Ein Zeichen für Toleranz

Vor fünf Tagen störte die rechtspopulistische „Vlaams Belang“ eine „Muslim Expo“ in Antwerpen. Eine Muslima, Zakia Belkhiri, nahm das zum Anlass, um mit einem Victory-Zeichen vor den Demonstranten zu posieren. Die öffentliche Reaktion war natürlich positiv: Ein mutige Frau, die ein wunderbares Zeichen gegen Hass und für Toleranz setzt. Dummerweise kam schnell heraus, dass sie in ihren Accounts in den sozialen Medien extrem antisemitische Posts veröffentlicht hat, darunter das bekannte Fake-Zitat von Hitler „Ich hätte alle Juden töten können, aber ich habe einige am Leben gelassen, damit ihr wisst, warum ich sie getötet habe.“ Die Dame hat ihren Twitter-Account zwischenzeitlich gelöscht – doch das Internet vergisst nie.

Nachdem dies bekannt wurde, hat Zakia versucht, klarzustellen, dass das alles ganz anders gemeint war. In einer Erklärung sagte sie: Sie hat nichts gegen Juden, nur gegen Zionisten. Damals, als sie das Hitler-Zitat postete, wusste sie aber aufgrund ihrer Ignoranz nicht, dass Israel, obwohl es sich „jüdischer Staat“ nennt, nicht für alle Juden steht. Heute weiß sie, dass nicht alle Juden Zionisten und nicht alle Zionisten Juden sind und die „wahren Juden“ die barbarischen Taten der Zionisten verurteilen. Es war also alles nur ein Missverständnis. Tja, kann passieren. Wer hat in seiner Jugend nicht mal Mist gebaut? Das Wichtige ist, dass man daraus lernt, und das hat Zakia ja: Es gibt auch gute Juden – nämlich die, die Israel hassen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich so eine Geschichte abspielt: Ein Musterbeispiel für Toleranz entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Islamist, der Juden hasst und Hitler bewundert oder sogar ein Massaker plant – manchmal auch mit Erfolg. Hier ein paar Highlights aus letzter Zeit:

– Die 20-jährige Aysegul Gurbuz wurde von der Labour Party zur jüngsten Gemeinderätin bestellt. Dann kam heraus, dass sie bei Twitter ihre Bewunderung für Hitler bekundet hatte: „Adolf Hitler = greatest man in history“.

– Der Konvertit Craig Wallace wollte nach den Terroranschlägen in Paris Vorurteile abbauen und hielt deshalb im Dezember 2015 vor dem britischen Parlament ein Schild hoch mit der Aufschrift. „Ich bin ein Muslim. Ich werde als Terrorist abgestempelt. Ich vertraue dir. Vertraust du mir genug für eine Umarmung?“ Später wurde er verhaftet, weil er einer Tory-Abgeordneten drohte, sie im Schlaf zu töten.

– Naser Abdo machte im August 2010 Schlagzeilen, als er sagte, er wolle aus der US Army aussteigen, weil der Afghanistankrieg ein ungerechter Krieg war und er die Islamophobie bekämpfen wollte. Zwei Jahre später wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er geplant hatte, ein Restaurant voller Soldaten in die Luft zu jagen.

– Erfolgreicher als Wallace und Abo waren Dzhokar und Tamerlan Tsarnaev, die beiden Tschetschenen, die den Anschlag auf den Boston-Marathon verübten. Einer der Gründe für ihre Wut auf den Westen war die grassierende Islamophobie. Dzhokar postete auf Twitter, es sei „sinnlos, mit Idioten zu diskutieren, die meinen, der Islam sei terroristisch“, und Tamerlan war laut seinem Bruder wütend, dass die Welt „den Islam als gewalttätige Religion darstellt“. Um diese Vorurteile zu widerlegen, legten sie eine Bombe, die einen 8-jährigen tötete und einer 6-jährigen das Bein wegsprengte.

– Der ewige Klassiker bleibt aber Denis Cuspert aka Deso Dogg aka Abu Talha al-Almani:

Was lernen wir daraus? Es reicht nicht aus, ein Muslim, gegen Islamophobie und für Toleranz zu sein. Man muss auch gegen Hitler sein und keinen Terroranschlag planen.

6 Antworten to “Ein Zeichen für Toleranz”

  1. venguhl Says:

    Wurde die Expo denn wirklich gestört oder lief da einfach nur ein Protest nebenbei ? Ich bin da inzwischen vorsichtig, da man inzwischen alles mögliche zu einer Störung, Gewalttat oder ähnliches erklärt.

    • arprin Says:

      Weiß nicht, genau, es gab auf jeden Fall eine Gegen-Demo. Einige Medien sprachen von „stören“, kann aber auch übertrieben gewesen sein.

  2. Eloman Says:

    Das Motto heißt: Sag noch einmal ich wäre aggressiv, dann hau ich dir aber tierisch auf die Fresse!!!

  3. aron2201sperber Says:

    über die Hitler-Aysel hatte ich auch einen Beitrag verfasst:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2016/04/13/schleier-am-kopf-hitler-im-hirn/

  4. Schleier am Kopf, Hitler im Hirn | Aron Sperber Says:

    […] Belkhiri wurde kurzfristig zu einer antirassistischen Ikone, weil sie versucht hatte, islamophobe Demonstranten durch Selfies zu […]

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