Corona-Lektionen (3): Über Wucherpreise in Katastrophenzeiten

Die Glock unter den Schutzmasken: Die FFP3-Atemschutzmaske

Wie können sie es wagen? Haben sie gar kein Gewissen? Das ist die Reaktion der meisten Menschen auf jene, die in Zeiten der Corona-Krise mit dem Verkauf von überteuerter Schutzausrüstung, insbesondere Atemschutzmasken, Geld verdienen. Der irische Gesundheitsminister Simon Harris sagte, es gäbe einen „besonderen Platz in der Hölle für die, die mit dieser globalen Pandemie schnelles Geld verdienen wollen.“ Vielfach bleibt es nicht bei Empörung. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, wurde der Export von Atemschutzmasken komplett verboten, in Frankreich hat der Staat alle Atemschutzmasken beschlagnahmt (der Schwarzmarkt lacht natürlich darüber).

Ich weiß, was die Gedanken hinter solchen Maßnahmen sind: In Katastrophenzeiten sollte jeder das Recht auf Zugang zu lebensnotwendigen Gütern haben, egal welches Einkommen er hat. Und selbst wenn sich jeder Atemschutzmasken für 10 Euro statt 80 Cent leisten kann, wirkt so eine Preiserhöhung unethisch. Aus demselben Grund ist es in einigen Gegenden der USA verboten, nach einem Hurrikan Wasser oder Benzin zu überteuerten Preisen zu verkaufen. Ein Großteil der Bevölkerung denkt sicher: Am besten sollte der Staat während einer Katastrophe alle lebensnotwenigen Güter kostenlos bereitstellen, damit jeder versorgt wird. Aber das ist zu kurz gedacht – besser gesagt: falsch.

Zuerst sollten wir uns klarmachen, warum Schutzausrüstung momentan so teuer ist. Das ist ganz einfach: Es gibt derzeit eine Knappheit an diesen Gütern. Das bedeutet logischerweise, dass der Preis für diese Güter um das Vielfache steigt (Angebot und Nachfrage). Soweit, so verständlich. Die Menschen, die Wucherpreise für Schutzausrüstung dennoch verbieten wollen, werden jetzt einwenden: Der Preis mag durch die Knappheit erklärbar sein, aber diese Güter sind momentan so wichtig, dass es nicht wichtig ist, mit ihrem Verkauf Gewinne zu erwirtschaften, sowie private Produzenten es wollen, sondern sie ohne Gedanken an Kosten und Gewinn so schnell wie möglich für die ganze Bevölkerung bereitzustellen – und das kann nur der Staat.

Bevor ich darauf eingehe, will ich zwei Dinge klarstellen: Erstens sollten Menschen in Katastrophenzeiten unabhängig von ihrem Einkommen eine Notsicherung haben. Das gilt insbesondere für individuelle Katastrophen. Wenn ein Obdachloser Krebs hat, sollte er kostenlos operiert werden, egal ob mit Steuergeldern oder privaten Hilfsorganisationen. Zweitens ist der Staat wie keine andere Organisation in der Lage, für eine notfalls längere Zeit massenhaft Güter zu produzieren, die niemand für ihren Produktionspreis + Gewinnspanne kaufen würde (man denke nur an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk). Dennoch ist ein staatliches Monopol für Schutzausrüstung dem freien Markt an Schutzausrüstung unterlegen.

Der Grund dafür ist: Die Befürworter eines staatlichen Monopols haben den freien Markt nicht verstanden. Die überteuerten Preise sorgen nämlich dafür, dass viele Menschen, die zuvor gar nicht an die Produktion von Schutzausrüstung dachten, plötzlich anfangen, in das Geschäft einzusteigen, um „schnelles Geld zu verdienen.“ Wenn genug Produzenten eingestiegen sind, geht die Knappheit zurück und die Preise gehen wieder nach unten, während weiterhin Schutzausrüstung produziert wird (denn reichlich Waren + billige Preise bringt ebenso Gewinn wie knappe Waren + teure Preise), bis die ganze Bevölkerung reichlich versorgt ist. Die Menschen, die während dieser Krise mit dem Verkauf von Schutzausrüstung „schnelles Geld verdient“ haben, sind eine Kraft des Guten.

Wenn von vornherein kein (wirklich) freier Markt zugelassen wird, steigen weniger Menschen in das Geschäft ein, es wird weniger produziert, die Knappheit wird nicht oder nur langsam behoben. Das ist das, was gerade passiert. Dabei könnte der Staat theoretisch einmal etwas richtig machen und seine massiven finanziellen Ressourcen nutzen, um die Schutzausrüstung selbst zu produzieren. Was macht der Staat stattdessen? Er rationiert die vorhandene Schutzausrüstung, d.h., er verwaltet die Knappheit. Mit der abschließenden Ironie, dass er, um die Knappheit dennoch zu beheben, bei bestehendem Exportverbot massenhaft Atemschutzmasken aus China importieren wird. Wo sollen sie denn sonst herkommen? Hoffen wir, dass bis dahin nicht zu viele sterben.

5 Antworten to “Corona-Lektionen (3): Über Wucherpreise in Katastrophenzeiten”

  1. Schweizer Investor Says:

    Menschen aus dem linken Spektrum denken immer, dass es nur auf die Verteilung ankommt und dass der Staat dabei viel besser wäre als die unsichtbare Hand des Marktes. Leider zeigt sich aber auch immer wieder, dass der Staat eben nicht der beste bei der Güterverteilung ist und die zusätzlichen negativen Auswirkungen (insbesondere langfristig) werden ausgeblendet.

    • arprin Says:

      Immerhin erkennen sie in einigen Bereichen mittlerweile die Vorzüge des freien Marktes an, so wollen die meisten Linken heute keine komplette Verstaatlichungen von Branchen wie der Autoindustrie. Aber bei vielen Dingen, die sie als staatliche „Daseinsvorsorge“ betrachten, glauben sie noch immer an 100% Staat als einzige Lösung.

  2. Dr. Caligari Says:

    An den Punkt habe ich auch schon gedacht:
    Die asiatischen Masken mögen nur ein paar Cent kosten, de Produktion in Deutschland wird aber in den Bereich von mindestens 5 EUR gehen und das selbst bei Leuten, die praktisch für Nothing arbeiten.

    Das ist ein Ergebnis, welches allen klar sein muss. Aber natürlich, man kann die kleinen Unternehmen killen und dann… Tja, Bravo Deutschland, du bist ohnehin auf den Weg in die 3. Welt.

    • arprin Says:

      Sowie es aussieht, sind die chinesischen Masken momentan tatsächlich unsere letzte Chance, die Wirtschaft zu retten. Ironie kann unsere Bundesregierung also durchaus. 🙂

  3. Eloman Says:

    Belgien und Frankreich hatten sogar große Vorräte an Masken für den Katastrophenfall eingelagert, haben sie aber z. T. um Lagerkosten zu sparen vor einigen Jahren vernichtet.

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