Kein Paul 2016

Rand Paul

Es ist vorbei

Rand Paul hat gestern offiziell seinen Rückzug aus den Vorwahlen der Republikaner bekanntgegeben. Damit ist mein persönlicher Wunschkandidat schon früh weg, er hatte aber auch realistisch betrachtet kaum eine Chance. Hoffentlich kann er als Senator in Zukunft als kleines liberales Korrektiv eine Rolle spielen. Welchen Kandidaten unterstütze ich nun? Gary Johnson, der noch weniger Chancen haben dürfte als Paul und das sogar selbst einräumt. Er ist zwar Republikaner, tritt aber für die Libertarian Party (LP) an und begreift seine Kandidatur, wie Paul, als eine Art Investition in die Zukunft. Johnson trat bereits 2012 für die LP an und holte 1 Million Stimmen, 1% aller Stimmen. Mal sehen, ob er sich diesmal verbessern kann.

Wer ist von den übriggebliebenen Bewerbern der am wenigsten schlimmste? Erstmal lässt sich sagen, wer die Schlimmsten wären: Bernie Sanders und Donald Trump. Bei Sanders sind nicht nur seine Chavez-ähnlichen Ansichten furchterregend, sondern dass er sie vielleicht umsetzen könnte. Er ist nämlich jemand, der Enthusiasmus auslösen kann, das sieht man an seinen Anhängern. Die Leute, die meinen, der Föderalismus in den USA sei zu stark, um Sanders‘ Wahnsinn zu ermöglichen, möchte ich auf Roosevelt verweisen, dessen Zentralisierungswahn nicht (ausreichend) gestoppt werden konnte, oder auch an Obamacare, dass vom Obersten Gerichtshof durchgewunken wurde. Die USA sind also nicht sicher vor einer Sanderschen Venezolanisierung.

Trump ist mit seinen Plänen, Amerika wieder groß zu machen, indem eine Mauer um Mexiko zu errichtet wird (die „Große Trumpsche Mauer“?), alle 11 Millionen Illegale abgeschoben und die Zölle für chinesische Importe erhöht werden, ebenfalls furchterregend. Einer meiner Lieblingsblogger, Donald J. Boudreaux, hält Trump für besonders schlimm, weil Trumps Maßnahmen von den Menschen und den zukünftigen Historikern als „freie Marktwirtschaft“ fehlinterpretiert werden. Somit ist klar, wer auf beiden Seiten die Schlimmsten sind. Zum Glück gelten sie derzeit bei den Buchmachern noch nicht als die Favoriten. Hier sind Marco Rubio bei den Republikanern und Hillary Clinton bei den Demokraten vorne.

Rubio ist besser als Ted Cruz, der sehr konservative Ansichten und weniger Unterstützung in der Partei hat. Cruz würde als Kandidat auch kaum eine Chance gegen Clinton haben, deswegen dürfte Rubio die Nase vorn haben. Clinton, die wahrscheinlich nicht weiß, wie man einen Computer bedient, wäre ein großer Rückschlag für den Feminismus (im Übrigen wäre Sanders der erste jüdische Präsident, aber er hängt seinen Minderheitenstatus im Gegensatz zu Clinton nicht an die große Glocke), ist aber die Kandidatin mit den besten Chancen und somit die, mit der wir uns Stand jetzt abfinden müssen. Das Beste wäre, wenn sie im Kongress kaum Unterstützung erhält und so wenige Pläne wie möglich umsetzt. Desto weniger Gesetze, desto weniger Schaden.

Zurzeit hoffe ich auf eine gute Kampagne von Gary Johnson. Ein Ergebnis von 5% wäre ein Erfolg epischen Ausmaßes, eine Verdopplung des Ergebnisses von 2012 wäre aber auch schon gut und würde Johnsons Status erhöhen. Wer weiß, ob Rand Paul oder Gary Johnson 2020 noch eine realistische Chance bekommen, ins Weiße Haus einzuziehen. Unter den Demokraten gibt es keine Hoffnung auf einen vernünftigen Kandidaten. Um sich an ein bisschen Hoffnung zu klammern: Sanders und Trump werden es wohl nicht schaffen, und immer mehr Amerikaner bezeichnen sich als „sozial liberal, fiskalisch konservativ“. So gesehen müsste es einer wie Paul oder Johnson irgendwann auf die große Bühne schaffen.

11 Antworten to “Kein Paul 2016”

  1. Asdrendeluxe Says:

    Du Arprin hat nicht Ted Cruz ein Liberty Score von 97 Prozent, während Rand 94 hat und Marco 79 ?

    Ich mein er mag zwar Religiös aber seine gnadenloser Kampf für die Freiheit ist schon gigantisch.

    • arprin Says:

      Ja, Cruz hat viele gute Positionen, das stimmt, und das Video ist echt klasse. Aber sein strikt konservativer Kurs bei Fragen wie Homo-Ehe und Abtreibung schrecken ab. Und er hat offenbar keine große Unterstützung bei seiner eigenen Partei, die wollen wohl einen „Moderaten“ aufstellen.

      • Asdrendeluxe Says:

        Stimmt bei der Homoehe nicht. Er sagte 100 mal das sollen die Staaten selber entscheiden nicht Washington.

        Mann kann vieles sagen aber mit Rand Paul, Marco Rubio und Ted Cruz haben die Republikaner 2 pure Marktanhänger (Ted und Rand) und ein guten Martkanhänger (Marco). Was haben wir zu bieten?

        PS Achja zu Donald Trump das ist alles nur Show.

  2. Carl Eugen Says:

    Clinton wäre ein „Rückschlag für den Feminismus“?? Das muß man mir näher erklären. Jedenfalls wäre alles, was ein Rückschlag für diese unliberale Pressure group ist, ein Segen für alle. Ob das ausgerechnet auf Clinton zutrifft, wage ich indes zu bezweifeln.

    • bevanite Says:

      Wenn Feminismus als „unliberal“ und (im Kommentar davor) Ted Cruz als Kämpfer für die Freiheit gilt, ist mit dem hiesigen Liberalismus etwas gewaltig schief gelaufen. Da würden sich doch Mary Wollstonecraft oder John Stuart Mill im Grabe umdrehen.

      • arprin Says:

        Oder auch nicht. Natürlich ist der moderne Feminismus mit seinen Forderungen nach Frauenquoten und Zensurmaßnahmen unliberal, und Ted Cruz hat viele liberale Positionen.

    • arprin Says:

      Clinton wäre ein “Rückschlag für den Feminismus”??

      Ich meinte den echten Feminismus, der auf Gleichbehandlung von Frauen abzielt. Clinton macht das Gegenteil und steht damit für den modernen Feminismus, der Frauen Sonderrechte zugestehen will.

      Jedenfalls wäre alles, was ein Rückschlag für diese unliberale Pressure group ist, ein Segen für alle.

      Wenn es um die modernen Feministen geht, sehe ich das auch so.

  3. Martin Says:

    „Clinton, die wahrscheinlich nicht weiß, wie man einen Computer bedient, wäre ein großer Rückschlag für den Feminismus (im Übrigen wäre Sanders der erste jüdische Präsident, aber er hängt seinen Minderheitenstatus im Gegensatz zu Clinton nicht an die große Glocke)“
    .
    Seit wann sind Frauen denn eine Minderheit? Nach Wikipedia kommen in den USA auf 0.97 Männer 1 Frau (https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_sex_ratio). Insofern stellen Frauen tatsächlich sogar die Mehrheit dar, was aber im Grunde unwichtig ist, denn ich frage mich, wie Sie darauf kommen, dass sie eine Minderheit wären. Bevor ich hier anfange zu spekulieren, könnten Sie das ja vielleicht einmal näher erörtern.

  4. CM Says:

    Von Rand Paul zum mainstreamigsten Kandidaten den das GOP-Establishment abgesehen von Jeb Bush diese Saison aufgestellt ist schon ein starker Spung.

    eine Mauer um Mexiko zu errichtet wird (die “Große Trumpsche Mauer”?), alle 11 Millionen Illegale abgeschoben

    1. Die Forderung geltendes Recht durchzusetzen ist nicht verwerflich.
    2.Ebenso wenig die Forderung nach Absicherung der Südgrenze, angesichts der von den mexikanischen Kartellen und zentralamerikanischen Maras ausgehenden Gewalt.
    3.Sollte jemals ein signifikanter Teil dieser illegalen Einwanderer legalisiert werden und Staatsbürgerschaft erhalten wird sich die demografisch-politische Lage in den USA massivst verschlechtern. Zusammen mit der amerikanischen Binnenmigration werden „rote“ Staaten erst zu „violetten“ und dann „blauen“ Staaten, welche zuverlässig für die Demokraten stimmen.
    De facto ist eine hispanisierte USA nix anderes als Brasilien mit schlechterem Wetter.

    Sanders und Trump werden es wohl nicht schaffen

    Trump wird Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Sollte die GOPe den Dolchstoß wagen herrscht in der Partei offener Bürgerkrieg, die Parteibasis hat nämlich die Schnauze voll von aalglatten, femininen „Konservativen“ die ständig gegen die Linke verlieren und permanent Großspender und Lobbygruppen favourisieren (siehe das Phänomen „cuckservative“).
    Und Sanders Verlust wird die Basis der Demokraten gerade unter progressiven udn linken Weißen lähmen, da diese die ihn als Hauptopposition gegen Hillary und ihre kleptokratisch-inkompetenten Machenschaften sehen.
    Aber hey, ich finde es ja eh immer wieder bizarr warum gerade Liberale meinen sich zu Verteidigern von status quo und herrschenden Eliten aufschwingen zu müssen.

    • arprin Says:

      Von Rand Paul zum mainstreamigsten Kandidaten den das GOP-Establishment abgesehen von Jeb Bush diese Saison aufgestellt ist schon ein starker Spung.

      Meinst du Gary Johnson? Gary Johnson ist Mainstream?

      1. Die Forderung geltendes Recht durchzusetzen ist nicht verwerflich.

      Erstens ist das nicht „geltendes Recht“ (weleches Gesetz besagt, dass es eine Mauer geben muss und wie sollen alle Illegalen aufgespürt werden ohne Gestapo-Maßnahmen?), und zweitens: Wenn es so wäre, wäre auch der Mindestlohn und Obamacare nicht verwerflich, weil geltendes Recht.

      2.Ebenso wenig die Forderung nach Absicherung der Südgrenze, angesichts der von den mexikanischen Kartellen und zentralamerikanischen Maras ausgehenden Gewalt.

      Ja genau, ohne eine Mauer sind die Süd-USA ein Höllenloch der Kartelle und Maras. Deswegen sind die Nordstädte El Paso, San Diego, Austin und San Antonio die sichersten Großstädte der USA und die südlich gelegenen Detroit, Baltimore, Philadelphia und Washington die kriminellsten.

      3.Sollte jemals ein signifikanter Teil dieser illegalen Einwanderer legalisiert werden und Staatsbürgerschaft erhalten wird sich die demografisch-politische Lage in den USA massivst verschlechtern. Zusammen mit der amerikanischen Binnenmigration werden “rote” Staaten erst zu “violetten” und dann “blauen” Staaten, welche zuverlässig für die Demokraten stimmen.

      Inwiefern ist das ein Argument? Willst du auch Schwarzen und Frauen das Wahlrecht entziehen?

      Aber hey, ich finde es ja eh immer wieder bizarr warum gerade Liberale meinen sich zu Verteidigern von status quo und herrschenden Eliten aufschwingen zu müssen.

      Ich verachte den Status Quo und verteidige ihn nicht.

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