Der Niedergang des Michael Moore

Michael Moore eilt bei einigen der Ruf nach, ein Dokumentarfilmer zu sein. Seine Filme sind in der Regel sind durchaus unterhaltsam, aber mit „manipulativ“ noch nett umschrieben. Das könnte an Moores politischen Einstellungen liegen. Moore ist ein entschiedener Kapitalismusgegner. Als solcher sucht er gerne nach Alternativen zum Kapitalismus und wird auch fündig, z.B. in Kuba. Beim konservativen Radiomoderator Sean Hannity legte er dar, was er über Meinungsfreiheit in Kuba denkt:

HANNITY: You – if you went to Cuba … Do you think Fidel Castro would allow you to produce a movie and millions of dollars trashing his system?
MOORE: Well, I don’t know, that’s a good question.
HANNITY: You’d be killed.
MOORE: Oh, I don’t think so. Oh, come on. … What about the murder that’s been done in our name in the last decade? … What’s been done in our name, in our Christian name, to Iraq, in Afghanistan, these other places.

Nachdem er offenbar mit Kuba durch ist, hat er sich einen anderen Ort ausgesucht, der als Alternative zum Kapitalismus dienen soll: Europa. Da fragt man sich als Erstes, wozu das noch notwendig ist, hat doch Amerika in den letzten Jahren eine „Europäisierung“ erlebt (wer nicht weiß, ob das als Lob oder Kritik gemeint ist: Denkt nach!). Aber für Moore ist es offenbar nicht genug. Amerika sollte noch viel mehr wie Europa werden, lautet die Botschaft seines neuen Films „Where to invade next“. In diesem Film besucht Moore u.a. Italien, Frankreich, Skandinavien und Deutschland, um die Überlegenheit des europäischen Systems zu beweisen. Dummerweise hätte er sich keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können.

Zum Inhalt: Italien ist toll, weil die Arbeiter einen dreizehnten Monatsgehalt und viel Urlaub bekommen, Frankreich ist toll, weil das Essen so lecker ist und es keine Hamburger gibt, die die Amerikaner so fett machen wie z.B. Michael Moore, Deutschland ist toll weil es Babypausen mit Lohnfortzahlung gibt und es seine Geschichte aufgearbeitet hat, Slowenien ist toll weil es „kostenlose Bildung“ für alle gibt, Finnland ist toll weil es keine Hausaufgaben für Schüler gibt und es bei PISA trotzdem immer oben ist, Norwegen ist toll weil die Gefängnisinsassen so human behandelt werden und sie trotzdem eine niedrige Rückfallquote haben und Portugal ist toll weil es den Drogenkonsum dekriminalisiert hat. Nun mag die Portugal-Sache stimmen, aber der Rest ist sehr fragwürdig.

Bei seiner Analyse von Italien hätte er sich mal fragen können: Kann es nicht sein, dass die staatlich verordneten Lohnzusatzkosten die Ursache für die sehr hohe Arbeitslosigkeit ist, die im zweistelligen Bereich liegt? Bei Jugendlichen liegt die Arbeitslosenrate bei über 40%, auch in Griechenland, Spanien, Frankreich, Schweden und auch Großbritannien liegt sie bei über 20%. Ist das wirklich ein Vorbild für Amerika, wo die Jugendarbeitslosenrate bei 10% liegt und auch die Gesamtarbeitslosenrate aufgrund weniger Regulierungen als in Europa traditionell viel niedriger ist? Im Übrigen hätte Moore mit ein bisschen Recherche auch feststellen können, dass Deutschland nicht wegen Babypausen mit Lohnfortzahlungen gut dasteht, sondern wegen der „neoliberalen, menschenverachtenden“ Hartz-Reformen, die gerade die von Moore gehassten „amerikanischen Verhältnisse“ nach Deutschland brachten.

Aber wenn man sieht, dass Moore ausgerechnet das aktuelle Frankreich mit seiner hohen Arbeitslosigkeit, niedrigem Wachstum und islamistischem Terror als ein Vorbild für Amerika betrachtet, scheint Hopfen und Malz verloren zu sein. Besonders deutlich wurde das in einer Fragerunde nach einer Vorstellung zu seinem Film. Als man ihn fragte, ob er glaubt, die Franzosen würden nach dem Terror in Paris zu Maßnahmen wie dem Patriot Act zurückgreifen, sagte er „Die Franzosen werden nicht aufhören, Franzosen zu sein“. In Wirklichkeit hat Frankreich schon nach Tagen (!) Maßnahmen ergriffen, gegen die der Patriot Act ein Witz ist und die auf Monate verlängert wurden. Es ist in Frankreich derzeit staatlichen Stellen gesetzlich erlaubt, ohne richterlichen Beschluss, also einfach auf Verdacht hin, Privatwohnungen zu stürmen und Menschen unter Hausarrest zu stellen. Sowas wäre in Amerika wegen der Verfassung nicht möglich.

Angesichts der derzeitigen Lage Europas mit den schweren Wirtschaftskrisen in Südeuropa, der Lage in Frankreich, der Flüchtlingskrise, dem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU und nicht zuletzt dem ungelösten Ukraine-Konflikt wäre wohl nur noch das Jahr 1941 unpassender, um einen Film über Europas Überlegenheit zu machen. Vielleicht könnte er ja für seinen nächsten Film weiter östlich gehen und eine neue Alternative finden: Russland. Ein verlässlicher Rechtsstaat, eine diversifizierte, rohstoffunabhängige Wirtschaft, eine gute demografische Entwicklung und hervorragende Beziehungen zu seinen Nachbarn. Russland ist das Land der Zukunft.

11 Antworten to “Der Niedergang des Michael Moore”

  1. Yadgar Says:

    Na ja, richtig amerikanische Verhältnisse hätten wir in Deutschland erst, wenn die lästigen Sozialausgaben an private Gefängnisbetreiber ausgelagert würden, die dann per Lobbyarbeit dafür sorgen würden, dass jede nicht ganz unbedeutende Ordnungswidrigkeit (so etwa ab Rotlichtverstoß als Radfahrer oder Betreten von Natur“schutz“gebieten abseits markierter Wege) regelmäßig hinter Gittern endet – das wäre zwar mitnichten billiger als Hartz IV, aber dafür könnte man dem verwahrlosten asozialen Unterschichtspack endlich mal so richtig zeigen, wo der Hammer hängt… nicht wahr?

    • Eloman Says:

      Da ist es in D natürlich viel besser. Da kann ich, vorausgesetzt ich bin keiner von diesen Nazis, jemand zusammenschlagen dass er seinen Lebtag darunter zu leiden hat und das Gericht mit ner Bewährungsstrafe verlassen.

      • Yadgar Says:

        Ach, die armen, armen Nazis, sie werden ja so verfolgt in Deutschland, man darf hier ja noch nicht mal im Suff (mildernde Umstände! Aber mindestens!) ein paar Untermenschen totstiefeln! Dabei folgen die Jungs doch bloß ihren gesunden artgemäßen Instinkten:

        „Das Morrrrrrrden ist des Ariers Lust,
        das Morrrrrrrden ist des Ariers Lust,
        das Mooo-horrrrrrrden!…“

        Aber jetzt mal ehrlich: möchtest du für einmal bei Rot über die Ampel gleich für mehrere Monate eingelocht werden?

        Und von welchem konkreten Fall sprichst du in deinem Beitrag?

      • Topfen Says:

        Ein wenig zu sarkastisch um darauf überhaupt antworten zu können. Nur eins:In Deutschland kann man auch jemanden vorsätzlich erschießen, ohne das derjenige irgendetwas unrechtmäßiges getan hat und verlässt – vollkommen zurecht – das Gericht mit einem Freispruch.
        So waht? Es kommt eben doch auf den gesamten Kontext an.

  2. Yadgar Says:

    „HANNITY: You’d be killed.“

    Das wohl nicht, eher achtkantig aus Kuba rausgeschmissen werden (die eigentliche Repression bekämen dann die einheimischen Darsteller in dem Film zu spüren…)

    „MOORE: Oh, I don’t think so. Oh, come on. … What about the murder that’s been done in our name in the last decade? … What’s been done in our name, in our Christian name, to Iraq, in Afghanistan, these other places.“

    Das ist natürlich jämmerlicher Whataboutism… fast so daneben wie die AfD-Fanboys, die auf Zeit Online bei Berichten über Hungersnot in Nordkorea regelmäßig losplärren, dass dank Merkelscher Energiewende auch in Deutschland ein Massensterben bevorstünde, oder die „1984“ gemessen an den heutigen Verhältnissen hierzulande für eine Idylle halten (und garantiert Orwells Buch nie gelesen haben, sonst würden sie nicht so einen hanebüchenen Unsinn daherbrabbeln)!

    • arprin Says:

      Das wohl nicht, eher achtkantig aus Kuba rausgeschmissen werden (die eigentliche Repression bekämen dann die einheimischen Darsteller in dem Film zu spüren…)

      Er würde gar keine Erlaubnis bekommen, einen solchen Film zu drehen und damit Geld zu verdienen.

      Das ist natürlich jämmerlicher Whataboutism

      Ja, da is sogar noch ganz korrekt das „What about“ mit enthalten.

  3. Topfen Says:

    Ich denke mit den Argumenten zum Justizsystem hat er auch zum Teil recht, wobei das eher wenig mit Kapitalismus zu tun hat. Diskutiert man über Verbrechen in denen andere geschädigt werden, kommt man ja schnell zu metaphysischen Begriffen wie Schuld, Sühne und Vergeltung. Also beschränke ich mich auf jenen Verbrechen, bei denen nicht in die Grundrechte anderer eingegriffen worden ist. Will eine Gesellschaft ein solches Verhalten unbedingt verbieten, so sollten sich die Maßnahmen zumindest danach richten, einen das ungewollte Verhalten mit einem geringstmöglichen Eingriff zu unterbinden.
    Meiner Meinung nach sollte dies auch bei der strafrechtlichen Behandlung derer Verbrechen mi Vordergrund stehen, bei denen die Rechte anderer verletzt wurden. Aber wie gesagt, dort wird es quasi-religiös.

  4. chrisamar Says:

    Hat dies auf chrisamar rebloggt.

  5. aron2201sperber Says:

    ohne sein Feindbild Bush ist Moores Karriere schwer ins Stocken geraten

    er muss wohl sehr auf Trump hoffen

  6. T-Träger Says:

    Zitat aus dem Artikel:
    „Seine Filme sind in der Regel sind durchaus unterhaltsam, aber mit ‚manipulativ‘ noch nett umschrieben.“

    Naja, solche Filme muss es auch geben. Die Vorreiter der Aufklärung haben auch auf Polemik usw. zurückgegriffen.
    Nicht mehr lustig ist es allerdings, wenn einige Spinner dieser Überspitzung für die Realität halten.

    „Als solcher sucht er gerne nach Alternativen zum Kapitalismus und wird auch fündig, z.B. in Kuba.“

    Das ist ein typisches Verhalten für die Gegner des Kapitalismus. In der Hochphase des Kalten Krieges war die Alternative wohl der Kommunismus (d.h. konkrett die Sowjetstaaten) und einige linke Utopien, die ungeliebte Realität dagegen die Sozialpolitik des „New Deal“. Und der „New Deal“ wäre unter Sozialgesichtspunkten für die meisten heutigen Amerikaner sicherlich eher ein Traum…

    Später wurde dann der Iran zum Gegenkapitalismus und einige Leute wandten sich den Neotribalismus zu.

    „Aber für Moore ist es offenbar nicht genug. Amerika sollte noch viel mehr wie Europa werden, lautet die Botschaft seines neuen Films ‚Where to invade next‘. In diesem Film besucht Moore u.a. Italien, Frankreich, Skandinavien und Deutschland, um die Überlegenheit des europäischen Systems zu beweisen. Dummerweise hätte er sich keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können.“

    Ach, daher das neue europäische Selbstbewusstsein. Es ist also – ebenso wie der Antiamerikanismus, die halbe Unterhaltungsindustrie und der Schreibstil junger, aufstrebender Autoren – keineswegs ein Produkt „made in europ“, sondern ein amerikanischer Import. Im Ernst: Wenn man sich mit den Argumenten des Antiamerikanismus beschäftigt… Die meisten davon sind US-Import, aus die Simpsons, Family Guy usw.

    Langsam wird mir alles klar. Wenn man die Europäer als das Vorbild für die Welt ansieht, dann kann man ja nur Katastrophenfilme drehen…

    „Im Übrigen hätte Moore mit ein bisschen Recherche auch feststellen können, dass Deutschland nicht wegen Babypausen mit Lohnfortzahlungen gut dasteht, sondern wegen der ’neoliberalen, menschenverachtenden‘ Hartz-Reformen, die gerade die von Moore gehassten ‚amerikanischen Verhältnisse‘ nach Deutschland brachten.“

    Darüber gibt es verschiedene Ansichten.

    „Ein verlässlicher Rechtsstaat, eine diversifizierte, rohstoffunabhängige Wirtschaft, eine gute demografische Entwicklung und hervorragende Beziehungen zu seinen Nachbarn.“

    Fragt sich, wieviele Leute diesen Witz nicht mal verstehen würden…

  7. deutschlandssterne Says:

    Wir könnten von Amerika vor allem übernehmen, daß es Lohnersatzleistungen in vielen Städten und Gemeinden nur gegen eine permanente Verfügbarkeit für jeden Job bzw gemeinnützige Arbeit gibt.

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