Eine neue Normalität

Die Islamisten kommen

Die Terroristen dürfen unseren Hass nicht bekommen
Pray for Barcelona
Es gibt keine absolute Sicherheit
Der Zentralrat der Muslime verurteilt den Anschlag
Unsere Art zu leben steht nicht zur Debatte
usw. usw. …

Paris, Nizza, Brüssel, Berlin, London, Stockholm, Manchester, Barcelona, von kleineren Anschlägen wie in Hamburg ganz zu schweigen – der islamistische Terror im Westen ist so normal geworden, dass die üblichen Reaktionen wie auswendig gelernt wirken. So sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan nach dem Anschlag in London im MärzWe are not going to allow these terrorists to cow us“ (cow bedeutet einschüchtern), nach dem Anschlag in Manchester sagte er „We will never be cowed by terrorism“, und schließlich sagte er nach dem Anschlag in London im Juni, nun nicht mehr überraschend, „We will never let these cowards win and we will never be cowed by terrorism.“ Ja, wir haben es verstanden, Herr Khan: Die Terroristen werden uns nicht einschüchtern.

Die Nachrichten aus Europa klingen immer mehr wie aus dem Libanon. So wie die Libanesen sich daran gewöhnt haben, werden wir uns auch immer mehr daran gewöhnen. Wir sind schon auf den besten Weg dahin. Wie spektakulär waren die Reaktionen auf den Anschlag auf Charlie Hebdo, wie unspektakulär die Reaktionen auf den Anschlag in Barcelona. Man kann das einfach erklären: Wenn Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt die Bundesliga gewinnen würden, würde die ganze Stadt durchdrehen, wenn der FC Bayern Meister wird, nimmt es die Stadt zur Kenntnis. Man gewöhnt sich eben an alles, ob Positives oder Negatives. Aber für wie lange wird der Terror zur Normalität werden?

Thomas Hegghammer hat letztes Jahr eine interessante Analyse dazu verfasst. Sie verdient es, ganz durchgelesen zu werden, für den eiligen Leser sei hier die deprimierende Zusammenfassung über die Zukunft des islamistischen Terrors in Europa in den kommenden 10 Jahren wiedergegeben:

Despite reaching historically high levels in recent years, violent Islamist activity in Europe may increase further over the long term due to four macro-trends: 1) expected growth in the number of economically underperforming Muslim youth, 2) expected growth in the number of available jihadi entrepreneurs, 3) persistent conflict in the Muslim world, and 4) continued operational freedom for clandestine actors on the Internet. Over the next decade, the jihadi attack plot frequency in Europe may follow a fluctuating curve with progressively higher peaks. Many things can undercut the trends and lead to a less ominous outcome, but the scenario is sufficiently likely to merit attention from policymakers.

Es ist angesichts der Tatsache, dass es auch Anschläge in Ländern gibt, die in den letzten Jahren nur wenig muslimische Einwanderung erlebt haben, nicht davon auszugehen, dass eine restriktive Einwanderungspolitik kurzfristig etwas ändern wird. Die islamistischen Terrornester sind da, die potenziellen Täter sind in Europa geboren und haben europäische Staatsbürgerschaften. Trotzdem sollte als Reaktion auf die Radikalisierung so vieler muslimischer Gemeinschaften die Einwanderung aus muslimischen Ländern stark begrenzt werden, sozusagen als Investition in die Zukunft. Für echte Verfolgte und Fachkräfte sollte noch immer Platz sein, sie sind tatsächlich eine Bereicherung.

Als Sofortmaßnahme kann nur das helfen, was die Linken in ihrem Wahnwitz als „Sieg für die Terroristen“ bezeichnen: Neue Sicherheitsmaßnahmen wie z.B. Poller in Fußgängerzonen, Polizisten in öffentlichen Plätzen, härtere Strafen für Hassprediger, Abschiebung von ausländischen Gefährdern usw. Sicher handelt es sich dabei um Freiheitseinschränkungen und ist der Staat sehr talentiert darin, seine Macht zu missbrauchen, aber aufgrund der islamistischen Gefahr muss auch aus liberaler Sicht eine Abwägung stattfinden (das müsste es bei jeder Gefahr, ob bei Terror, Krieg oder Epidemien). Sich einfach weiter abschlachten lassen ist keine Alternative. Vielleicht kann man einen Deal machen: Für die Freiheitseinschränkung von Pollern in Fußgängerzonen wird die Freiheit eingeführt, selbst zu entscheiden, ob man die öffentlich-rechtlichen Sender finanziert. Ob das die ach so liberalen Linken besänftigt?

7 Antworten to “Eine neue Normalität”

  1. Dr. Caligari Says:

    Als liberaler steigt mir beim Gedanken die Galle hoch, dir wirds da wahrscheinlich genauso gehen, dass man den Staat noch mehr Macht geben soll.

    Ich beschränke mich auf eine eher technische Anmerkung. Welche Maßnahmen helfen?
    – Polizei vor Ort.
    – Durchgreifen gegen die Haßprediger. Wobei ich hier ein Fragezeichen setzen würde.
    – Aufmerksamkeit und Achtsamkeit der Normalbevölkerung.
    – Profiling, Profiling und noch mal Profiling, anschließend werden wir leider auch um Profiling nicht herumkommen. Damit hat Israel gute Erfahrungen gemacht und auch andere Länder in akute Bedrohungslagen setzen dieses Verfahren auf die eine oder andere Weise ein.
    – Kontrolle der Religion. Wenn wir in die meisten islamischen Länder sehen, dann werden wir dort ein „Religionsministerium“ oder ähnliches. Wieso sollte Deutschland diese Rolle ausgerechnet dem türkischen Religionsministerium überlassen?

    Welche Maßnahmen helfen NICHT?
    – Überwachung des Internets, denn bevor man die Terroristen von den Neugierigen unterscheiden kann, ist es meist schon zu spät.
    – Elektronische Fußfessel, denn nachweislich kann man selbst wenn man die an hat Verbrechen begeben, z. B. eine Priester zum Märtyrer machen.
    – Irgendwelche Integrationskurse, denn manch Terrorist ist besser integriert als die harmlosen Migranten.
    – Besondere Rücksichtnahme usw. Was diese Leute provoziert ist unser säkularer Lebensstill, die Religionskritik seit der Aufklärung und unsere Freiheit. Wir müssten schon unsere Kultur komplett aufgeben, um mit der Nummer erfolg zu haben.
    – Irgendwelche „Diskussionen“, zumindest in der Weise, in der sie durchgeführt werden.
    – Klassenkampf. Es hat nichts mit den sozialen Verhältnissen zu tun.
    – usw. Die Liste lässt sich fortsetzen.

    Unsere Politiker müssen einmal komplett ausgetauscht werden, wenn wir uns dazu entscheiden wollen, unsere Gesellschaften zu erhatlen, denn die derzeitige Clique macht systematisch genau das, was NICHT funktioniert und nicht funktionieren kann. Auch hier könnte Israel oder Indien Vorbild sein.

    • arprin Says:

      Ich sehe es ähnlich.

      Profiling wird es wohl nicht geben, weil die Linken alle mit GG Art. 1 (Menschenwürde) kommen würden. Aber die anderen Maßnahmen könnten durchgesetzt werden, auch wenn der Terror in ganz Westeuropa sicher noch ein paar Jahre weitergehen wird. Ich hoffe, dass es keine Gegenreaktion der autochthonen Bevölkerung geben wird, sonst könnte sich die Phase noch weiter verlängern.

      • Caligari Says:

        Ich sehe es ähnlich.

        Mich überrascht ehrlich, dass Du als entschiedener Atheists nichts gegen ein Religionsministerium hättest. Damals, als ich noch ein bisschen mit der Szene in Kontakt war, hätte das manche Atheisten schon zum Kochen gebracht. Für die war Religion „Hirnseuche“…

        Profiling wird es wohl nicht geben, weil die Linken alle mit GG Art. 1 (Menschenwürde) kommen würden

        Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie Profiling Art 1 GG widersprechen sollte.

        Aber okay, ich sehe grundsätzlich nicht, wie irgendeine Handlung dem Artikel 1 GG widersprechen kann. Für mich ist dieses „Gesetz“ fast sowas wie ein modernes Kunstwerk. Da hat jemand Kleckse auf Papier gebracht und anschließend interpretieren das die Leute, der eine siehts als höchstes moralisches Gebot, der andere als Aufforderung zum Sozialismus, der dritte als christliche Tradition usw.

        Neben der rechtliche Bewertung gibt es ja noch die ethische (=moralphilosophie). Und Artikel eins lädt dazu ja förmlich ein. Sehen wir da mal nach:
        Kants Imperativ, Mensch-Zweck-Formel = Mit anderen Worten: Würden wir das Profiling-Opfer instrumentalisieren? Wahrscheinlich, zähneknirrschend, ja.
        „Golden Regel“ = Möchte ich selbst wie in Profiling behandelt werden? Nun, ich akzeptiere das ja schon. Als weißer Mann bin ich für viele Leute eine Risikogruppe mit historischer Schuld, obwohl meine Vorfahren wahrscheinlich weit weg vom Kolonialismus waren.
        Utilitarismus = Wie sieht es mit dem Nutzen, bzw. dem Vermeiden von Leid aus?
        Ich denke, der Unbill der Untersuchten wiegt lange nicht den Schmerz der Opfer auf. Solange die Maßnahme nur kurzfristig und bei wichtigen Ereignissen in Kraft bleibt, okay.
        └> Sonderfall, Mills „on liberty“ = Käme jemand zu schaden? Ja. Daher ist ein Verbot begründet. Andererseits plädiert Mill ja nicht für einen Präventionsstaat, lebte aber auch im 19. Jahrhundert… Unendschieden.
        Mitleidsethik = Das selbe wie oben. Natürlich empfinde ich auch Mitgefühl für Leute, die wegen ihrer Religion oder Abstimmung öfter von der Polizei untersucht werden.
        Nichaggressionsprinzip = Dagegen verstößt praktisch jedes Staatliche Handeln sofort, aber klar, klarer verstoß.
        usw.

        Je nachdem, welcher ethischen Auffassung man mehr Gewicht einräumt, kommt man da zu anderen Ergebnissen. Intellektuell ist das, finde ich, durchaus anregend, aber für den Pragmatiker ein Albtraum. Er will klare Entscheidungen haben.

        Aber die anderen Maßnahmen könnten durchgesetzt werden, auch wenn der Terror in ganz Westeuropa sicher noch ein paar Jahre weitergehen wird.

        Da ein Eingriff des Staates in die Religion in der islamischen Welt offenbar weit verbreitet sind, würden die Gläubigen sich ja auch nicht groß darüber aufregen. Man müsste es ihnen nur entsprechend verkaufen, dass die Bundesrepublik Haßprediger jetzt verbietet.

        Allerdings widerspricht es auch meinen liberalen Instinkt.

      • arprin Says:

        Mich überrascht ehrlich, dass Du als entschiedener Atheists nichts gegen ein Religionsministerium hättest.

        Ich bin dagegen. Mit „Ich sehe es ähnlich“ meinte ich nicht alles, was du geschrieben hast, sondern nur das mit Polizei vor Ort, Durchgreifen gegen Hassprediger, Profiling.

        Für mich ist dieses „Gesetz“ fast sowas wie ein modernes Kunstwerk. Da hat jemand Kleckse auf Papier gebracht und anschließend interpretieren das die Leute, der eine siehts als höchstes moralisches Gebot, der andere als Aufforderung zum Sozialismus, der dritte als christliche Tradition usw.

        Ja, eben. Profiling wird aus diesem Grund vom BVG niemals durchgewunken werden, denn Diskriminierung aufgrund der Herkunft gilt für sie als hitleresk.

      • Dr. Caligari Says:

        Ich bin dagegen.

        Das ist aus meiner Sicht ein sehr riskantes Spiel.

        Was aber auf jeden Fall aufhören muss, ist, türkischen, nordafrikanische etc. Migranten vor allen Dingen alls „Moslime“ zu adressieren. Man stelle sich mal vor, man würde hier lebende Italiener, Spanier und Franzosen hauptsächlich als „Katholiken“ behandeln und übere ihre Probleme ausschließlich mit Bischöfen reden.
        Es ist eine absurde Geisteshaltung.

        Dennoch, die islamischen Religion fordert wohl einen anderen Umgang als die des Christentums.

        Ja, eben. Profiling wird aus diesem Grund vom BVG niemals durchgewunken werden[…]

        Es ist ja nicht allein Herkunft.

  2. Olaf Says:

    Islamisten wie auch Erdogan-Türken stellen immer mehr die Macht-Frage. Sie wollen Europa erobern bzw. unterjochen. Die selbsthassenden BRD-Politiker sind für die ein willkommener Gegner, Islam-Quislinge sozusagen. Mal sehen, wie lange das Volk diesen Wahnsinn noch mitmacht.

    • arprin Says:

      Ich befürchte, wenn es keine neuen politischen Maßnahmen gibt, werden Wilders, der Front National und die AfD bald mehr Chancen bekommen. Solange auf den Terror nur mit den gleichen Phrasen reagiert wird, betteln die Politiker quasi um ihre Ablösung.

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