Die Geschichte vom Martin

Wie gehen die Gauchos? Die Gauchos, die gehen so!

Alles muss geteilt werden

Es gab mal einen Mann mit dem Namen Martin, der ein ganz besonders großes Herz für bedürftige Menschen hatte. Jedes Mal, wenn er eine Person sah, die in der Straße fror, teilte er seinen Mantel mit ihr. Unter seinen Mitmenschen genoss er deshalb hohes Ansehen. Einige erklärten ihn sogar zum Heiligen. Wer, außer dieser Martin, hat so viel Mitgefühl mit den Bedürftigen? Wir sollten alle so sein wie Martin und unseren Besitz teilen, wann immer es geht! Diese Parole war schön dahergesagt, aber wirklich glauben tat keiner daran, und so blieb Martin der einzige in seiner Gegend, der seinen Mantel mit Bedürftigen teilte, von denen die meisten weiterhin nachts froren.

An einem Tag nahm die Geschichte vom Martin eine unerwartete Wendung. Als Martin mal wieder seinen Mantel mit einem Bedürftigen teilte, kam plötzlich ein junger Mann auf ihm zu, der Milton hieß. Er zeigte sich verwundert über Martins Tat. Als Martin ihm seine Beweggründe erklärte, sagte Milton nur spöttisch: „Na toll, jetzt friert ihr beide, ist das jetzt besser?“ Bevor er wegging, fragte Milton dem genervten Martin nach den Materialien, aus denen sein Mantel bestand. Martin erwartete nicht, dass er Milton je wieder sehen würde, doch eine Woche später kam Milton wie aus dem nichts auf ihn zu und hatte etwas dabei: Zwanzig Mäntel! Martin fiel aus den Socken.

Als Martin ihn fragte, was er mit den Mänteln vorhatte, sagte Martin wie aus der Pistole geschossen: „Verkaufen natürlich.“ Milton war während der Woche in seine Stadt gegangen, hatte nach den Materialien geforscht und nach drei Arbeitern gesucht, die ihm bei der Mantelproduktion helfen sollten. Alles ging sehr schnell, er hatte auch noch andere Geschäfte gemacht, doch nun wollte er seine Mäntel an Martin verkaufen, damit seine Investition in die Mantelproduktion auch profitabel wird. Es klappte – Martin kaufte alle zwanzig Mäntel und nun mussten viele Bedürftige nicht mehr frieren. Eine gute Sache, konnte man meinen: Den Bedürftigen wurde geholfen. Bis plötzlich der sozialdemokratische Bürgermeister bei Martin erschien.

Martin erklärte dem verwunderten Bürgermeister, dass er seinen Mantel nicht mehr teilt, weil er dank Milton genug Mäntel für alle Bedürftigen hat, die in seiner Nähe wohnen. Das schockierte den Bürgermeister – denn in den anderen Gegenden der Stadt hatten die Bedürftigen noch immer keine Mäntel, und es gäbe auch keine Menschen, die ihre Mäntel mit ihnen teilen. Er forderte Martin dazu auf, keine Mäntel mehr von Milton zu kaufen. In der nächsten Woche legte der Bürgermeister ein Gesetz vor, der vom Stadtparlament schnell angenommen wurde: Um die Ungleichheit an Mänteln unter Bedürftigen zu bekämpfen, wurde der Import von Mänteln in die Stadt verboten, und die öffentlichen Behörden wurden beauftragt, die Mantelproduktion für die Bedürftigen zu übernehmen.

Die Stadtkampagne mit dem Motto „Das Leben schenkt uns mehr, wenn wir teilen“ ging jedoch komplett schief. Die Behörden stellten nur halbkaputte Mäntel her, die den Bedürftigen kaum halfen, und der Anspruch, für alle Bedürftigen einen Mantel bereitzustellen, wurde nicht im Ansatz erreicht. Aber die Behörden stellten es dennoch als Erfolg dar, dass die Mäntel für die Bedürftigen nun zumindest kostenlos waren und kein Mantelproduzent die Nöte der Bedürftigen schamlos für seinen Profit ausbeutete. Dafür verdienten die Mitarbeiter in den Behörden auch steuerfinanzierte Entlohnungen mit fetten Pensionsansprüchen. Mit diesem vermeintlichen Erfolg in der Hinterhand sicherte sich der Bürgermeister seine Wiederwahl.

Ein Jahr danach wurde der mittlerweile weit im Seniorenalter angelangte Martin schwer krank. Ein Mitarbeiter der Stadt wurde darauf aufmerksam und besuchte ihn. Er fragte ihn, wie er zu der Kampagne „Das Leben schenkt uns mehr, wenn wir teilen“ steht. Martin war zwiegespalten. „Nun, ich habe meinen eigenen Mantel geteilt“, erwähnte er, was ein Unterschied zur Kampagne des Bürgermeisters war, der die Mäntel von anderen teilte. Außerdem ging es ihm immer darum, den Bedürftigen zu helfen, und Milton hätte es im Nachhinein betrachtet besser gemacht als die Kampagne. Aber diese Kommentare gingen unter, als Martin kurz darauf starb und vom Bürgermeister zum Heiligen erklärt wurde. „Sankt Martin“ sei ein großes Vorbild für die Kampagne und allgemein für das Teilen gewesen, so der Bürgermeister – der übrigens auch Martin hieß, Martin Schulz.

6 Antworten to “Die Geschichte vom Martin”

  1. Dr. Caligari Says:

    Der Witz an deiner Geschichte ist doch: Die Mantelproduktion ist nur dann zum Wohle der Armen, wenn es einen St. Martin gibt, der die Mäntel kauft und (ver-)teilt. Der Milton alleine oder der Bürgermeister können den Armen eben doch nicht helfen.

    Und diese Hilfe für die Armen, das ist etwas, dass bei den Liberalen leider untergeht.
    Die scheinen nur die WAhl zwischen Sozialdemokratie und Raubtierkapitalismus zu kennen. Klar, dass da die Sozen für viele Leute, die wenig zu essen, aber viele Sorgen haben, attraktiver sind.

    • arprin Says:

      Und diese Hilfe für die Armen, das ist etwas, dass bei den Liberalen leider untergeht.

      Kein Liberaler will Spenden verbieten. Zwangsumverteilung ist aber keine Spende und geht auch meistens nicht an die wirklich Bedüftigen.

  2. Flax Says:

    Wenn ich ein Großteil meines Gehaltes nicht als Steuern abtreten müsste, die der Bürgermeister in Pensionen und halbkaputte Mäntel versenkt, könnte ich es mir auch leisten ein St. Martin zu sein.

    • arprin Says:

      Ja, das ist die Moral der Geschichte: Teile nicht eine knappe Zahl an Mäntel, sondern erhöhe die Mäntelproduktion. Dann muss auch keiner frieren, um den wirklich Bedürftigen zu helfen.

  3. besucher Says:

    Na dann werden wir ja alle erfrieren oder vorher verhungern wenn der Martin Schulz Bundeskanzler wird.

    • Gutartiges Geschwulst Says:

      @besucher

      Können Sie etwas zum Thema beisteuern oder bleibt es beim üblichen Deppengeschwätz?

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