Was die Experten sagen

Jeder will sie, nur nicht bei sich zuhause

Ist der Umstieg auf die grünen Energien wirklich unausweichlich?

„The science is settled.“ Das ist das Totschlagargument, mit dem jede Diskussion darüber, ob wir aus allen fossilen Energieträgern aussteigen und in grüne Energien investieren müssen, beendet wird. Die Klimatologen sind sich zu 97% einig: Es gibt die vom Menschen verursachte Globale Erwärmung, und wenn wir nicht unseren CO2-Ausstoß drastisch senken, werden in den kommenden Jahrzehnten Millionen Menschen sterben. Deswegen waren viele Trump-Gegner schockiert, als Trump im Vorfeld der US-Wahlen Zweifel an der These von der menschengemachten Globalen Erwärmung äußerte und ankündigte, Investitionen in grüne Energien zu drosseln sowie aus dem Klimavertrag von Paris aussteigen zu wollen. Wie kann jemand die Wissenschaft leugnen!? Mittlerweile hat sich Leonardo di Caprio höchstpersönlich mit Trump getroffen, um mit ihm über seinen Oscar … äh, die Globale Erwärmung zu reden.

Zwei Dinge erstaunen mich an dem Argument. Erstens: Nehmen wir an, es wäre wirklich so, dass 97% aller Klimatologen von der menschengemachten Globalen Erwärmung überzeugt sind. Das würde nicht im Geringsten erklären, warum die Öffentlichkeit den Klimatologen vertraut. Es gibt nämlich viele andere Wissenschaftsfelder, in denen die Experten sich in der absoluten Mehrheit einig sind, und der Öffentlichkeit ist es egal. Das beste Beispiel: Die Wirtschaft. Obwohl sich Ökonomen in vielem uneinig sind, gibt es doch bei der Mehrheit einen Konsens – und dieser Konsens geht stark in Richtung „Die freie Marktwirtschaft ist das bestmögliche Wirtschaftssystem.“ Im Magazin „American Economic Review“ wurden im Mai 1992 1.350 Ökonomen aus Privatunternehmen, staatlichen Behörden und Bildungseinrichtungen befragt. Die Ergebnisse waren u.a.:

– 93% meinten, dass Zölle und Importquoten den allgemeinen Wohlstand schädigen.
– 84% meinten, dass ein großes Defizit im Staatshaushalt schlechte Folgen für die Wirtschaft hat.
– 79% meinten, dass der Mindestlohn die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und Geringqualifizierten erhöht.
– 71% meinten, dass Inflation primär durch eine Erhöhung der Geldmenge verursacht wird, und 74% lehnten Preiskontrollen als Mittel zur Inflationsbekämpfung ab.
– 93% meinten, dass eine Mietpreisbremse die Qualität und Quantität des Wohnungsangebots schädigt.
– 83% meinten, dass es keine legitime Aufgabe des Staates ist, Einkommen umzuverteilen.

Das ist ein ziemlich heftiger Konsens. Nicht nur diese ältere Umfrage aus den USA zeigt das, so gut wie überall – in den USA, Kanada, Westeuropa, Osteuropa, Lateinamerika, usw. – und zu jeder Zeit gibt es unter den Ökonomen eines Landes einen liberalen Konsens. Die einzigen Ausnahmen sind Länder, die eine totalitäre Diktatur sind und in der die Forschung somit nicht frei ist. Ansonsten sind die Ökonomen in allen wichtigen Bereichen zu deutlich über 50% für liberale Politik: Für Freihandel, gegen chronische Schuldenmacherei („für Austerität“ würde man heute sagen), gegen einen großen Sozialstaat, für eine strikte Geldpolitik, gegen Mindestlohn, gegen Mietpreisbremse. „The science is settled“ – das gilt in der Ökonomie auf jeden Fall. Wie wir wissen, interessiert das in der Öffentlichkeit aber keine Sau. Warum gibt es diese unglaublich große Ungleichbehandlung von Klimatologen und Ökonomen?

Sind Klimatologie und Ökonomie verschieden?

Die meisten Pro-Klimatologen und Anti-Ökonomen argumentieren: Klimatologie ist eine „echte“ Wissenschaft, während Ökonomie nur eine „spekulative“ Wissenschaft ist und zusätzlich von Interessengruppen korrumpiert wird. Ökonomen kann man also nicht trauen, weil sie „nur Theorien entwerfen“, die „nicht die reale Welt abbilden“, und dabei „von den Konzernen bezahlt werden“ und deswegen „ihre Interessen vertreten.“ Das sind bemerkenswerte Argumente, und sie überzeugen nicht. Erstens ist jede Wissenschaft erstmal eine spekulative Wissenschaft, denn zuerst müssen Theorien aufgestellt werden, bevor man sie überprüfen kann. Zweitens sind Klimatologen nicht davor gefeit, von Interessengruppen korrumpiert zu werden.

Es stimmt, dass Ökonomen erstmal nur Theorien entwerfen. Die Realität ist viel komplexer. Aber deswegen sind die Theorien nicht nutzlos! Man stelle sich vor, ein Physik-Student würde in seinem Studium seinem Lehrer erklären, dass er keine Ahnung von der Natur hat, mit dem Argument: „In ihrer Theorie gibt es das Gesetz der Schwerkraft, aber in der Realität gibt es Flugzeuge, die fliegen, ohne auf den Boden zu fallen, oder Vögel, und ich kann einen Gegenstand auch auffangen, bevor er hinfällt. Das Gesetz der Schwerkraft bildet also nicht die Realität ab.“ Wie unglaublich absurd würde so ein Argument klingen! Jeder weiß, dass man aus dem Gesetz der Schwerkraft nicht schließen kann, dass jeder Gegenstand immer auf den Boden fallen muss, wenn er in der Luft ist. Die Realität ist viel komplexer, es gibt Tausende Dinge, die die Fallrichtung eines Objekts verändern können – ohne die Schwerkraft außer Kraft zu setzen.

Das gilt nicht nur in der Physik, sondern in den meisten anderen Wissenschaften, einschließlich der Klimatologie und Ökonomie. Wenn ein Ökonom das Gesetz von Angebot und Nachfrage lehrt und damit erklärt, dass Freihandel gut und der Mindestlohn schlecht ist, heißt das nicht, dass jeder neue Zoll sofort zu einer Rezession führt oder die Einführung oder Erhöhung eines Mindestlohns sofort die Arbeitslosenrate erhöht. Die Realität ist viel komplexer. Wie sich die Gesamtwirtschaft eines Landes entwickelt, hängt nicht nur von einer einzelnen Maßnahme ab, sondern von einer Vielzahl von Faktoren, die sich gegenseitig abschwächen, ausgleichen oder verstärken können. Dazu zählen z.B. die Steuerlast, die Regulierungen im Arbeitsmarkt, die Geldpolitik, die Entwicklungen im Ausland (aktuell z.B. der Ölpreis) und die wohl wichtigste aller Maßnahmen: Die Rechtssicherheit in einem Land. Dann gilt: Je liberaler ein Land in all diesen Punkten zusammengerechnet ist, desto stärker wächst die Wirtschaft.

Was man aus der Aussage „Freihandel ist gut“ oder „Der Mindestlohn ist schlecht“ lernen kann, ist: Unabhängig von anderen Faktoren führen Zölle und Mindestlöhne zu Wohlstandsverlusten. Wichtig ist auch, wie die besagten Maßnahmen eingeführt werden. Ist es ein hoher Zoll, und trifft es eine große oder kleine Branche? Trifft der Mindestlohn einen großen oder kleinen Teil der Arbeiter, und gibt es Ausnahmen? Wenn die anderen Faktoren eher gut laufen und die schädlichen Maßnahmen keinen großen Teil treffen, kann die Gesamtwirtschaft weiterhin gut laufen, obwohl es in einigen Bereichen schlechter läuft. So hatte die Einführung des Mindestlohns in Deutschland, obwohl es der Gesamtwirtschaft weiterhin gut ging, viele schädliche Auswirkungen: Es wurden 300.000 Minijobs zerstört, die Zahl der Praktika bei Unternehmen hat sich halbiert und die Preise für Taxis und Hotels sind gestiegen. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage wurde durch den Mindestlohn nicht außer Kraft gesetzt.

Der andere Punkt, der gegen Ökonomen angeführt wird, nämlich die Behauptung, dass sie von Interessengruppen korrumpiert sind, ist noch absurder. Jeder Mensch, der für seine Arbeit bezahlt wird, wird … nun, eben dafür bezahlt. Nicht nur Ökonomen, auch Klimatologen können theoretisch von Interessengruppen beeinflusst werden: Solarkonzerne, Windkraftkonzerne und Umweltschutzorganisationen haben wirtschaftliche Interessen. Das heißt nicht, dass das, was sie sagen, immer falsch ist. Egal, ob das Gesagte von Ökonomen oder Klimatologen stammt – wichtig ist der Inhalt, nicht, von wem sie bezahlt werden. Außerdem spricht die Tatsache, dass Ökonomen sich für liberale Politik aussprechen, eher gegen die Beeinflussung von Interessengruppen. Interessengruppen wollen gerade keine freie Wirtschaft, sondern fordern für sich „Schutz“ vor Konkurrenz – also Regulierungen, die den freien Markt für ihre Konkurrenten einschränken.

Eine Sache sollten Ökonomen aber beherzigen: Gerade weil die Ökonomie ein so komplexes Feld ist, sollte man sich mit genauen Vorhersagen zurückhalten. Wie viele Jobs durch den Mindestlohn zerstört werden oder wie viele neue Jobs durch ein Freihandelsabkommen entstehen, darüber sollte man keine Gewissheit vorgeben. Man kann zwar mit Sicherheit sagen: Mehr freie Marktwirtschaft führt zu mehr Wohlstand. Aber welche Auswirkungen einzelne Maßnahmen haben, ist dennoch schwer vorauszusagen. All das, was ich gerade gesagt habe, gilt nun auch für die Klimatologie. Die Realität ist sehr komplex, es gibt verschiedene Faktoren, die das Klima beeinflussen können, genaue Voraussagen sind schwer, und trotzdem kann man einige Dinge mit Sicherheit sagen. In diesen Punkten sind Klimatologie und Ökonomie genauso spekulativ.

Jetzt werden einige sagen: „Ökonomen haben in der Vergangenheit viel häufiger falsch gelegen als Klimatologen!“ Diese Behauptung ist fragwürdig. Ökonomen haben mit ihren Voraussagen oft falsch gelegen (viele „Austrians„-Ökonomen wie Ron Paul prophezeien z.B. seit den 1970ern eine Hyperinflation in den USA), aber Klimatologen haben ebenfalls sehr oft falsch gelegen. Ich kann keine genauen Daten angeben, aber nach meinem Gefühl haben sie viel häufiger falsch gelegen: Prophezeiungen darüber, dass es bald gar keinen Schnee in Deutschland oder Großbritannien geben wird, dass die Arktis eisfrei sein wird, dass immer mehr Inseln im Meer versinken werden, etc. haben sich vielfach als spektakulär falsch erwiesen. Es bleibt also dabei: Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass Ökonomie spekulativer ist als Klimatologie.

Aus der irrationalen Ungleichbehandlung von Klimatologen und Ökonomen folgt nun keineswegs, dass wir beiden Gruppen immer vertrauen sollten, wenn unter ihnen ein Konsens herrscht, statt nur den Klimatologen. Es sollte eine Gleichbehandlung geben, aber weder in Form von pauschalem Vertrauen noch Misstrauen. Wenn man kein Experte in einem Bereich ist, muss man sich zwar Experten anvertrauen. Wer keine Ahnung hat, wie man Haushaltsgegenstände repariert, muss einen Handwerker rufen. Wer keine Ahnung von Medizin hat, muss einen Arzt rufen. Aber diese müssen ihr Wissen auch auf praktische Art beweisen. Wie ich bereits dargelegt habe, kann das aufgrund der Komplexität eines Forschungsbereichs oft schwer sein, aber letztlich ist es doch möglich, und es ist der einzige Weg, um in einem Bereich als Nicht-Experte klarzukommen. Wenn wir nun etwas über die Wirtschaft oder das Klima wissen wollen, sollten wir also anerkennen, dass Ökonomen und Klimatologen mehr Wissen über ihr Forschungsfeld haben, aber dann sollten wir überprüfen, ob sie auch richtig liegen.

Genau das geschieht in der Öffentlichkeit aber nicht. Da wir nun wissen, dass Klimatologie und Ökonomie nicht verschieden sind, bleibt die Frage unbeantwortet: Warum gibt es diese Ungleichbehandlung? Warum gelten Klimatologen als vertrauenswürdige Weltretter und Ökonomen als lügende Lobbyisten? Es gibt wohl nur eine Erklärung: Die Klimatologen haben die Herzen der Menschen gewonnen. Ihre Theorien kommen aus irgendeinem Grund besser an. Politiker, Soziologen und Theaterintendanten stellen keine Theorien von Klimatologen in Frage, aber wenn es um den Mindestlohn geht, wissen sie alles besser als Ökonomen. Es gibt unter diesen Gruppen eine regelrechte Verachtung von Ökonomen. „Klimaleugnung“ gilt als etwas ganz Böses und Unwissenschaftliches, aber Angebot-und-Nachfrage-Leugnung ist völlig normal, ja, geradezu schick. Ökonomen sind die Juden der Soziologen.

Ist die Globale Erwärmung ein großes Problem?

Der zweite Punkt, der mich am Argument „The science is settled“ erstaunt ist, dass daraus keineswegs folgt, dass wir aus allen fossilen Energieträgern aussteigen und in grüne Energien investieren müssen. Denn, ganz unschuldig gefragt: Was wären die schlimmsten Folgen, die ein Anstieg der durchschnittlichen Temperatur auf der Welt hätte? Die Klimaschützer kommen meistens mit Szenarien über steigende Meeresspiegel, mehr Dürren, mehr Hitzetote und die Gefahr der Verbreitung von Krankheiten. Fast immer sind die Folgen ausschließlich auf die Länder der Dritten Welt begrenzt. Und das sagt dann eigentlich schon alles aus: Die Folgen der Globalen Erwärmung sind meistens die Folgen von Armut. Was es braucht, damit die Dritte Welt mit den möglichen Folgen der Globalen Erwärmung zurechtkommt, ist keine Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der Ersten Welt, sondern eigenes Wirtschaftswachstum.

In der Ersten Welt wird die Globale Erwärmung laut den Prognosen kaum Probleme verursachen. Ein steigender Meeresspiegel kann, falls er kommt, einfach mit besserem Hochwasserschutz bekämpft werden. Die Niederländer werden nicht so schnell umziehen. Krankheiten werden kein Problem sein, weil die medizinische Versorgung gut genug ist, um die alten Krankheiten, die es in Afrika noch gibt, nicht wiederkommen zu lassen. In der Dritten Welt kann dasselbe erreicht werden. Der Aufbau von Katastrophenschutz und einer besseren medizinischen Versorgung würde die meisten Sorgen, die mit der Globalen Erwärmung verbunden sind, verschwinden lassen. Natürlich geht das nicht über Nacht, und es ist nicht billig. Aber dasselbe gilt für den Klimaschutz: Die massive Reduzierung der Treibhausgase dauert Jahrzehnte, und kostet viel mehr als der Aufbau von Katastrophenschutz und medizinischer Versorgung.

Die Klimaschützer scheinen zu glauben, dass die Dritte Welt auf jeden Fall genauso arm bleiben wird wie jetzt, und die Reduzierung der Treibhausgase in der Ersten Welt deshalb die einzige Lösung ist. Aber das ist weder wahr – die Entwicklungsländer können wachsen, wie die Beispiele China und Indien zeigen – noch wäre Klimaschutz eine Lösung für die Probleme auf der Dritten Welt. Die Entwicklungsländer leben schon heute in massiver Armut, wenn sie sich nicht wirtschaftlich entwickeln, werden sie auch in Zukunft in massiver Armut leben, egal wie sich die Welttemperatur entwickelt. Kurz gesagt: Sollten Niger und Mali genauso arm bleiben wie heute, wird die Globale Erwärmung in Zukunft einer der kleinsten Probleme sein, sollten Niger und Mali viel Wachstum haben, werden die Folgen der Globalen Erwärmung für sie kaum große Probleme verursachen.

Es ist das eine, zu sagen, ob es eine menschengemachte Globale Erwärmung gibt, aber etwas anderes, ökonomische Empfehlungen zu geben, um mit ihm umzugehen. Eigentlich sollten sich Klimatologen bezüglich des zweiten Punkts zurückhalten und das Thema den Ökonomen überlassen. Hier wäre die Sache klar: Es ist keine gute Idee, Billionen auszugeben, um Milliarden zu sparen (so viel würde der Aufbau von Katastrophenschutz und medizinischer Versorgung kosten). Der gesamte Klimaschutz ist ökonomischer Irrsinn. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass sich die Erste Welt de-industrialisiert, damit sich die Dritte Welt nicht industrialisieren muss. Für beide Welten hat das nur schlechte Folgen. Man muss es deutlich sagen: Die Energiewende in Deutschland ist eine größere Gefahr für die Menschheit als die Globale Erwärmung.

Soweit meine Ansicht zur Frage, ob die Globale Erwärmung ein großes Problem ist. Einige Leute, die ebenfalls kein großes Problem in der Globalen Erwärmung sehen, tun das aus anderen Gründen: Sie glauben gar nicht, dass es sie gibt. Dabei kommen sie immer wieder mit dem Argument, dass sich viele Klimamodelle in der Vergangenheit als falsch erwiesen haben. Das ist aber ein unzureichendes Argument. Es klingt so wie „Ich habe einmal homöopathische Mittel benutzt, und es hat funktioniert!“ oder „Wir haben einen Mindestlohn eingeführt, und es hat keine Jobs zerstört!“ Sicher können sich Experten auch irren. Es gibt Biologen, die Kreationisten sind, Ärzte, die an Homöopathie glauben, oder Ökonomen, die für den Mindestlohn sind. Aber wenn es unter der Mehrheit einen Konsens gibt und ihre Theorien nicht eindeutig widerlegt wurden, schenke ich ihnen mehr Vertrauen (einzige Ausnahme ist, wenn es sich gar nicht um eine Wissenschaft handelt, wie Theologie oder Genderwissenschaften – hier kann man den Konsens bezüglich Transsubstantiation oder Transgender ruhig ignorieren).

Tatsächlich gibt es unter Klimatologen einen großen Konsens, dass sich das Klima in den letzten Jahrzehnten erwärmt hat, und dass der Mensch, bzw. sein erhöhter Ausstoß von Treibhausgasen, dafür hauptverantwortlich ist. Klima-Vorhersagen, die nicht eingetreten sind, sind keine Widerlegung der Theorie, sie zeigen nur, dass das Klima ein sehr komplexes Feld ist und man mit genauen Voraussagen, gerade für die nächsten 50-100 Jahre, vorsichtig sein sollte. Dennoch traue ich, wenn es um das Klima geht, einem Klimaforscher Mojib Latif mehr als einem Truther vom Kopp Verlag oder Infowars, der wahrscheinlich keine wissenschaftliche Ausbildung in diesem Bereich hat. Und falls sich die Theorie der menschengemachten Globalen Erwärmung doch als falsch erweisen sollte, werden das andere Klimatologen herausfinden und nicht irgendwelche Truther.

Die Ablehnung der Theorie von der menschengemachten Globalen Erwärmung unter vielen Libertären dürfte wohl auch politische Gründe haben. Die Globale Erwärmung kann perfekt als Vorwand genutzt werden, um eine autoritäre Planwirtschaft einzuführen. Allerdings hat die Frage, ob es sie gibt, nichts damit zu tun, ob man die freie Marktwirtschaft oder den Sozialismus mag. Die Realität interessiert sich nicht, ob sie den Menschen politisch passt. Für Libertäre gibt es aber trotzdem eine frohe Botschaft: Selbst wenn es die Globale Erwärmung gibt, brauchen wir keine Planwirtschaft. Alle staatlichen Subventionen für grüne Energien können weg. Stellt sich nur die Frage, ob Trump mit seinen anti-grünen Positionen in den USA durchkommt. Kann ein amerikanischer Präsident gegen di Caprio regieren? Hoffen wir es mal. Dann gäbe es nur noch ein Problem mit Trumps ökonomischen Positionen, also seiner Angebot-und-Nachfrage-Leugnung …

7 Antworten to “Was die Experten sagen”

  1. bevanite Says:

    Zynischerweise könnte man anmerken, dass ein Ökonomie-Experte – ob als Akademiker oder in hoher Position in einem Unternehmen tätig, spielt dabei keine Rolle – in seinem Privatleben niemals mit Themen wie Mindestlohn oder Mietpreisbremse zu tun haben wird. Mit einer sicheren C4-Professur und einer eigenen Immobilie im Rücken ist es sehr einfach, wie der Mann im Mond auf solche niederen Probleme herabzuschauen, denn dann tangiert es einen wenig. Wer hingegen regelmäßig zwischen geringfügigen Jobs, Arbeitslosigkeit und verschiedenen Mietwohnungen pendeln muss, sieht dies naturgemäß anders.

    Aus persönlichen Erfahrungen habe ich auch den Eindruck, dass viele Liberale im deutschsprachigen Raum meist eher in sicheren Einkommens- und Familienverhältnissen leben.

  2. Dr. Caligari Says:

    Erstens: Nehmen wir an, es wäre wirklich so, dass 97% aller Klimatologen von der menschengemachten Globalen Erwärmung überzeugt sind. Das würde nicht im Geringsten erklären, warum die Öffentlichkeit den Klimatologen vertraut. Es gibt nämlich viele andere Wissenschaftsfelder, in denen die Experten sich in der absoluten Mehrheit einig sind, und der Öffentlichkeit ist es egal. Das beste Beispiel: Die Wirtschaft.

    1. Diese Argumentation habe ich schon 2010 versucht. Es ist dem kein Beizukommen. Danke aber für den Link
    2. Wirtschaft und Klima sind eben beides sehr komplexe Phänomene, da scheint noch keiner durchgestiegen zu sein.
    Das Problem ist eben, dass bei Wirtschaft jeder annimmt, das sei politisch motiviert, während man die Klimaforschung auch nach Climagate usw. für unpolitisch hält.

    Letztlich läuft es darauf hinaus, dass sich die Erste Welt de-industrialisiert, damit sich die Dritte Welt nicht industrialisieren muss.

    Es existiert eine grüne Ideologie.
    Eine Ideologie, deren Zielsetzung es ist, uns alle nach Hobbitville zu führen, wo wir dann barfuss rauchend in Kaninchenhöhlen leben und uns der Welt erfreuen.
    Das ist Problem ist nur, dass unter diesen Umstände sehr viele Menschen verhungern würden. Die gesellschaftlichen Strukturen, die im ländlichen Raum fast überall auf der Welt herrschen, will man natürlich auch nicht haben. Der Klatsch über jemanden im Dorf, die starke Rolle der Religion, der Einfluss bedeutender Familien usw.
    Das blendet man alles aus. Das will man eigentlich nicht, aber man will trotzdem das Idyll, das „Authentische“, das Leben mit der Natur. Das ist für den Städter eben ein Luxus, der teuer erkauft wird. Und ja, das Leben in Wohnkästen ist wirklich kein unbedingt artgerechtes Leben für einen Menschen, die Sehnsucht ist nicht völlig falsch, aber irrational und deshalb führt sie zu seltsamen Ergebnissen.

    Und falls sich die Theorie der menschengemachten Globalen Erwärmung doch als falsch erweisen sollte, werden das andere Klimatologen herausfinden und nicht irgendwelche Truther.

    1. Es gibt in einer freien Diskussion fast immer verschiedene Meinungen zu einem Thema. Da bildet die Wissenschaft keine Ausnahme. Bis heute gibt es seriös ausgebildete Wissenschaftler, die Einstein widerlegen oder das Perpetuum Mobile erfinden wollen. Vielleicht aus ruhmsucht, vielleicht hängen sie falschen Vorstellungen an.
    Dass es also Klimaforscher gibt, die von der Meinung des Mainstreams ausscheren, ist kein Argument.
    2. Diese Menschen mit abweichenden Meinungen sind nicht unbedingt Idioten. Theoretisch könnten sie recht haben. Es wäre nur so, als würde man beim Pferderennen auf einen verflucht schlechten Kandidaten setzen.

    Die Globale Erwärmung kann perfekt als Vorwand genutzt werden, um eine autoritäre Planwirtschaft einzuführen.

    Sie ist vielleicht das beste Argument dafür.

    Die meisten wirtschaftstheorien gehen davon aus, dass die Freie Marktwirtschaft das Optimum erreicht unter der Bedingung des Wachstums. Wenn das Wachstum aber ausbleiben sollte, werden vielleicht andere Theorien die Wirklichkeit besser beschreiben.

    Funny fact: Spieltheoretisch sind negatives und positives Wachstum übrigens identisch. Dann behandelt man das „+“ ebenso, dass ein Spieler am Ende weniger verliert. Die für alle Spieler optimale Strategie ist dann die, in der alle am Wenigsten verlieren würden.
    Echt bedrohlich sind nur sog. „Nullsummenspiele“, da dort der Gewinn einer Partei NOTWENDIGERWEISE der Verlust einer anderen Partei seien muss. Viele Linke kapieren das nicht. Für sie gibt es nur Nullsummenspiele. Wenn jemand gewinn macht, muss es irgendwo einen Verlierer geben.

  3. qwerty248 Says:

    http://www.forbes.com/sites/jeffmcmahon/2016/06/03/renewable-energy-inevitable-energy-secretary-says-because-of-plunging-prices/#5beed75b1ec9 „Climate change may have inspired the clean-energy revolution, but price has made it inevitable, Secretary of Energy Ernest Moniz said Thursday, citing plunging prices in solar, wind and efficient innovations like LED lighting.“ Der Staat hat also im Falle einer Förderung (vielleicht zu früh) aufs richtige Pferd gesetzt.

  4. n_s_n Says:

    Lieber Arprin,

    danke für deine erhellenden Gedanken anhand des Vergleiches zwischen Ökonomen und Klimatologen.

    Ein paar Anmerkungen vielleicht zu den 97% Einigkeit bei den Klimatologen, weil die unterliegenden Fragestellungen schon viel meines Gehirnschmalzes genutzt hat.

    1) Soweit meine Informationen reichen, herrscht die Einigkeit derzeit darüber, dass Co2 in der Atmosphäre grundsätzlich erwärmenden Charakter hat. Diese Einigkeit trifft überhaupt keine Aussage darüber, wie stark der Einfluß des vom Menschen zusätzlich in die Atmosphäre entlassenen CO2s ist. Hier gehen die Meinungen tatsächlich recht weit auseinander. Von gar nicht (es gibt Sättigungseffekte) bis erheblich. Die 97% suggerieren also etwas anderes, als sie tatsächlich aussagen.

    2) Wissenschaft entwirft Theorien, welche empirisch bestätigt oder widerlegt werden müssen. Bei Klimamodellen ist das deswegen nicht ganz einfach, weil sie statistischer Natur und obendrein sehr komplex sind und daher eine solche Bestätigung respektive Widerlegung nicht so einfach diskret im Experiment erfolgen kann. Die aktuelle (letzte 15 Jahre) Klimaentwicklung ist dabei nicht in Deckung mit der Vorhersage der Modelle und kann nur durch neue Zusatzannahmen in Deckung gebracht werden. Dies läßt die Wahrscheinlichkeit sinken, dass die gängigen Modelle so richtig sind. Widerlegt ist natürlich nichts. Man kann maximal eine Wahrscheinlichkeitsschwelle definieren, ab der man das Modell als widerlegt sieht (Also wie viele Jahre müssen die Modelle daneben liegen, damit sie als widerlegt gelten). Diese Schwelle wäre natürlich willkürlich. Es bleibt immer eine (wenn auch noch so kleine) Restwahrscheinlichkeit bestehen, dass es anders ist als man annimmt.

    Der Hinweis darauf, dass sich die Modelle in der Vergangenheit als „nicht korrekt“ erwiesen haben, ist also mitnichten so, wie die Feststellung, man habe einmal homöopatische Mittel benutzt. Es ist eher wie das Gegenteil. Wenn jemand immer wieder homöopatische Mittel verwenden würde und jedes Mal ihre Wirksamkeit feststellen würde, wäre irgendwann die Annahme durchaus berechtigt, wenn auch nicht vollständig gesichert, dass Homöopathie tatsächlich wirkt.

    3) Historisch gesehen zeigte sich, dass Theorien, welche immer mehr Zusatzannahmen machen müssen um Deckung mit der Empirie zu erreichen, oft verworfen oder zumindest entscheidend angepasst werden mußten. Genau die Notwendigkeit solcher Zusatzannahmen ist im Moment der Fall, um Klimaentwicklungen und Modellvorhersage in Einklang zu bringen. Widerlegt und gesichert ist hier nichts, aber Zweifel sind angebracht und da sind wir beim entscheidenden Punkt:

    4) The Sience kann per definitionem niemals settled sein. Wissenschaft arbeitet mit Theorien, welche durch intersubjektiv überprüfbare Beobachtungen bestätigt werden. Es kann aber niemals ausgeschlossen werden, dass eine Theorie empirisch widerlegt wird. Daher ist das Wesen der Wissenschaft eigentlich viel mehr zweifeln, als Wissen. Zu den am besten und genauesten empirisch bestätigten Theorien gehört die Relativitätstheorie, aber auch hier kann man sich niemals sicher sein, nicht irgendwann eine empirische Widerlegung zu finden. Egal, wie unwahrscheinlich das aus heutiger Sicht auch erscheint.

    5) Die Tatsache mit welcher Entschiedenheit die Kritik an den Klimamodellen zurückgewiesen wird deutet daher für mich darauf hin, dass es hier weniger um Wissenschaft als um ein Dogma geht. Etwas, das im ontlogischen Sinne ist. Das Wesen der Wissenschaft wäre, Modellvorhersage und Empirie in Deckung zu bringen, nicht jeden Neuen Erklärungsversuch (wie zum Beispiel die Sonnenaktivität) als Häresie zu verunglimpfen.

    Wissenschaft trifft keine Aussage darüber was ist, sondern sie beschreibt bestmöglich intersubjektiv überprüfbare Beobachtungen.

    Vor einiger Zeit habe ich einmal im Blog „Zettels Raum“ versucht den „Zustand der Klimafrage“ in ihren wesentlichen Punkten zusammenzufassen. Falls es für Sie von Interesse ist.

    https://zettelsraum.blogspot.de/2016/04/uber-die-modellierung-des-klimas_24.html

    Herzliche Grüße

    n_s_n

    • arprin Says:

      Danke für den Hinweis auf deinen Artikel. Ich habe ihn gelesen und fand ihn sehr informativ, zumal ich selbst ein Laie in diesem Bereich bin.

      Zu den 5 Punkten:

      1.) Ja, ich weiß, dass über die Stärke des Einflusses des Menschen zur Globalen Erwärmung keine völlige Einigkeit herrscht. Die 97% beziehen sich darauf, dass es eine Erwärmung gab und der Mensch einen Einfluss darauf hatte. Das ist schon eine wichtige Aussage.

      2.) Ich wollte sagen, dass aufgrund der Komplexität dieses Bereichs Modelle falsch liegen können, die „große“ Theorie aber dennoch stimmt. Aber natürlich können ständig falsch liegende Modelle auch ein Grund sein, um eine Theorie anzuzweifeln. Man muss dabei aber immer die Komplexität beachten.

      3. und 4.) Genau so sehe ich es, es ist noch nicht zu 100% gesichert. Auch wenn es Dinge gibt, bei denen man zu 99,9% sicher sein kann. Allerdings gehört die These von der menschengemachten Globalen Erwärmung noch nicht dazu, und schon gar nicht die genaue Stärke des Einflusses des Menschen.

      5.) Das Klima-Thema ist hochpolitisiert, das bringt die Schärfe herein. Das gibt es nicht nur bei denen, die für mehr Klimaschutz sind, sondern auch für ihre Gegner, die oft so tun, als sei die Theorie schon zu 100% widerlegt. Man sollte deshalb die Politik herauslassen und sich auf die Wissenschaft beschränken.

      • n_s_n Says:

        Lieber Arprin,

        ich denke es ist im Kern nicht die „Politisierung“, welche hier die Schärfe der Diskussion bedingt. Die Schärfe manifestiert sich nur in der Politik, welche zu jeder Zeit unter dem Einfluß des gängigen Glaubens oder Dogmas steht.

        Norbert Bolz hat einmal angemerkt, dass der Sinn des Lebens per definitionem nicht intrinsisch in ihm selbst gefunden werden kann. Es braucht „externe“ Wertmaßstäbe, um einen Sinn zu definieren. Solche „externen“ Wertmaßstäbe kann man aber nicht nach wissenschaftlichen Verfahren festlegen. Sie müssen definiert werden. Damit sind es Dogmen, welche die moralischen Regeln festlegen. Mal ist es die Religion, mal eine Ideologie, mal eine Weltanschauung im wissenschaftlichen Anstrich.

        Der Mensch als ein Wesen, das sich selbst reflektiert ist in meinen Augen dazu verdammt sich die Sinnfrage zu stellen und daher landet es früher oder später zwangsläufig bei einem Dogma – meist ohne es zu merken.

        In meinen Augen ist ein statische Naturbild das Dogma, welches die sich bei uns im Rückzug befindlichen klassischen Religionen ablöst und ausgehend von den Grünen mittlerweile in allen Parteien und der gesamten Politik Fuß gefasst hat. In dieser Sicht leben wir mitnichten in einem säkularen Staat, sondern lediglich in einem Staat, dessen gesellschaftliche Glaubensgrundsätze nicht in einer Kirche verankert sind.Den Menschen als Sünder, welcher Buse tun muß, hat man allerdings beibehalten.

        Und genau da sehe ich auch den Grund warum man den einen Experten glaubt und den anderen nicht.

        Experten, welche das eigene Dogma bestätigen, berichten selbstverständliches. Warum ihnen nicht glauben? Experten, welche Weltbilder und Lebensgefühle anzweifeln, die mehr oder weniger Common Sense sind, erfahren da schon mehr Widerspruch. Ich denke so einfach ist das.

        Der Mensch ist in meinen Augen per definitionem ein „religiöses Wesen“ in dem Sinne, dass es dazu verdammt ist seinem Leben einen Wert zu geben. Und dieser Sachverhalt arbeitet beständig gegen die von Kant geforderte Mündigkeit der Aufklärung. Meist ohne das sich der Mensch darüber bewust wird.

        Herzlich

        n_s_n

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