Marsch gegen die Wissenschaft

Anti-Atomkraft-Proteste in Harrisburg, 1979

Junk Science

Eine neue Bewegung entsteht: March for Science. Überall auf der Welt sollen Wissenschaftler und Menschen, denen die Wissenschaft wichtig ist, gegen Donald Trump auf die Straßen gehen, weil er kein Grüner ist. Es geht um nichts weniger als die Zukunft der Menschheit: Wenn wir nichts gegen die Globale Erwärmung unternehmen, werden wir alle absaufen. Unter den Organisationen, die sich an dem Marsch beteiligen, sind auch Gegner von Gentechnik, wie z.B. das „Center for Biological Diversity“ (was für ein ironischer Name!), sowie Gegner von Atomkraft, Fracking und Trumps Einreiseverbot (weil es den freien Austausch von Ideen behindert) und natürlich Bill Nye und Neil deGrasse Tyson, die beiden Lieblingswissenschaftler der Linken.

Der Wunsch, die Wissenschaft vor Trump zu schützen, ist angesichts dieser Selbstbeschreibung der Bewegung bereits als unsinnig entlarvt. Es geht darum, politisch linke Ansichten zu propagieren und Menschen mit anderen Ansichten als „Wissenschaftsleugner“ zu brandmarken. Wie weit das geht, sieht man daran, dass Mitglieder des Marsches in einem mittlerweile gelöschten Tweet erklärten, dass „Kolonialismus, Rassismus, Einwanderung, Rechte von Ureinwohnern, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit, Queer-,Trans-, Intersexphobie und wirtschaftliche Gerechtigkeit wissenschaftliche Themen sind“ und Bill Nye dafür kritisiert wurde, ein weißer Mann zu sein.

Sicher gibt es auch vernünftigere Stimmen, und einige dürften sogar echte Wissenschaftler sein, aber die Mehrheit stellen sie nicht. Den meisten Mitgliedern des Marsches geht es nicht um die Verteidigung der Wissenschaft, sondern um Politik. Es ist nicht verwunderlich, dass ihre politischen Ansichten links sind. Denn sowohl in den USA als auch in Europa sind es nicht, wie oft behauptet wird, die Rechten, die ständig wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen. Da es unter den Rechten viele Gegner von grüner Energiepolitik (was Grüne als „Leugnung der Globalen Erwärmung“ bezeichnen) sowie in wesentlich kleinerem Umfang auch Gegner der Evolutionstheorie gibt, werden sie oft als die „Wissenschaftsleugner“ bezeichnet. Bei genauerer Betrachtung treten Linke aber viel häufiger als Wissenschaftsleugner auf. Das hat z.B. John Tierney letztes Jahr in einem Beitrag im City Journal ausführlich dargelegt.

Zuerst geht er auf ein Buch von Chris Mooney ein, indem dieser den Republikanern einen „Krieg gegen die Wissenschaft“ unterstellt, und schlussfolgert gerade aus diesem Buch, dass die Wissenschaftsleugnung der Rechten, obwohl sie zu verurteilen ist, kaum negative Folgen für die Menschheit hatte:

Where are the scientists who lost their jobs or their funding? What vital research has been corrupted or suppressed? What scientific debate has been silenced? Yes, the book reveals that Republican creationists exist, but they don’t affect the biologists or anthropologists studying evolution. Yes, George W. Bush refused federal funding for embryonic stem-cell research, but that hardly put a stop to it (and not much changed after Barack Obama reversed the policy).

Anschließend geht Tierney auf die Punkte ein, die in Mooneys Buch als Wissenschaftsleugnung der Linken bezeichnet. Wie zu erwarten, waren diese viel schlimmer: Die Unterdrückung der Gentechnik verhindert bis heute eine „Grüne Revolution“ in Afrika, der Kampf gegen Tierversuche behindert die medizinische Forschung (ein totales Verbot wäre verheerend) und der Widerstand gegen die Erforschung des menschlichen Erbguts hat viele Soziologen blind gemacht für die jüngsten Erkenntnisse der Genetik und Neurowissenschaften. Tierneys Schlussfolgerung: Der einzige erfolgreiche Krieg gegen die Wissenschaft wurde von den Linken geführt.

Auch in Deutschland gab es einen March of Science, und auch er erregte berechtige Kritik. Michael Miersch machte sich in seiner Facebook-Seite darüber lustig, dass ausgerechnet die grüne Bundestags-Fraktion zum March for Science aufrief. Er erinnerte an die Bilanz der Grünen:

• Gegen Atomkraft
• Gegen Pflanzengentechnik
• Gegen Stammzellenforschung
• Gegen ergebnisoffene Klimaforschung
• Gegen Chlorchemie
• Gegen Pflanzenschutzmittel
• Gegen Tierversuche
• In den Anfangszeiten auch gegen medizinische Gentechnik
• In den Anfangszeiten auch gegen Computer und Internet
• Für Homöopathie (nicht alle, aber viele Grüne)
• Für Anthroposophie (nicht alle, aber viele Grüne)

Miersch amüsantes Fazit zum March of Science: „Das ist ungefähr so, als würde der saudi-arabische Klerus zum Internationalen Frauentag aufrufen.“

Es ist schade, dass sich ausgerechnet linke Kreise, ob in den USA oder Europa, zur „Partei der Wissenschaft“ stilisieren und nun damit auf die Straßen gehen. Denn auch wenn ich es falsch finde, Kindern die Schöpfungstheorie als Wahrheit zu präsentieren, ist der dadurch angerichtete Schaden doch lächerlich im Vergleich zu den Schäden durch das DDT-Verbot oder dem Verbot von Goldenen Reis in der Dritten Welt, und auch im Vergleich zu den horrenden Stromkosten aufgrund der Energiewende in Deutschland.

Was es braucht, ist eine strikte Trennung von Politik und Wissenschaft. In der Öffentlichkeit bekannte Wissenschaftler wie Bill Nye und Neil deGrasse Tyson sind mittlerweile eher durch ihre politischen Äußerungen bekannt anstatt für ihre Forschungen. Dabei ist die Frage, ob aufgrund der Globalen Erwärmung grüne Energien vom Staat subventioniert werden sollte, keine naturwissenschaftliche, sondern eine politische und ökonomische, und somit sollte ein Mensch wie Bill Nye hier nicht die Gleichung aufstellen „Wer gegen Subventionen für grüne Energien ist, ist ein Wissenschaftsleugner.“ Mindestens genauso wichtig ist eine bessere Diskussionskultur unter Wissenschaftlern. Bill Nye ist auch hier ein abschreckendes Beispiel, so zeigte er sich offen für Haftstrafen für Leugner der Globalen Erwärmung. Damit ist er auf dem Niveau der Heiligen Inquisition – ein Armutszeugnis für einen Wissenschaftler.

23 Antworten to “Marsch gegen die Wissenschaft”

  1. qwerty248 Says:

    Das Einreiseverbot wurde erwartbar gekippt (Gewaltenteilung in den USA funktioniert); Kolonialismus, Rassismus, Einwanderung, Rechte von Ureinwohnern, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit, Queer-,Trans-, Intersexphobie und wirtschaftliche Gerechtigkeit sind wissenschaftliche Themen. Du hast darüber geschrieben, ich hab das als Wissenschaft (Wissen schaffend) wahrgenommen. Weiters muss das aber eben nicht heißen, dass entsprechende Forschung von der Regierung, vom Staat gefördert werden muss.
    Tierversuche bringen wirklich nicht immer weiter; ein Selbstversuch mit Rheuma oder Arthrose bei Bekannten mit Heilwasser funktioniert statt entsprechender Medikamente die an Tieren getestet wurden, auch.
    Dichlordiphenyltrichlorethan würde ich mir nicht aufs Butterbrot schmieren, es ist giftig und umweltgefährlich. Laut Wikipedia legten Greifvögel Eier mit dünneren Schalen.

    • arprin Says:

      Kolonialismus, Rassismus, Einwanderung, Rechte von Ureinwohnern, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit, Queer-,Trans-, Intersexphobie und wirtschaftliche Gerechtigkeit sind wissenschaftliche Themen.

      Nein, das sind ausschließlich politische Themen.

      Weiters muss das aber eben nicht heißen, dass entsprechende Forschung von der Regierung, vom Staat gefördert werden muss.

      Ja, ich bin auch gegen staatliche Subventionen für die Wissenschaften.

      Tierversuche bringen wirklich nicht immer weiter

      Ja, nicht immer, aber in manchen Fällen sind sie sinnvoll, deshalb sollten nicht alle Tierversuche verboten werden.

      • Caligari Says:

        Zitat arprin:
        „Nein, das sind ausschließlich politische Themen.“

        Einspruch.
        Diese Themen sind sicherlich Gegenstand einer politischen Entscheidung. (Zumindest unter den Bedingungen der gegenwärtigen Gesellschaft, es wäre denkbar, dass zu diesem Thema eine so selbstverständliche Haltung besteht, dass niemand darüber politisch entscheidet.) Aber sie sind nicht ausschließlich politische Themen.

        Hier spielen nämlich durchaus politologische, juristische und ethische Apsekte hinein, die ein rationaler Mensch auch abgesehen von der politischen Haltung diskutieren kann.
        Beispielsweise kollidiert doch ein Behindertenfeindlichkeit mit diversen internationalen Abkommen. Und in der Ethik kann man mE überzeugende Argumente gegen Rassimus usw. vorbringen.

      • arprin Says:

        @Caligari:

        Nein, diese Themen sind nicht Wissenschaft. Es gibt ja keinen Nobelpreis für Diversity oder SJW-Aktivitäten.

      • qwerty248 Says:

        und Ethik kann ein wissenschaftliches Thema sein, das meinte ich.

    • Olaf Says:

      „Queer-,Trans-, Intersexphobie “

      Ist das ne neue Band, so wie Earth, Wind and Fire?

  2. Thomas Holm Says:

    Ich fürchte hiermit fing vieles an, oder gewann Schwung …

    http://rationalwiki.org/wiki/Atheism_Plus

    Kommt eine neue DissidentInnen Bewegung?

    http://www.zeit.de/2017/17/politische-korrektheit-links-intoleranz-afd

    „nicht mehr links … erlebt Milieu als selbstgerecht, intolerant und realitätsfern“

    Leider paywall.

    • arprin Says:

      Atheism Plus fand ich von Anfang an scheiße. Typisch linke Ideologie.

      • bevanite Says:

        Warum sind das alles automatisch „linke“ Themen? Kannst Du als Liberaler (falls Du Dich noch so definieren solltest) nicht auch Dinge wie Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Rassismus etc. anprangern? Ich zumindest kenne auch privat einige Liberale, die das alles ablehnen und bekämpfen möchten.

      • arprin Says:

        @bevanite:

        Ich definiere mich natürlich als Liberaler und lehne Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Rassismus etc. ab. Die Linken dagegen sind für sexistische Frauenquoten, haben kein Problem mit muslimischem Antisemitismus und Homophobie und stellen die Hautfarbe über die Qualifikation eines Menschen.
        Des Weiteren haben Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Rassismus etc. nichts mit Wissenschaft zu tun, darum geht es hier.

  3. peterpan Says:

    https://peh-med.biomedcentral.com/articles/10.1186/1747-5341-1-5
    Der Marsch gegen die Wissenschaft des autokratischen therapeutischen Staates

  4. Dr. Caligari Says:

    Nach dem alten Motto, man solle die Erfolge des Gegners anerkennen (okay, geht um Sport und so, aber egal), sollte man auch die Propaganda-Erfolge anerkennen.
    Hut Ab, liebe Linke. Da habt ihr einen großen Teilsieg errungen. Welche Kosten es haben wird, werden wir noch sehen.

    Wissenschaft, Philosophie und Kunst leben von der Kontroverse. Vor allem die Wissenschaft.
    Wer Vertreter anderer Meinungen als „unwissenschaftlich“ diskreditiert, der landet am Ende in einer Welt, in der keine vernünfitgen Diskussionen mehr möglich sind. Nur Gesinnungsfeststellung und feindseliges Grunzen. Eine Welt, in der manche Linke freilich schon zu leben scheinen.
    (Bei den Rechten auf der Gegenseite bleibt es meist bei einem der beiden Dinge…)

  5. Olaf Says:

    Haben diese grünen Wissenschaftler auch Fakten über sog. Flüchtlinge, Windräder, die EU und den Euro eingefordert?
    Wahrscheinlich nicht, diese Heuchler.

  6. qwerty248 Says:

    Merkels Marsch gegen die Wissenschaft der Demokratie, sie, eine Feindin der Illuminaten?: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/brexit-gespraeche-merkel-warnt-briten-vor-illusionen/19730872.html

  7. Thomas Holm Says:

    Hier wird die ganze tückische Ideologie-Verdrahtung zu einer fake-wissenschaftlich vermittelten Selbstvernichtung des Westens von einer einschlägig multiplen Dissidentin mal ordentlich aufgedröselt.

    Fehlt nur noch der Hinweis, dass das ganze mal als Treppenwitz des KGB, als Zotensammlung aus dem Lubjanka-Casino anfing.

  8. Rudi Says:

    Ich war in München selbst auf diesem Marsch und kann Ihren Ausführungen nicht zustimmen. Also sicher ist es wohl die erste linke Veranstaltung, in der ein CSU-Mitglied (2. Bürgermeister) eine Rede hält. Sicher waren Trump, Orban und der Klimawandel die wichtigsten Themen.Aber z.B. wurde auch die Homöopathie kritisiert. Ebenso die Ablehnung der Masernschutzimpung.

  9. Rudi Says:

    Titat:“Bei genauerer Betrachtung treten Linke aber viel häufiger als Wissenschaftsleugner auf. Das hat z.B. John Tierney letztes Jahr in einem Beitrag im City Journal ausführlich dargelegt.“

    Dies war aber vor Trumps Presidentschaft. Der „March for science“ war aber eine Reaktion von Mittelkürzungen von Trump.

  10. besucher Says:

    Trump und sein ganzer Rattenschwanz werden schon dafür sorgen dass Aufklärung in Zukunft wieder linke Themen werden.

    • Rudi Says:

      Nun das ist ja jetzt schon der Fall mit dem „march for science“. Nur bei Verschwörungstheorien wie 9/11 haben manche Linke (hoffentlich nach neuer Rechtschreibung richtig geschrieben) ein Problem mit der Aufklärung.

  11. Rudi Says:

    Zitat:“Bill Nye ist auch hier ein abschreckendes Beispiel, so zeigte er sich offen für Haftstrafen für Leugner der Globalen Erwärmung.“

    Dieser Mann ist ja noch gnädig. Ein Herr Parncutt hatte sogar die Todesstrafe für „Klimawandelleugner“ in Betracht gezogen. Und wenn diese dann bereuen und ihrem Irrglauben entsagen, wird die Todesstrafe in eine lebenslängliche umgewandelt. Ob dieser Mann auch die Streckbank und die Eiserne Jungfrau für die Ermittlungen einsetzen wollte ist aber nicht bekannt.

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