Das richtige Leben im Falschen

Die dritte Alternative

Kennt man ihn in Aleppo?

Wir nähern uns in die heiße Phase der amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Über Gary Johnson muss ich nicht mehr viel sagen. Seine Umfragewerte begannen nach einem kurzen Hoch wieder zu sinken, so dass er keine Chance auf eine Teilnahme in den TV-Debatten bekam, dann hat er es mit seinen Aussetzern zu Aleppo und der Frage, welchen ausländischen Staatsoberhaupt er bewundert, die er nicht beantworten konnte (dabei wäre es so einfach gewesen: Hans-Adam II., Fürst von Liechtenstein), endgültig versaut. Dabei hätte er wissen müssen, dass er sich keinen Aussetzer leisten kann, wenn er gegen skandalfreie Kandidaten wie Hillary Clinton und Donald Trump antritt.

Letzterer Satz ist nicht mal ironisch gemeint, denn Clinton und Trump sind völlig skandalimmun. Johnson weiß nicht, was Aleppo ist, aber Clinton weiß, was Bengasi ist, doch es hat ihr nicht geschadet. Trump könnte man mit einem Strichjungen in einer Toilette finden, wie er Waffenlieferungen an den IS bespricht, und er würde das einfach weglächeln. Damit kommen wir zur wichtigen Frage: Wer von beiden ist schlimmer? Ich vertrat lange die These, dass Clinton weniger schlimm wäre, doch mittlerweile habe ich meine Meinung geändert. Nicht dahingehend, dass Trump weniger schlimm wäre, sondern dass keiner von beiden weniger schlimm wäre. Es gibt für mich kein kleineres Übel bei Clintrump.

Der Grund für meinen Meinungswechsel ist einerseits, dass Trump von seinen irrsten Punkten deutlich abgewichen ist. Er will nicht mehr alle 11 Millionen Illegale abschieben und eine Mauer um Mexiko bauen, beim Thema Einwanderung vertritt er mittlerweile ähnliche Positionen wie Clinton. Andererseits hat Clinton ihr Wirtschaftsprogramm angekündigt. Wenn nur ein bisschen davon umgesetzt wird, wäre es katastrophal. Sie will das „größte Investitionsprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg“ starten, was nur durch massive staatliche Investitionen möglich ist. Trump hat in seinem Wirtschaftsprogramm immerhin einen guten Punkt – er will die Unternehmenssteuern senken – ansonsten ist er aber ähnlich wie Clinton und hat kein Problem mit hohen Steuern und Mindestlohn-Erhöhungen. Bezüglich der Handelspolitik punktet Clinton, da Trump außer bei seinen Ehefrauen überall für Protektionismus eintritt.

Welche Punkte gibt es noch?

Was für The Don spricht:
– Er würde den Weltklimavertrag von Paris nehmen, zerreißen und in die Luft werfen als sei es Konfetti. Allein der Anblick der Linken und Grünen wäre mehr wert als das gesamte Öl, dass in Venezuela produziert wird.
– 25% aller Staatsangestellten überlegen, nach seinem Amtsantritt zu kündigen. Das wäre ein gigantisches Austeritätsprogramm, dass Amerika gerade jetzt braucht.
– Es würde ein goldenes Zeitalter der Satire ausbrechen. John Oliver und Stephen Colbert werden viel zu tun haben. In Deutschland gäbe es zwar keine gute Satire, aber es würde zumindest Arbeitsplätze schaffen.

Was für The Hill spricht:
– Clintons Gesundheitszustand scheint bedenklich zu sein. Das heißt, unter ihr gäbe es keine starke und handlungsfähige Regierung, wovon die Allgemeinheit profitieren würde.
– Wenn neben Clinton auch Angela Merkel, Theresa May und sogar Marine Le Pen regieren, wäre die These, dass Frauen bessere Staatschefs sind, endgültig ausgeräumt (und vielleicht sogar dauerhaft beschädigt).
– Auch Clinton wird es niemals schaffen, das Second Amendment abzuschaffen. Das würde die Linken so frustrieren, dass sie vielleicht komplett resignieren und akzeptieren würden, dass massenhafter privater Schusswaffenbesitz für immer zu Amerika gehören wird.

Aber keiner dieser Gründe ist stark genug, um für einen von beiden wählen zu gehen. Es ist keine Schicksalswahl. Von einigen selbsternannten Libertarians habe ich gehört, es sei wichtig, Trump zu wählen, weil der nächste Präsident den Obersten Richter des Verfassungsgerichts bestimmen wird und Clinton das Second Amendment abschaffen wird. Aber das wichtigste Amt für die amerikanische Politik ist nach wie vor der Präsident, nicht der Oberste Richter, und so wird es auch in Zukunft bleiben, und für eine Abschaffung des Second Amendments wird es zum Glück niemals eine Mehrheit im Kongress geben. Außerdem gibt es auch ohne eine Abschaffung des Second Amendments genug Regierungstyrannei in den USA. Wenn es möglich ist, dass 11 Millionen Menschen aufgespürt, eingesammelt und deportiert werden (und leider ist es möglich), ist das Second Amendment als „Schutz vor Regierungstyrannei“ sowieso tot.

Von anderer Seite habe ich wiederum gehört, Trump sei aufgrund seines Rassismus, Sexismus und Behindertenfeindlichkeit und seines hypothetischen Zugangs zu Atombomben eine solche Katastrophe, dass man Clinton wählen muss. Aber Trump wird sicher nicht wieder die Segregation einführen, Frauen das Arbeiten ohne die Zustimmung eines männlichen Vormunds verbieten oder ein Euthanasie-Programm starten. Seine persönlichen Meinungen mögen widerwärtig sein (auch wenn sie wohl übertrieben dargestellt werden), doch sie werden politisch keine Katastrophe bedeuten. Zumindest keine solch katastrophalen wie ein von vielen US-Demokraten gewünschter Mindestlohn von 15 Dollar, der einem Arbeitsverbot für schwarze Jugendliche erschreckend nahekommt. Auch einen Atomkrieg wird Trump nicht starten, dazu muss man ideologisch gefestigte Überzeugungen haben. Trump ist ein Danton, kein Robespierre.

Es gibt also keinen wählbaren Kandidaten. Wir leben in einer Zeit der Sünde (die Muslime nennen sowas „Dschāhilīya“). Egal, wer Präsident wird, er wird zerstörerische Wirtschaftspolitik betreiben, bürgerliche Freiheiten einschränken, ganz allgemein das Leben der Menschen schlechter machen als es ohne ihn wäre. Den Menschen bleibt nur die Wahl, so viele Freiräume wie möglich zu erkämpfen und sich nicht mitschuldig zu machen. Auf Adornos Frage, ob es ein richtiges Leben im Falschen gibt, gibt es also eine Antwort. Wenn zukünftige Generationen fragen, wenn man bei den amerikanischen Wahlen 2016 unterstützt hat, lauten die richtigen Antworten: Gary Johnson oder Enthaltung.

8 Antworten to “Das richtige Leben im Falschen”

  1. Thomas Holm Says:

    Lüge und Wahrheit einmal zur Abwechslung als Symptome einer Spannung von Ganz böser Faktizität, vs. Schöner und guter (!) Phantasien ausgedeutet:

    „For when Trump lies, still, his lies tell the truth.
    When Trump’s opponents tell the truth they still lie.“

    http://platypus1917.org/2016/09/06/why-not-trump/

    Mit Special guest:

    „“Hannah Arendt, “Lying in Politics” … „deliberate denial of factual truth — the ability to lie — and the capacity to change facts — the ability to act — are interconnected; they owe their existence to the same source: imagination.”“

    Sich den eigenen Pfusch chronisch schön zu lügen; DAS nennen manche bereits: Stalinismus. Das Zwischending dafür, dass es dann aber richtig losgeht, ist allerdings der sog. „Antifaschismus“.

    • arprin Says:

      Unterhaltsamer Artikel. Vergessen wird, dass jeder gegen den Status Quo ist, auch die Trump-Gegner, die Trumps Aufstieg ja mit dem schlechten Status Quo erklären.

      • Thomas Holm Says:

        Unterhaltsamer Artikel. Ehrensache vom last Marxist …

        http://chriscutrone.platypus1917.org/

        Anything but langweilig sagte schon Christopher Hitchens.

        „Vergessen wird, dass jeder gegen den Status Quo ist“

        Halb/schwanger mit Kritik ist man. Es gehe nur um Dissonanzen von Lamoryanz beim Statusquo pflegen.

        “Zeit der Sünde .. Muslime nennen sowas „Dschāhilīya“

        Das neuste Unterhaltungsangebot aus der Ecke m. 0.30/0.59

        Ein Dugin Intimus aus dem gemaessigten Kuala Lumpur.

  2. Dr. Caligari Says:

    Aber das wichtigste Amt für die amerikanische Politik ist nach wie vor der Präsident, nicht der Oberste Richter, und so wird es auch in Zukunft bleiben, und für eine Abschaffung des Second Amendments wird es zum Glück niemals eine Mehrheit im Kongress geben.

    „Dünnes Eis, ein Paradies für den der gut zu tanzen weiß.“ – Nietzsche

    In den meisten westlichen Demokratien haben Richter inzwischen weit mehr Kompetenzen als jede andere Staatsgewalt. Nicht nur, dass sie die Gesetze selbst interpretieren und dabei nur von ihresgleichen kontrolliert werden, nein, qua Verfassungsrecht können sie sowohl der Exekutive als auch der Legislative Vorschriften machen. In Deutschland ist es sogar so hart, dass es „verfassungswidriges Verfassungsrecht“ geben kann, sprich: Das Bundesverfassungsgericht kann theoretisch zu der Auffassung kommen, dass eine Verfassungsänderung selbst unrecht ist.
    Es gibt in der Praxis keine Möglichkeit, wie die Exekutive oder Legislative die Judikative kontrollieren kann, umgekehrt schon, deshalb ist die Judikative eigentlich die größte Macht im Staat.

    Okay, in den USA gibt es eine Ausnahme: Ähnlich wie der König von England einst dem Oberhaus gedroht hat, es mit nichterblichen Peers zu fluten bis eine Mehrheit für die Selbstentrechtung vorhanden ist, kann der Präsident den Suprem Court of the united States drohen, ihn mit Richtern zu fluten, bis es eine Mehrheit für seine Politik gibt.
    Das hat F. D. Roosevelt tatsächlich getan und SCOTUS hat darauf nachgegeben. (Ursprünglich hätte seine Wirtschaftspolitik nämlich kassiert werden sollen. Laut Verfassung ist es nicht die Aufgabe des Bundes die Wirtschaft mittels Investitionen zu fördern, sondern nur den Handel zwischen den Bundesstaaten zu regulieren und für Gleichberechtigung zwischen den Bürgern zu sorgen.)
    Es ist aber klar, dass der Trick nur einmal funktioniert. Wenn man für jeden der 9 Richter jeweils einen neuen Ernennt, ist man bei 18. Das Spiel kann man nicht endlos spielen, bevor es lächerlich wird.
    Wobei die USA im Gegensatz zu Deutschland auch das Problem haben, dass es keine Amtszeitbeschränkung für Richter gibt.

    Meines Erachtens zeigt sich hier, dass dieser Aspekt der Herrschaft von der Staatsphilosophie bisher zu wenig beachtet wurde.
    ~~~~
    Was die Alternative Trump vs. Clinton angeht, ist grundsätzlich festzustellen, dass beide die falschen Kandidaten sind. Die Republikaner sind ja schon länger hinüber. Die Tea Party hat da wohl einiges zerstört. Die Demokraten dagegen haben Clinton einfach so durchgewunken, hat man den Eindruck.

    Trump bedient ein bisschen diesen Affekt gegen das Establishment. Er ist kein Berufspolitiker, der das Präsidentenamt als letzte Stufe der Karriere anstrebt und will den Laden sozusagen als „Senkrechtstarter“ aufmischen. Auch ist er erfrischend unhöflich, politisch unkorrekt usw. Kurz gesagt, er ist durchaus eine Figur wie man ihn in einem amerikanischen Spielfilm vorstellen könnte.
    Klar, dass er sowohl Ekel und fanatische Ablehnung als auch Jubel und vage Hoffnungen weckt.

    Clinton ist langweilig, sie polarisiert eigentlich überhaupt nicht. Außerdem ist sie eine Repräsentatin des Establishment durch und durch, vielleicht noch stärker als Obama (der ja auch aus einer der reichsten Familien in den USA stammt – soweit ich lesen konnte hatte er ja nie bei seinem Vater gelebt, echte Armut kennt er also eigentlich nur von anderen Leute, z. B. aus seiner Zeit als Sozialarbeiter in Chicago). Das einzige was Clinton vom üblichen Establishment abhebt ist die Tatsache, dass sie weiblich ist. Sonst:
    – Sie war Mitglied im Kabinett Obama (!), sie würde wohl in Teilen sogar seinen Kurs fortführen.
    – Sie ist gut etabliert bei den Demokraten.
    – Es gibt zahlreiche Berichte, wie gut etabliert sie ist in den diplomatischen und politischen Kreisen.

    Ich persönlich bin der Meinung, dass es längst Zeit wird für eine Frau als US-Präsidentin. Aber es hätte ja nicht unbedingt diese Frau sein müssen.
    Sympathien für Trump kann man aus oben genannten Gründen zwar auch nachvollziehen, aber mit seinen Auftreten und seiner Rhetorik, sowie der Tatsache, dass er selbst wieder zurückrudern muss, weil er soweit über das Ziel hinausgeschossen ist, hat er sich eigentlich unmöglich gemacht.
    Sowas ist am Stammtisch vielleicht akzeptabel, aber hat als Staatschef nichts verloren… Allerhöchstens könnte man Trump zum Senator oder Abgeordneten wählen, also in Posten, in denen der maximale Schaden begrenzter ist.

    Was würde ich also wählen, wenn ich US-Amerikaner wäre?
    Nun. Zunächst mal hätte ich dann ja Zugang zu ganz anderen Medien, Stimmungen und Menschen. Ich hätte eine andere Meinung. Davon mal abgesehen: meine Stimme würde ich wohl an einen unabhängigen Kandidaten oder einer Drittpartei verschwenden. Die anderen Optionen sind zu murksig.

    • arprin Says:

      Nicht nur, dass sie die Gesetze selbst interpretieren und dabei nur von ihresgleichen kontrolliert werden, nein, qua Verfassungsrecht können sie sowohl der Exekutive als auch der Legislative Vorschriften machen.

      Ich sehe das nicht ganz so, denn die meisten Gesetze werden nach wie vor von der Legislative beschlossen. Das Oberste Gericht kann Gesetze kippen, aber nur wenn die Regierung zuvor versucht hat, dieses Gesetz zu erlassen. Von selbst kann die Judikative nicht die Richtung vorgeben. Es zählt schon mehr, ob der Präsident Demokrat oder Republikaner ist, als welcher Richter oben sitzt, z.B. bei Außenpolitik, Finanzen, Handelspolitik.

      Meines Erachtens zeigt sich hier, dass dieser Aspekt der Herrschaft von der Staatsphilosophie bisher zu wenig beachtet wurde.

      In der Tat, die These von der Gewaltenteilung wird einfach so hingenommen. Die bloße Existenz von Gewaltenteilung kein hinreichender Schutz vor Machtmissbrauch. Ich würde das aber nicht nur bei der Judikative sehen, sondenr mit allen Staatsgewalten und im Grunde auch der Staatsgewalt an sich. Wie man Machtmissbrauch beim Staat wirksam verhindern kann, hat noch keiner beantwortet.

      Trump bedient ein bisschen diesen Affekt gegen das Establishment.

      Das ist der Existenzgrund für seine ganze Kampagne.

      Sympathien für Trump kann man aus oben genannten Gründen zwar auch nachvollziehen, aber mit seinen Auftreten und seiner Rhetorik, sowie der Tatsache, dass er selbst wieder zurückrudern muss, weil er soweit über das Ziel hinausgeschossen ist, hat er sich eigentlich unmöglich gemacht.

      Letztlich wird das wohl dazu führen, dass Hillary clinton gewinnen wird. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, Trump sei von den Demokraten gesteuert.

      meine Stimme würde ich wohl an einen unabhängigen Kandidaten oder einer Drittpartei verschwenden. Die anderen Optionen sind zu murksig.

      Meine Stimme würde an Gary Johnson gehen.

      • Dr. Caligari Says:

        Ich sehe das nicht ganz so, denn die meisten Gesetze werden nach wie vor von der Legislative beschlossen.

        Die Aussage ist falsch. Sie ist nicht falsch, weil sie niemals zutrifft, sondern weil sie unpräzise, dafür aber sehr pauschal ist:
        1. Die Gesetze werden von der Exekutive, den Ministerialbeamten und immer öfter externen Stellen entworfen, dann formuliert, bekommen im Kabinett den Feinschliff und werden in der Legislative abgenickt – so jedenfalls ist die Situation in Deutschland.
        2. In den USA sieht es noch ein bisschen anders aus.

        Das Oberste Gericht kann Gesetze kippen, aber nur wenn die Regierung zuvor versucht hat, dieses Gesetz zu erlassen. Von selbst kann die Judikative nicht die Richtung vorgeben.

        Beispielsweise das Abtreibungsrecht wurde von SCOTUS mehr oder weniger in die Verfassung reingelesen. Der Wortlaut gibt es mE nicht her und die Gründerväter hatten ganz bestimmt nicht an Abtreibung gedacht, selbst wenn sie ein Recht auf Privatssphäre gekannt hätten. Aber klar, sie lebten zu einer anderen Zeit und haben die Probleme der Zeit grundsätzlich ganz elegant gelöst.

        Das ist jetzt ausdrücklich keine inhaltliche Stellungnahme. Es geht nur darum, klarzustellen, dass die Judikative sehr wohl von sich aus Gesetze schaffen kann, jedenfalls in den USA.

        Übrigens ist die Auslegung des Waffenrechts wie wir es heute in den USA haben auch nicht selbstverständlich. Der 2. Zusatzartikel lässt sehr wohl andere Interpretationen zu, dort ist ja nicht umsonst von Miliz die Rede.

        Es zählt schon mehr, ob der Präsident Demokrat oder Republikaner ist, als welcher Richter oben sitzt, z.B. bei Außenpolitik, Finanzen, Handelspolitik.

        1. Außenpolitik stimmt weitgehend. Dort hält sich die US-Judikative vorbildlich zurück.
        2. Finanzpolitik mit einige Abstrichen auch. Allerdings ist auch das mit den Steuern Verfassungsrecht
        3. Handelspolitik ist schon wieder was anderes. Würde man die US-Verfassung ein bisschen anders interpretieren, so würde man was das Angeht bei einem Minimalstaat auf Bundesebene landen. Denn qua Verfassung hat er nur die Aufgabe, den Handel zwischen den Bundeststaaten zu überwachen.

        In der Tat, die These von der Gewaltenteilung wird einfach so hingenommen.

        Ich lese hier ein wenig Sarkasmus raus, oder irre ich hier?

        Die Gewaltenteilung, wie wir sie heute in der Theorie allgemein akzeptieren und in der Praxis de facto umgehen, ist so auch nicht vom Himmel gefallen. Die ursprünglichen Entwürfe sahen z. B. eine Trennung zwischen Legislative, Exekutive und Föderative vor:
        1. Legislative macht die Gesetze.
        2. Exekutive setzt die Gesetze im Land durch.
        3. Föderative macht die Außenpolitik.

        Es ist auch nicht selbstverständlich, dass Richter über die Einhaltung der Verfassung in den anderen beide Gewalten wachen. Das ist auch erst historisch gewachsen.

        Bitte nicht falsch verstehen: Das derzeitige System funktioniert an vielen Stellen hervorragend. Aber grade die Judikative weist eine extreme Lücke auf. Dass in den USA Richter auf Lebenszeit ernnnt werden, macht es nicht einfacher.

        Ich würde das aber nicht nur bei der Judikative sehen, sondenr mit allen Staatsgewalten und im Grunde auch der Staatsgewalt an sich.

        Nur funktioniert die Trennung der Gewalten oft ganz hervorragend.

        Das ist der Existenzgrund für seine ganze Kampagne.

        Sorry, wenn ich jetzt ein bisschen polemisch-ätzend werde, aber:
        Im Grunde genommen ist die Wahl des „Messias“ Obama ja auch nicht anders gelaufen. Selbst in Deutschland hatte ich teilweise den Eindruck, einer Erweckungsbewegung zu begegnen.
        Ich meine, klar, für die Linken war es wahrscheinlich auch eine Erlösung, einen der ihren im Weißen Haus zu haben, nach 8 Jahren Bush, den War on Terror und der ganzen verdammten Geschichte. Es hat nur verschieden lange gedauert, bis eine Ernüchterung einsetzte.

        Bei Trump sehe ich das eher weniger. Er ist ein ganz lustiger Provokateur, viele finden es gut, dass die political correctness und das Wahlkampftheater mal richtig mit Füßen getreten wird… Aber die Ernüchterung setzt doch viel eher ein, nämlich jetzt schon, vor der wahl.

        Letztlich wird das wohl dazu führen, dass Hillary clinton gewinnen wird.

        In meinen Augen hatte Trump nie eine reale Chance. Das ist auch besser so.
        Es besteht eine gute Chance, dass die Wähler, die Obama mobilisieren konnte, auch für Clinton zur Wahl gehen werden. Zudem sie den Frauenbonus hat andere Schichten ansprechen kann als Obama. Ich glaube ja auch, dass es endlich Zeit für eine Frau wird.

        Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, Trump sei von den Demokraten gesteuert.

        Och…
        Für den aufmerksamen Beobachter gibt es bei den Republikanern noch viel größere Probleme. Das fängt bei der Tea Party an, die viele traditionelle Reps aus den Kongress gespühlt haben.
        Zum anderen gibt es genug Berichte über die demographischen Probleme…

        Wahrscheinlich wird sich das politische Spektrum der USA noch mal neu Aufstellen. Das wäre übrigens zuletzt in den 60er Jahren passiert, ist also gar nicht so schrecklich lange her. Da hat es im Königreich größere Umbrüche gegeben.

        Meine Stimme würde an Gary Johnson gehen.

        Die Libertarian sind ja recht sympathische Leute, aber haben da auch so eine Grusel-Faktor.

        P.S.: Meine persönliche politische Hoffnung ist ja, dass man die 4 Jahre mit Ach (bei Diplomaten, Geheimdiensten, allgemein Ministerien und auf dem internationalen Parkett) und Krach (zwischen Regierung und Kongress, sowie zwischen Bund und Staaten und den beiden Parteien) irgendwie rum bekommt und dann schon neue, bessere Kandidaten auf der Bildfläche erscheinen.
        Demokratische Herrscher können abgewählt werden – das ist oft das einzig gute an ihnen.

        Spätestens 2018 wird ja wieder der Kongress neu besetzt. Ab da wird die jeweils andere Party (wenn sie schlau ist!) sehr gut punkten können. Es ist zwar traurig mit Trump oder Clinton Wahlkampf machen zu müssen, aber dagegen, das muss ein Traum sein!

  3. salamshalom Says:

    Von eine dritten Partei im US-System zu sprechen, ist ein Thema, was durchaus kritisch angegangen werden kann. Denn dazu müssten ja bereits zwei (!) Parteien vorinstaliiert sein.
    Na klar, kommt jetzt, hast du die Reps und Demokraten übersehen? Das sind doch zwei Parteien.
    Wenn man sich mit „europäsierten“ US-Amerikanern unterhält, also mit US-Bürgern, die aus unterschiedlichen Gründen und seit Jahren in Europa ihren Lebensunterhalt verdienen und somit ein wenig medialen Abstand zu ihrem Land gewinnen konnten, dann wundert man sich beim Plausch über dies und das häufig, dass beim Thema „Wahlen/Parteienlandschaft“ die Einschätzung kommt, „seit Ronald Reagan verschwimmen die Programmpunkte und deren Ausführung bei den Parteien immer mehr. Gerade aussenpolitisch kannst du mit verbundenen Augen und nur aufgrund des strategischen Handelns nicht mehr unterscheiden, der Präsident welcher Partei gerade im Weißen Haus sitzt.“
    Am letzten Wochenende durfte ich eine US-Delegation, seit 12 Jahren in Spanien beheimatet, beruflich begleiten. Die sehr netten Abendgespräche erstreckten sich von Pontius bis Pilatus, beim Thema US-Wahlkampf und anstehendem zweitem TV-Duell sagte dann einer: “ im Grunde haben wir in den USA derzeit nur eine Partei, mit einem etwas mehr und etwas weniger konservativerem Flügel…“. Das hat mir sehr gefallen, denn so kann man die aktuell politische Lage der USA sehr schön beschreiben.

    • arprin Says:

      Denn dazu müssten ja bereits zwei (!) Parteien vorinstaliiert sein.

      Sind es ja: Republikaner und Demokraten.

      seit Ronald Reagan verschwimmen die Programmpunkte und deren Ausführung bei den Parteien immer mehr.

      Selbst wenn es so wäre, sind es noch immer zwei Parteien. Und das ist ein guter Grund, um eine dritte Partei zu wählen.

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