Juden in der AfD

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Eine multikulturelle Partei

Ein neuer Skandal: Es gibt Juden in der AfD. Am 7. Oktober soll eine Mitgliedervereinigung mit dem Namen „Juden in der AfD“ gegründet werden. Die jüdischen Verbände sind empört: Wie kann es Juden in der AfD geben? Auch die Medien können es nicht verstehen. Nachdem der jüdische Historiker Michael Wolffsohn in einem MDR-Interview die Motive von Juden erklärte, die zu ihrem Beitritt zu der AfD führen könnten, sah er sich scharfer Kritik ausgesetzt. Der linke Hetzer Jakob Augstein nannte ihn einen „wirklich schlimmen Rechts-Hetzer“ und nahm als Begründung dafür die falsche Behauptung, Wolffsohn hätte jeden Muslim als potenziellen Mörder von Juden bezeichnet. Von diesen Diffamierungen abgesehen, stellt sich die Frage: Warum sind Juden in der AfD ein Skandal?

1. Wenn es Juden gab, die die NSDAP unterstützten, wäre das unverständlich gewesen (und es gab sie tatsächlich). Wenn Schwarze den Ku-Klux-Klan oder Atheisten den Islamischen Staat, ebenso. Aber warum soll die Mitgliedschaft von Juden in der AfD besonders unverständlich sein? Man kann die Partei so schlecht finden wie man will – ich tue das – aber sie ist keine inhärent antisemitische Partei. Nirgendwo in ihrem Programm findet sich eine Forderung, Juden zu diskriminieren, weder direkt noch indirekt. Es ist auch nicht so, dass die Parteiführer oder ihre Mitglieder und Anhänger mit antisemitischen Aussagen auffallen. Ich denke, das einzige, womit man die AfD mit Antisemitismus in Verbindung bringen könnte, ist: Höcke. Bezeichnenderweise jemand, gegen den zwei Partei-Ausschlussverfahren liefen. Ihn als „Gesicht der AfD“ darzustellen ist so, als würde man Abu Bakr al-Baghdadi als „Gesicht der Muslime“ darstellen.

2. Die AfD mag nicht inhärent antisemitisch sein, aber es gibt viele Parteimitglieder und Anhänger, die völkisches und rassistisches Gedankengut hegen. Das räume ich ein. Aber warum soll es dann besonders schlimm sein, wenn Juden sich trotz dieser Tatsache der AfD anschließen? Sollten nur weiße, heterosexuelle Passdeutsche die AfD gut finden dürfen, aber keine Juden? Dann werden Juden mit anderen Maßstäben gemessen. Juden mit anderen Maßstäben zu messen ist … naja. Man sollte der Vollständigkeit halber sagen: Es gibt nicht nur Juden, es gibt auch Homosexuelle und Migranten – ja, auch schwarze Migranten – die AfD-Mitglieder sind. Und: In einer Umfrage der „Welt“ äußerten sich 64% der Migranten kritisch zur Masseneinwanderung von Flüchtlingen. Warum auch immer sie diese Meinung haben, es wird durch ihre Herkunft weder schlimmer noch besser. Es ist immer falsch, die Aussage eines Menschen aufgrund seiner Herkunft anders zu bewerten!

3. Reden wir über Antisemitismus bei Parteien im Bundestag. Dass dann viele offenbar zuerst an die AfD denken, ist nicht unbedingt schlüssig. Es gibt bei der SPD, den Grünen und der Linkspartei Mitglieder, die antisemitische Terrororganisationen verharmlosen, Israel als „Apartheidstaat“ bezeichnen und den Boykott von israelischen Waren aus der Westbank fordern. Ihre Begründungen dafür sind natürlich lächerlich. Aber noch schlimmer: Mitglieder und Anhänger dieser Parteien verharmlosen oder leugnen die antisemitische Gewalt unter Muslimen in Europa, die derzeit die größte Bedrohung für Juden in Europa darstellt. Es gehört eindeutig eine Abneigung gegenüber Juden dazu, die Parole „Jude, Jude, feiges Schwein, komm‘ heraus und kämpf‘ allein“ als nicht judenfeindlich oder gar als legitime Israelkritik zu bezeichnen. Juden in Europa werden bedroht und angegriffen? Israel ist Schuld! Das glauben nicht wenige Linke. Das heißt nun nicht, dass ein Jude in Deutschland alle Parteien schlecht finden muss. Es heißt nur, dass es keinen Grund gibt, die AfD in Sachen „antisemitische Ausfälle“ gegenüber anderen Parteien hervorzuheben.

4. Die Mitgliedervereinigung „Juden in der AfD“ wird genauso viel Einfluss haben wie der „Zentralrat der Juden“, der jüdische Verein „TuS Makkabi Berlin“ oder jede „Jews against something“-Gruppe: Gar keinen. Keine von Juden gegründete Organisationen repräsentiert alle Juden, noch wird sie die Ressourcen haben, um in der Gesellschaft an großen Einfluss zu gelangen. Die Gruppe zeigt nur, dass Juden verschiedene politische Ansichten haben können, und dass sich Juden deshalb miteinander streiten – mehr nicht. Möglicherweise werden die politischen Differenzen irgendwann größer sein als das Zusammengehörigkeitsgefühl, und man wird sich gegenseitig das Jüdischsein absprechen. Aber auch das ist nichts Neues im politischen Diskurs, und zur Beruhigung: Die Meinungsverschiedenheiten zwischen linken Juden und Juden in der AfD werden schon nicht so hitzig ausgetragen werden wie die zwischen Sunniten und Schiiten.

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