Dem Handelskrieg widerstehen

Das geschah das letzte Mal, als man den Amerikanern Importsteuern andrehen wollte

Das geschah das letzte Mal, als man den Amerikanern Importsteuern andrehen wollte

Das Trumperium ist zwei Wochen alt, und es hat sich viel geändert. „Amerika zuerst“ lautet die Devise, und es ist vollkommen ernst gemeint. Nicht nur bezüglich Einwanderung wird es unter Trump zu mehr Abschottung kommen, sondern auch bezüglich dem internationalen Handel. Der Rückzug aus TTP ist beschlossen worden, NAFTA könnte neu verhandelt werden, was auch immer damit gemeint ist, TTIP dürfte auch gestorben sein, und möglicherweise werden neue Zölle gegen chinesische, mexikanische und auch deutsche Waren eingeführt werden. Immerhin erregt sich Trump, ganz im Stile von Lafontaine (und unter seinem Beifall): „Warum hat hier fast jeder ein Mercedes, aber bei euch gibt es keine Chevrolets? Es gibt kein Gleichgewicht.“

Das allein ist kein Grund für eine Katastrophenstimmung. Sofern die Zölle nicht gegen alle Produkte aus einem Land erhoben werden und nicht allzu hoch sind, dürften die wirtschaftlichen Schäden klein genug sein, um von Menschen ignoriert zu werden, für die „Amerika zuerst“ wichtiger ist als ökonomische Vernunft. Zudem könnte Trump, trotz seiner schädlichen Handelspolitik, vielleicht wirklich einen Aufschwung bewirken, wenn es ihm wirklich gelingen sollte, die Staatsquote und die Regulierungsdichte merklich zu senken, was derzeit aber alles andere als gewiss ist. Allerdings besteht die große Gefahr, dass auf Trumps „Amerika zuerst“ ein „China zuerst“, „Mexiko zuerst“ und ja, man staune und höre, „Deutschland zuerst“ folgt. Dann haben wir einen schönen Handelskrieg.

Wahrscheinlich werden die Länder, die von Trumps Zöllen betroffen sein werden, zumindest darüber nachdenken, mit Zöllen für amerikanische Waren zu reagieren. Dahinter steckt die Ansicht, dass Zölle für Waren aus dem eigenen Land eine nationale Kränkung sind und man darauf reagieren muss (ähnlich hat der Iran auf das Einreiseverbot für Iraner reagiert: Mit einem Einreiseverbot für Amerikaner). Für die Länder scheint ein Handelskrieg denselben Regeln zu folgen wie ein Krieg: Wenn ein Land anfängt, muss man sich wehren. Eine fremde Armee greift an, also muss die eigene Armee zurückschlagen. Ein fremdes Land erhebt einen Zoll, also muss man selbst einen Zoll erheben. Aber das ist ein unglaublicher Irrtum. Tatsächlich macht ein „Gegenschlag“ in einem Handelskrieg die eigene Lage nur noch schlimmer.

Die meisten Politiker scheinen entweder das Ansehen des eigenen Landes höher zu stellen als die wirtschaftliche Lage ihrer Bürger, oder sie verstehen gar nicht den Sinn von Handel. Ein Zoll gegen ein Land schadet sowohl dem Land, das nun weniger exportieren kann, als auch dem Land, dass nun weniger importieren kann. Sollte Trump z.B. Zölle gegen China einführen, schadet das sowohl den chinesischen Verkäufern als auch den amerikanischen Käufern. Es gibt keinen Gewinner. Wenn nun als Reaktion darauf China Zölle gegen die USA erhebt, geschieht dasselbe. Es steht nicht wieder 1:1, sondern 0:2 für den Wohlstand beider Länder. Man „verteidigt“ sich nicht wie in einem Krieg, sondern schießt sich selbst ins Bein (als Reaktion darauf, dass sich der „Feind“ zuvor selbst ins Bein geschossen hat). Dasselbe gilt für alle anderen Länder der Welt – Zölle als Reaktion auf Zölle helfen niemandem.

Deshalb ist die einzige richtige Reaktion auf die Erhebung eines Zolls für Waren aus dem eigenen Land: Nichts. Nicht im Sinne von „einfach ignorieren“ – man kann ja massive Kritik an den Maßnahmen des anderen Landes üben – sondern im Sinne von „Keine Gegenzölle einführen.“ Jeder Zoll ist schädlich, und wenn ein Land eine schädliche Politik einführt, sollte man den Schaden nicht vergrößern. Aber das Gefühl der nationalen Kränkung ist für die Politiker (und die Bevölkerung) sehr groß, so dass Parlamente und die öffentliche Meinung meistens „Gegenreaktionen“ fordern. Es ist in so einer Lage für die verantwortlichen Politiker sehr schwer, der Entfesselung eines Handelskriegs zu widerstehen. Doch das ist die einzig vernünftige Reaktion. Alles andere verschlimmert es nur.

Leider gibt es auch einige Kommentatoren, die sich für Freihandel aussprechen und gleichzeitig mit dem „Wie du mir, so ich dir“-Argument ein gewisses Verständnis für Trumps Politik zeigen: China würde seine Währung manipulieren, so dass die eigenen Exporte künstlich verbilligt werden, was den USA schaden würde. Sie hätten also als Erste „unfair“ gespielt und müssten mit Gegenmaßnahmen bestraft werden. Dieses Verständnis für Trump ist aber Unsinn. Erstens spielt der Yuan-Kurs kaum eine große Rolle für den chinesisch-amerikanischen Handel, zweitens hat kein Land der Welt vollkommenen Freihandel und spielt somit „fair“ (auch die USA halten viele protektionistische Maßnahmen aufrecht) und drittens werden die Chinesen ihre „unfaire“ Politik nicht beenden, wenn Trump ihnen mit Zöllen droht. Die Folge wären Gegenzölle, mit den genannten Folgen.

Es geht dabei nicht nur um wirtschaftliche Aspekte. Wäre es angemessen, auf das Kirchenverbot in Saudi-Arabien mit einem Moscheeverbot in Deutschland zu reagieren? Die meisten würden das verneinen, weil Muslime in Deutschland nicht pauschal für die Politik Saudi-Arabiens verantwortlich gemacht werden können und weil in Deutschland die Religionsfreiheit gilt. Wenn es aber um Wirtschaft geht, werden amerikanische Unternehmen pauschal für Donald Trump verantwortlich gemacht und die wirtschaftliche Freiheit sofort über Bord geworfen. Erinnert ihr euch noch an „Man muss differenzieren“, „Man kann nicht alle Mitglieder einer Gruppe pauschalisieren“? Egal, wer Amerikaner ist, wird deswegen für Trumps Aktionen bestraft. Es hilft nicht mal, dass sich die Chefs von Facebook, Google und Amazon öffentlich gegen Trump ausgesprochen haben – Amerikaner ist Amerikaner, Punkt.

Im schlimmsten Fall könnten neue Handelskriege den Frieden gefährden. In der Weltgeschichte hat wirtschaftlicher Nationalismus so gut wie immer mit Kriegsphasen korreliert. Auch wenn im Gegenzug reger Handel zwischen den Ländern kein Garant für Frieden ist, wären gerade jetzt, wo die internationale Ordnung „reif“ für ihre eigene Zerstörung ist, Handelskriege extrem gefährlich. Sie könnten überall politische Spannungen erzeugen, die mit genug Anlauf irgendwann explodieren könnten (z.B. im Südchinesischen Meer). Es sollte also alles dafür getan werden, um Handelskriege zu verhindern. Ich setze meine Hoffnung darauf, dass der Kongress Trump stoppt. Keine massiven Zölle gegen andere Länder, kein Rückzug aus NAFTA und im besten Fall neue Freihandelsabkommen mit anderen Ländern. Der Weltfrieden könnte davon abhängen. Hörst du mich, Paul Ryan?

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