseinkommen maximal ist, dann ist noch lange nicht jedes Einkommen optimal. Seine Verteilung kann für mehr Umsatz auf dem Markt noch einmal durch Umverteilung über den Mittelwert optimiert werden (C.F.Guß 1795).

      Auch die Statistik richtet sich nach Naturgesetzen !

  3. Elephantxx Says:

    Mag ja sein, dass ich da was übersehe, aber die Artikel, der die „Falscheit der Behauptung“ zeigen soll, tut genau das Gegenteil. Er widerlegt eine häufige Kritik an dem Oxfam Bericht.

    • arprin Says:

      Ja, es ist eher eine Kritik daran, wie die Studie in den Medien wiedergegeben wird.

    • miltonbGE Says:

      Schmunzel, aber das ist liberale freie Meinungsäußerung der Medien. Sie müssten schon eine fundierte Kritik an der Erhebung der Daten vorbringen.

      Kapitalismus ist ein Glasperlenspiel. Musste der Grundbesitzer früher die Erträge seiner Felder mit seinen Knechten und Mägden teilen, so gibt er ihnen nun Glasperlen, damit sie bei ihm diese Erträge kaufen ! Die Knechte ud Mägde, ca.90 % der Bürger, erwirtschaften ihren Lebensunterhalt doppelt, einmal als Produkt für die Gutsherren (10 %), ein zweites Mal durch Kauf bei den Gutherren. Das ist systemimmanent !

  4. libertylauch Says:

    Ich weiß auch bis heute nicht, ob miltonbGE für oder gegen Kapitalismus ist.

    • miltonbGE Says:

      Ich bin für Kapitalismus UND Freiheit ! Es gibt auch im Kapitalismus 2 Bedingungen für Freiheit :
      1. ein gesellschaftliches Geldschöpfungsmonopol, denn sonst sind die Bürger Schuldner der Geldbesitzer !
      2. ein Familienausgleich durch ein garantiertes Existenzminimum für jeden Bürger. Sonst ist der Bürger Schuldner der Unternehmer.
      Und das ist seit 1962 neoliberal !

  5. Liberty Links 03/2015 - PEACE LOVE LIBERTY Says:

    […] #Statistik, #Armut, #Oxfam: Jorge Arprin haut in seinem Blog rechenschwache Aufmerksamkeit-NGOs in die Tonne. […]

  6. aron2201sperber Says:

    alle Medien haben die Behauptungen ungeprüft nachgebetet – wieder einmal ein Armutszeugnis für die veröffentlichte Meinung

  7. miltonbGE Says:

    Schmunzel, wenn arprin einfach Zahlen leugnet, haut er nur sich selbst in die Pfanne ! Auch er hat diese Zahlen NICHT überprüft und widerlegen können. Auch er ist nur ein Beispiel für veröffentlichte Meinung !

  8. Statistiker Says:

    „Statistiken, die einem nicht gefallen, als falsch abzutun, ohne sich mit dem Inhalt beschäftigt zu haben, ist unterstes Niveau.“

    Wie gut, dass Sie sich selbst ein unterstes Niveau attestieren. Ihr Artikel hat mit ernsthafter Statistik nichts zu tun und verbreitet neoliberale Ideologie schlimmster Verleumdung.

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