Archive for Februar 2018

Eine Erklärung für Amerikas hohe Amokdichte

Februar 22, 2018

Was stimmt nicht mit Amerika?

Ich finde es bemerkenswert, wie standhaft die amerikanische Waffenlobby ist. Ein Großteil der Medien und der öffentlichkeitswirksamen Personen hält Befürworter eines liberalen Waffenrechts für wahnsinnige Kindermörder, doch ihre Angriffe prallen auf sie ab, und sie stellen sich weiterhin gegen Waffenverbote. Den Gegnern eines liberalen Waffenrechts stören auch gewisse Fakten nicht, wie dass es viele Länder mit liberalem Waffenrecht gibt, die sehr geringe Raten von Schusswaffengewalt haben (z.B. Tschechien oder die Schweiz), dass strengere Waffengesetze die Kriminalität keineswegs immer fallen lassen (weder in Chicago noch in Brasilien), dass die Gewaltkriminalität in den USA seit rund 25 Jahren massiv abnimmt, darunter auch die Schusswaffengewalt (wobei zwei Drittel aller Toten durch Schusswaffen Selbstmorde sind, und der Rest zu zwei Dritteln mit illegal erworbenen Waffen geschieht) oder dass die Waffengesetze in den USA schon heute strenger sind als die meisten Gegner eines liberalen Waffenrechts glauben.

All das würde die Diskussion zu sehr versachlichen. Emotionalisierungen sind im politischen Geschäft besser, deswegen ignoriert man alles eben Genannte und sagt: Wer für freien Waffenbesitz ist, ist ein wahnsinniger Kindermörder! Das ist höchst unethisch und außerdem kontraproduktiv, um ein ernstes Problem zu lösen. Einen Punkt kann man den Gegnern eines liberalen Waffenrechts, sowohl denen in den USA als auch denen, die von Europa aus die Debatte in Amerika verfolgen, aber geben: Es stimmt, dass es in den USA deutlich häufiger zu Amokläufen mit Schusswaffen kommt als in Europa. Zwar sind solche Ereignisse trotz ihrer hohen Medienpräsenz nur ein kleiner Teil der Schusswaffengewalt (gerade im Vergleich zu Gang-Schießereien, die deutlich häufiger vorkommen), und die Gefahr, von einer Schusswaffe getötet zu werden, hat in den USA – wie oben ausgeführt – in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Aber die Häufigkeit an Amokläufen mit Schusswaffen hat, gegenläufig zum Gesamttrend, zugenommen.

Warum? Die „europäische“ bzw. „us-demokratische“ Erklärung „Weil die Waffengesetze so lasch sind, ihr Kindermörder!“ ist eindeutig falsch, andernfalls müsste es in Tschechien auch Amokläufe geben und Brasilien völlig sicher sein. Obwohl ich kein Anhänger der amerikanischen Waffenlobby bin, hoffe ich deswegen auch, dass sie es zumindest schaffen, „europäische“ Waffenverbote in den USA zu verhindern, die Millionen unbescholtene Bürger treffen würden. Aber welche andere Erklärung für die Häufigkeit an Amokläufen in den USA gibt es? Im Oktober 2015 veröffentlichte Malcolm Gladwell einen Artikel im „The New Yorker“, der eine interessante Erklärung gab. Es handelt sich dabei zum Großteil um Ausführungen des Stanford-Soziologen Mark Granovetter. Die zynische Erklärung lautet: Amokläufer sind eine Art „soziale Bewegung“, die Ende der 1990er Jahre ihren Anfang nahm. (more…)

Vorschläge für eine bessere Demokratie

Februar 14, 2018

Die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Frankreich, 1848

Mal wieder sind alle verärgert. Das Volk hat gewählt, aber es wirkt nicht so, als würde das Volk sich von der kommenden Regierung vertreten fühlen, stattdessen erwartet jeder vier Jahre Stagnation. Die einzigen, die wirklich zufrieden sind mit der neuen Großen Koalition sind die, die meinen, dass das Land unbedingt wieder eine Regierung braucht, weil ein Land ohne Regierung notwendigerweise zusammenbricht. Weil die letzten Monate ohne Große Koalition bekanntlich zu einer schweren Wirtschaftskrise und massivem Anstieg der Kriminalität geführt haben. Aber egal, meine Meinung zur Bekämpfung der ständigen politischen Verärgerung: Anstatt zu jammern sollte man vernünftig darüber nachdenken, wie man das Problem der konstant schlechten Regierungen lösen kann.

Eins sollte dabei klar sein: „Mehr Demokratie“ ist eine leere Phrase, die keine Hilfe ist. Was wir derzeit haben, ist eine formal gut funktionierende repräsentative Demokratie. Deswegen fordere ich auch gar nicht „mehr Demokratie“, sondern Lösungen, die notfalls die Demokratie einschränken. Hier sind drei echte Besserungsvorschläge, die es meiner Meinung nach wert wären, ausprobiert zu werden.

Beschränkung von Amtszeiten

Wie oft kommen Politiker aus idealistischen Gründen in ihr Geschäft, um als karrieregeile Opportunisten zu enden. Man hat das Gefühl: Eigentlich immer. Dieser Anreiz wird aber von den politischen Regeln geschaffen, denn die Wiederwahl ist das Ziel eines jeden Politikers, und die Wähler fordern in der Regel Klientelpolitik für sich selbst. So kann es passieren, dass Politiker mit dem Ziel an die Macht kommen, die Welt zu verbessern, und als Politiker enden, die den Wählern vor der Wahl höhere Renten, höheres Kindergeld und höhere Löhne versprechen – ganz egal, wer wann dafür zahlen soll. Vieles würde sich ändern, wenn die Politiker sich nicht um ihre Wiederwahl sorgen müssten. In dem Fall könnten sie ohne den Druck ihrer Klientel versuchen, ihre Ideale politisch durchzusetzen.

Und wenn ich sage „Nicht um ihre Wiederwahl sorgen“, meine ich das ganz ernst: Die Amtszeiten der Politiker sollten auf genau eine Amtszeit beschränkt werden. Eine Beschränkung auf zwei Amtszeiten hat in den USA meiner Meinung nach nicht wirklich funktioniert, um die Politik besser zu machen. Die Idee der Beschränkung auf eine Amtszeit hat schon Milton Friedman ins Gespräch gebracht – er nannte es die wichtigste politische Reform. Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob so eine Maßnahme die Politik besser machen würde, aber ein Versuch wäre es wert. Für Abgeordnete, die keine Minister sind, könnten Ausnahmen gemacht werden, denn es ist wohl was anderes, in der Opposition zu sitzen als in der Regierung. Doch für Minister sollte gelten: Ihr habt eine Chance – und dann könnt ihr euer altes Leben fortführen anstatt eure Klientel zu füttern. (more…)

Kleines Lexikon der Fake News

Februar 7, 2018

Fake News sind mittlerweile ein feststehender Begriff. Egal ob es sich nachweislich um eine fabrizierte Geschichte handelt oder nur Vermutungen angestellt werden, sofort hört man „Fake News“. Mir hat der Begriff gefallen, allerdings fiel mir als Kenner der Geschichte auf, dass es sich bei den fabrizierten Geschichten keineswegs um ein neues Phänomen handelt. Im Grunde sind Fake News ein ständiger Begleiter der Menschheitsgeschichte, vom alten Ägypten bis zum modernen Amerika. Es erschien mir eine reizvolle Aufgabe, die größten Fake News der Geschichte zusammenzutragen, um eben diesen Sachverhalt darzulegen. Als Ergebnis ist dieses E-Book herausgekommen, das ihr jetzt ab sofort kaufen könnt:

(Link zur Bestellung)

Hier die Kurzbeschreibung:

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Der Begriff „Fake News“ hat seit dem Aufstieg Donald Trumps zum Präsidenten der USA Hochkonjunktur. Doch weder Trump noch seine Gegner haben das Lügen erfunden. In der Geschichte gehören das Erfinden und Dramatisieren von Geschichten sowie das Abstreiten von Wahrheiten eher zur Regel als zur Ausnahme. Dabei kamen schon viele reichhaltige Fake News zusammen und setzten sich in der Geschichtsschreibung als Wahrheit durch. Bestimmt sind auch sie auf eine große Lüge hereingefallen. Mit diesem kleinen Lexikon, das einige der größten Fake News von der Antike bis zu unserer Zeit gesammelt hat, können sie ihr Wissen testen und gegebenenfalls korrigieren. Denn keine Lüge ist es wert, an sie zu glauben!

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Drei Bedingungen habe ich zur Aufnahme ins Lexikon gestellt: Die Geschichte muss nachweislich falsch sein, es darf also keine historische Kontroverse geben (wie z.B. um den Reichstagsbrand), sie muss bewusst als Lüge verbreitet worden sein (also keine wissenschaftlichen Irrtümer oder Überlieferungs – und Übersetzungsfehler) und sie muss einen großen Einfluss gehabt haben. Wie in der Kurzbeschreibung erklärt, habe ich außerdem sowohl erfundene und dramatisierte Geschichten als auch das Abstreiten der Wahrheit als „Fake News“ kanonisiert. Somit haben es Lügen über den Kaiser Nero, über Marie-Antoinette oder aus der Zeit der Revolutionen in Osteuropa 1989 ins Lexikon geschafft.

Ich hoffe, ich habe euch ein bisschen Vorfreude gemacht. In nächster Zeit werde ich auch Auszüge aus dem Buch veröffentlichen, um euch Irrlehren aus der Geschichte auszutreiben. Bleibt gespannt!