Der letzte Akt des Trump-Theaters

Ich glaube nicht, dass Trump eine Gefahr für die Demokratie war oder ist. Er hat mit allem, was er tat, nicht die Existenz von fairen und freien Wahlen und eines Mehrparteiensystems in den USA gefährdet und auch nicht über dem Gesetz gehandelt. Als „Gefahr für die Demokratie“ wird von den Medien oft pauschal alles betitelt, was irgendwie als „rechts“ oder „konservativ“ gilt (z.B. alle US-Republikaner, die AfD, sogar der Brexit). Was Trump jedoch immer war, ist ein Mensch mit einem außerordentlich schlechten Charakter. Das beweist er derzeit wieder mit seinem letzten Akt im Weißen Haus.

Mehr als drei Wochen, nachdem Trump die Wahl gegen Biden verloren hat, weigert er sich noch immer, seine Niederlage anzuerkennen. Trumps Anwaltsteam um Rudy Giuliani sowie die offiziell nicht für ihn arbeitende Sidney Powell klagen stattdessen die Gerichte voll, um das Wahlergebnis nachträglich zu ändern. Powells Theorie zu der Wahl lautet: Die Demokraten haben eine Software benutzt, um Trump Millionen Stimmen zu klauen, die CIA und das FBI waren darüber eingeweiht, dieselbe Software wurde bereits in Venezuela benutzt und Hillary Clinton gewann mit ihr 2016 die Vorwahl der Demokraten gegen Bernie Sanders, der später mit Geld zum Schweigen gebracht wurde.

Das ist so lächerlich, dass jeder Mensch mit einem gesunden Verstand es als eine unterhaltsame Märchenstunde abtun kann (*Anm.: Am Ende dieses Beitrags folgt eine Widerlegung der größten Lügen über die Wahl). Doch Trump hat es geschafft, seine Anhänger glauben zu lassen, dass die USA eine Bananenrepublik sind, in der solche Dinge tatsächlich stattfinden. Die amerikanischen Behörden sollen gemeinsam mit den Demokraten Hochverrat begangen haben. Mit dem Slogan „Release the Kraken“ feiern sie Powells Klagen und damit ihre Hoffnung, dass sie die Jahrhundert-Verschwörung aufdecken wird. Es ist ein würdeloser Abschied eines Präsidenten.

Vielen Trump-Anhängern, die nach vier Jahren Trump nicht völlig vernebelt sind, ist wohl bewusst, wie lächerlich die Wahlbetrugs-Theorien von Trump und seinem Team sind. Aber anstatt das öffentlich auszusprechen, verteidigen sie Trump noch immer auf subtile Art, indem sie Dinge sagen wie „Noch ist Trump Präsident und nicht Biden, über die Klagen wegen Wahlbetrug lassen wir die Gerichte entscheiden“ oder mit dem Whataboutism kommen „Die Demokraten haben Trumps Sieg auch nicht akzeptiert und versucht, ihn mit lächerlichen Vorwürfen aus dem Amt zu heben!“ Doch auch diese Verteidigungen für Trumps letzten Akt laufen ins Leere.

Selbstverständlich hat jeder das Recht zu klagen und die Gerichte müssen entscheiden. Aber das heißt nicht, dass man lächerliche Theorien nicht schon im Vorfeld als solche bezeichnen kann. Wer vor Gericht klagt, dass die Regierung Unterlagen über Außerirdische zurückhält, darf das tun, aber man kann die Klage schon vorher als Unsinn abtun. Dasselbe gilt für Powells lächerliche Klagen. Niemand muss erst auf ein Gerichtsurteil warten, um ihre Theorien richtig einzuordnen. Die Republikaner haben sicher auch nicht erst auf ein Gerichtsurteil gewartet, um die Theorien der Demokraten einer russischen Einflussnahme auf den Wahlkampf 2016 als Unsinn abzutun.

Womit wir beim zweiten Punkt wären. Waren die Demokraten genauso schlimm wie Trump? Nun, erstens wird aus zweimal Unrecht nicht Recht (das gilt für jeden Whataboutism). Zweitens lautet die Antwort: Nein. Hillary Clinton hat noch an der Wahlnacht ihre Niederlage akzeptiert und niemand bei den Demokraten hat je von Stimmenklau gesprochen. Das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump war in der Tat absurd, aber es hatte nicht die Umkehr des Wahlergebnisses zum Ziel – im Falle eines Erfolgs wäre Pence Präsident geworden, nicht Clinton. Was Trump derzeit macht, ist in der amerikanischen Geschichte einzigartig: Er stellt die Legitimität des Wahlergebnisses in Frage.

Durchkommen wird er damit natürlich nicht. Seine Anwälte verlieren gerade zuverlässig jede Klage, und dabei ist ihr Wortlaut in den Klagen viel verhaltener als Trumps öffentliche Aussagen (denn vor Gericht zu lügen kann Konsequenzen haben). Die amerikanischen Institutionen funktionieren gut, Trump wird lediglich eine Verzögerung der Amtsübergabe bewirken. Der Schaden, den er durch seinen letzten Akt bewirkt, dürfte sich auch in Grenzen halten. Seine Anhänger werden einfach wütend ins Bett gehen, künftige Präsidenten werden sich würdevoll verabschieden und das Wahlsystem wird nicht geändert werden. Trump wird als der schlechteste Verlierer in die Geschichte eingehen.

Die ganze Pose hat immerhin etwas Gutes: Die große Mehrheit der Bürger in den USA kommt in den Genuss zu sehen, wie der bürokratische Prozess der Präsidentenwahl abläuft. Vorher lief es so ab: Es wurde gewählt, das Ergebnis wurde ausgezählt, und nachdem der voraussichtliche Sieger feststand, gratulierte der unterlegene Kandidat dem Gewinner, fertig. Jetzt wissen viele Amerikaner: Die Bundesstaaten müssen die Ergebnisse zertifizieren, die Wahlmänner wählen den Präsidenten und der Kongress muss die Wahl bestätigen. Hätte Trump seine Niederlage eingestanden, wären das alles im November, Dezember und Januar keine Nachrichten gewesen …

(*) Bonus: 10 Lügen über die Wahl, die von Trump-Anhängern verbreitet werden

1.) Es gab keinen „merkwürdigen“ Umschwung bei dem Verlauf der Auszählungen. Es war schon vor Monaten klar, dass Biden die Mehrheit der Briefwählerstimmen bekommen und diese erst später gezählt werden würden. (Quelle)

2.) Es gab in keinem der umkämpften Bundesstaaten einen plötzlichen „Stopp“ der Auszählung, als Trump vorne lag. (Quelle)

3.) Es gab keine Fälle, in denen Biden 100% aller neu eingereichten Wahlstimmen bekam. Weder bekam er zu einem Zeitpunkt aus dem Nichts 138.000 neue Stimmen in Michigan (Quelle), noch zu einem anderen Zeitpunkt 100% aller neuen Stimmen in Wisconsin. (Quelle)

4.) Es gab keine Busse, die tonnenweise Wahlstimmen von Trump klauten und/oder Wahlstimmen für Biden an die Wahllokale herankarrten. All die Internet-Videos, die sowas zeigen sollen, sind Fake. (Quelle)

5.) Es wurden keine republikanische Wahlbeobachter an ihrer Arbeit gehindert. Diesbezügliche Klagen der Republikaner wurden alle vor Gericht abgewiesen. (Quelle)

6.) Es gab in keinem Bundesstaat mehr Wahlstimmen als registrierte Wähler. (Quelle)

7.) Es gab keine massenhafte Zahl an „toten Wählern“. In jeder Wahl kamen administrative Fehler vor, aber es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass es bei dieser Wahl häufiger vorkam als sonst. (Quelle)

8.) Es gab keine mathematischen „Unmöglichkeiten“ bei der Verteilung der Wahlstimmen für Biden, d.h. es wurden keine mathematischen Gesetze verletzt. (Quelle)

9.) Das Unternehmen Dominion, dass Wahlmaschinen herstellt, hat sicher die meisten Verschwörungstheorien auf sich gezogen, deswegen der Reihe nach: Für Trumps Vorwurf, dass sie Millionen Wahlstimmen für ihn gelöscht oder auf Biden „umgetauscht“ haben, gibt es nicht den geringsten Hinweis (Quelle); es gab keine „Software-Fehler“, die ausschließlich Biden favorisierten, sondern nur einen Fall von menschlichem Versagen in Michigan, der natürlich korrigiert wurde (Quelle); und es gab keine Razzia in Deutschland, die ihre Server aufgrund des Verdachts auf Wahlbetrug beschlagnahmte (Quelle).

10.) Schließlich die unterhaltsamste Verschwörungstheorie: Venezuela! Das Unternehmen Smartmatic, dass auf elektronische Wahlsysteme spezialisiert ist, war tatsächlich in Venezuela tätig, aber sie zogen sich zurück, als sie der Maduro-Regierung bei der Wahl 2017 Betrug unterstellten, d.h., sie haben sich klar gegen Maduro gestellt, anstatt ihm zu helfen. (Quelle)

17 Antworten to “Der letzte Akt des Trump-Theaters”

  1. Olaf Says:

    Abwarten und Tee trinken. Wahlbetrug gab es, das ist vielfach belegt. In welchem Umfang, und ob die Gerichte Bock haben das alles nochmal aufzurollen, ist eine andere Frage.

    Im Film Nixon von Oliver Stone, erklärt Haldeman seinem Chef, dass Kennedy zwar durch Wahlbetrug gewonnen hat, es aber nicht gut aussieht bezüglich der nächsten Wahl, wenn er sich öffentlich darüber empört.
    Damals gab es auch schon Tote, die für die Democrats gestimmt haben, das scheint ein running Gag von Bidens Leuten zu sein.

    Aber es gibt anscheinend eine Tradition in den USA, dass man nach der Wahl nicht mehr in der Scheiße rührt, und es abhakt, also wird die Mumie und seine Erbin wohl im Januar an die Macht kommen, wenn es nicht durch mutige Richter verhindert wird.

    • arprin Says:

      Wahlbetrug gab es, das ist vielfach belegt.

      Nicht mal einen einzigen Fall von Wahlbetrug haben Giuliani und Powell belegt, geschweige denn Wahlbetrug in dem Ausmaß, der entscheidend für den Wahlausgang hätte sein können.

    • Dr. Caligari Says:

      Ich bin kein Spezialist für amerikanische Geschichte, aber ich habe mal einen Film über die Mafia in Chicago gesehen.
      Das sg. „Chicago Outfit“. Das war eine billige Übersetzung aus den USA mit quasi-Spielfilmszenen. Wahrscheinlich auf diesen „Drogenmafioso sind cool“-Trip hergestellt. (Ohje, ich liebe den Zeitgeist.)

      Jedenfalls, nach dieser Darstellung waren die Kennedys zwar daran beteiligt, dass die Chcago Outfit-Leutchen ihnen bei der Wahl halfen, aber im Großen und Ganzen hilft das ja nicht.

      Obwohl es ja eigentlich nicht notwendig ist, habe ich mal zwei Quellen rausgekramt:
      https://www.latimes.com/archives/la-xpm-1997-nov-09-mn-51973-story.html
      https://www.jstor.org/stable/27698060

  2. besucher Says:

    Die Republikaner werden allein durch die Zusammensetzung des Kongresses unglaublich bevorzugt. Es ist ein Unding dass ein Staat wie Wyoming mit der Einwohnerzahl von Leipzig genauso viele Senatoren stellt wie Kalifornien mit fast 40 Millionen Einwohnern.

    • Dr. Caligari Says:

      Sehen Sie das so, lieber Besucher?

      Ich bin da anderer Ansicht.
      Die US-Verfassung hat einen sehr guten Ausgleich gefunden zwischen den Bundesstaaten und der Bevölkerung.
      Der Senat IST die Vertretung der Bundesstaaten im Bund.

      Das amerikanische System ist unendlich intelligenter gelöst als das der Bundesrepublik. Hier können die Länderchefs – Mitglieder der Exekutive – quasi „treuhändisch“ die Stimmen ihres gesamten Bundeslandes im Bund verwalten. Ein Unding, das eine Konsenspolitik fördert, die Reformen verlangsamt, aber zugleich notwendige Änderungen lähmt.

      Hätten die USA ihr System nicht, wären sie heute wahrscheinlich schon viel näher an den Sozialstaaten europäischen Zuschnitts.

  3. besucher Says:

    Der allerletzte Akt des Geisteskranken bricht sich gerade Bahn.

  4. Dr. Caligari Says:

    Zitat arprin aus dem obigen Artikel:
    „Er hat mit allem, was er tat, nicht die Existenz von fairen und freien Wahlen und eines Mehrparteiensystems in den USA gefährdet und auch nicht über dem Gesetz gehandelt.“

    Er hat schon Verordnungen erlassen, die, würden sie umgesetzt, gegen den 1. Zusatzartikel und andere Rechte verstoßen würden.

    Dennoch halte ich den „Dealmaker“ nicht für eine Gefahr für die Demorkatie.

    Zitat arprin aus dem obigen Artikel:
    „Mehr als drei Wochen, nachdem Trump die Wahl gegen Biden verloren hat, weigert er sich noch immer, seine Niederlage anzuerkennen.“

    Ich persönlich habe jetzt bei Trump nicht den Eindruck, dass seine z. T. zumindest nicht pauschal von der Hand zu weisenden Vorwürfe gegen das US-Wahlsystem ernsthaft geprüft und entkräftet worden sind.
    Da füge ich noch schnell hinzu: Nein, ich glaube nicht, dass die US-Wahl systematsich manipuliert wurde oder dass „die Wahl gestohlen wurde“.
    Ich finde es nur lächerlich, dass die deutschen Medien sich sonst darin überschlagen, uns zu erklären, warum das US-Wahlsystem ungerecht ist, während wir dieses Jahr gefühlt nichts davon gehört haben.
    Beispielsweise das Briefwahlssystem, in dem nicht geprüft werden kann, wer die Stimme wirklich abgab oder das Tote wählen können:
    https://usaerklaert.wordpress.com/2006/11/08/warum-amerikaner-weniger-angst-vor-hunden-haben-die-wahlzettel-fressen/
    https://usaerklaert.wordpress.com/2013/09/02/wie-das-us-wahlsystem-automatisch-radikale-parteien-herausfiltert-am-beispiel-von-mass-effect/

    Was bei Trump fehlt, ist die Einsicht, dass er verloren hat und nun das Beste daraus machen muss.
    Grade in seinem Alter hätte ich mir da etwas mehr Reife versprochen.

    Zitat arprin aus dem obigen Artikel:
    „Doch auch diese Verteidigungen für Trumps letzten Akt laufen ins Leere.“

    Das ist das, was diesen Blog so positiv macht. Dass im Zweifelsfall auch mal gegen die Konservative ausgeteilt wird, wenn deren Ideologie offenbar gegen ihre eigenen Standards spricht.

    Zitat arprin aus dem obigen Artikel:
    „[…]um die Theorien der Demokraten einer russischen Einflussnahme auf den Wahlkampf 2016 als Unsinn abzutun.“

    Diese Theorien, die eigentlich auch echte Verschwörungstheorien sind, wurde niemals widerrufen.
    Die Reaktion der meisten linken Medien darauf ist peinliches Schweigen.

    Und das ist nicht alles: Zum Teil wird das weiterhin verbreitet.

    Zitat arprin aus dem obigen Artikel:
    „Was Trump derzeit macht, ist in der amerikanischen Geschichte einzigartig: Er stellt die Legitimität des Wahlergebnisses in Frage.“

    Was war mit Bush vs. Gore anno 2000?

    Zitat arprin aus dem obigen Artikel:
    „Seine Anhänger werden einfach wütend ins Bett gehen, künftige Präsidenten werden sich würdevoll verabschieden und das Wahlsystem wird nicht geändert werden.“

    Das ist doch mit das Problem.
    Das Wahlsystem der USA weißt in Teilen in der Tat mängel auf, die man eventuell reformieren könnte, obwohl es z. B. schon relativ raffiniert ist, was den Ausgleich zwischen Bundesstaaten und Wahleranzahl angeht.

    Dank solcher Leute wie Trump und seinen Anhänger wird jetzt nur jeder, der dieses ernste Thema anspricht, in die Ecke von Verschwörungstheoretikern, rechten Spinnern usw. gestellt werden.
    Und die Spaltung in den USA wird nun noch fester, da die Trumpianer nun einen Mythos haben, unter dem sie sich vereinigen können. Das Märchen von einer Verschwörung des linken Establishments.

    Zitat arprin aus dem obigen Artikel:
    „Es gab keine Fälle, in denen Biden 100% aller neu eingereichten Wahlstimmen bekam. Weder bekam er zu einem Zeitpunkt aus dem Nichts 138.000 neue Stimmen in Michigan“

    Das ist ja auch vollkommener Schwachsinn. Jeder Schüler der 4. Klasse weiß doch, dass eine Lüge oder Fläschung glaubwürdig sein muss, um zu funktionieren.
    Wer so eine plumpe Unterstellung glaubt, der muss entweder selber doof sein oder bis zur Grenze des Denkvermögens ideologisch verblendet oder seinen Gegner für dümmer als den Viertklässler halten oder er weiß, dass diese Unterstellung selbst eine Lüge ist und erhält sie aus taktischen Gründen aufrecht. Zumindest bei es besser wissen müssenden Politikern gehe ich bis zum Beweis des Gegenteils von letzteren aus.

    Es ist aber ein Widerspruch, den wir auch bei anderen Verschwörungstheorien sehen. Einerseits sollen die Verschwörer extrem intelligent und strategisch brilliant vorgehen, um ihre widerrechtlichen Ziele weltweit durchzusetzen. Andererseits sind sie aber zu behämmert, um simple Dinge richtig auf die Reihe zu kriegen.
    Es wäre durchaus denkbar, dass ein Mensch quasi eine „strategische Inselbegabung“ hat, aber gleich ganze Gruppen?

    Zitat arprin aus dem obigen Artikel:
    „[…]aber es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass es bei dieser Wahl häufiger vorkam als sonst.“

    Dem schließe ich mich an.

    P.S.: Abschließend bleibt für mich die Frage offen, was der Trumpismus war, den wir jetzt 4 Jahre lang bewundern dürften.
    Ist das ein Symtom dafür, wie defekt die USA innerlich schon sind? Oder die Ohnmächtige Wut einzelner Leute gegen solche Sachen wie immer höheren Steuern und Gender?
    P.P.S.: Nur fürs Protokoll, ich distanziere mich von Trump und ergreife nicht seine Partei

    • arprin Says:

      Er hat schon Verordnungen erlassen, die, würden sie umgesetzt, gegen den 1. Zusatzartikel und andere Rechte verstoßen würden.

      Welche denn?

      Ich persönlich habe jetzt bei Trump nicht den Eindruck, dass seine z. T. zumindest nicht pauschal von der Hand zu weisenden Vorwürfe gegen das US-Wahlsystem ernsthaft geprüft und entkräftet worden sind.

      Er hat doch von Wahlbetrug gesprochen, nicht vom System. Also „Man mir Millionen Stimmen geklaut“, nicht „Das Wahlsystem ist schlecht.“

      Ja, das System kann man kritisieren.

      Was war mit Bush vs. Gore anno 2000?

      Das war kein Betrugsvorwurf, man wollte nur Nachzählungen von knappen Ergebnissen.

      Dank solcher Leute wie Trump und seinen Anhänger wird jetzt nur jeder, der dieses ernste Thema anspricht, in die Ecke von Verschwörungstheoretikern, rechten Spinnern usw. gestellt werden.

      Ich denke, das Problem ist: Die Politiker kritisieren das Wahlsystem nur, wenn ihre Partei verloren hat.

      • Eloman Says:

        Damals wurde von unseren Medien wochenlang darauf herumgeritten, wie ungerecht gegenüber den Unterprivilegierten das Wahlsystem und der von jedem Bundesstaat unterschiedlich organisierte Ablauf der Wahl wäre. Die Integrität der verwendeten Wahlmaschinen wurde damals auch deutlich angezweifelt. Außerdem geht es beim Vorwurf des Wahlbetrugs ja auch nicht um Millionen von Stimmen, sondern in den entscheidenden Swingstates um jeweils ein paar tausend Stimmen (die idR auch nur aus ein paar Großstädten wie zB Philadelphia und Detroit, die beide seit Jahrzehnten von Demokraten regiert werden). Desweiteren brauchts für den möglichen Wahlbetrug auch keine große Verschwörung. Da Trump vom ersten Tag an vom kompletten linken Teil der Politik, der Medien und der Bevölkerung abgrundtiefer Hass entgegenschlug, reicht auch eine kritische Masse von „Gutmeinenden“, um eine Wahl zu manipulieren. In Ansätzen soll sowas auch schon in ‚Schland vorgekommen sein.

      • arprin Says:

        Damals wurde von unseren Medien wochenlang darauf herumgeritten, wie ungerecht gegenüber den Unterprivilegierten das Wahlsystem und der von jedem Bundesstaat unterschiedlich organisierte Ablauf der Wahl wäre. Die Integrität der verwendeten Wahlmaschinen wurde damals auch deutlich angezweifelt.

        Und das war ebenso lächerlich. Trotzdem hat niemand behauptet, dass Trumps Team Wahlstimmen gestohlen hat.

        Außerdem geht es beim Vorwurf des Wahlbetrugs ja auch nicht um Millionen von Stimmen, sondern in den entscheidenden Swingstates um jeweils ein paar tausend Stimmen (die idR auch nur aus ein paar Großstädten wie zB Philadelphia und Detroit, die beide seit Jahrzehnten von Demokraten regiert werden).

        Trump, Giuliani und Powell ging es sehr wohl um Millionen Wahlstimmen. Außerdem gibt es keinen Beweis, dass auch nur ein paar Tausend Stimmen gestohlen wurden.

        Desweiteren brauchts für den möglichen Wahlbetrug auch keine große Verschwörung. Da Trump vom ersten Tag an vom kompletten linken Teil der Politik, der Medien und der Bevölkerung abgrundtiefer Hass entgegenschlug, reicht auch eine kritische Masse von „Gutmeinenden“, um eine Wahl zu manipulieren.

        Um das zu beweisen, braucht es natürlich juristisch verwertbare Beweise. Die kamen nicht mal ansatzweise von Trumps Anwälten. Und Trump hat die Wahl 2016 (bzw. den Electoral College) recht deutlich gewonnen, auch damals wurde er von den Linken abgrundtief gehasst.

      • Dr, Caligari Says:

        Welche denn?

        https://www.forbes.com/sites/abrambrown/2020/05/28/what-is-section-230-and-why-does-trump-want-to-change-it/?sh=5bdca83b389d

        Trump verfolgt meines Wissens durch juristische Winkelzüge das Ziel, den großen Online-Plattformen de facto vorzuschreiben, was und wie sie publizieren können. Unter anderen wollte er ihnen wegen den Faktenchecks unterstellen, sie seien so eine Art redaktionelles Medium.
        Wobei ich die Argumentation nicht für so absurd halte.

        Sie kommt nur vom falschen Mann zur falschen Zeit und wird deshalb auch verbrannt sein. Jedenfalls nach linker Kontaktschuldlogik.
        Und dank europäischer Gesetzgebung sieht der Sachverhalt bei uns ja anders aus.

        Ja, das System kann man kritisieren.

        Es kann aus rein mathematische Gründen kein ideales Wahlsystem geben. Das ist ein Ergebnis, dass seit über 200 Jahren (und sogar davor…) verlässlich immer wieder vergessen und dann reproduziert wird.

        Nicht zuletzt deshalb müssen wir uns immer auch fragen, welchen Aspekt des Wahlsystems wir verbessern wollen. In Europa – also in den sog. „parlamentarischen Demokratien“ mit Verhältniswahlrecht wie Holland, Deutschland usw. – haben wir das Problem, dass die Perteien quasi übermächtig sind. In Frankreich dagegen sind die Parteien wegen des Personenwahlrechts eher lockere Bündnisse.

        Die Politiker kritisieren das Wahlsystem nur, wenn ihre Partei verloren hat.

        Das ist korrekt. Wenn es aber eine hinreichend große Menge an Bürgern geben würde, dann könnten die Amerikaner das auf verschiedenen Ebenen reformieren.
        Letztlich könnte man Bundeswahlen auch per Verfassungszusatz… ne, lassen wir das lieber…

  5. Olaf Says:

    -Und Trump hat die Wahl 2016 (bzw. den Electoral College) recht deutlich gewonnen, auch damals wurde er von den Linken abgrundtief gehasst.-

    Genau, und diesen Bestriebsunfall wollte man jetzt ausschließen.
    Damals sprachen die Umfragen dafür, dass die Medienhetze reicht. Jetzt wußte man, man braucht auch Briefwähler und Zählmaschinen gegen Trump und das Volk.

    • arprin Says:

      Genau, und diesen Bestriebsunfall wollte man jetzt ausschließen.

      Es ist überdeutlich, dass Trumps Anwaltsteam keine Beweise für großen Wahlbetrug gefunden hat (bzw. überhaupt für irgendwelchen). Man kann das auch mal anerkennen, anstatt weiterhin von anderen Theorien zu fabulieren.

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