Gegen Prohibition im Sport

Sport kann man auch mit Doping genießen

Seit Jahren ist Doping im Sport ein großes Thema. In Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Leichtathletik wird so systematisch gedopt, dass kaum einer glaubt, irgendein Teilnehmer könne ohne Doping Titel oder Medaillen holen. Trotz der Versuche, Doping stärker zu bekämpfen und zu bestrafen -man denke an das Schicksal von Lance Armstrongs 7 Tour de France-Siegen oder der Suspendierung des gesamten russischen Leichtathletikverbands – scheint der Krieg gegen Doping verloren. Auch in vermeintlich „sauberen“ Sportarten wie Fußball wird womöglich weit mehr gedopt als viele glauben. Es gab zwar nur wenige entdeckte Fälle, aber viele Gerüchte, so dass wir kaum wissen können, wie frei von Doping die kommende EM sein wird.

Wie sollte man das Problem angehen? Ich bin für eine Freigabe für Doping. Der Grund dafür ist nicht der, dass sich Doping „sowieso nicht verhindern lasse“. Dieses Argument ist in der Tat nicht schlüssig, denn erstens gibt es viele Dinge, die sich nicht völlig verhindern lassen, bei dem eine Legalisierung aber trotzdem katastrophale Folgen hätte (z.B. Mord), und zweitens ließe sich Doping mit einer drastischen Verschärfung der Kontrollen und Strafen wahrscheinlich deutlich reduzieren. Außerdem ist es kein politisches Thema, da die Sportverbände private Organisationen sind, die ihre eigenen Regeln festlegen. Der Grund für meine Meinung ist ein anderer: Ich finde Doping gar nicht falsch.

Die Behauptung, Doping sei ein unfairer Vorteil für den Athleten, ist nicht überzeugend. Was ist ein „Vorteil“? Wenn jemand seine Leistung steigern kann, während ein anderer es nicht kann? Dann könnte jede Form von Training, die ein anderer nicht macht, als „unfairer Vorteil“ betrachtet werden. Wer länger trainiert, wer bessere Trainingsmethoden anwendet, wer sich die besten Trainingsmittel leisten kann, hätte einen unfairen Vorteil, folglich müsste all das für den Wettkampf verboten werden. Das hochmoderne Leistungszentrum des FC Bayern wäre ein unfairer Vorteil gegenüber Darmstadt 98 und müsste verboten werden. Von den Vorteilen, die manche Menschen bei der Geburt bekommen, ganz zu schweigen.

Einige wenden ein, das eine seien natürliche Leistungsverstärker, während die anderen unnatürliche seien. Aber was ist „natürlich“ und „unnatürlich“? Eine wirkliche Trennlinie zwischen beiden gibt es nicht, jeder versteht darunter das, was er will. Warum ist das Trinken von Proteinshakes natürlich, aber das Spritzen von Epo unnatürlich? Die ganze Unterscheidung zwischen „natürlich“ und „unnatürlich“ ist nicht nur fragwürdig, aus ihr kann man auch keine ethischen Urteile ableiten. Warum soll „unnatürlich“ schlecht und damit verboten sein? Wie man bei Debatten über die Gentechnik oder die Homo-Ehe sieht, wird das ganze Argument von „natürlich“ und „unnatürlich“ nur gebraucht, wenn man keine echten Argumente hat.

Neben dem Argument, Doping wäre ein unfairer Vorteil, gibt es noch das Argument mit dem Schutz für die Sportler, immerhin können gewisse Substanzen gesundheitsschädlich sein. Das Argument ist auch nicht überzeugend. Ein Großteil aller sportlichen Aktivitäten kann gesundheitsschädliche Auswirkungen haben, darunter ganze Sportarten wie Football oder Boxen (tatsächlich fordern einige Ärztevereinigungen ein gesetzliches Verbot des Profi-Boxens, in Island ist es verboten), und in einigen Sportarten können tödliche Unfälle passieren, wie z.B. im Motorsport oder den Extremsportarten. Die meisten Dopingmittel sind im Vergleich dazu harmlos.

Bezüglich Boxen und Football vertrete ich die Position: Ich bin nicht für gesetzliche Verbote, aber ich finde diese Sportarten schlicht barbarisch. Ich mag Gewalt in Filmen, aber nicht im realen Leben, und schon gar nicht als einzigen Zweck (in anderen Sportarten kann es auch zu Gewalt kommen, aber Gewalt ist nicht der Zweck des Wettkampfs). Vor einigen Jahren sah ich mal einen Boxkampf, Vitali Klitschko gegen Shannon Briggs, bei denen der Unterlegene, Briggs, später mit schweren Verletzungen auf der Intensivstation landete. Da gibt es also diesen quadratischen „Ring“, auf denen ist der Mord obligatorisch, während er außerhalb des Rings streng verboten ist. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Boxer sind Mörder.

Eine Freigabe des Dopings ist nicht nur ethisch geboten, sondern würde auch viele praktischen Vorteile bringen. All die Ressourcen, die benutzt werden, um Doping zu bekämpfen, könnte man sich sparen. Der durch die Dopingverbote entstandene Anreiz zu unmoralischem Verhalten (es soll sogar Morddrohungen gegen „Enthüller“ gegeben haben) würde wegfallen. Und Ärzte und Pharmaunternehmen könnten ganz frei erforschen, welche Mittel die besten sind, um sportliche Leistungen zu steigern. Der Krieg gegen Doping gehört beendet. Deswegen plädiere ich auch für einen Freispruch für Russland. Die internationalen Sanktionen gegen Russland sollten aufgehoben und das Land wieder als gleichberechtigtes Mitglied der Völkergemeinschaft akzeptiert werden.

6 Antworten to “Gegen Prohibition im Sport”

  1. Tim Says:

    Es kann schon Sinn ergeben, dass private Sportverbände Doping verbieten. Zum einen sehen 99% der Menschen Doping als schlecht an und fänden das demnach scheiße vom Verband und es würde dem Ruf und Einnahmen des Sportes schaden. Zum anderen kann es sein, dass Leute dann deutlich härter dopen und früh ihre Karriere beenden müssen oder direkt daran verrecken oder sonstiges. Da kann eine gewisse Limitierung schon dafür sorgen, dass bei vielleicht 1-2% weniger Leistung der Sportler und fast gleicher Attraktivität man so etwas vermeidet. Ich bin aber natürlich auch gegen gesetzliche Verbote.

    • arprin Says:

      Um gesetzliche Verbote geht es ja gar nicht. Sportverbände sind private Verbände und können ihre eigenen Regeln festlegen (soweit ich weiß, gibt es auch keine gesetzlichen Verbote von Doping).

      Bei der Frage, ob es Sinn macht, bestimmte Substanzen zu verbieten, muss man einfach Vorteile und Nachteile abwägen. Ich denken, meistens überwiegen die Vorteile einer Freigabe. Wäre es erlaubt, würden sicher auch mehr Substanzen entwickelt, an denen man nicht so einfach verreckt. Außerdem verreckt man an den meisten Substanzen schon heute nicht.

  2. venguhl Says:

    Boxen ist kein Mord, wenn jemand an einem Boxkampf teilnimmt dann tut er das freiwillig. Wenn ich jemanden ermorde, also erschieße, ersteche oder vergifte nimmt das Opfer sicherlich nicht aus freiem willen teil.

  3. Salamshalom Says:

    Ich habe das, was du hier vorschlägst, bereits vor Jahren für mich genauso zurechtgelegt. Im Rahmen der Enthüllungen der vielen Doper bei der Tour de France, mit und durch Jan Ulrich, wurde mir klar, dass Doping im Leistungssport kein Sünderphänomen mehr ist sondern eine Art okkulter Breitensport. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder den Sport zu verbieten (denn Doping wird nicht zu nullen sein. Auch weil die Grenze zwischen erlaubten und verbotenen Substanzen verschwimmt und sich überlagert).
    Oder aber das Doping komplett frei zugeben, was moralisch und wettbewerbstechnisch das Fairste wäre, denn jeder einzelne Sportler hätte fortan die gleichen Möglichkeiten an leistungssteigernde Substanzen dran zu kommen und jeder einzelne Sportler, so weit er mündig und geschäftsfähig ist, trüge die Verantwortung für sein Tun. So wie jeder Mensch in jeder Situation seines Lebens.
    Wenn Messi, Ronaldo oder Müller frank und frei alles in sich reinpfeiffen dürften, was sie wollten, würde sich unter dieser gleichen Startvoraussetzung am Ende wieder die individuelle Stärke und das Talent durchsetzen. Der Bessere würde gewinnen – nicht der Gedopterere.

  4. Gutartiges Geschwulst Says:

    Der Kampf gegen Doping kann nur erfolgreich geführt werden, wenn Doping völlig legalisiert wird. Dies natürlich nur für mündige Athleten. Die übrigen Sportler sollten sich vollpumpen dürfen, bis sich ihre Schädeldecken abheben.
    Spätestens wenn der dritte Champion tot vom Siegertreppchen fällt, werden die Sponsoren den Wert ihrer Werbeaufträge überdenken und die Szene dezent verlassen.

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