Das geteilte Land

Das bessere Deutschland

Deutschland 2017. Die Schulen faulen vor sich hin. No-Go-Areas machen sich breit. Die Integration von Migranten funktioniert nicht. So sieht das gängige Bild aus, dass wir vor allem von der SPD zu hören bekommen. Sicher ist was an diesen Dingen dran, aber die Aussagen sind leider ziemlich pauschalisierend. Denn es gibt große Unterschiede innerhalb Deutschlands. Im Folgenden möchte ich zwei erfolgreiche Bundesländer – Bayern und Baden-Württemberg – mit den weniger erfolgreichen Gegenden Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bremen (also sozialdemokratischen Stammländern) vergleichen. Man wird schnell feststellen, dass die Unterschiede so groß sind wie normalerweise zwischen zwei Staaten mit völlig unterschiedlichem Entwicklungsstand und sich wundern, warum es in Bayern keine große Sezessionsbewegung gibt.

Wirtschaft

Die Arbeitslosigkeit in Bayern lag im Juli 2017 bei 3%, in Baden-Württemberg bei 3,4%. Viele bewerten diese Zahlen als „nahe der Vollbeschäftigung.“ Die beiden Länder gehören zusammen mit Hessen zu den drei Netto-Einzahlern beim Länderfinanzausgleich. Die Arbeitslosigkeit in Nordrhein-Westfalen liegt bei 7,9%, das Land ist hoffnungslos verschuldet. Dabei kann man nicht behaupten, dass die Bürger in NRW diese hohe Verschuldung mit erstklassigen öffentlichen Dienstleistungen zurückerstattet bekommen – im Gegenteil. Am höchsten liegt die Arbeitslosigkeit in Bremen (10,3%) und Berlin (8,8%). Wie kann man diese Diskrepanz zwischen den Ländern erklären? Möglicherweise liegt es am Grad der wirtschaftlichen Freiheit, bei der Bayern und Baden-Württemberg seit Jahren vorne liegen, während Berlin den letzten Platz hütet? Aber vielleicht ändert sich das jetzt mit Rot-Rot-Grün (ja, war ein Witz).

Kriminalität

Bayern und Baden-Württemberg sind die mit Abstand sichersten Bundesländer. Im krassen Gegensatz dazu ist Nordrhein-Westfalen, wenn man die drei Stadtstaaten mit ihrer deutlich höheren Raten abzieht, das nach Sachsen-Anhalt gefährlichste Bundesland. Nun könnte man das damit erklären, dass es in NRW viel mehr Großstädte gibt, aber so ganz geht die Rechnung nicht auf, denn auch die Städte in Bayern sind sicherer – München und Augsburg waren 2016 die sichersten Städte Deutschlands, Berlin dagegen die gefährlichste. Man sieht bei den Statistiken ein deutliches „Nord-Süd-Gefälle“: Der Norden ist viel krimineller als der Süden.

Viele Beobachter glauben, das Problem von NRW oder Berlin liege an zu wenig staatlichen Ausgaben für Sicherheit. Aber das eigentliche Problem ist die politische Ideologie. So bekommen z.B. Einbrecher in Bayern die höchsten Strafen. Die Regierung in Hamburg duldet rechtsfreie Räume wie die Rote Flora, in Berlin duldet man die Rigaer Straße – beides Orte, in denen Linksextremismus und Gewaltkriminalität floriert. Besonders bezeichnend: Als sich im Görlitzer Park in Berlin, früher ein Ort für Familien, Drogendealer breitmachten, reagierte die Berliner Regierung nicht etwa mit Polizei, sondern mit „Parkläufern“, die den Dealern Lehrstellen anbieten sollten. Jan Fleischhauer kommentierte dies treffend:

Ich stelle mir vor, die Drogenhändler würden im Englischen Garten im großen Stil ihre Geschäfte betreiben. In München würde man eine Einheit berittener Polizei schicken, dann wäre der Spuk vorbei. Niemand scheint sich zu fragen, warum es immer anderswo No-go-Areas gibt, niemals in Bayern.

Bildung

Laut dem Bildungsmonitor haben Sachsen und Thüringen die besten Bildungssysteme in Deutschland, dahinter folgen Bayern und Baden-Württemberg. Ganz unten liegen Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin. Auch bei den Pisa-Tests erzielten einige Bundesländer weit bessere Ergebnisse als andere, so lagen Bayern und Sachsen immer deutlich vor NRW und Berlin. Neben den schlechten Schulergebnissen sind die Schulen in NRW, Berlin und Bremen bekannt für ihren chronischen Sanierungsbedarf und den hohen Unterrichtsausfall. Wie bei der Kriminalität wird auch hier oft zu geringen staatlichen Ausgaben die Schuld für die Misere gegeben, aber wie bei der Kriminalität dürfte die politische Ideologie entscheidend sein: Kein Land gibt pro Kopf so viel für Bildung aus wie Berlin, und kein Land schneidet bei der Bildung schlechter ab als Berlin. Aber vielleicht ändert sich das jetzt mit Rot-Rot-Grün (ja, war wieder ein Witz).

Integration

Wenn man an deutsche Städte mit hohem Migrantenanteil denkt, kommt den meisten zuerst Failed Cities wie Berlin, Bremen, Dortmund oder Duisburg in den Sinn. Wer weiß schon, dass Städte wie Augsburg, Stuttgart, Nürnberg und München sogar noch höhere Migranten-Anteile haben als die zuvor genannten Städte und Augsburg, nicht etwa Berlin, als erste Stadt mehr Migranten als Bio-Deutsche haben wird? Dieses Unwissen hat einen guten Grund: In Bayern und Baden-Württemberg findet man keine Salafisten-Hochburgen, No-Go-Areas für Deutsche, und die Arbeitslosenrate für Türken in Stuttgart liegt sogar niedriger als die für Deutsche in Berlin. Neukölln ist nicht überall. Wer also das nächste Mal sagt „Die Integration in Deutschland ist gescheitert“, sollte seine Aussage klarifizieren: „Die Integration ist in vielen Gegenden gescheitert, dazu zählen z.B. NRW und Berlin.“ Aber vielleicht ändert sich das jetzt mit … ach, lassen wir das.

6 Antworten to “Das geteilte Land”

  1. oberstskeptic Says:

    Wie immer sehr interessant! Ich frage mich was die konkreten politischen Entscheidungen und Normen sind, die diese Diskrepanzen verursachen. Wie genau unterscheidet sich die wirtschaftliche Freiheit, hat die Polizei mehr Befugnisse im Süden? Oder besser gefragt: was muss sich in NRW (mein Bundesland) ändern, um sich den höheren Standards anzunähern und kann die Koalition aus FDP und CDU das leisten?

    • arprin Says:

      Die wirtschaftliche Freiheit hängt von den Landesregierungen erlassenen Regulierungen ab, wobei es in Deutschland natürlich viel Einfluss vom Bund gibt, aber das Land spielt eben auch eine Rolle. Bei der Polizei hat es viel mit den Urteilen der Richter zu tun, aber auch mit den Entscheidungen der Landesregierungen, sowie z.B. den Umgang der Berliner Regierung mit den Dealern am Görlitzer Park.

      Ob neue Koalition NRW retten kann, weiß ich nicht, aber ich habe Zweifel (ich wohne übrigens auch in NRW). Bei Berlin habe ich keine Hoffnung für die Zukunft.

  2. Dr. Caligari Says:

    So sieht das gängige Bild aus, dass wir vor allem von der SPD zu hören bekommen.

    Die SPD muss das Bild schwarz zeichnen, um dann als strahlender Ritter zu erscheinen, „Gerechtigkeit“ und so.
    Dann noch viel EU, alles zentralisieren und gegen die bösen Reichen, da geht dem Sozen das Herz auf…
    Kennen wir sie nicht, unsere Pappenheimer?

    […]und sich wundern, warum es in Bayern keine große Sezessionsbewegung gibt.

    Da ist, gefühlt, Dampf im Kessell, aber die Bayern sind Pragmatiker, deshalb geht es ihnen so gut. Rein aus Prinzip machen sie nichts.

    Viele Beobachter glauben, das Problem von NRW oder Berlin liege an zu wenig staatlichen Ausgaben für Sicherheit.

    Linke Logik: Problem a, viel Geld bereitstellen (aka „Klauen“) zur Beseitigung von a; a weg, alle glücklich.
    Die Realität fragt natürlich knallhart, wie man das Geld ausgibt. Für Gendergerechte Polizeiausbildung (sorry) z. B. ist das Geld sofort verschwendet.

    Kein Land gibt pro Kopf so viel für Bildung aus wie Berlin, und kein Land schneidet bei der Bildung schlechter ab als Berlin.

    Linke Logik, noch mehr Geld rein und am Besten alles vom Bund regeln lassen.
    Die Realität lacht sich derweil schlapp, weil selbst die Linken zu zweifeln beginnen.

    NRWs zentrales Unglück ist eigentlich der Aufstieg und Fall der Kohleindustrie in den letzten 200 Jahren. Berlin usw. leiden daran, dass es zwar Stadtstaaten sind, aber nicht so regiert werden
    Ein Luxemburg, ein Monaco usw. könnte sich solche Zustände niemals erlauben.

    • arprin Says:

      Linke Logik: Problem a, viel Geld bereitstellen (aka „Klauen“) zur Beseitigung von a; a weg, alle glücklich.

      Und wenn es nicht funktioniert, dann noch mehr Geld bereitstellen.

      NRWs zentrales Unglück ist eigentlich der Aufstieg und Fall der Kohleindustrie in den letzten 200 Jahren.

      Das hätten sie kompensieren können, das Problem ist die politische Ideologie.

      Berlin usw. leiden daran, dass es zwar Stadtstaaten sind, aber nicht so regiert werden
      Ein Luxemburg, ein Monaco usw. könnte sich solche Zustände niemals erlauben.

      Eigentlich müsste Berlin reicher sein als der Rest. London, Paris und die meisten anderen Hauptstädte haben mehr Wohlstand als der Rest ihres jeweiligen Landes. Berlin ist eine Tragödie.

      • Dr. Caligari Says:

        Zitat:
        „Das hätten sie kompensieren können, das Problem ist die politische Ideologie.“

        Ich denke, hier macht man es sich ein wenig zu einfach. Sicherlich hat die Politik zu lange an einer bestimmten Wirtschaftspolitik festgehalten auf der einen Seite; auf der anderen Seite haben aber auch die Unternehmer keine Freiheiten für sich gefordert, sondern lieber selbst mitgespielt.
        Eigentlich läuft vieles auf die Conclusion hinaus: So viele Menschen, wie im Ruhrgebiet leben, können dort gar keine Arbeitsplätze mehr finden. Daraus folgen dann alle probleme, die mit einem größeren Exodus seit beginn der Weltgeschichte verknüpft sind. Es hat nicht funktioniert, die Leute haben keine andere attraktiven Regionen gefunden.
        (Das Ruhrgebiet hat seit genertionen Einwanderer aus verschiedenen Quellen angezogen. Köln usw. ist dagegen eher unbedeutend.)

        Zitat:
        „Eigentlich müsste Berlin reicher sein als der Rest. London, Paris und die meisten anderen Hauptstädte haben mehr Wohlstand als der Rest ihres jeweiligen Landes. Berlin ist eine Tragödie.“

        Keine dieser Städte war geteilt. *Schulterzuck*

  3. Olaf Says:

    Im Norden leben die Protestanten, die stehen auf Selbstkasteiung. Die N-Sozialisten hatten dort auch größere Erfolge, und jetzt eben die Grün-Sozialisten, die Ruinen hinterlassen.

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