Wie man gegen Fake News kämpft

Es kommt eher selten vor, dass ein Professor mit seinen Vorträgen internationale Berühmtheit erlangt. Der Schwede Hans Rosling war einer von ihnen. Einer seiner Vorträge war so gut, dass er sogar kalte, herzlose Liberale zum Weinen gebracht haben soll: Die magische Waschmaschine. Hier zeigte Rosling, wie eine einfache Erfindung wie die Waschmaschine Millionen Menschen auf der Welt, vor allem den Armen (und unter ihnen besonders den Frauen), geholfen hat. In der Tat dürfte die Waschmaschine mehr Frauen befreit haben als alle Feministen, die jemals gelebt haben, zusammengerechnet.

Hans Rosling ist vor zwei Tagen gestorben. Zu seinen intellektuellen Leistungen gehört nicht nur seine Fähigkeit, Menschen mit seinen Vorträgen zu begeistern, sondern auch sein erbarmungsloser Kampf gegen Fake News. Was waren die größten Fake News der letzten 30 Jahre? Die Lüge von den „15.000 Toten durch die Atomkatastrophe von Fukushima“? Das ständig wiederholte Mantra „die EU ist ein Friedensprojekt“? Oder „Der Islam ist eine Religion des Friedens“? Ich denke, es gibt eine weit schlimmere und vor allem weit häufiger wiederholte Lüge, die alle anderen der letzten Jahrzehnte überragt. Sie wird in fast allen Universitäten, Medien und in Parlamenten täglich wiederholt. Sie ist zum Allgemeinwissen geworden. Diese Lüge lautet so:

„Die Globalisierung hat in den letzten 30 Jahren die weltweite Armut und die Ungleichheit vergrößert.“

Wie sehr diese Lüge verbreitet ist, habe ich selbst schmerzlich in den letzten Tagen bemerken müssen. Eine Person bat mich, ihm bei einer seiner Uni-Arbeiten zu helfen. Es ging um das Thema Globalisierung. Ich legte meinen Standpunkt dar, dass Globalisierung eine wunderbare Sache ist und die überwältigende Mehrheit aller, die von ihr betroffen sind (>99,9%), von ihr profitiert haben. Aber er sagte, das könne er nicht schreiben, weil er zuvor etwas völlig anderes geschrieben hatte – nämlich, dass die Globalisierung total schlecht ist, nur den Reichen und den Konzernen nützt und die Ungleichheit vergrößert. Sein Professor und die ganze Klasse seien übereinstimmend zu diesem Ergebnis gekommen. Also musste ich ihm helfen, eine Arbeit zu schreiben, indem die Globalisierung zwar auch gelobt, aber dann doch verdammt wurde.

Sowas dürfte kein Einzelfall sein. Immer, wenn man Zeitungen liest, Reden in Parlamenten hört oder bei Talkshows einschaltet, fällt immer derselbe Satz: „Wir müssen endlich anfangen, über die Opfer der Globalisierung zu sprechen.“ Die Wahrheit ist: Wir reden über nichts anderes. Immer, wenn über die Globalisierung gesprochen wird, reden wir primär (und sekundär, tertiär, …) über die Opfer der Globalisierung. Zu sagen, dass wir endlich anfangen müssten über die Opfer der Globalisierung zu sprechen ist so als würde man sagen dass die Klatschblätter endlich über die Scheidung von Brad Pitt und Angelina Jolie oder der Kicker endlich über die Bundesliga sprechen muss. Wenn wir über die Globalisierung reden, reden wir immer nur über ihre angeblichen Opfer. Da kann man sich schon fragen: Wann reden wir auch mal über die Gewinner der Globalisierung?

Die Situation ist vergleichbar mit dem 19. Jahrhundert. Dieses Jahrhundert war in Europa eine Zeit, in der es einen nie dagewesenen Wohlstandsgewinn gab. Niemals in der Geschichte war es den Armen besser gegangen als damals. Allein in Deutschland stieg die Bevölkerung von 20 auf 60 Millionen, und zwar keinesfalls wegen höherer Geburtenraten, sondern wegen höherer Überlebensraten. Trotzdem herrschte ein anderer Konsens vor: Es ging den Armen so schlecht wie nie zuvor. Es war so furchtbar, dass nur eine kommunistische Revolution helfen konnte. Leider trugen Marx, Engels und co. den Sieg im Informationskrieg davon. Noch heute gibt es die „Manchester-Legende“, die besagt: Der Kapitalismus hätte zur Verelendung der Arbeiter geführt, die Industrialisierung sei ganz furchtbar für die Armen gewesen. Diese Fake News sind tragischerweise das, was die meisten Kinder heute in den Schulbüchern lernen.

Auch damals gab es Leute, die gegen diese Fake News kämpften. Der deutsche Liberale John Prince-Smith sprach 1864 von der „sogenannten Arbeiterfrage„, in der er darlegte, dass es den Arbeitern in den kapitalistischen Betrieben am besten geht. Er dürfte heute kaum in Schulen gelehrt werden. Hayek meinte 1960, also knapp 100 Jahre nach der Industrialisierung, in seinem Buch „Die Verfassung der Freiheit“ spöttisch: „Wenn „der Kapitalismus das Proletariat geschaffen hat“, hat er es dadurch geschaffen, dass er vielen Menschen die Möglichkeit gegeben hat, am Leben zu bleiben und Nachkommen zu haben.“ Aber auch er dürfte kaum eine Chance haben, in heutigen Universitäten die marxistische Legende von der Verelendung der Arbeiter im 19. Jahrhundert niederzureißen. Nun stelle ich mir die Frage: Was werden die zukünftigen Studenten über unsere Zeit lernen?

Natürlich ist unsere Zeit nicht perfekt. Was in den letzten Jahren in Südeuropa passiert ist, ist eine unglaubliche Tragödie. Über Venezuela muss ich wohl keine Worte verlieren. Nicht überall geht es ununterbrochen nur bergauf. Und auch in vergleichsweise stabilen Ländern wie den USA oder Deutschland gibt es vieles zu beklagen. Aber weltweit betrachtet hat die Menschheit von 1980 bis heute den größten Wohlstandsgewinn erzielt, den es jemals in der Geschichte gab. Hans Rosling hat das in seinem „Ignoranz-Test“ schön dargelegt. Der prozentuale Anteil der absolut Armen an der Weltbevölkerung ist seit 1980 von 40% auf 10% gesunken, die weltweite Kindersterblichkeit ist seit 1990 um die Hälfte gesunken, immer mehr Kinder werden alphabetisiert. Die Länder, die den größten Fortschritt erzielten, sind die, die am meisten an der Globalisierung teilhaben. China hat in einem Bruchteil der Zeit ein Wachstum erlebt, für das Europa mehr als 100 Jahre brauchte.

Werden die Studenten der Zukunft das über unsere Zeit lernen? Oder werden sie lernen, dass die Zeit der Globalisierung eine Zeit der Verelendung in der Dritten Welt gewesen ist, sowie sie heute lernen, dass die Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine Katastrophe für die Arbeiter gewesen ist? Wird Rosling gelehrt werden oder Oxfam? Ich befürchte, es wird Oxfam sein. Denn für all diese guten Nachrichten müsste man eine Erklärung finden. Und diese wäre nicht schön: Die freie Marktwirtschaft hat Milliarden Menschen aus der Armut geführt. Das ist für die Mehrheit der Menschen in Universitäten, Medien und Parlamenten inakzeptabel. Wir stehen vor einer neuen, massiven Geschichtsfälschung. Falls sich nichts ändert. Falls niemand dem allgemeinen Konsens über die Globalisierung widerspricht. Jedes Mal, wenn jemand über die Globalisierung schimpft, müsste man als Kämpfer für die historische Wahrheit rufen:

FAKE NEWS!

Roslings Abgang hinterlässt eine große Lücke. Aber es gibt durchaus Leute, die bereit sind, gegen diese größte aller Lügen unserer Zeit anzukämpfen. Der wohl bekannteste ist ein Landsmann Roslings: Johan Norberg. Er hat 2016 sein letztes Buch veröffentlicht, „Progress: Ten Reasons to Look Forward to the Future„, indem er den unglaublich großen Wohlstandsgewinn der letzten Jahrzehnte darlegt, als erfrischende Korrektur zu den ganzen postfaktischen, alternative Fake-News facts von Donald Trump bis Bernie Sanders. Das ist sehr wichtig. Denn, um mit Goethe abzuschließen: „Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“

16 Antworten to “Wie man gegen Fake News kämpft”

  1. max Says:

    Es erstaunt mich schon etwas, dass Du „die Globalisierung“ verteidigst, andere Meinungen als Fake News betitelst, ohne auf die Differenzen einzugehen, die sich mit der „Globalisierung“ und deren Auswirkungen zu beschäftigen. Nur ein Beispiel: China. Von restlos verblödeten „Journalisten“ wurde im Rahmen des WEF China als Verteidiger des freien Handels gefeiert (weil alles, was gegen Trump ist, gut ist). Ich bin selber Unternehmer. Ich habe ein Projekt in China gehabt. Resultat: Belgische Fluggesellschaft SABENA (= Such a bloody Expierience, never again). Der hochgelobte „Freihandel“, hochgelobt von „Journalisten“, die noch nie eine Schraube verkauft haben, ist nicht.
    Indien, auch ein gerne zitiertes Erfolgsprojekt, stiehlt ganz offiziell Patente und verkauft sich gleichzeitig als Opfer (z.B.Pharmabranche).

    Globalisierung ist ungefähr so toll wie soziale Gerechtigkeit. Jeder versteht darunter das, was er verstehen will.

    • arprin Says:

      Was ist toll an sozialer Gerechtigkeit?

      Unter Globalisierung versteht wohl jeder die zunehmende Vernetzung zwischen den Ländern, und das ist zweifellos was Gutes. Sicher ist nicht alles perfekt, und China ist kein Champion des freien Handels, aber worauf es ankommt: Es ist besser, als wenn die Handelsbeziehungen zwischen China und dem Westen so wären wie 1978. Im Vergleich zum Paradies ist die Erde immer die Hölle, aber man muss die wahren Alternativen. Wir haben nicht die Wahl zwischen der Globalisierung und dem Paradies, sondern zwischen der Globalisierung und der Zeit vor der Globalisierung.

      • Carl Eugen Says:

        Es stimmt schon, daß wir dringend eine einheitliche Definition für „Globalisierung“ benötigen. Seit September 2015 verstehen die meisten darunter, daß alle Landesgrenzen abgeräumt werden und eine große Versorgungsmigration in die Sozialkassen europäischer Länder stattfindet. Und unsere Politiker nutzen auch jede Möglichkeit, so zu tun, als ließen sich Grenzen im Zeitalter der Globalisierung (da ist das Wort!) nicht verteidigen. Damit ist die ursprüngliche Wortbedeutung aber völlig verwässert. Wir brauchen eine Rückführung des Terminus auf freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital, sonst werden die Bevölkerungen der Einwanderungsländer, die nicht geplündert werden möchten, die Globalisierung generell rückabwickeln wollen – zum Nachteil aller.

      • arprin Says:

        Die Freiheit von Waren, Dienstleistungen und Kapital würde ich schon mit der Personenfreizügigkeit verbinden. Nur kann man jede Freiheit einschränken, so gilt die Freiheit für Kapital z.B. nicht für Gelder von internationalen Banden oder die Freiheit von Waren nicht für Drogen. Mit der EU-Personenfreizügigkeit habe ich keine Probleme, aber die Freizügigkeit für muslimische Flüchtlinge sollte (und wird ja auch schon) deutlich eingeschränkt werden, weil hier gute Gründe vorliegen (Terrorgefahr, große kulturelle Unterschiede, Belastungen für den Sozialstaat). Die Schengen-Zone sollte aber beibehalten werden.

        Den Hass auf die Globalisierung gab es schon vor September 2015, und gemeint ist meistens nicht Einwanderung, sondern der internationale Handel. Genau dieser ist aber gar nichts Schlechtes und sollte nicht eingeschränkt werden.

      • Carl Eugen Says:

        Daß es mir nicht um EU-Personenfreizügigkeit ging, dürfte eigentlich deutlich geworden sein. Ich hatte deswegen auf September 2015 verwiesen.
        Ich weiß schon auch, daß es den Haß auf Globalisierung schon vor 2015 gab, meine aber – und darum ging es mir -, daß durch die Verwässerung (=Ausweitung) des Begriffs (ich schrieb: abräumen aller Landesgrenzen) die Globalisierung plötzlich viel mehr Gegner heraufbeschwört als zuvor, weil nun jeder glaubt, die Migrationspolitik der Bundesregierung sei ein typisches Kennzeichen für Globalisierung.
        Personenfreizügigkeit ist wichtig – aber das funktioniert paradoxerweise gar nicht so, wie man sich das vorstellt. Lade mal Freunde aus Ghana ein, und Du wirst sehen, es ist ungemein kompliziert, sie her zu bekommen und ein längeres Aufenthaltsrecht zu erwirken. Und das obwohl Du als Gastgeber ja alle Kosten übernimmst. Wenn diese Leute dagegen via Flüchtlingsroute einfach einreisen, hält sie niemand auf und, würden sie zum Spaß einen Antrag stellen, würden sie auch noch staatlicherseits von Steuergeldern finanziert. Das ist pervers. Aber all das wird nun plötzlich als Zeichen von Globalisierung abgetan und damit eben der Sache neue Gegner geschaffen, die sie vorher nicht hatte.

      • max Says:

        Lieber Arprin, da Du ja ein Befürworter der Personenfreizügigkeit zu sein scheinst, hätte ich von Dir doch gerne eine Begründung, wieso Handels-, Dienstleistungs- bzw. Kapitalverkehrsfreiheit logisch mit einer Personenfreizügigkeit einhergehen sollte. Da wäre ich doch sehr gespannt.

        Einfaches Beispiel: Nur weil ich bei der Kioskfrau am Bahnhof einen Kaugummi kaufe, soll ich das Recht haben, bei ihr einzuziehen, wenn ich gewisse Bedingungen erfülle, die nicht die Kioskfrau definiert hat ?

        Nicht nur meiner Ansicht nach wurde die Personenfreizügigkeit im Top-Down Produkt EU eingeführt, um den Superstaat EU vorzubereiten, genau so wie der Euro. Man wollte auf diesem Weg Sachzwänge implementieren, die den Nationalstaat nach und nach, ohne demokratische Beteiligung der betroffenen Völker, abschaffen.

      • arprin Says:

        Einfaches Beispiel: Nur weil ich bei der Kioskfrau am Bahnhof einen Kaugummi kaufe, soll ich das Recht haben, bei ihr einzuziehen, wenn ich gewisse Bedingungen erfülle, die nicht die Kioskfrau definiert hat ?

        Nein, niemand hat das Recht, bei jemandem einzuziehen, ohne die Person um Erlaubnis zu fragen. Personenfreizügigkeit zwischen Hamburg und Berlin heißt ja nicht, dass jeder Hamburger einfach in jedes Haus in Berlin einziehen darf, ohne den Hauseigentümer um Erlaubnis zu bitten. Der Hauseigentümer muss zustimmen, und wenn das der Fall ist, kann ihm das keine Regierungsbehörde verbieten. Personenfreizügigkeit zwischen Deutschland und Polen ist dann dasselbe Prinzip: Jeder Pole sollte nach Deutschland einziehen dürfen, ohne dass ihm das Regierungsbehörden verbieten. Die Ausnahmen, die es gibt (z.B. bei gesuchten Kriminellen), gibt es auch innerhalb von Ländern, ein gesuchter Krimineller kann sich auch nicht von Hamburg nach Berlin frei bewegen.

        Handels-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrsfreiheit geht aber nicht zwingend mit Personenfreizügigkeit einher. Die vier Dinge bedingen einander nicht. Kapitalverkehrsfreiheit geht z.B. auch nicht mit Dienstleistungsfreiheit einher, oder mit Handelsfreiheit.

        Nicht nur meiner Ansicht nach wurde die Personenfreizügigkeit im Top-Down Produkt EU eingeführt, um den Superstaat EU vorzubereiten, genau so wie der Euro. Man wollte auf diesem Weg Sachzwänge implementieren, die den Nationalstaat nach und nach, ohne demokratische Beteiligung der betroffenen Völker, abschaffen.

        Kann durchaus sein. Trotzdem ist die Personenfreizügigkeit nicht schlecht, ebensowenig wie die Handels-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrsfreiheit. Ich lehne eine politische Union ab, habe aber nichts gegen die vier Freiheiten.

      • max Says:

        Hm, Dein Vergleich hinkt natürlich, denn weiterhin bildhaft gesprochen, gehört der Bayer oder Hamburger zur Familie, der Portugiese oder Rumäne aber eben nicht. Und den Unterschied kennst Du auch. Also bitte keine billige Rabulistik.

        Du findest Personenfreizügigkeit gut. Das sei Dir unbenommen. Ich hätte trotzdem gerne ein Argument, weshalb es eine unverhandelbare Position der EU sein sollte. Man mag das für gut halten, oder nicht. Fakten zeigen, dass es ganz sicher keine gute Sache ist. Sondern eine schlichte Absicht, den Nationalstaat zu schwächen. Denn, wer der Nation verweigert, zu definieren, wer einwandern darf oder eben auch nicht, der hat nur ein Interesse, nämlich die Souveränität des Bürgers als Souverän zu untergraben.

      • arprin Says:

        Hm, Dein Vergleich hinkt natürlich, denn weiterhin bildhaft gesprochen, gehört der Bayer oder Hamburger zur Familie, der Portugiese oder Rumäne aber eben nicht. Und den Unterschied kennst Du auch. Also bitte keine billige Rabulistik.

        Zur Familie gehört jemand, der zur Familie gehört. Ein Bayer oder Hamburger, der nicht zu meiner Familie gehört, gehört nicht zu meiner Familie. Es gibt lediglich Privilegien, die mit der Staatsbürgerschaft einhergehen (Wahlrecht, Zugang zu öffentlichen Ämtern, Sozialleistungen).

        Du findest Personenfreizügigkeit gut. Das sei Dir unbenommen. Ich hätte trotzdem gerne ein Argument, weshalb es eine unverhandelbare Position der EU sein sollte.

        Warum es „sollte“, kann ich nicht sagen. Für manche EU-Leute ist das wichtig. Es muss aber keine Freizügigkeit geben, das ist eine politische Entscheidung, ebenso wie mit den drei anderen Freiheiten oder mit der Frage, ob man überhaupt im Binnenmarkt sein will. Ich habe nur gar nichts gegen die vier Freiheiten. Ich bin, kurz gesagt, für die vier Freiheiten, aber gegen alle EU-Institutionen (Kommission, Parlament, Gerichtshof usw.).

        Fakten zeigen, dass es ganz sicher keine gute Sache ist.

        Welche Fakten zeigen, dass die Personenfreizügigkeit in den Schengen-Ländern eine schlechte Sache war? Wenn du die Flüchtlingskrise meinst, die hatte nichts mit dem Schengen-System zu tun, sondern mit Merkel. Was ist schlecht daran, dass Polen nach GB oder Spanier nach Deutschland ohne Visum einwandern dürfen?

        Denn, wer der Nation verweigert, zu definieren, wer einwandern darf oder eben auch nicht, der hat nur ein Interesse, nämlich die Souveränität des Bürgers als Souverän zu untergraben.

        Das sehe ich nicht so, genau wie beim Freihandel kann es bei Einwanderung mit anderen Ländern Laissez-faire geben, ohne dass das die Souveränität untergraben wird. Und wenn „Souveränität“ staatliche Willkür meint, ist mir sie auch egal. Man sollte gute Gründe gegen Restriktionen von Handel oder Einwanderung nennen, wenn es keine gibt, sind Restriktionen völlig unnötig.

      • max Says:

        Du magst es nicht verstehen wollen, aber , derjenige , der zur Familie gehört, ist der, der vor der Personenfreizügigkeit, die genau keinen Unterschied macht, zur Familie gehört hat. Sooo scheierig, das zu verstehen, ist das nun wirklich nicht. Ausser, man gibt sich Mühe.

        Du hast nichts gegen die vier Freiheiten. Nett. Du hast wahrscheinlich auch nichts dagegen, sich eine Pfauenfeder in den Arsch zu stecken. Wir sind also argumentativ genau so weit wie vorher.

        Alle, und nun wirklich alle Fakten zeigen, dass die Peronenfreizügigkeit eben nicht die Arbeitnehmer begünstigt, sondern die Sozialtransferbegünstigten. Falls Du das nicht glauben magst, schau Dir mal die Nettoeinwanderung in der Schweiz an. 50% arbeiten gar nicht. 25% werden vom Staat angestellt (wieder null Wertschöpfung) und der Rest ist in Etwa zu einem Drittel produktiv (dazu zählt eben die Kassiererin nicht). Sprich, Personenfreizügigkeit ist ein Hindernis, wirklich gute Leute anzustellen, zieht vor allem Leute an, die sich sozial besserstellen wollen, mit den entsprechenden Kosten des Gastlandes, und bringt einem technologisch hochstehendem Gastland genau gar nichts. Null.

        Ich bin selber Unternehmer. Ich darf mich in der Schweiz dank Personenfreizügigkeit entweder mit der freundlich gesagt technologisch dritten Garnitur abfinden, oder den durch die Personenfreizügigkeit eingeschränkten internationalen Markt der wirklich interessanten Leute angeheizten Markt bezahlen. Soviel aus der Praxis zur Personenfreizügigkeit.

        Wer allerdings wie Du die Souveränität der Staaten betreffend Einwanderung bestreitet, der bestreitet schlicht die Definition des Staates an sich. Man sollte sich nun wirklich nicht an der Perversion eines Staates unter der Junta Merkel orientieren. Dazu gehören natürlich Aussagen wie „ich finde“, oder „was ist schlecht daran“. Eine erwachsene Begründung ist das nicht mal im Ansatz.

        Nur, bevor es ganz böse tönt, nochmals die Definition eines Staates. 1. Staatsvolk, 2. Staatsgrenzen, 3. Staatsregierung. Punkt.

      • max Says:

        Noch ein Detail zur ach so tollen Personenfreizügigkeit. In der EU leben etwa 400000 Personen mit Schweizer Pass. Davon etwa 280000 Doppelbürger, sprich, für die EU keine Schweizer. Der Rest sind statistisch vor allem und zunehmend Rentner, die die PFZ gar nicht brauchen. Und bei denen, die in der EU arbeiten, ist die Tendenz abnehmend. Es ist also erwiesen, dass die PFZ für ein wirtschaftlich starkes Land null bringt. Einwanderung steuern kann man nämlich auch ohne Vertrag mit Nachbarn. Vor allem besser

      • max Says:

        Ich möchte mich für Formulierungen, die vielleicht etwas scharf waren entschuldigen, ich bitte aber um Verständnis, dass ich eben durch diese wunderbare PFZ in meinem täglichen Geschäft schwer behindert werde. Deshalb reagiere ich etwas heftiger, wenn mir jemand die EU oder insbesondere die PFZ als Erfolg verkaufen will.

      • besucher Says:

        @max

        Wenn ich Geschäftsführer von Thor Steinar wäre dann hätte ich auch etwas persönlich gegen die Antifanten die Stimmung machen.
        Wenn ich Geschäftsführer von Rheinmetall wäre dann würde ich auch als Lobbyist gegen die linksversifften, antimilitaristischen Kreise agitieren um meine Marke zu pushen. (Heutzutage über fesche Imagekampagnen).
        Es kommt halt immer darauf an auf welcher Seite man steht.

  2. Dr. Caligari Says:

    In der Tat dürfte die Waschmaschine mehr Frauen befreit haben als alle Feministen, die jemals gelebt haben, zusammengerechnet.

    Hängt ja stark davon ab, wie man „Freiheit“ definiert.
    Es gab ja auch Gesellschaften, in denen die Männer das Waschen übernahmen nebenbei.

    Aber er sagte, das könne er nicht schreiben, weil er zuvor etwas völlig anderes geschrieben hatte – nämlich, dass die Globalisierung total schlecht ist, nur den Reichen und den Konzernen nützt und die Ungleichheit vergrößert. Sein Professor und die ganze Klasse seien übereinstimmend zu diesem Ergebnis gekommen. Also musste ich ihm helfen, eine Arbeit zu schreiben, indem die Globalisierung zwar auch gelobt, aber dann doch verdammt wurde.

    Soviel zu „freiem Forschen“.

    Noch heute gibt es die „Manchester-Legende“, die besagt: Der Kapitalismus hätte zur Verelendung der Arbeiter geführt, die Industrialisierung sei ganz furchtbar für die Armen gewesen. Diese Fake News sind tragischerweise das, was die meisten Kinder heute in den Schulbüchern lernen.

    Ich habe von intelligenten Menschen, denen ich ein unabhängiges, auf Fakten basierendes Urteil zutraue, schon beides gehört. Sowohl die Verelendung in einem Ausmaß, das es vorher einfach nicht gab als auch die These, es war eine Verbesserung.

    Deshalb bin ich da immer ein bisschen unentschlossen.

    Nun stelle ich mir die Frage: Was werden die zukünftigen Studenten über unsere Zeit lernen?

    Das ist eine richtig gute Frage, die ich mir auch oft stelle.

    Wir werden wohl als eine Zeit des Exzess in die Geschichte eingehen, mit ungebremste Finanzkapitalismus, eine total hedonistische Gesellschaft, die sich auf der Suche nach einem höheren Wohl dann diversen Versprechungen hingegeben hat usw.
    Es hängt natürlich auch davon ab, welche Kräfte in den kommenden Jahrhunderten sich durchsetzen werden.

    Kommt es, wie ich leider glaube, zu einem langfristigen Rollback der Religionen, dann werden die Gelehrten der nächsten Jahrhunderte vielleicht sagen, dass unsere Zeit von gottloser Völlerei, Wollust und obzönen Freidenkertum gepregt war.
    Genauso wie die Christen das römische Reich betrachtet haben, wird unsere Zeit wahrscheinlich ambivalent beurteilt werden: Verehrt für seine zivilisatorischen Errungenschaften, aber gehaßt wegen des Unglaubens.

    • arprin Says:

      Hängt ja stark davon ab, wie man „Freiheit“ definiert.

      Gemeint ist damit mehr Freizeit. Vorher verbrachten Frauen mehrere Stunden in der Woche mit Wäsche waschen.

      Ich habe von intelligenten Menschen, denen ich ein unabhängiges, auf Fakten basierendes Urteil zutraue, schon beides gehört. Sowohl die Verelendung in einem Ausmaß, das es vorher einfach nicht gab als auch die These, es war eine Verbesserung.

      Es war für die Arbeiter in den Fabriken ohne Frage eine Verbesserung zu ihrem vorherigen Leben.

      Wir werden wohl als eine Zeit des Exzess in die Geschichte eingehen, mit ungebremste Finanzkapitalismus, eine total hedonistische Gesellschaft, die sich auf der Suche nach einem höheren Wohl dann diversen Versprechungen hingegeben hat usw.
      Es hängt natürlich auch davon ab, welche Kräfte in den kommenden Jahrhunderten sich durchsetzen werden.

      Kommt es, wie ich leider glaube, zu einem langfristigen Rollback der Religionen, dann werden die Gelehrten der nächsten Jahrhunderte vielleicht sagen, dass unsere Zeit von gottloser Völlerei, Wollust und obzönen Freidenkertum gepregt war.

      Das wird wohl nur passieren, wenn es in Zukunft zu weiter Verarmung kommt. Wenn das nicht passiert, werden die Menschen in Zukunft genauso „hedonistisch“ sein wie heute.

      • Dr. Caligari Says:

        Es war für die Arbeiter in den Fabriken ohne Frage eine Verbesserung zu ihrem vorherigen Leben.

        Wahrscheinlich ist es eine komplexe Frage. Die Tagelöhner, die heute Äpfel pflücken und morgen schon nicht mehr wissen, wovon sie leben sollen, die haben sicherlich profitiert.
        Aber z. B. die Weber, die Schmide usw?

        Das wird wohl nur passieren, wenn es in Zukunft zu weiter Verarmung kommt. Wenn das nicht passiert, werden die Menschen in Zukunft genauso „hedonistisch“ sein wie heute.

        Das hängt auch einigermaßen davon ab.

        Sicherlich wird die mittelbare Zukunft wahrscheinlich härter. Das ist ja teils auch so gewollt. Und die Leute werden sich in angenehme Illusionen flüchten und Sekten usw. werden eben aufkeimen.
        Es wäre zumindest denkbar.

        Sonst hast du natürlich recht: Sex, Drogs and Rock ’n‘ Roll statt fromme Askese.

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