Brexit: Vorteile ohne Nachteile, bitte!

Haltet durch, liebe Briten!

Der Brexit wird kommen, egal ob es die EU-Endsiegbefürworter wahrhaben wollen oder nicht. Die Hoffnung auf ein neues Referendum wurde jetzt von Theresa May endgültig begraben. Leider hat es seit dem Referendum einige negative Entwicklungen gegeben (man denke nur an den Beinahe-Sieg Corbyns), die mich an eine positive zukünftige Entwicklung Großbritanniens zweifeln lassen. Trotzdem war der Brexit vollkommen richtig, um der eindeutig schlimmeren zukünftigen Entwicklung der EU (in Richtung Wirtschafts-, Sozial- und Schuldenunion) zu entkommen. Nun muss noch ein Deal mit der EU her, der in meinen Augen einfacher ist als es die meisten Kommentatoren darstellen, da beide Seiten wissen, dass neue Zölle oder Grenzen zwischen Großbritannien und dem Rest Europas mehr schaden als nützen.

Die Brexit-Gegner wünschen sich kaum unverhohlen einen schlechten Deal für Großbritannien. Ihr Argument lautet: Man sollte nicht die Vorteile einer Sache haben dürfen (in dem Fall der EU-Mitgliedschaft), ohne auch die Nachteile haben zu müssen. Deshalb soll an den Briten ein Exempel statuiert werden, der allen EU-Mitgliedern als warnendes Beispiel dient und so die Harmonie zwischen ihnen stärkt. Dieses Argument ist mal wieder ein Tiefpunkt für die EU-Anhänger. Es mag sein, dass man manchmal schlechte Dinge in Kauf nehmen muss, um im Gegenzug etwas Gutes zu bekommen. Um einige Beispiele zu nennen: Schwitzen für Muskeln, Umziehen für einen Traumjob in einer anderen Stadt, Kredit aufnehmen für ein neues Auto. Aber nicht alles im Leben muss ein Pauschalgeschäft sein. Wenn es möglich ist, die Nachteile einer Sache abzustoßen, sollte man es tun.

Einige Beispiele für letzteres wären: Man kann im Strand sein, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, weil man sich mit Sonnencreme davor schützt; man kann Sex haben, ohne Syphilis zu bekommen, weil man ein Kondom benutzt; man kann Autobahnen haben, ohne einen Weltkrieg zu haben, indem man einfach keinen anfängt; usw. Und natürlich kann man Freihandel mit den EU-Ländern haben, ohne eine Schuldenunion oder schädliche Regulierungen aus Brüssel zu haben. Warum sollte das nicht möglich sein? Wer das anders sieht, dem stelle ich eine Frage: Deutschland, um ein prominentes EU-Mitglied zu nennen, handelt nicht nur mit anderen EU-Ländern, sondern z.B. auch mit den USA und Japan. Wäre es deshalb angemessen von den USA und Japan, wenn sie sagen: „Wenn ihr mit uns handeln wollt, dann müsst ihr auch für unsere Schulden aufkommen“?

Des Weiteren ist es absurd, dass die EU so tut, als hätte sie den Freihandel in der EU-Zone „ermöglicht“. Freihandel ist der Zustand, den es gibt, wenn es keine Handelsverbote gibt. Zu sagen, es sei eine „Leistung“ der EU, dass es jetzt Freihandel zwischen den EU-Ländern gibt, und dass für diese Leistung ein „Preis“ verlangt werden darf, ist so, als würde der saudische König jetzt den Christen in Saudi-Arabien Religionsfreiheit geben, aber als „Preis“ für diese „Leistung“ von jedem Christen 20% seines Vermögens fordern, und als würden die Menschen darauf reagieren mit: „Ja, wenn die Christen Religionsfreiheit haben wollen, dann müssen sie den Preis eben zahlen.“ Nein, die Aufhebung eines freiheitseinschränkenden Verbots ist keine Leistung, für die ein Preis verlangt werden darf, sondern die Beendigung einer Ungerechtigkeit, für die die Opfer nichts tun müssen, um sie zu verdienen.

Um es kurz zusammenzufassen:

1. Freihandel ist ein Menschenrecht, keine „Leistung“ einer Person (bzw. juristischen Subjekts, wie die EU) an eine andere, für die erstere einen „Preis“ verlangen darf.
2. Es gibt keinen logischen Grund, warum die Briten nicht Freihandel mit den EU-Ländern haben sollten dürfen, ohne eine Wirtschafts-, Sozial- und Schuldenunion mit ihnen zu haben.
3. Daraus folgt: Die Briten sollten einen Deal machen, der die Vorteile der wirtschaftlichen Beziehungen zur EU behält, aber die Nachteile abstößt.

Wie schon gesagt, glaube ich auch, dass so ein Deal einfacher sein wird als es jetzt dargestellt wird. Ein Handelskrieg zwischen Großbritannien und der EU wäre noch sinnloser als Miami als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele. Das wissen alle Seiten. Jetzt muss nur noch der lächerlich-absurde EU-Nationalismus überwunden werden, der eine friedliche Trennung zwischen Großbritannien und der EU verhindern will. Ein schwieriges Unterfangen – aber nicht unmöglich.

9 Antworten to “Brexit: Vorteile ohne Nachteile, bitte!”

  1. sacksteinhocker Says:

    Lieber Arprin
    Oft bringen mich Ihre Artikel dazu, meinen eigenen Standpunkt zu den von Ihnen behandelten Themen zu hinterfragen.
    Vielen Dank dafür!

    Mit freundlichen Grüßen aus dem hessischen Ried

  2. Olaf Says:

    Es ist natürlich ein Jammer, dass Konflikte nicht mehr militärisch ausgetragen werden, in Mitteleuropa. So kann Merkel die fleißigen und treudoofen Deutschen als Nutzvieh und Laborratten ausbeuten, ohne Hoffnung auf Befreiung. Und sie kann ihr Sklavenvolk gegen die Engländer benutzen, und deren Freiheit und Wohlstand gefährden. Ein Traum wäre es, wenn Trump und May (oder Johnson) die Lage so eskalieren müssten, dass der Reichstag wieder Ruine ist und die Völker Europas befreit. Merkel und Juncker in einem Käfig des Londoner Zoos, welch herrlicher Gedanke.

    • arprin Says:

      Merkel gefährdet den deutschen Wohlstand, nicht den britischen.

      Und Zölle auf britische Waren würden zuerst denen schaden, die den Zoll erheben. Die Kontinentaleuropäer würden sich also selbst ins Bein schießen. Das heißt aber nicht, dass die Briten sich auch selber schaden könnten, z.B. wenn der Corbynismus an Einfluss gewinnt oder sie auch Zölle einführen.

      • Olaf Says:

        Natürlich macht Merkel in erster Linie Deutschland kaputt, aber Ich fürchte die Briten werden durch den Brexit auch verlieren. London als Finanzplatz außerhalb der EU wird Schaden nehmen, Nordirland wird wieder isolierter etc.. Eine EWG wie zu Schmidts und Giscards Zeiten war das Optimum, aber die Brüsseler wollen die Eudssr.

  3. besucher Says:

    Das Problem mit der EU-Außengrenze kann man ganz einfach dadurch lösen indem man Nordirland an Irland anschließt. Die pro-englischen Protestanten denen das nicht behagt steht es dann frei in den aufstrebenden britischen Mutterschoß zurückzukehren.

    • Olaf Says:

      Das sollten Oliver Cromwell und Charles der Erste verhandeln. Linke kennen weder Raum noch Zeit, deshalb sind ihre Politik-Beiträge wie ein space-cake-Trip;)

    • Olaf Says:

      Aber gute Gelegenheit einen geilen Song zu verlinken:

      • besucher Says:

        das ist Morrisseys Privatmeinung.
        Die Iren (auch die Nordiren) sagen wohl eher Irish Blood, Irish Heart.

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