Spanische Schande

Wer hätte gedacht, dass diese Bilder nicht aus Russland, China oder der Türkei stammen, sondern aus einer westeuropäischen Demokratie, die Mitglied der EU ist? Vor diesem Tag vermutlich nicht mal die Spanier und Katalanen selbst.

In der Geschichte gab es wahrscheinlich keine friedlichere Sezessionsbewegung als die der Katalanen. Sie hatten keine plündernden Milizen, keine Attentate, keine xenophoben Parolen, nur eine politische und soziale Bewegung. Die Katalanen wollten einfach selbst über ihr Schicksal bestimmen. Die Reaktion der Regierung von Mariano Rajoy – brutale Gewalt und die Leugnung des Referendums – ist so skandalös, dass sie eigentlich sofort zurücktreten müsste. Es ist der schwärzeste Tag in der Post-Franco-Ära in Spanien. Ich kann nur hoffen, dass sich in Spanien eine große Bewegung bildet, die sich gegen die Gewalt ausspricht, den Rücktritt von Rajoy fordert und die spanische Regierung dazu auffordert, das Ergebnis des Referendums zu akzeptieren.

24 Antworten to “Spanische Schande”

  1. oberstskeptic Says:

    Ich finde es persönlich sehr schwierig hier klar Partei für eine Seite zu ergreifen.
    Das Referendum war eindeutig verfassungswidrig, die spanische Verfassung betont territoriale Intakthaltung. Insofern war es korrekt und legitim Polizei einzusetzen um die illegalen Aktivitäten zu unterbinden.
    Auf der anderen Seite war der Einsatz offensichtlich vielerorts brutal und unverhältnismäßig. Außerdem sollte das Selbstbestimmungsrecht der Völker geachtet werden, so bescheuert ich Nationalismus auch finden mag.
    Bin gespalten.

    • arprin Says:

      Die Unverhältnismäßigkeit war eindeutig da, und auch das Argument mit der territorialen Integrität ist nicht überzeugend. Wann war eine Sezession je verfassungskonform? Wichtig sollte nur sein, ob der neue Staat den Bürgern mehr Freiheit gewähren wird oder nicht. Die brutale Zerschlagung einer freien Wahl wird den Katalanen auf jeden Fall nicht mehr Freiheit bringen.

      • oberstskeptic Says:

        In dem Zusammenhang kann ich „The Morality of Secession“ von Christopher Wellman empfehlen, hab ich während meines Studiums zu lesen bekommen. Er argumentiert grob gesagt, dass ein Staat enstehen kann, bzw sich loslösen kann, wenn gewährleistet ist,dass sowohl der neue Staat als auch der ursprüngliche Staat daraus voll funktionstüchtig hervorgehen und die Rechte aller Bürger erhalten bleiben. Außerdem verwirkt ein Staat die Hoheit auf ein Territorium, wenn er die Sicherheit der dort Lebenden nicht länger gewährleisten kann.

      • arprin Says:

        Danke für den Tipp. Du meinst wohl „A Theory of Secession“, oder? Also dieses Buch hier:

        „The Morailty of Secession“ ist ein anderer Text von Michael R. Tomz:
        https://web.stanford.edu/~tomz/working/secede.pdf

      • oberstskeptic Says:

        Nein ich meine dieses hier:

        https://www.pic-upload.de/view-34032826/secession.jpg.html

        Ich hatte allerdings vergessen, dass der Artikel Teil eines Buches ist. Weiß nicht wie da die Verfügbarkeit aussieht.
        Wellman wird aber wohl in dem Buch das du da gefunden hast auch nicht groß anders argumentieren nehme ich mal an.

      • heinzelmann Says:

        Du magst ihre Sprache sprechen, als Mestize geht es Dich aber 0 an, was die in ihrem Land machen, Stuersenkungs-Latinobub!

      • arprin Says:

        Ich sage meine Meinung zu allem, ganz egal ob ich Landsmann bin oder nicht. 🙂

  2. besucher Says:

    Die Guardia Civil darf so einiges:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kritik-an-drastischen-strafgesetzen-in-spanien-15036473.html

    Francisco Franco gefällt das.

  3. idiota Says:

    So geht’s einem wenn man romantischen Illusionen nachläuft, da ist man immer ganz überrascht und empört, wenn die Realität nicht mehr zu leugnen ist.

    • besucher Says:

      Wenn die Realität dann durch Gummigeschosse der Prügelspanier geschaffen wird brauch man sich nicht wundern dass viele bisher neutrale Leute in dieser Realität nicht mehr leben wollen.

      • idiota Says:

        Ich hab nicht die Illusionen der Katalanen gemeint sondern die des Blogbetreibers und offensichtlich auch Ihre.

      • arprin Says:

        idiota, von welchen Illusionen sprichst du?

      • idiota Says:

        Davon: „Wer hätte gedacht, dass diese Bilder nicht aus Russland, China oder der Türkei stammen, sondern aus einer westeuropäischen Demokratie, die Mitglied der EU ist?“

        Bloß weil Demokratie draufsteht hört der Staat nicht auf Staat zu sein, ist Macht immer noch Macht und Gewalt bleibt Gewalt.

      • arprin Says:

        Das Ausmaß der Gewalt hat viele überrascht, ich dachte das wahrscheinlichste Szenario wäre das die Spanier das Referendum einfach aussitzen. Allerdings hatte ich Gewalt auch nicht ausgeschlossen.

      • idiota Says:

        Ja ist eine ganz schlimme Sache diese brutale Gewalt, da kann jede fühlende Seele nur noch rechtschaffend empört sein. Es ist unerträglich, dass ein freiheitsliebendes Volk wie die Katalonier unter einer erzkonservativen klerikal-faschistischen Diktatur leben müssen. Das mindeste ist die sofortige Unabhängigkeit sonst findet das leidende Katalonien nie Erlösung.

  4. Thomas Holm Says:

    „Bilder nicht aus Russland, China oder der Türkei stammen, sondern …“

    Genau das ist ja das infame an der modernen westlichen SJW-Rebellionskultur, dass man sich aufführt, dass es nach R2P aussieht.

    „für eine unmögliche Revolution … liefert den Ersatz …“ (normalerweise) „Migration“

    http://www.berliner-zeitung.de/kultur/peter-sloterdijk-der-philosoph-spricht-ueber-sozialdemokratie-und-migration-24148132-seite2

    Es sei denn man hat als Kleinvolk einen links-romantischen Ruf und funktionierenden Tourismus (was sich prima ergänzt) dann hat man noch als regressive Alternative zur Islamisierung: Separatismus.

    Normalerweise gilt: „entweder … Sozialdemokrat … oder Neofeudalist … Die aktuelle geopolitische Lage sagt es unmissverständlich.“ Also Sunniten-Versteher, oder Putin-Versteher.

    „Wieder steht ein trotziger Neo-Zarismus einem trotzigen imperialen Neo-Sultanat gegenüber. Dahinter lauert ein neu-imperialer Iran, weiter dahinter ein imperium-trunkenes Saudi-Arabien …

    entweder die okzidental-liberale, strukturell sozialdemokratische Gesellschaft oder die imperial-nationalistische-neofeudale“

    Die spinnen ganz besonders, die beteiligten Iberer: denn dort kann man zusätzlich zwischen Katalanen-Verstehertum und No-brachialer Madrid-Reaktion wählen.

  5. Eloman Says:

    Meiner Meinung nach sind beide Seiten an der Eskalation schuld. Allerdings spielen die Separatisten sich als Mehrheit auf, obwohl sie auch in Umfragen nie die Mehrheit bekommen haben. Auch im jetzigen Referendum haben nur ca. 36 % der Wahlberechtigten für die Loslösung gestimmt. Ist wohl ähnlich wie in Québec. da haben die Separatisten auch alle Abstimmungen verloren, versuchen es aber immer wieder auf#s neue. Das Problem ist nur, dass sie sich nach der heftigen Reaktion des spanische Staates nun als Opfer aufspielen können.

    • arprin Says:

      Viele Leute, die für das Referendum sind, wollen nur die Wahl haben. Diese Fraktion ist sehr wohl in der Mehrheit, und sie lehnt vor allem die Gewalt des spanischen Staates ab.

      Ich glaube auch nicht, dass die katalanische Regierung, selbst wenn man Teile ihres Vorgehens kritiseren kann, ein Ergebnis fälschen oder ein „Nein“ nicht akzeptieren würde.

      • Eloman Says:

        Ändert nix an den Zahlen. 92% von 42% sind nun mal nur etwas mehr als ein Drittel und keine Mehrheit. Auch keine gefühlte.

    • Carl Eugen Says:

      So geht das natürlich nicht. Wer nicht zum Referendum geht, stimmt seinem Ausgang zu. Wer nicht zur Wahl geht, muß ja auch mit dem leben, was ihm serviert wird: die Summe der Wähler gelten als 100%. Bei Volksbegehren ist das ähnlich. lediglich ein Quorum muß erfüllt sein. Und der Ausgang des Referendums in Katalonien ist eindeutig: für die Selbständigkeit.
      Meiner Meinung nach ist Sezession Grundrecht und daher nirgends zu beanstanden. Ich wünschte meine Rheinländer wären auch davon zu begeistern.
      Andererseits wird es für die iberische Halbinsel leider die Folge haben, daß schon bald der erste islamische Staat auf ihr Platz haben wird. Das ist keine schöne Aussicht.

      • Eloman Says:

        Analog zu parlamentarischen Regularien sollte das Quorum bei solch tiefgreifenden Entscheidungen mindestens 50% betragen. Es handelt sich ja um eine einseitige Aufkündigung der gemeinsam beschlossenen Verfassung.

      • oberstskeptic Says:

        Man kann davon ausgehen dass in diesem Fall so gut wie alle die gegen die Unabhängigkeit sind einfach der Wahl fern blieben, in dem Wissen, dass sie eh nicht gültig ist. Diejenigen die Unabhängigkeit wünschen sind dagegen trotz der Ungültigkeit hingegangen und haben sogar teils mehrfach gewählt. Daher stimmt man mit nichten zu, wenn man nicht wählt und man kann nicht die Wählerschaft als 100% deklarieren.

        Was wir Rheinländer (bin auch einer) als eigener Staat anfangen sollen erschließt sich mir übrigens null.

    • Olaf Says:

      Die Katalanen haben auch einen Drehhofer. Der Katexit ist verschoben, Obergrenze auf spanisch;)

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