Kuffarsplaining

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Unter linken Kreisen gibt es eine immer größer werdende Anzahl von Phänomenen, die zu Tabus erklärt wurden und vor denen man in Safe Spaces oder durch Triggerwarnungen geschützt werden muss. Zu diesen Phänomenen zählen neben Dingen wie Hate Speech, Mikroaggressionen oder Cultural Appropriation auch das Phänomen „Mansplaining“. Was ist Mansplaining? Das Merriem-Webster-Wörterbuch benutzt folgende Definition:

Das Phänomen, wenn ein Mann herablassend mit jemandem (vor allem einer Frau) über einen Themenbereich spricht, von dem er nur unvollständige Kenntnisse hat, unter der fälschlichen Annahme, er wisse mehr über den Gegenstand als die Person, mit der er spricht.

Dieses Phänomen ist, wie bei allen anderen linken Ideen, entweder komplett erfunden oder wird, falls es in der realen Welt mal vorkommt, übermäßig dramatisiert. Aber ein anderes Phänomen, das sich ähnlich beschreiben lässt, kommt in der realen Welt ständig vor. Man kann es „Kuffarsplaining“ nennen. Die Definition dafür könnte so lauten:

Das Phänomen, wenn ein Kuffar herablassend mit jemandem (vor allem einem Islamisten oder einem Islamkritiker) über den Islam spricht, von dem er nur unvollständige Kenntnisse hat, unter der fälschlichen Annahme, er wisse mehr über den Islam als die Person, mit der er spricht.

Kuffarsplaining funktioniert in zwei Schritten:

1. Ein Islamist verübt ein Massaker und beruft sich auf die heiligen Schriften des Islams, oder: Ein Islamkritiker kritisiert nach einem Massaker von Islamisten den Islam und beruft sich auf die heiligen Schriften des Islams.
2. Ein Nicht-Muslim erklärt dem Islamisten (oder dem Islamkritiker), dass er keine Ahnung von der wahren Botschaft des Islams hat, weil die wahre Botschaft des Islams Frieden ist.

Das beste Beispiel für Kuffarsplaining in Deutschland dürfte Jürgen Todenhöfer sein. Nach jedem religiös motivierten Massaker erklärt er den (meist verstorbenen) Tätern, dass sie keine echten Muslime sind und ihre Tat nichts, aber auch wirklich gar nichts mit dem Islam zu tun hat. Er ist in dieser Hinsicht wie Abu Bakr al-Baghdadi, der ebenso ständig Muslime exkommuniziert und Taten nach seinem Gutdünken als halal oder haram klassifiziert – nur, dass Todenhöfer eben ein Kuffar ist. Ein anderes Beispiel für Kuffarsplaining ist die aktuelle Reaktion einiger Linker auf den „Moschee-Report“ von Constantin Schreiber. Schreiber war als das „Gesicht der Willkommenskultur“ bekannt geworden, weil er in den öffentlich-rechtlichen Sendern Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland begleitete. Nun hat er einige Zeit lang Moscheen in Deutschland besucht und die Predigten notiert. Das Ergebnis war nicht schön.

– Die Imame fordern die Muslime dazu auf, sich nicht an das Leben in Deutschland anzupassen (passenderweise sprachen sie meistens kein Deutsch).
– Es gab Hetze gegen Juden und Jesiden.
– Nach dem Anschlag in Berlin wurde die „Weihnachtsgefahr“ als die größte aller Gefahren dargestellt.
– Trotz dieser Erfahrungen hatte Schreiber das Gefühl, dass die Imame sich zurückhielten, wenn er anwesend war (völlig zurecht, wie sich herausstellte: Als er jemanden inkognito in eine Predigt hinschickte, hielt ein Imam eine komplett andere Rede als die, die er unter der Anwesenheit von Schreiber hielt).
– Und während all dieser Predigten waren die Moscheen brechend voll, so dass immer in mehreren Schichten gepredigt werden musste.

Wie nicht anders zu erwarten, reagierte die taz auf den Bericht mit Kuffarsplaining. Daniel Bax erklärt Schreiber zum „Gesicht der Misstrauenskultur“ und unterstellt ihm, „wie ein Ethnologe in der Kolonialzeit“ an das Thema heranzugehen (obwohl er Schreiber gleichzeitig für die Gründlichkeit seiner Recherche lobt). Seine Argumente wirken jedoch recht unbeholfen. Er findet es ärgerlich, dass Schreiber den Eindruck erweckt, dass es schwer sei, eine Moschee zu besuchen, wo doch jede Moschee für alle offen ist. Außerdem sei seine zufällige Stichprobe von 20 Moscheen nicht repräsentativ für alle Moscheen, und er unterstellt ihm Übersetzungsfehler (ohne welche zu nennen, aber ich gehe mal davon aus, dass es stimmt). Bax‘ Fazit: Schreibers Deutung, „dass in deutschen Moscheen Ungeheuerliches und Skandalöses gepredigt wird“, ist falsch.

Es stellt sich die Frage, woher Bax sein Wissen darüber nimmt, was wirklich in Moscheen gepredigt wird. Wenn wir jedoch an Kuffarsplaining denken, wissen wir, dass das keine Rolle spielt: Ein Kuffar, der Kuffarsplaining betreibt, hat unvollständige Kenntnisse über den Islam, aber dafür die Annahme, dass er mehr weiß als die Person, mit der er spricht, bzw. die Person, die er berichtigt (in dem Fall Schreiber). Egal ob bei Bax, bei Todenhöfer oder den anderen Kuffar, die ständig den Islam vor Kritik verteidigen: Das Wichtige ist, wie beim angeblichen „Mansplaining“ auf herablassende Art andere Personen zu belehren, selbst wenn man über den Themenbereich keine Ahnung hat, ja, selbst wenn die Gegenbeweise für die eigene These überwältigend sind, wie die Ergebnisse des „Moschee-Reports“ zeigen.

Übrigens ist mein Fazit zum Moschee-Report: Wenn man Wurst essen will, sollte man nicht wissen, wie sie gemacht wird, und wenn man den Islam gut finden will, sollte man nicht erfahren, was in Moscheen gepredigt wird.

4 Antworten to “Kuffarsplaining”

  1. Eloman Says:

    Daniel Bax hat ja auch schon Hamed Abd el Samad mangelndes Islamverständnis attestiert. Er geht nach der Devise „Ich weiß besser über den Islam Bescheid als diese Kanaken!“ vor.

  2. Caligari Says:

    Als ich noch was jünger war, da habe ich mal Bücher über Statistik gelesen. ich erinnere mich damals eine Formel notiert zu haben… es ging im Prinzip um folgendes:
    Man nehme eine Grundgesamtheit, errechne eine gewisse signifikanet Zufallstichprobe, wählt dann Zufällig soviele Einzelfälle heraus und untersucht diese.
    Mit einer gewisse Irrtumswahrscheinlichkeit bekommt man auf diese Weise eine statistisch haltbare Aussage über die Grundgesamtheit hin, ohne in die Verlegenheit zu kommen, jeden Einzelfall zu prüfen.
    ~~~
    Abgesehen davon: Dieses „ich erkläre euch den Islam“-Getue einiger Linksintellektueller nimmt mE niemand, der sich selbst mit dem Thema befasst hat, ernst. Leider gbt es genug Leute, die das nicht getan haben.

  3. bevanite Says:

    Auch wenn die Argumentation schwierig werden dürfte mit jemanden, der ein ähnliches Phänomen (Mansplaining) einfach pauschal als nicht existierend beiseite fegt:

    Was mache ich eigentlich, wenn ich liberale Moslems treffe, die ISIS oder Boko Haram für hirnamputierte Flachwichser halten und den Glauben nur als Aushängeschild benutzen? Soll ich denen als Nicht-Moslem dann erklären: „Aber Erdogan, Ayatollah Khamenei und al-Baghdadi haben doch gesagt, ihr Islam sei der einzig wahre Islam!“ oder „Aber in Sure X steht doch das und das“? Warum sollte ich als Atheist versuchen, Moslems ihren Glauben zu erklären, noch dazu eine fundamentalistische Lesart? Selbsternannte „Islam-Experten“ gibt es doch dieser Tage schon zuhauf in den Welten des WWW (damit meine ich nicht Leute wie Hamad Abdel-Samad oder Majid Nawaz, denn die wissen im Gegensatz zu Breitbart News auch tatsächlich, wovon sie reden), aber die informieren sich auch nur dort, wo sie das lesen, was sie lesen wollen. Ich habe schon Christen getroffen, die die Bibel schlechter kennen als ich. Es gibt da draußen ebenso auch Millionen von Moslems, die es mit dem Wortlaut des Korans nicht so exakt nehmen. Da halte ich es für frech, denen zu erklären, nur der fundamentalistische Islam sei der wahre Islam.

    • arprin Says:

      Was mache ich eigentlich, wenn ich liberale Moslems treffe, die ISIS oder Boko Haram für hirnamputierte Flachwichser halten und den Glauben nur als Aushängeschild benutzen?

      Dasselbe, was liberale Moslems sagen, wenn sie auf Islamisten treffen: „Ihr habt den Islam falsch verstanden.“

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