Das Ende des Zwei-Parteien-Systems?

Wer hätte das gedacht? Es gibt tatsächlich eine dritte Partei in den USA, die beim Präsidentschaftswahlkampf eine Rolle spielt. Und sie haben einen Wahlwerbespot, den ich unterstützen kann. Es ist der erste überhaupt, den ich unterstütze: Politiker machen Werbung damit, besonders viele Gesetze geblockt und Ausgaben gesenkt zu haben! Wann gab es das zuletzt?

Als ich vor drei Monaten Werbung für Gary Johnson machte, sagte ich noch, 5% wären ein „Erfolg epischen Ausmaßes“. Das ist vorbei. 5% wären aus heutiger Sicht eine große Enttäuschung, denn in den letzten drei Monaten hat sich eine Menge getan. Verantwortlich dafür ist eine für mich völlig unerwartet kommende Medienkampagne für Johnson. Fast jede große Zeitung in den USA begann, über Johnson zu berichten, er tauchte in den Umfragen als dritter Kandidat auf, er wurde in Talkshows eingeladen, sogar in Deutschland wurde sein Name erwähnt. Der Hype wurde noch größer, als mit William Weld ein Ex-Gouverneur von Johnson (der ja ebenfalls Ex-Gouverneur und damit einigermaßen bekannt ist) als Vizepräsidentschaftskandidat verpflichtet wurde.

Wie stehen die Chancen? Ein Sieg ist wohl ausgeschlossen, aber ein zweistelliges Ergebnis ist derzeit gut möglich. Die Umfragen sehen Clinton als klare Favoritin bei etwa 60%, Trump bei 30% und Johnson bei 10%. Bei den „Independents“ hat Johnson aber mehr Zustimmung. Er könnte bei der Präsidentenkür eine große Rolle spielen, wenn auch nicht als Sieger. Ein Dank dafür geht an die Weisheit der Libertarian Party, mit Johnson einen bekannten Kandidaten gekürt zu haben statt einen völlig unbekannten ohne politische Erfahrung, aber auch an Hillary Clinton und Donald Trump, die mit ihrem katastrophalen Image einer dritten Partei die Möglichkeit gegeben haben, sich endlich Gehör zu verschaffen.

Welchen Wert wird der hoffentlich kommende Achtungserfolg Johnsons für die Zukunft haben? Hat die Libertarian Party eine Chance, sich als dritte Partei zu etablieren? Da es sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten ein großes Potenzial an für die Öffentlichkeit völlig enttäuschende und widerlich rüberkommende Kandidaten gibt (und einer von Clintrump dürfte 2020 wieder antreten), besteht in dieser und in der kommenden Wahl eine so große Chance wie noch nie, das amerikanische Zwei-Parteien-System zu beenden. Die besten Chancen dafür hat die Libertarian Party, ansonsten gäbe es nur die Grünen, aber die Amis sind nicht so dumm wie wir, um sie ernsthaft zu einer politischen Kraft zu machen.

Um sich auf den dritten Platz zu etablieren, muss die Partei seriös auftreten und inhaltlich zumindest kleine Kompromisse eingehen (was Johnson und Weld zur Genüge tun, das hat ihnen, wie zu erwarten war, die Kritik der Verfechter der „reinen Lehre“ gebracht). Und wer weiß, was möglich ist, wenn der Frust über das Establishment so groß ist, dass den Wählern irgendwann jeder dritte Kandidat als kleineres Übel erscheint. Der sinnlose Zweck-Optimismus, den es nach jedem Tornado oder Amoklauf gibt, hätte diesmal wirklich eine Berechtigung: Hinter jeder Katastrophe steckt eine Chance. Oder, wie es Johnson sagte: Trump und Clinton sind schlecht für Amerika, aber gut für ihn.

15 Antworten to “Das Ende des Zwei-Parteien-Systems?”

  1. Noname Says:

    Aus dem Artikel:
    „Politiker machen Werbung damit, besonders viele Gesetze geblockt und Ausgaben gesenkt zu haben! Wann gab es das zuletzt?“

    Ron Pauls RevoLution?

    „Hat die Libertarian Party eine Chance, sich als dritte Partei zu etablieren?“

    Eine interessante Frage.
    Zwei unqulifizierte Anmerkungen hätte ich dazu aber dann doch zu machen:
    1. Der Aufstieg einer dritten Partei bedeutet nicht das Ende eines Zweiparteiensystems. Im Gegenteil: Die heutigen Republikaner sind meines Wissens auch erst als „dritte Partei“ auferstanden. Andere Drittparteien sind gekommen und gegangen und haben dabei etwas verändert, aber sich selbst nicht etabliert.
    2. Wenn die Libertarian Party in den USA wirklich Fuß fassen sollte, dann würde das die USA politisch noch weiter von Europa wegpushen.
    Das ist jetzt kein Argument, nur eine unschuldige Anmerkung. Sie könnte später mal relevant werden.

    „Die besten Chancen dafür hat die Libertarian Party, ansonsten gäbe es nur die Grünen, aber die Amis sind nicht so dumm wie wir, um sie ernsthaft zu einer politischen Kraft zu machen.“

    Ja, damit hat .de sich wohl einige kaputt gemacht.

    „was Johnson und Weld zur Genüge tun, das hat ihnen, wie zu erwarten war, die Kritik der Verfechter der ‚reinen Lehre‘ gebracht“

    Besonders reine Lehren machen sich vielleicht auf den Papier gut, sind aber in der Praxis nicht zu gebrachen.
    Ich glaube, es ist nahezu ein Anzeichen von politischen Sektierern, wenn ein besonders reines Festhalten an Lehren gepredigt wird. Andererseits hat ja jede Demokratie ihre gewachsenen Traditionen…

    • arprin Says:

      Ron Pauls RevoLution?

      Gut, aber Ron Paul hatte nie eine ernsthafte Chance, beim Präsidentenrennen dabei zu sein.

      Andere Drittparteien sind gekommen und gegangen und haben dabei etwas verändert, aber sich selbst nicht etabliert.

      Das wäre ja schon ausreichend. Hauptsache ist, dass sie mehr als einmal eine Rolle im Wahlkampf spielen.

      Wenn die Libertarian Party in den USA wirklich Fuß fassen sollte, dann würde das die USA politisch noch weiter von Europa wegpushen.

      Das sehe ich nicht unbedingt so. Die LP würde alle Handelsbarrieren zu Europa abbauen, derzeit wird ja nichtmal das lahme TTIP fertiggebracht.

  2. Salamshalom Says:


    Ein islamischer toter Soldat könnte der Sargnagel für Trump und der antiislamischen Bewegung werden. Das Kino ist phantastisch, aber das Leben ist unberechenbar…

    • arprin Says:

      Ich weiß immer noch nicht, was ausgerechnet du gegen Trump hast. Ich meine, ich habe gute Gründe – ich bin für Freihandel mit der ganzen Welt, habe nichts gegen illegale Mexikaner, bin gegen Putin – aber du? Würdest du dir nicht mal einen putinfreundlichen US-Präsidenten wünschen, der auch gegen den Raubtierkapitalismus mit seinen chinesischen und mexikanischen Billigwaren vorgeht?

      • Salamshalom Says:

        Da sieht man mal, dass du deine Diskussionspartner, selbst langjährige, nicht immer korrekt einzuordnen vermagst😉
        „aber du? “
        Ich bin gegen Arroganz und Ignoranz, gegen Dummheit, gegen Ahnungslosigkeit, gegen Märchenerzähler. Gegen Witzfiguren an exponierter Stelle.
        Konkret heißt das: Wer Einwanderer im großen Stil diffamiert, wer eine der größten Weltreligionen en bloc kollektiv diffamiert, wer nicht weiß, wo Europa liegt, wer wider besseren Wissens Horrorstories in die Mikrofone dieser Welt prustet, deren Realitätsgehalt bei näherer Betrachtung im Promillebereich liegt, wer einen Wischmop auf dem Kopf trägt und wer den Eltern eines gefallenen Soldaten des eigenen Landes entgegnet, auch er hätte Opfer gebracht (Arbeitsstunden), der kann sich mit Assad, Putin oder sogar mit dem Papst anfreunden, ohne dass mich das beeindruckt.

        Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass ich den (die) anderen Kandidaten für genauso wenig wählbar halte, da die katastrophale US-Außenpolitik der letzten Jahre in weiten Teilen von dieser Frau mit zu verantworten ist. Für die Amerikaner wahrlich ein Horrorszenario. Für den Rest der Welt eine sehr unschöne Situation.

        Ich hätte mich sehr für B. Sanders gefreut. Ja ich weiß, lieber arprin, der ist gegen Putin und Assad, aber auf der anderen Seite ist er auch gegen so vieles andere, wogegen ich auch bin. In der Summe würde das überwiegen.

      • arprin Says:

        Ich bin gegen Arroganz und Ignoranz, gegen Dummheit, gegen Ahnungslosigkeit, gegen Märchenerzähler. Gegen Witzfiguren an exponierter Stelle.

        Das ist nichts Inhaltliches, kein Programmpunkt.

        Wer Einwanderer im großen Stil diffamiert, wer eine der größten Weltreligionen en bloc kollektiv diffamiert, wer nicht weiß, wo Europa liegt, wer wider besseren Wissens Horrorstories in die Mikrofone dieser Welt prustet, deren Realitätsgehalt bei näherer Betrachtung im Promillebereich liegt, wer einen Wischmop auf dem Kopf trägt und wer den Eltern eines gefallenen Soldaten des eigenen Landes entgegnet, auch er hätte Opfer gebracht (Arbeitsstunden), der kann sich mit Assad, Putin oder sogar mit dem Papst anfreunden, ohne dass mich das beeindruckt.

        Auch das ist kaum Inhalt. Es sei denn, das heißt, du hast kein Problem mit den illegalen mexikanischen Billigarbeitern und sie sollten nicht abgeschoben werden und bist gegen ein Einreiseverbot für Muslime (das ist der einzige Punkt, den du schonmal kritisch genannt hast, ansonsten nichts – und Trump hat diesen Punkt mittlerweile relativiert). Seine Frisur ist doch kein Argument gegen ihn. Und seine Reaktion auf die muslimische Familie ist dumm, aber auch rein gar nichts, dass mit seinem Programm zu tun hat. Im Übrigen dachte ich, du seist gegen den Irakkrieg.🙂

        Ich hätte mich sehr für B. Sanders gefreut. Ja ich weiß, lieber arprin, der ist gegen Putin und Assad, aber auf der anderen Seite ist er auch gegen so vieles andere, wogegen ich auch bin.

        Stimmst du Sanders bei seiner Sicht auf Syrien nicht zu? Sanders nennt Assad einen mörderischen Diktator, will aber keinesfalls eine Intervention gegen ihn. Wo stimmst du ihn da nicht zu? Ist Assad für dich kein mörderischer Diktator? Bezüglich einer Intervention muss ich dich ja nicht mehr fragen.
        Und bezüglich Sanders‘ wirtschafts- und Sozialpolitik sehe ich keinen großen Unterschied zwischen Sanders und Trump. Beide sind gegen billige chinesische Waren und gegen billige Mexikaner. Beide wollen das staatliche Gesundheitssystem ausbauen. Beide wollen höhere Steuern für Reiche und den Mindestlohn erhöhen. Beide sind für das Recht auf Waffenbesitz (da stimme ich ihnen ausnahmsweise mal zu). Also, wo liegen deine großen INHALTLICHEN Differenzen zu Trump? Bis jetzt gab es ja nur einen Punkt (Einreiseverbot für Muslime), den du wirklich genannt hast …

      • Salamshalom Says:

        Glaubst du, dass der gemeine Ami konkrete Punkte benennen kann, warum er Trump wählt oder nicht?😉

        Trump hat etliche Punkte, die ich mit Wohlwollen abnicken würde (Putin, NATO, Bildung, Falken), aber er hat etliche Punkte, die indiskutabel sind (Moslems, Einwanderer, Ahnungslosigkeit von den Themen, die bereits knapp außerhalb der USA beginnen). Und dass eine Witzfigur mit Witzfrisur einem Land vorstehen soll, welches keinen unerheblichen Anteil an globalem Frieden oder Krieg ausübt, akzeptiere ich persönlich nicht. Und mir ist es doch egal, ob das legitim ist oder nicht… Stickpunkt: persönliche Freiheit!

      • arprin Says:

        Wusste ich’s doch. Du kannst keinen wirklichen programmatischen Punkt benennen, warum du gegen Trump bist (außer das von ihm schon relativierte Einreiseverbot für Muslime), stimmst ihm aber in den meisten wichtigen innen- und außenpolitischen Sachen völlig zu.

        Besonders albern: Zuerst sagst du, du würdest seine Putin- und NATO-Politik abnicken, dann unterstellst du ihm Ahnungslosigkeit von den Themen, die bereits knapp außerhalb der USA beginnen. Naja, vielleicht bist du auch einfach ahnungslos?🙂

      • salamshalom Says:

        Ooch arprin, warum bist du bei diesem Thema so kratzbürstig?
        Ich habe einfach nicht immer Lust zu jedem Beitrag, den ich hier reinsetze, der auch einfach mal als kleines Update oder Meinungsäusserung gemeint ist, seitenlange Dialoge oder Erklärungen zu liefern.
        Schau mal, der Trump hat einfach einen großen Dachschaden. Im Falle eines Wahlsieges möchte der Wischmop eine Grenze zwischen Mexiko und den USA ziehen. Er will keine Moslems mehr reinlassen. Den großen Lauschangriff auf islamische Einrichtungen starten. Er findet Putin gut und würde sich auch gut mit ihm verstehen. Den Abzug aus dem Iraq findet er einen Fehler, den Atomdeal mit dem Iran möchte er rückgängig machen, auf der anderen Seite sei die NATO aber von den USA abhängig, tun aber dafür viel zu wenig und deshalb könne man über die Entlassung einiger Mitgliedsstaaten nachdenken. Den Chinesen möchte er einen Importzoll aufbrummen, das Internet partiell kappen, die Waffengesetze lockern, die Steuern senken und, als Karriere-Klimax, den Frieden in Nahost herstellen…
        Jow, finde ich alles prima, was der Mann so vorhat und ich sehe auch viele Punkte, die du unterstützen würdest…nur: Wie will der Teufelskerl das alles passend machen?😉

        Nee, lass mal. Ich finde ihn echt lächerlich.

        „besonders albern: Zuerst sagst du, du würdest seine Putin- und NATO-Politik abnicken, dann unterstellst du ihm Ahnungslosigkeit von den Themen, die bereits knapp außerhalb der USA beginnen. Naja, vielleicht bist du auch einfach ahnungslos?:-)“
        arprin, seit wann geht ein Abnicken eines Vorhabens mit dessen wohlfeiler Berechnung einher?
        Wenn du sagst, du findest neue OP-Methoden zur besseren Operabilität von Kehlkopftumoren gut, und ich nicke das ab, dann musst du noch lange keinen blassen Schimmer davon haben, wie CO2-oder Nd-Yag-Laser funktionieren… deine Ahnungslosigkeit hindert mich also keineswegs daran, dir trotzdem in diesem Punkt zuzustimmen…

      • arprin Says:

        Ich habe einfach nicht immer Lust zu jedem Beitrag, den ich hier reinsetze, der auch einfach mal als kleines Update oder Meinungsäusserung gemeint ist, seitenlange Dialoge oder Erklärungen zu liefern.

        Das glaube ich dir überhaupt nicht, sonst würdest du nicht immer ein „kleines Update“ reinsetzen. Dir gefällt offenbar die Konfrontation.

  3. Georgios Says:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/us-praesidentschaftswahl-libertaerer-us-kandidat-was-ist-aleppo-1.3154503?reduced=true

    Geiler Typ, aber Grundwissen wird auch überschätzt.

    • arprin Says:

      Naja, das ist nicht wirklich schlimm. Sowas gab es schon immer:
      http://reason.com/blog/2016/09/08/gary-johnsons-aleppo-gaffe-serious
      „During a 1976 debate with Jimmy Carter, Gerald Ford insisted that „there is no Soviet domination of eastern Europe.“ Just last night in a forum about veterans issues and foreign policy to which Johnson was not invited, former Secretary of State Hillary Clinton appeared not to know that Libya is in a state of civil war.“

      Obama sprach 2008 von 57 Bundesstaaten. Putin hat keine Ahnung von der Ukraine. Johnson ist vom Programm her noch immer der mit Abstand beste Kandidat.

    • bevanite Says:

      Fairerweise muss man sagen, dass es für einen Libertären nur konsequent ist: Wozu braucht man als Isolationist denn großes außenpolitisches/geographisches Wissen?😉

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