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Brexit: Frieden statt Nationalismus

November 3, 2018

Das Hassobjekt der EU

Es gilt als Konsens, dass das Ziel bei der Gründung der Europäischen Union der Frieden zwischen den Völkern Europas war. Nach Jahrhunderten voller Kriege sollte Europa endlich zum Frieden finden. Die Methode dazu sollten gemeinsame Werte sein, die in der EU ihre politische Repräsentation finden sollten. So weit, so gut. Jetzt hat sich ein Land entschieden, aus der EU auszutreten. Wenn man davon ausgeht, dass die EU die Hüterin der gemeinsamen Werte ist, die nach 1945 den Frieden in Europa erhalten haben, ist das natürlich eine schlechte Nachricht. Das Risiko von politischen Konflikten, womöglich sogar Krieg, wäre gefährdet, wenn es die EU gewesen ist, die Europa zivilisiert hat, und eines der EU-Länder nun austritt.

Nun sagte aber Karl Kautsky einst:

Würde uns nachgewiesen, dass etwa die Befreiung des Proletariats und der Menschheit überhaupt auf der Grundlage des privaten Eigentums an Produktionsmitteln allein oder am zweckmäßigsten zu erreichen sei …, dann müssten wir den Sozialismus über Bord werfen, ohne unser Endziel im geringsten aufzugeben, ja wir müssten das tun, gerade im Interesse des Endziels.

(zitiert von Dirk Maxeiner und Michael Miersch, aus „Das Mephisto-Prinzip“, S. 28)

Was hat Kautskys Satz mit dem Brexit zu tun, könnte man sich erstmal fragen. Eine ganze Menge. Das Ziel Kautskys war „die Befreiung des Proletariats und der Menschheit überhaupt“, und Sozialismus war seine ausgewählte Methode, um dieses Ziel zu erreichen. Er war aber nach eigenen Aussagen bereit, andere Methoden – darunter auch den freien Markt – auszuwählen, wenn sie sich als überlegen erweisen sollten. Ob er oder die meisten Sozialisten das getan haben (Spoiler: haben sie nicht), ist eine andere Frage, es geht um etwas anderes: Nicht die Methode war für Kautsky das Wichtigste, sondern das Ziel, nämlich eine befreite Menschheit. Zurück zur EU. Hier haben wir auch ein Ziel – Frieden in Europa – und streiten nun um die Methoden.

Die EU-Befürworter sagen, die EU, und NUR DIE EU, kann den Frieden in Europa erhalten. Die Brexit-Befürworter sagen, es geht auch ohne die EU. Unabhängig davon, wer Recht hat: Beide haben bezüglich der Frage des Friedens das gleiche Ziel. Niemand, weder unter den EU-Befürwortern noch unter den Brexit-Befürwortern, wünscht sich einen Krieg zwischen Großbritannien und EU-Ländern. Es wird sich nur um die Methoden gestritten! Womit wir bei der Frage wären: Wenn es auch ohne EU Frieden in Europa gibt, müssten dann nicht die EU-Befürworter sagen „Gut, wenn es auch ohne die EU geht, akzeptieren wir das, und dann sollen die Länder auch ohne die EU glücklich werden“? In der Tat. Aber nur, wenn es den EU-Befürwortern wirklich in erster Linie um Frieden gehen würde. Die Tatsache, dass die EU-Befürworter den Briten nach dem Brexit alles Schlechte an den Hals wünschen, spricht eine andere Sprache. (more…)

Der sanfte Duft des Wahrheitsministeriums

Oktober 20, 2018

Angela Merkel fordert finanzielle Strafen für Parteien, die „Desinformationen“ verbreiten:

„Wenn Mitte Mai sechs Prozent der Weltbevölkerung zur Wahl aufgerufen seien, müsse die EU gerüstet sein, erklärte Merkel. Datenmissbrauch, Hackerangriffe und gezielte Desinformationskampagnen hätten in der Vergangenheit gezeigt, wie leicht Wahlen beeinflusst werden könnten. Im Sinne einer „wehrhaften Demokratie“ sollten auf dem EU-Gipfel deshalb auch finanzielle Strafen für Parteien beschlossen werden, die im Wahlkampf gezielt Desinformationen einsetzen.

„Fühlt sich da jemand angesprochen?“, fragte Merkel mit deutlichem Blick zu ihrer Rechten, wo im Bundestag die AfD sitzt.“

Was könnte da nur schiefgehen?

Juden in der AfD

Oktober 7, 2018
Das Logo der Alternative für Deutschland

Eine multikulturelle Partei

Ein neuer Skandal: Es gibt Juden in der AfD. Am 7. Oktober soll eine Mitgliedervereinigung mit dem Namen „Juden in der AfD“ gegründet werden. Die jüdischen Verbände sind empört: Wie kann es Juden in der AfD geben? Auch die Medien können es nicht verstehen. Nachdem der jüdische Historiker Michael Wolffsohn in einem MDR-Interview die Motive von Juden erklärte, die zu ihrem Beitritt zu der AfD führen könnten, sah er sich scharfer Kritik ausgesetzt. Der linke Hetzer Jakob Augstein nannte ihn einen „wirklich schlimmen Rechts-Hetzer“ und nahm als Begründung dafür die falsche Behauptung, Wolffsohn hätte jeden Muslim als potenziellen Mörder von Juden bezeichnet. Von diesen Diffamierungen abgesehen, stellt sich die Frage: Warum sind Juden in der AfD ein Skandal?

1. Wenn es Juden gab, die die NSDAP unterstützten, wäre das unverständlich gewesen (und es gab sie tatsächlich). Wenn Schwarze den Ku-Klux-Klan oder Atheisten den Islamischen Staat, ebenso. Aber warum soll die Mitgliedschaft von Juden in der AfD besonders unverständlich sein? Man kann die Partei so schlecht finden wie man will – ich tue das – aber sie ist keine inhärent antisemitische Partei. Nirgendwo in ihrem Programm findet sich eine Forderung, Juden zu diskriminieren, weder direkt noch indirekt. Es ist auch nicht so, dass die Parteiführer oder ihre Mitglieder und Anhänger mit antisemitischen Aussagen auffallen. Ich denke, das einzige, womit man die AfD mit Antisemitismus in Verbindung bringen könnte, ist: Höcke. Bezeichnenderweise jemand, gegen den zwei Partei-Ausschlussverfahren liefen. Ihn als „Gesicht der AfD“ darzustellen ist so, als würde man Abu Bakr al-Baghdadi als „Gesicht der Muslime“ darstellen.

2. Die AfD mag nicht inhärent antisemitisch sein, aber es gibt viele Parteimitglieder und Anhänger, die völkisches und rassistisches Gedankengut hegen. Das räume ich ein. Aber warum soll es dann besonders schlimm sein, wenn Juden sich trotz dieser Tatsache der AfD anschließen? Sollten nur weiße, heterosexuelle Passdeutsche die AfD gut finden dürfen, aber keine Juden? Dann werden Juden mit anderen Maßstäben gemessen. Juden mit anderen Maßstäben zu messen ist … naja. Man sollte der Vollständigkeit halber sagen: Es gibt nicht nur Juden, es gibt auch Homosexuelle und Migranten – ja, auch schwarze Migranten – die AfD-Mitglieder sind. Und: In einer Umfrage der „Welt“ äußerten sich 64% der Migranten kritisch zur Masseneinwanderung von Flüchtlingen. Warum auch immer sie diese Meinung haben, es wird durch ihre Herkunft weder schlimmer noch besser. Es ist immer falsch, die Aussage eines Menschen aufgrund seiner Herkunft anders zu bewerten! (more…)

Südafrikas schwarze Zukunft

September 17, 2018

In den letzten zwei Jahrzehnten wurden Tausende weiße Farmer in Südafrika ermordet

We have taken a decision that we are going to remove the mayor of PE [Port Elizabeth] … Why? … Because the mayor of DA in PE is a white man. … We are cutting the throat of whiteness.

Julius Malema, Führer der EFF, der drittgrößten Partei Südafrikas, im März 2018.

Rassismus ist eine ganz üble Sache. Das kann jeder gute Mensch unterschreiben, besonders die Menschen unter uns, die sich als links bezeichnen. Allerdings gibt es da ein Problem: Wenn alle Menschen Anti-Rassisten wären, gäbe es kein Rassismus auf der Welt. Für dieses vermeintliche Paradox kann es nur eine Erklärung geben: Nicht alle Anti-Rassisten sind wirklich immer gegen Rassismus. Oder anders ausgedrückt: Viele Anti-Rassisten sind in Wahrheit Rassisten. Ein wunderbarer Test für diese These findet gerade in Südafrika statt: Rassistische Parolen gegen Weiße, Gewaltaufrufe, Enteignungsforderungen, und nicht zu guter Letzt physische Gewalt gegen Weiße nehmen immer weiter zu. Die Sache ist klar: Wir haben es mit Rassismus zu tun. Rassismus von schwarzen Südafrikanern gegen weiße Südafrikaner.

Aber es wird von vielen Anti-Rassisten nicht erkannt. Tatsächlich schaffen es einige westliche Kommentatoren, die anti-weiße Stimmung in Südafrika soweit herunterzuspielen, dass sie diese als eine „Lüge der Trump-Anhänger“ darstellen. Die schwarzen Anti-Rassisten, die Weiße hassen, merken natürlich ebenfalls nichts von ihrem Rassismus. Für sie geht es lediglich um Gerechtigkeit. Die Weißen haben sie, die Schwarzen in Südafrika jahrzehntelang unterdrückt, und jetzt müssen sie dafür zahlen, das ist ihre Sicht auf die Ereignisse. Julius Malema wurde zwar aufgrund seiner rassistischen Äußerungen aus der ANC, der mit Abstand größten Partei Südafrikas, ausgeschlossen, und seine Partei errang bei den Wahlen 2014 nur 6%. Aber seine Ansichten sind dennoch alles andere als eine Minderheitsmeinung in Südafrika.

Die Lage für die weiße Bevölkerung wird immer bedrohlicher. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden Tausende weiße Farmer ermordet. Die Gewaltaufrufe häufen sich. Es gab teils extrem rassistische Äußerungen von Politikern, Richtern und Militärs. Der Major M.V Mohlala meinte nach einem Mord an einem weißen Professor, man sollte „den Weißen ihre Augen und Zungen herausschneiden.“ Die meisten dieser Aufrufe bleiben straffrei, (Mohlala wurde zwei Monate später lediglich von der Armee entlassen) obwohl es in Südafrika strenge Gesetze gegen „Hate Speech“ gibt. Die neueste Entwicklung: Die Mehrheit der weißen Farmer soll nach Willen der herrschenden Regierung entschädigungslos enteignet werden, das Land soll an Schwarze übergehen. Begründet wird das mit historischer Gerechtigkeit. (more…)

Eine größere Agenda

September 3, 2018
Der Vatikan, die letzte westeuropäische Diktatur

Der Vatikan, die letzte westeuropäische Diktatur

Als Papst Johannes Paul und Benedikt im Amt waren, spielten die Missbrauchsvorwürfe gegen die katholische Kirche eine große Rolle in den Medien. Vor allem Benedikt hatte es schwer, in den Medien gut wegzukommen. Nachdem Franziskus Papst wurde, änderte sich der Ton etwas. Denn Franziskus war anders. Im Gegensatz zu den als „rechts“, „reaktionär“ und „ewiggestrig“ geltenden Johannes Paul und Benedikt äußerte sich Franziskus als erster Papst positiv über Homosexuelle, forderte höhere Steuern für Reiche, zeigte sich besorgt über die Globale Erwärmung und fand, dass Europa mehr Flüchtlinge aufnehmen sollte. Das liebten die Medien natürlich: Ein Papst, der den Grünen näher zu stehen scheint als irgendeiner konservativen Partei, obwohl er natürlich noch nicht ganz vergrünt ist (so ist Homosexualität für die Kirche nach wie vor eine Sünde).

Nun steht der Papst im Zentrum eines möglichen Skandals. Der Erzbischof Carlo Maria Viganò hat Franziskus in einem 11-seitigen Schreiben dazu aufgefordert, zurückzutreten. Der Grund: Er soll mitgeholfen haben, die Missbrauchsfälle des Kardinals Theodore McCarrick zu vertuschen. Von Reportern dazu gefragt, äußerte sich Franziskus zu den Vorwürfen – indem er sagte, dass er sich „mit keinem Wort“ dazu äußern würde. Später äußerte sich ein Kardinal in Chicago, Kardinal Blase Cupich, in einem Interview mit der NBC über die Vorwürfe gegen den Papst. Wie er sich darüber äußerte, ist aber erstaunlich. Ebenso erstaunlich ist die Tatsache, dass es keine größere Empörung in den Medien dazu gab. Hier die originalen Worte von Cupich:

Der Papst hat eine größere Agenda. Er muss sich mit anderen Dingen beschäftigen, er muss über die Umwelt sprechen und über den Schutz von Migranten. Wir werden das nicht näher untersuchen.

Außerdem sagte er, die Gegner von Franziskus würden ihn nicht mögen, weil er ein Latino sei. Die Rassismus-Karte durfte eben nicht fehlen. Cupich meinte später, er sei „missverstanden worden“, denn er hätte nicht die Missbrauchsvorwürfe als unwichtig abtun wollen, sondern lediglich das Schreiben von Viganò – ein großer Unterschied für Cupich. Unabhängig von diesen skandalösen Aussagen ist die Empörung in den Medien weitgehend ausgeblieben. In keinem deutschen Medium schafften es Cupichs Aussagen auf die Startseite. Der Spiegel brachte nicht einmal eine Kommentarspalte in ihrem Artikel zum Thema. Den Vogel schoss die New York Times ab: Sie meinte in einem Artikel, dass „die konservative Opposition den Missbrauchsskandal zu einer Waffe gegen den Papst gemacht hat, die nicht nur seine Agenda gefährdet, sondern seine gesamte päpstliche Amtszeit.“ (more…)

2050 in China

August 24, 2018

Die Herrschaft der Partei bleibt für immer unangetastet

Die Kommunistische Partei hat nach wie vor die totale Kontrolle über das Land und hat ein Überwachungssystem eingerichtet, um ihre Macht zu festigen. Schon nach der Geburt wird jedem Bürger ein Chip implantiert, der der Regierung den genauen Standort jeden Bürgers zu jedem Zeitpunkt seines Lebens erfassen lässt. Das gesamte Telekommunikationsnetz im Land, inklusive Internet, wurde vom Rest der Welt abgekoppelt und wird von der Regierung überwacht. In ganz China gibt es an jeder Straße und öffentlichen Plätzen sowie an einem ausgewählten Kommunikationsgerät in jedem Wohnhaus Sensoren, die mit einer Zentrale in Peking verbunden sind und jede Diskussion überwachen. Jede regierungsfeindliche Aussage wird hart bestraft und jede noch so kleine Andeutung ermittelt.

Bürger, die der Hetze oder Aufwiegelung verdächtigt werden, werden in Erziehungslager geschickt, in denen sie u.a. mit neuro-gentechnischen Maßnahmen behandelt werden, d.h., ihnen werden Gene eingepflanzt, die ihnen vermeintlich die Regierungsfeindlichkeit austreiben sollen. „Hoffnungslose Fälle“ werden sterilisiert und zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt oder einfach euthanisiert. Bargeld ist verboten. Die nationale Währung wurde zu einer Krypto-Währung transformiert, die von der Regierung kontrolliert wird und selbstverständlich die einzig zulässige Währung ist. Da zudem Auslandskonten verboten sind, hat die Regierung die totale Kontrolle über die Finanzen der Bürger. Dies hat zur Folge, dass „gutes Sozialverhalten“ im Sinne der Partei belohnt wird, während „gesellschaftsschädigende Handlungen“ erhebliche Kosten nach sich ziehen.

Ausländer, die das Land betreten, müssen für den Zeitpunkt ihres Aufenthalts einen Chip bei sich tragen und spätestens ab 6 Monaten einen Chip implantieren lassen, außerdem werden auch sie von den Sensoren überwacht und können in Erziehungslagern landen. Chinesen dürfen das Land verlassen, allerdings nur mit einem Ausreiseantrag, wenn sie sich keine Verstöße geleistet haben und ihren Chip weiter bei sich tragen. Dazu kann jede noch so kleine Andeutung, dass sie „das Ansehen Chinas und der Herrschaft der Partei geschadet haben“, nach der Wiedereinreise Konsequenzen nach sich ziehen. Bürger, die nicht zurückkehren oder ihren Chip entfernen, bekommen ein Wiedereinreiseverbot, ihre Familien werden bestraft und sie werden in den schlimmsten Fällen von den Geheimdiensten verfolgt und zurückgebracht. (more…)

Gegen die Balkanisierung

August 13, 2018

Ein französisches Kind lernt über den Verlust von Elsass-Lothringen, Bild von 1887

Ich bin ein Kritiker des Konzepts der territorialen Integrität. Wenn sich ein Teil eines Landes abspalten will, sollte es das Recht dazu haben, anstatt unter Einsatz von Gewalt darin gehindert zu werden. Die Bedingung dafür ist, dass die Bevölkerung im sich abspaltenden Gebiet das mehrheitlich möchte und der neue Staat nicht dafür benutzt wird, um Minderheiten zu vertreiben, töten oder unter Apartheid zu halten. Wenn das gegeben ist, sollte jede Region der Welt das Recht auf einen eigenen Staat haben, ganz gleich wie klein sie auch ist. Allerdings ist Sezession in vielen Fällen keine dauerhafte Lösung für ethnische Konflikte. Das ist keine neue Erkenntnis, und es ändert nichts an meiner Unterstützung für freiwillige Sezessionen. Aber es bedarf einer Klarifizierung meiner Position zum Thema ethnische Konflikte und Sezession.

Das aktuelle Beispiel dafür ist Bosnien-Herzegowina. Das Land ist nach dem Jugoslawienkrieg unabhängig geworden. Anschließend gab es sich im Friedensvertrag von Dayton eine Verfassung, die das Land in zwei autonome Gebiete gliederte: Der mehrheitlich von Bosniaken bewohnten Föderation Bosnien-Herzegowina und der mehrheitlich von Serben bewohnten Republik Srpska (der offiziell am schwersten auszusprechenden Republik der Welt). Außer den Beziehungen zum Ausland, der Währung und dem Militär ist alles geteilt: Es gibt zwei verschiedene Parlamente, zwei Verfassungen, sogar zwei Fußballverbände. Es sind de facto zwei verschiedene Staaten. Wie zu erwarten, sind die ethnischen Konflikte dadurch nicht gelöst worden. Milorad Dodik, der Präsident der Republik Srpska und Leugner des Massakers von Srebrenica, strebt schon länger ein Unabhängigkeitsreferendum an. Nun bemüht er sich um einen Sitz in der UNO.

Jetzt könnte man sagen: Wenn die Serben in Bosnien sich abspalten wollen, sollten sie es dürfen. Ja, stimmt. Aber das wird nicht das Ende der Geschichte sein. Es gibt eine bosniakische Minderheit in der Republik Srpska, die sich dann unterdrückt fühlen wird, und das Problem ginge dann von vorne los. Selbst wenn man eine hundertprozentige ethnische Reinheit im gesamten Balkan schaffen würde, könnten irgendwann 100 Kroaten nach Albanien ziehen und alles geht von vorne los. Und das ist keineswegs übertrieben: Es gibt nämlich auch Konflikte mit der Minderheit von Serben im Kosovo, Albanern in Mazedonien, usw. Wenn das so weitergeht, wird es im ehemaligen Jugoslawien bald mehr Staaten geben als in Afrika. Anstatt immer sofort auf Sezession zu pochen, sollte deshalb zuerst ein neues Konzept ausprobiert werden. Dieses Konzept hat, soweit ich weiß, noch keinen Namen. Man könnte es „staatliche Neutralität in Identitätsfragen“ nennen. (more…)

Gedanken zum Klima

August 1, 2018
Die Cayman-Inseln: Wo man seinen Tax Freedom Day auf den Januar vorverlegen kann

Urlaubswetter ist nicht schön, wenn man nicht im Urlaub ist

Wie ihr sicher schon gemerkt habt: Es ist verdammt heiß. Dieses Klima ist ein Geschenk für die Grünen – wie jedes ungewöhnliche Klimaereignis – eine Motivation für extrovertierte Menschen, um ihren Körper in Form zu bringen, und vor allem eine große psychologische und wirtschaftliche Bürde für den Großteil der Bevölkerung. Denn seien wir ehrlich: Hitze macht nur für kurze Zeit Spaß – in der Regel dann, wenn man im Urlaub ist. Ansonsten ist es fürchterlich, beim Schlafen, beim Rausgehen, bei der Arbeit, eigentlich immer.

Meine These: Hitze ist einer der großen Hindernisse für Zivilisation. Bis auf wenige Ausnahmen lagen alle großen Zivilisationen der Geschichte in nördlicheren Breitengraden, während heißere Gegenden seit Jahrtausenden in brutaler Armut gefangen sind. Wer also wissen will, unter welchen Zuständen die Afrikaner, Inder und Südamerikaner seit jeher leben: Mit denselben Zuständen wie jetzt in Deutschland. Mit den aktuellen Temperaturen würde Deutschland immer noch auf dem Niveau von Burkina Faso sein.

Es gibt Studien, die geographische Vorteile belegen. Klar, es gab sonnige Gegenden, die Zivilisationen hervorbrachten, aber diese lagen nicht in den Tropen (z.B. Griechenland und Ägypten, auch im sonst tropischen Peru gedieh die Zivilisation in den kälteren Anden) und wenn doch, stellten sie Ausnahmen dar (z.B. in Mittelamerika). Heute gibt es bekanntlich aufgrund der Kontaktaufnahme mit dem Rest der Welt außer im tiefen Amazonas überall Zivilisation, also hat der Vorteil an Bedeutung verloren. Aber nur ein bisschen, denn wie Lee Kuan Yew, der erste Premierminister Singapurs, angab, konnte nur eine die Hitze bändige Erfindung den Aufstieg seiner Stadt ermöglichen. Diese Erfindung wird gerade jetzt in Deutschland gebraucht: (more…)

Fluchtmythen

Juli 22, 2018

Flüchtlinge: Was muss man wissen?

In den letzten Wochen war das Thema „Flüchtlinge“ mal wieder dominant in den Medien. Seehofer, Merkel, Salvini, Kurz, ganz Europa schaute gespannt auf die politische Elite, die am Ende nichts beschloss außer … nun, nichts. Im Rahmen der politischen Debatten fielen mir dabei immer wieder Behauptungen auf, mit denen eine politische Situation gerechtfertigt werden sollte, deren Faktengehalt aber gleich Null waren. An dieser Stelle möchte ich einige dieser Behauptungen sammeln und korrigieren. Um sich eine vernünftige Meinung zum Thema zu bilden, sollte man immer alle wichtigen Fakten kennen. Denn wie es immer wieder heißt: Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten. Hier werden deshalb sechs der größten Fluchtmythen, zur Aufklärung und damit hoffentlich für einen besseren Diskurs.

1. Die einzige Alternative zur Rettung und Unterbringung in Europa ist das Sterbenlassen.

Als Caterina Lobenstein und Mariam Lau in der Zeit einen „Pro-und-Contra-Artikel“ zur Thema Seenotrettung veröffentlichten, in der Mariam Lau die Contra-Position einnahm, hagelte es scharfe Kritik. Die Redakteure der „Titanic“ wünschten Lau Prügel und zeigten damit, was für schlechte Comedians sie sind – ihnen fiel offenbar keine lustige sarkastische Antwort ein, sondern nur die typisch linke, ernst gemeinte, tugendhafte Empörung. Auch von anderen Seiten wurde Laus Beitrag als indiskutabel abgetan. Nun finde ich Laus Beitrag selbst argumentativ und rhetorisch nicht überzeugend, aber sie hat nirgendwo behauptet, dass man Menschen in Seenot einfach sterben lassen soll. Stattdessen plädierte sie für eine „politische Lösung“, freilich ohne diese weiter auszuführen. Trotzdem hatte sie nun bei vielen den Ruf der „Sterbenlassen-Befürworterin“.

Die Behauptung, es gäbe nur die beiden Möglichkeiten „Rettung und Unterbringung nach Europa“ und „Sterbenlassen“ ist absurd. Es gibt niemanden, der Menschen in Seenot ertrinken lassen will. Jeder muss gerettet werden. Punkt. Es geht nur um die Frage, wohin sie danach gebracht werden sollen. Die europäischen Seenotretter bringen die Menschen alle nach Europa. Das muss aber nicht sein, vor allem wenn man bedenkt, aus welcher Region die Menschen gerettet werden: Vielfach sind sie Boote deutlich näher an der libyschen als an der italienischen Küste, wenn sie von den Europäern gerettet werden. Wer in libyschen Hoheitsgewässern gerettet wird, muss nicht zwangsläufig nach Europa gebracht werden. Natürlich sind die juristischen Details und die reale Durchsetzung sehr verzwickt, aber deshalb sollte man die Menschen nicht verwirren: Es geht nie um die Frage „Sterbenlassen oder nicht?“, es geht nur um die Frage, wohin sie nach ihrer Rettung gebracht werden sollen.

2. Wir sind schuld an der Armut in der Dritten Welt.

Der wohl größte Mythos. Immer wieder heißt es: Das Erbe der Sklaverei und des Kolonialismus, die Ausbeutung durch westliche Konzerne, die subventionierten Billigfleisch-Exporte, die Waffenexporte an Diktatoren usw. sind Schuld an der Armut in der Dritten Welt – also „unsere“ Politik von früher und heute. „Wir“ sind schuld, oder, um es ganz konkret auf den Punkt zu bringen: Der weiße (heterosexuelle) Mann. Bullshit! Die Sklaverei und der Kolonialismus waren grausam – aber sie sind lange vorbei. Wer die Gründe für Afrikas Armut noch immer hier sucht, der könnte mit gleicher Berechtigung die Gründe für die Probleme im Iran bei Alexander dem Großen suchen, für die Probleme Chinas bei Dschingis Khan und für die Probleme Bulgariens beim osmanischen Sultan Bayezid. (more…)

Nachrichten des Tages

Juli 10, 2018
kl

Was ist heute wieder in der Welt geschehen?

Erdogan verkündet Rücktritt Özils aus der deutschen Nationalmannschaft

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gab in einer Rede anlässlich seiner Vereidigung als Präsident bekannt, dass der deutsche Nationalspieler Mesut Özil sich entschieden habe, künftig nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Der DFB hat bis jetzt nicht auf diese Aktion reagiert, es wird aber allgemein damit gerechnet, dass Özils Entscheidung niemandem in den oberen Positionen überrascht. Erdogan las während seiner Rede ein Statement des 92-fachen Nationalspielers vor, indem dieser seinen Rücktritt so erklärte: „Ich trete nicht wegen den Erdogan-Fotos zurück, sondern wegen die Scheinheiligen beim DFB. Ich war nicht für die Taktik und der Motivation im Team verantwortlich. Man hat mich aber für alles verantwortlich gemacht. Ich wünsche jeden Spieler ein guten Weg für die Zukunft.“

Neue Eskalation im Handelsstreit

Der Handelsstreit der USA mit Kanada und den Staaten der Europäischen Union hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Im Rahmen eines Auftritts in Charlotte im Bundesstaat North Carolina verkündete US-Präsident Trump, den Import von deutscher und kanadischer Musik in die USA zu verbieten. Als erste Maßnahme sind bereits CDs von Helene Fischer und Justin Bieber eingesammelt und zerstampft worden. Die EU kündigte an, im Gegenzug ein Auftrittsverbot für Taylor Swift zu verhängen. „Alle Optionen stehen auf dem Tisch“, so Juncker. Kanadas Premierminister Trudeau kündigte ebenfalls Vergeltungsmaßnahmen an, falls weitere Maßnahmen gegen Bieber umgesetzt würden. „Diese Aktionen sind inakzeptabel und schaden letztlich auch den Amerikanern“, so Trudeau.

Höhlenrettung in Thailand: NGOs beklagen Doppelmoral

Der Seenot-Rettungsverein „Sea Eye“ hat die weltweite Solidarität mit der angehenden Rettung der in einer Höhle eingeschlossenen Fußballmannschaft in Thailand als „heuchlerisch“ kritisiert. Natürlich würden diese Kinder es verdienen, aus dem Höhlenwasser gerettet zu werden, so der Verein in einer schriftlichen Mitteilung. Aber dasselbe gelte auch für die Kinder, die im Meerwasser des Mittelmeers in Lebensgefahr schweben. Die Aktionen der Seenot-Retter würden jedoch nicht als Heldentaten gefeiert, sondern paradoxerweise als „Schleuserei“ verteufelt und kriminalisiert. Der Verein kündigte an, weiter Menschen im Mittelmeer vor dem Tod zu retten, und schloss seine Mitteilung mit der Bemerkung ab, dass in den Parlamenten und Zeitungsredaktionen der Welt wohl der Gedanke vorherrsche: „Alle Kinder sind gleich, aber manche sind gleicher als andere.“ (more…)