Archive for Juli 2018

Fluchtmythen

Juli 22, 2018

Flüchtlinge: Was muss man wissen?

In den letzten Wochen war das Thema „Flüchtlinge“ mal wieder dominant in den Medien. Seehofer, Merkel, Salvini, Kurz, ganz Europa schaute gespannt auf die politische Elite, die am Ende nichts beschloss außer … nun, nichts. Im Rahmen der politischen Debatten fielen mir dabei immer wieder Behauptungen auf, mit denen eine politische Situation gerechtfertigt werden sollte, deren Faktengehalt aber gleich Null waren. An dieser Stelle möchte ich einige dieser Behauptungen sammeln und korrigieren. Um sich eine vernünftige Meinung zum Thema zu bilden, sollte man immer alle wichtigen Fakten kennen. Denn wie es immer wieder heißt: Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten. Hier werden deshalb sechs der größten Fluchtmythen, zur Aufklärung und damit hoffentlich für einen besseren Diskurs.

1. Die einzige Alternative zur Rettung und Unterbringung in Europa ist das Sterbenlassen.

Als Caterina Lobenstein und Mariam Lau in der Zeit einen „Pro-und-Contra-Artikel“ zur Thema Seenotrettung veröffentlichten, in der Mariam Lau die Contra-Position einnahm, hagelte es scharfe Kritik. Die Redakteure der „Titanic“ wünschten Lau Prügel und zeigten damit, was für schlechte Comedians sie sind – ihnen fiel offenbar keine lustige sarkastische Antwort ein, sondern nur die typisch linke, ernst gemeinte, tugendhafte Empörung. Auch von anderen Seiten wurde Laus Beitrag als indiskutabel abgetan. Nun finde ich Laus Beitrag selbst argumentativ und rhetorisch nicht überzeugend, aber sie hat nirgendwo behauptet, dass man Menschen in Seenot einfach sterben lassen soll. Stattdessen plädierte sie für eine „politische Lösung“, freilich ohne diese weiter auszuführen. Trotzdem hatte sie nun bei vielen den Ruf der „Sterbenlassen-Befürworterin“.

Die Behauptung, es gäbe nur die beiden Möglichkeiten „Rettung und Unterbringung nach Europa“ und „Sterbenlassen“ ist absurd. Es gibt niemanden, der Menschen in Seenot ertrinken lassen will. Jeder muss gerettet werden. Punkt. Es geht nur um die Frage, wohin sie danach gebracht werden sollen. Die europäischen Seenotretter bringen die Menschen alle nach Europa. Das muss aber nicht sein, vor allem wenn man bedenkt, aus welcher Region die Menschen gerettet werden: Vielfach sind sie Boote deutlich näher an der libyschen als an der italienischen Küste, wenn sie von den Europäern gerettet werden. Wer in libyschen Hoheitsgewässern gerettet wird, muss nicht zwangsläufig nach Europa gebracht werden. Natürlich sind die juristischen Details und die reale Durchsetzung sehr verzwickt, aber deshalb sollte man die Menschen nicht verwirren: Es geht nie um die Frage „Sterbenlassen oder nicht?“, es geht nur um die Frage, wohin sie nach ihrer Rettung gebracht werden sollen.

2. Wir sind schuld an der Armut in der Dritten Welt.

Der wohl größte Mythos. Immer wieder heißt es: Das Erbe der Sklaverei und des Kolonialismus, die Ausbeutung durch westliche Konzerne, die subventionierten Billigfleisch-Exporte, die Waffenexporte an Diktatoren usw. sind Schuld an der Armut in der Dritten Welt – also „unsere“ Politik von früher und heute. „Wir“ sind schuld, oder, um es ganz konkret auf den Punkt zu bringen: Der weiße (heterosexuelle) Mann. Bullshit! Die Sklaverei und der Kolonialismus waren grausam – aber sie sind lange vorbei. Wer die Gründe für Afrikas Armut noch immer hier sucht, der könnte mit gleicher Berechtigung die Gründe für die Probleme im Iran bei Alexander dem Großen suchen, für die Probleme Chinas bei Dschingis Khan und für die Probleme Bulgariens beim osmanischen Sultan Bayezid. (more…)

Nachrichten des Tages

Juli 10, 2018
kl

Was ist heute wieder in der Welt geschehen?

Erdogan verkündet Rücktritt Özils aus der deutschen Nationalmannschaft

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gab in einer Rede anlässlich seiner Vereidigung als Präsident bekannt, dass der deutsche Nationalspieler Mesut Özil sich entschieden habe, künftig nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Der DFB hat bis jetzt nicht auf diese Aktion reagiert, es wird aber allgemein damit gerechnet, dass Özils Entscheidung niemandem in den oberen Positionen überrascht. Erdogan las während seiner Rede ein Statement des 92-fachen Nationalspielers vor, indem dieser seinen Rücktritt so erklärte: „Ich trete nicht wegen den Erdogan-Fotos zurück, sondern wegen die Scheinheiligen beim DFB. Ich war nicht für die Taktik und der Motivation im Team verantwortlich. Man hat mich aber für alles verantwortlich gemacht. Ich wünsche jeden Spieler ein guten Weg für die Zukunft.“

Neue Eskalation im Handelsstreit

Der Handelsstreit der USA mit Kanada und den Staaten der Europäischen Union hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Im Rahmen eines Auftritts in Charlotte im Bundesstaat North Carolina verkündete US-Präsident Trump, den Import von deutscher und kanadischer Musik in die USA zu verbieten. Als erste Maßnahme sind bereits CDs von Helene Fischer und Justin Bieber eingesammelt und zerstampft worden. Die EU kündigte an, im Gegenzug ein Auftrittsverbot für Taylor Swift zu verhängen. „Alle Optionen stehen auf dem Tisch“, so Juncker. Kanadas Premierminister Trudeau kündigte ebenfalls Vergeltungsmaßnahmen an, falls weitere Maßnahmen gegen Bieber umgesetzt würden. „Diese Aktionen sind inakzeptabel und schaden letztlich auch den Amerikanern“, so Trudeau.

Höhlenrettung in Thailand: NGOs beklagen Doppelmoral

Der Seenot-Rettungsverein „Sea Eye“ hat die weltweite Solidarität mit der angehenden Rettung der in einer Höhle eingeschlossenen Fußballmannschaft in Thailand als „heuchlerisch“ kritisiert. Natürlich würden diese Kinder es verdienen, aus dem Höhlenwasser gerettet zu werden, so der Verein in einer schriftlichen Mitteilung. Aber dasselbe gelte auch für die Kinder, die im Meerwasser des Mittelmeers in Lebensgefahr schweben. Die Aktionen der Seenot-Retter würden jedoch nicht als Heldentaten gefeiert, sondern paradoxerweise als „Schleuserei“ verteufelt und kriminalisiert. Der Verein kündigte an, weiter Menschen im Mittelmeer vor dem Tod zu retten, und schloss seine Mitteilung mit der Bemerkung ab, dass in den Parlamenten und Zeitungsredaktionen der Welt wohl der Gedanke vorherrsche: „Alle Kinder sind gleich, aber manche sind gleicher als andere.“ (more…)