Das Ende der Comedy

Lange Zeit galt in der Comedy-Branche eine Gewissheit: Amerika ist besser als Deutschland. Wenn man die vermeintliche „Comedy“ von der heute-show mit Jon Stewart, Stephen Colbert oder John Oliver vergleicht, sah man Unterschiede wie zwischen Bayern München und dem Hamburger SV. Der größte Unterschied war: Amerikanische Komiker machten Comedy, deutsche Komiker machten Volkserziehung. In der heute-show geht es überwiegend darum, wie herzlos die FDP und Konzerne und wie rassistisch die AfD und Trump sind, und wenn doch mal die SPD kritisiert wurde, dann nur, weil man sie für „zu neoliberal“ hält. Nun scheint sich die Sache zu wenden: Auch in Amerika beginnt die Comedy zu sterben.

Der Grund für den Niedergang ist derselbe wie für das Elend der deutschen Comedy: Man macht Volkserziehung statt Comedy. Jimmy Kimmel nutzt seine Show mittlerweile nur noch, um zu zeigen, wie böse Donald Trump ist, egal bei welchem Thema.

Auf Humor wird dann verzichtet. Das Thema ist zu ernst, um Witze zu machen. Um nicht missverstanden zu werden: Die meisten amerikanischen Comedians waren immer links, sowie die ganze Hollywood-Elite. Aber trotzdem konnten sie lustig sein. Das ist möglich, indem man nicht von vornherein auf jeden Anschein von Neutralität verzichtet und sich zum Fürsprecher einer Partei macht. Die Stewarts und Colberts waren immer links, ja, aber sie betrieben keine Wahlwerbung für die Demokraten. Es gab zwar Ausnahmen, wie z.B. Bill Maher, der ganz offen zugab, die Demokraten zu fördern, aber er gab es öffentlich zu, hatte also einen anderen Anspruch als Comedians, die sich als unabhängig ausgaben. Und vor allem konnte er lustig sein.

Seit jüngstem sind die amerikanischen Comedians aber nicht mehr nur links, sondern auch nicht mehr lustig, sowie die deutschen Comedians. Egal ob es um das Thema Krankenversicherung oder um das Waffenrecht geht, es geht nur noch um Volkserziehung. Jimmy Kimmel weint und erklärt dem Publikum: „Wie könnt ihr nur gegen Obamacare und schärfere Waffengesetze sein?“ John Oliver weint nicht, aber seit 2016 erklärt er seinem Publikum eigentlich nur noch im empörten Ton, dass sie, um gute Menschen zu sein, gegen Trump und für jedes linke Anliegen (von höheren Steuern bis zu Transgender-Toiletten) sein müssen. Die Ähnlichkeit zur heute-show wird immer frappierender.

Die Folgen für die amerikanische Comedyszene könnten verheerend sein: Sie könnte germanisiert werden. Der Humor stirbt aus, sowie bei den Oliver Welkes, Hagen Rethers oder Jan Böhmermanns. Kein Wunder, dürfen diese Gestalten doch keine Witze über Minderheiten oder Frauen machen, sondern nur noch über ihre politischen Feinde – weiße Männer. In den amerikanischen Universitäten ist Humor schon so veraltet wie in Moscheen, und wenn es mit dem Tempo weitergeht, könnten amerikanische Comedysendungen bald zur heute-show aufschließen. Nichts wäre mehr lustig. Die Welt wäre zu ernst, um Witze über sie zu machen (außer eben über weiße Männer).

Man kann somit nur noch auf Comedians hoffen, die politische Themen überwiegend meiden und sich einfach nur auf Lacher konzentrieren, wie früher David Letterman und Jay Leno in den USA oder Otto Waalkes und Harald Schmidt in Deutschland. Der politische Humor wäre tot, geopfert für den Kampf gegen Donald Trump. Doch ein Trost bleibt: Ganz verschwinden wird er nie. Kein Kimmel und kein Oliver wird ihn töten können, es wird immer mutige Menschen geben, die sich nicht anpassen. Ein Beispiel dafür ist Anthony Jeselnik. Als im Juli 2012 in einem Kino in Aurora ein Amokläufer 12 Menschen erschoss, nahm er seinen Beruf als Komiker ernst und reagierte wie folgt:

4 Antworten to “Das Ende der Comedy”

  1. Eloman Says:

    Was ist mit South Park?

  2. Dr. Caligari Says:

    Der größte Unterschied war: Amerikanische Komiker machten Comedy, deutsche Komiker machten Volkserziehung.

    Das stimmt so pauschal auch nicht.
    Es gab und gibt in Deutschland durchaus Komiker, die ohne große Botschaft einfach ihre Kunst machen. Natürlich kommt dabei die subjektive Färbung durch, etwa der Welt-Pessimismus von Feuerstein.

    Jimmy Kimmel weint und erklärt dem Publikum: „Wie könnt ihr nur gegen Obamacare und schärfere Waffengesetze sein?“ John Oliver weint nicht, aber seit 2016 erklärt er seinem Publikum eigentlich nur noch im empörten Ton, dass sie, um gute Menschen zu sein, gegen Trump und für jedes linke Anliegen (von höheren Steuern bis zu Transgender-Toiletten) sein müssen.

    Offensichtlich parteiische Witze muss man in Kauf nehmen. Satire lebt von Überzeugung und Witze sind eigentlich nur selten ganz fair.
    Was die „Volkserziehung“ angeht, die widert mich auch an.

    Vor allen Dingen, weil es (a) mit einer gewaltigen Selbstüberschätzung des Witzerzählers einhergeht und dabei (b) mit einer systematische geringschätzung des Publikums.
    Ein erwachsener Mensch braucht aber niemanden, der ihn an die Hand nimmt und ihn sagt, was er politisch zu denken hat. Er soll selbst urteilen lernen.

    […]sondern nur noch über ihre politischen Feinde – weiße Männer.

    Die letzte Gruppe, die bei bestimmten Kreisen zum Abschuß freigegeben ist… Klar, diese Mode wird irgendwann auch wieder vergehen. Aber bis es soweit ist…

    […]oder Otto Waalkes und Harald Schmidt in Deutschland

    Schmidt hatte seine politische Einstellung. Man hört sie hier und da raus.
    Aber er wäre nicht auf die Bühne gegangen, um das Publikum zu bekehren.

    Im Gegenteil: Er verweigert diese Rolle als „Vordenker“ von irgendwas zu sein, systematisch. Deshalb ist er auch so toll.

  3. Olaf Says:

    Als ich gestern die Schlagernacht im Ersten sah, wünschte ich nur, dass sich im gegenüberliegenden Hotel ein Fenster öffnet und dem Spuk ein Ende bereitet.

    Ich denke, deutsche Komiker sind nicht zu unterbieten, das ist nicht HSV, das ist eine andere Sportart auf einem anderen Planeten.
    Kein Witz über Claudia Roth, Petra Pau, oder Flüchtlinge, die als Ärzte kommen aber Analphabeten sind. Da liegen die Sketche doch auf dem Silbertablett, Dr. Bingo-Bongo operiert Claudia Fatima.

    Aber der Heute-Hetz-Show geht es offensichtlich nicht um Humor, sondern um langweilige Propaganda. Lieber tausend Pointen verlieren, als einen Scheck von Merkel versäumen.

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