Archive for the ‘Jürgen Todenhöfer’ Category

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 9

Juni 26, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die neunte These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 10

These 9: Nichts fördert den Terrorismus mehr als die „Antiterrorkriege“ des Westens. Die muslimischen Länder müssen ihre Probleme mit dem radikalen Islamismus selber ausfechten.

Wir müssen auch den westlichen Angriffskriegern die Maske vom Gesicht reißen. Angriffskriege sind nicht nur die unmoralischste, sondern auch die unintelligenteste Form, Terror zu bekämpfen. Der islamisch maskierte Terrorismus ist eine Ideologie. Ideologien kann man nicht erschießen. Man muss ihnen die Grundlage entziehen, sie widerlegen.

Ja, genau, der Nationalsozialismus wurde „widerlegt“. Und deshalb müssen die Afghanen die Taliban-Ideologie widerlegen, dann sind die Taliban weg. Ich weiß allerdings nicht, ob es die Taliban interessiert, was die Afghanen von ihrer Ideologie halten. Glaubt Todenhöfer, dass die Taliban sich freiwillig selbst-auflösen werden, wenn sie herausfinden, dass die Afghanen sie nicht mehr mögen? Und was meint er eigentlich mit „die Grundlage entziehen“? Die Grundlagen für den radikalen Islamismus sind die täglichen Hetzorgien in muslimischen Zeitungen, Fernsehen, Moscheen und Schulen. Wie kann der Westen da was ändern?

Der radikale Islamismus war zu Beginn des Jahres 2001 weltweit am Ende. Der Traum, die innenpolitischen Probleme des Iran, Afghanistans oder des Sudan durch radikale Islamisierung zu lösen, war zum Albtraum verkommen. Verbittert realisierten die Muslime, dass die rigorosen Mullahs aus ihren Ländern trostlose (Religions-)Polizeistaaten gemacht hatten. Im Blitzkrieg der USA hat das afghanische Volk die Taliban demonstrativ allein gelassen – in der Geschichte Afghanistans ein ungewöhnlicher Vorgang.

Zuerst heißt es, dass Angriffskriege keine Lösung sind und dann wird als Beispiel der militärische Sturz der Taliban genannt? Todenhöfer sollte wirklich mal seine Logik überprüfen.

Ob der radikale Islamismus im Jahre 2001 wirklich „weltweit am Ende“ war, wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben. Aber es spricht vieles dagegen: Die Intifada in Palästina, die Taliban in Afghanistan, die Mullahs im Iran, die al-Qaida – all das kann nicht eine „Reaktion“ auf die Besetzung Afghanistans und des Iraks gewesen sein. Das passt chronologisch nicht so ganz … (more…)

Jürgen Todenhöfers Traum wird wahr

Juni 19, 2011
Taliban in Herat, Afghanistan

Taliban in Herat, Afghanistan

Die Amerikaner verhandeln mit den Taliban!

Und das hatte der Schindler der Muslime ja schon immer so gewollt. Jetzt hat sich Obama endlich ein Beispiel an ihm genommen, nachdem er in Pakistan eher den gegenteiligen Weg eingeschlagen hatte. Wer weiß, vielleicht hat er ja Todenhöfers Buch „Warum tötest du, Zaid?“ verschlungen und es sich dann anders überlegt.

Hören sie, was Todenhöfer in einem Interview mit der „Cicero“ über Afghanistan zu sagen hatte:

Sie wollen den Taliban das Land wieder überlassen?
Es muss eine Sicherheitskonferenz für die gesamte Region geben. Parallel muss die US-Führung mit der Talibanführung direkt – wenn auch unter Einbindung der Regierung Karzai – verhandeln, so wie es damals in Vietnam Verhandlungen mit der nordkoreanischen Führung gegeben hat. Der Preis, den die Taliban für einen Abzug zahlen müssten, wäre eine Garantie gegen den Aufenthalt ausländischer Terroristen sowie eine Garantie gegen den Opiumanbau.

Mit Verlaub: Wie realistisch ist es, mit den Taliban eine solche Vereinbarung schließen zu können?
Diese Fragen haben Journalisten und Politiker auch gestellt, als Henry Kissinger vorschlug, mit dem Vietkong zu verhandeln. Selbstverständlich kann man mit der Taliban-Führung verhandeln. Aber dazu müsste sich schon der amerikanische Außenminister oder der Verteidigungsminister selbst in Bewegung setzen. Man könnte mit den Taliban auch eine Einigung darüber erzielen, dass Mädchen wieder zur Schule gehen dürfen. In jenen Gebieten, in denen die Taliban bereits heute herrschen, wird das schon tagtäglich praktiziert, wie selbst die „New York Times“ berichtete.

Was indes nichts daran ändert, dass die Taliban Menschen töten, wenn diese sich etwa an freien Wahlen beteiligen.
Die Taliban haben weniger afghanische Zivilisten getötet, als die Nato. In jedem Falle bleibt uns nichts anderes übrig, als mit ihnen zu verhandeln. Was wäre die Alternative?

Kapiert?

Jetzt fehlen nur noch Verhandlungen mit der al-Qaida, dem irakischen Widerstand (zwei völlig unterschiedliche Gruppierungen), Assad, Kim Jong-Il, Robert Mugabe und natürlich der Hamas.

(Nur so zur Klarstellung: Die Taliban waren im Jahre 2010 an 76% aller zivilen Todesopfer in Afghanistan verantwortlich. Für Todenhöfer hat die NATO dann aber einfach eine 24%-Mehrheit.)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 8

Juni 17, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die achte These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 9, These 10

These 8: Die Muslime müssen sich wie ihr Prophet Mohammed für einen Islam des Fortschritts und der Toleranz einsetzen. Sie müssen dem Terrorismus die religiöse Maske vom Gesicht reißen.

Nicht nur der Westen, auch die muslimische Welt muss ihr Verhalten fundamental ändern. Gerade gemäßigte Muslime müssen – unter Wahrung ihrer religiösen Identität – mutiger für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit eintreten. Für eine Staats- und Wirtschaftsordnung, die die Talente der Menschen entfesselt, statt sie zu lähmen. Für die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau. Für wirkliche Religionsfreiheit – für einen Islam der Toleranz und des Fortschritts. Die vielen Millionen im Westen lebenden Muslime könnten dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

Wie soll das funktionieren, wenn säkulare, islamkritische Muslime wie Necla Kelek oder Ayaan Hirsi Ali von den „Euro-Muslimen“ mehr kritisiert werden als Osama bin Laden und Mahmud Achmedinedschad? Solange die Kritik am Islam bei jeder Gelegenheit als „Islamophobie“ bezeichnet wird, da ja an den Problemen der muslimischen Gesellschaft nicht der Islam, sondern „die Gesellschaft“ Schuld ist, werden auch die vielen integrierten Muslime im Westen kaum etwas ändern können.

Die gemäßigte Mehrheit der Muslime muss die faszinierende Botschaft ihres Propheten Mohammed in die Neuzeit übersetzen und die gesellschaftlichen Reformen fortführen, die dieser unter Einsatz seines Lebens begonnen hatte. Sie muss den vorislamischen Ballast abwerfen, der die Renaissance der muslimischen Zivilisation behindert. Sie muss eine Bildungselite schaffen, die die muslimische Welt erfolgreich ins dritte Jahrtausend führt. Mohammed, Marktwirtschaft und Moderne passen sehr wohl zusammen.

„faszinierende Botschaft ihres Propheten Mohammed“, „vorislamischen Ballast“, „Mohamed, Marktwirtschaft und Moderne“ … Spätestens jetzt sollte jeder wissen sie, warum ich Todenhöfer als den perfekten Gutmenschen bezeichne! Also: Die Probleme in der islamischen Welt basieren alle nur auf vorislamischen Ballast, und die Lösung für diese Probleme lautet für ihn: Mehr Islam! Denn Mohamed war ein Vordenker von Demokratie und Marktwirtschaft, oder etwa nicht?

Nein, ernsthaft: Der Westen erreichte seinen Fortschritt, in dem er die Macht der Religion einschränkte – nicht, in dem er die faszinierende Botschaft ihres Propheten Jesus „in die Neuzeit übersetzte“. Die Menschenrechte wurden nicht vom Vatikan entwickelt, ebenso wenig wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder der Schutz von religiösen Minderheiten vom Papst durchgesetzt. Denn wenn Religionen sich für die Neuzeit eignen würden, dann müsste man sie nicht erst „in die Neuzeit übersetzen“. Das ginge dann automatisch. (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 7

Juni 11, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die siebte These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 8, These 9, These 10

These 7: Der Westen muss die islamische Welt genauso fair und großzügig behandeln, wie er Israel behandelt. Muslime sind genauso viel wert wie Juden und Christen.

In einer Mischung aus Selbstgerechtigkeit, Ignoranz und Hass halten viele Menschen im Westen den Islam für eine blutrünstige Religion, Muslime gelten als potenzielle Terroristen, als demokratie-, frauen-, juden- und christenfeindlich. Der Freund und geistliche Berater des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, Frank Graham, nennt den Islam „eine richtig bösartige und verlogene Religion“. Bill O’Reilly, Fernsehidol der amerikanischen Konservativen, erklärt: „Wir können nicht immer wieder in der muslimischen Welt intervenieren. Was wir tun können, ist, sie in Grund und Boden zu bomben.“ Und die amerikanische Fernsehkommentatorin Ann Coulter meint: „ Wir sollten in ihre Länder einmarschieren, ihre Führer totschlagen und die Bevölkerung zum Christentum bekehren.“ „Wir sollten unseren nationalen Arschkriecherwettbewerb beenden, Syrien ins Steinzeitalter zurückbomben und danach den Iran dauerhaft entwaffnen.“ Die Liste derartiger Äußerungen ließe sich endlos weiterführen.

Man stelle sich nur eine Sekunde vor, Graham, O’Reilly oder Coulter hätten anstelle von „Islam“ die Worte „jüdischer Glaube“ und anstelle von „muslimische Länder“ das Wort „Israel“ verwendet. Hätte sich nicht zu Recht ein Orkan der Entrüstung erhoben? Warum darf man über Muslime und ihre Religion faschistoide Dinge sagen, die in Bezug auf Christen und Juden zu Recht geächtet sind? Wir müssen diese Dämonisierung des Islam und der Muslime beenden. Sie ist nicht nur beschämend, sie schadet auch unseren Interessen.

Der Grund, warum man den Islam für eine demokratiefeindliche Religion hält, ist wohl der, dass von den 57 Staaten, die in der OIC (Organisation der Islamischen Konferenz) vertreten sind, nur 5 von der Menschenrechtsorganisation „Freedom House“ als „Wahldemokratie“ und „frei“ eingestuft werden und nur 2 davon eine muslimische Bevölkerungsmehrheit haben (Indonesien und Mali). Die totalitärsten dabei sind die, die sich als besonders „islamisch“ betrachten: Saudi-Arabien, Iran, Afghanistan usw., man nennt sie auch „Gottesstaaten“.

Wenn ein Land sich also als besonders islamisch betrachtet, ist es gleichzeitig besonders undemokratisch. Frauen-, Juden- und Christenfeindlichkeit sind im islamischen Raum stark verbreitet, und zwar – was für eine Überraschung – ebenfalls am meisten in den Ländern, die ihre Religion am wörtlichsten nehmen. Könnte das nicht ein Grund für die „Vorurteile“ in der westlichen Welt sein? Ich behaupte nicht, dass die muslimischen Länder niemals demokratisch sein werden, ich rede nur von der Gegenwart. Hält Todenhöfer den heutigen Islam, wie er sich aktuell in Pakistan, Saudi-Arabien und dem Iran zeigt, etwa für demokratiefreundlich? (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 6

Juni 3, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die sechste These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 9, These 10

These 6: Die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leidet unter einer schrecklichen Ignoranz einfachster Fakten.

Einer der Lieblingssätze westlicher Stammtischstrategen lautet: „Wer den Ruf des Muezzins in unseren Städten verlangt, sollte auch in Teheran das Glockenläuten zulassen.“ Die Realität jedoch ist: In Teheran läuten die Glocken von 34 Kirchen, und christliche Kinder haben ihren eigenen Religionsunterricht. In Teheran existieren sieben Synagogen, rund 4000 jüdische Kinder besuchen jüdische Schulen. Es gibt sechs koschere Metzger, zwei koschere Restaurants und ein jüdisches Krankenhaus, dem kürzlich sogar Irans Zündler Mahmud Ahmadinedschad Geld spendete.

Den 25 000 Juden steht verfassungsrechtlich ein Parlamentssitz zu, ähnlich wie den Christen. Selbst Ayatollah Khomeini verfasste 1979 kurz nach der Revolution eine „Fatwa“ zum Schutz der Juden. An vielen iranischen Synagogen stehen seine Worte: „Wir achten die religiösen Minderheiten, die Teil unseres Volkes sind. Der Islam erlaubt nicht, sie zu unterdrücken.“

Die Beziehungen zwischen Juden und Persern sind seit Urzeiten gut. Es war ein persischer König, Kyros der Große, der 538 v. Chr. die Juden aus der Babylonischen Gefangenschaft befreite. Die Bibel nennt ihn den „geliebten Hirten und Gesalbten Gottes“. Juden und Christen haben als „Schutzbefohlene“ im Iran zwar nicht die gleichen politischen Rechte und Pflichten wie Muslime. Aber gewähren wir den Muslimen im Alltag Europas die gleichen Rechte wie Christen und Juden? Gewährt Israel seinen arabischen Mitbürgern in der täglichen Praxis wirklich die gleichen Rechte wie seinen jüdischen Bürgern?

Dieser Absatz behandelt nur die Situation im Iran. Hat sich Todenhöfer aber die Mühe gemacht, die Situation von Christen und Juden in den anderen muslimischen Ländern zu analysieren? Na gut, das wäre aber auch etwas schwerer gewesen, wenn man bedenkt dass es seit 1948 fast keine Juden mehr im Nahen Osten gibt, da als Reaktion auf die Gründung Israels 840.000 Juden gewaltsam vertrieben wurden. Man kann ja nicht etwas tolerieren, was nicht mehr da ist …

Die Christen im Nahen Osten werden massiv unterdrückt. Am schlimmsten ist es in Saudi-Arabien, wo es nicht mal erlaubt ist, eine Bibel zu besitzen oder eine Kirche zu bauen. Im Irak sind seit Beginn der Besatzung im Jahre 2003 mehr als die Hälfte der Christen ausgewandert, da sie immer öfter zum Ziel von terroristischen Anschlägen werden. In Ägypten häufen sich Fälle von Entführungen und Zwangsverheiratungen von jungen Christinnen, in den letzten Wochen seit dem Sturz des Präsidenten Mubaraks gab es auch öfters Anschläge auf Christen. In Nigeria sind Massaker an Christen seit Jahren nichts Besonderes mehr. In der Heimatstadt Jesu, Bethlehem, ist der christliche Bevölkerungsanteil in den letzten 20 Jahren von 60% auf 15% gesunken, die meisten Christen sind geflohen, da sie die Diskriminierungen seitens der palästinensischen Muslime nicht mehr ertragen konnten. In der Türkei werden Christen juristisch benachteiligt, es gab in den letzten Jahren einige Morde an katholischen Priestern. In Pakistan gab es ebenfalls Anschläge auf Kirchen, die christliche Bevölkerung muss außerdem aufgrund eines „Blasphemiegesetzes“ fürchten, wegen geäußerter Kritik am Islam mit dem Tode bestraft zu werden. Und: In so gut wie keinem muslimischen Land ist es erlaubt, Missionierung zu betreiben oder zu einer anderen Religion zu konvertieren. Das ist die Realität, die Todenhöfer so oft und gerne verzerrt. (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 5

Juni 1, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die fünfte These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 3, These 4, These 6, These 7, These 8, These 9, These 10

These 5: Nicht nur in der Bibel, auch im Koran sind die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten die zentralen Gebote.

Beim Vergleich der Texte erweist sich der Koran als mindestens so tolerant wie das Alte und das Neue Testament. Zwar drücken sich Gott und seine Propheten in allen drei Schriften teilweise sehr martialisch aus. So heißt es im Alten Testament im Buch Numeri 31,7.15.17: „Sie zogen gegen Midian zu Feld, wie der Herr es Mose befohlen hatte, und brachten alle männlichen Personen um (…) Er (Mose) sagte zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen am Leben gelassen? (…) Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon (…) mit einem Mann geschlafen haben.“

Im Neuen Testament wird Jesus bei Matthäus 10,34 zitiert: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ In seinen Tischreden erklärte der wortgewaltige Protestant Martin Luther: „Mit Ketzern braucht man kein langes Federlesen zu machen. Während sie auf dem Scheiterhaufen zugrunde gehen, sollte der Gläubige das Übel an der Wurzel ausrotten und seine Hände im Blute der Bischöfe und des Papstes baden.“ Nicht weniger kriegerisch heißt es im Koran in Sure 4,89: „Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind (…). Nehmt (…) keinen von ihnen zum Freund, ehe sie sich nicht auf Allahs Weg begeben. Und wenn sie (in offener Feindschaft) den Rücken kehren, ergreift und tötet sie, wo immer ihr sie findet.“

Soll das heißen, dass wir die Muslime und die Christen der heutigen Zeit nicht nach ihren Taten, sondern nach ihren mehr als tausend Jahre alten Texten beurteilen sollen? Wenn es nach Todenhöfer geht, offenbar schon. So heißt es weiter:

Extremisten und Hassprediger in Ost und West vernachlässigen fast immer den historischen Kontext dieser Passagen. Moses, Jesus und Mohammed wurden nicht in ein geschichtliches Vakuum hineingeboren, sondern in eine kriegerische Welt. Bei oberflächlicher Betrachtung wäre das Alte Testament in seinen historischen Ausführungen übrigens das blutigste der drei heiligen Bücher – viel blutiger als der Koran. Jeder Kenner des Alten Testaments weiß jedoch, dass dessen zentrales Gebot – nach dem Gebot der Gottesliebe und der Gerechtigkeit – lautet: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!“ (Levitikus 19,18). Auch für Christen sind Nächstenliebe und Gerechtigkeit nach der Liebe zu Gott die wichtigsten Gebote (Matthäus 5,6.10).

Den „historischen Kontext“? Also war es zu Mohameds Zeiten in Ordnung, alle Ungläubigen zu töten, wo man sie findet und heute nicht mehr? In Sure 9, Vers 5 heißt es nämlich:

„Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf! Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, dann lasst sie ihres Weges ziehen!“

Für mich ist jede Person, die zum Töten auffordert, ob nun Christ, Muslim oder Atheist, ein moralisch schlechtes Vorbild. Es gibt auch noch viele andere gewalttätige Stellen im Koran. Festzustellen, dass eine Person, die im 7. Jahrhundert in der arabischen Wüste gelebt hat, nicht unbedingt dieselben moralischen Vorstellungen hatte wie eine aufgeklärte Person aus dem 21. Jahrhundert, ist nicht „islamophob“. (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 4

Mai 30, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die vierte These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 3, These 5, These 6, These 7, These 8, These 9, These 10

These 4: Muslime waren und sind mindestens genauso tolerant wie Juden und Christen. Sie haben die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt.

Es waren keine Muslime, die den „heiligen Krieg“ erfanden und auf Kreuzzügen unter dem Motto „Deus lo vult – Gott will es“ (Urban II.) über vier Millionen Muslime und Juden niedermetzelten. Es waren keine Muslime, die in Jerusalem „bis zu den Knöcheln im Blut“ wateten, bevor sie „glücklich und vor Freude weinend“ zum Grab des Erlösers gingen, wie ein Zeitzeuge berichtet. Der Islam kennt das Wort „heilig“ im Zusammenhang mit Krieg überhaupt nicht. Djihad heißt „Anstrengung, sich abmühen auf dem Weg zu Gott“ (Hans Küng), eine Anstrengung, die bis zum Verteidigungskrieg führen kann. Nirgendwo im Koran heißt Djihad „heiliger Krieg“. Kriege sind nie „heilig“, heilig ist nur der Frieden. Der „heilige Krieg“ ist ein Begriff des Alten Testaments (vgl. Jeremia 51,27).

Es waren auch keine Muslime, die im Namen der Kolonisierung Afrikas und Asiens bis zu 50 Millionen Menschen massakrierten. Es waren keine Muslime, die den Ersten und Zweiten Weltkrieg mit fast 70 Millionen Toten anzettelten. Und es waren keine Muslime, sondern wir Deutsche, die in einem industriemäßig organisierten Zivilisationsbruch sechs Millionen Juden – Mitbürger, Freunde und Nachbarn – schändlich ermordeten. Keine andere Kultur war in den vergangenen Jahrhunderten gewalttätiger und blutiger als die abendländische. Wann haben sogenannte „christliche“ Politiker dem Christentum, dieser wunderbaren Religion der Liebe, jemals Ehre gemacht?

Natürlich waren es keine Muslime, die die Kreuzzüge, die Weltkriege, den europäischen Kolonialismus, den Holocaust und die stalinistischen Massaker verbrochen haben. Nehmen wir an, Todenhöfer hätte mit seinen Zahlenspielchen Recht: Die Christen haben 100 Millionen getötet und die Muslime nur 10 Millionen. Was ändert das an der heutigen Situation? Dass die islamische Welt heute gewalttätiger ist als der Westen, ist eine Tatsache, man muss dafür nur die Nachrichten aus dieser Region anschauen. Müssen die Christen dann erst warten, bis es wieder 100 zu 100 steht, bevor sie die muslimischen Verbrechen der heutigen Zeit kritisieren zu dürfen, anstatt, wie Todenhöfer es ausdrückt, die „historischen Fakten völlig auf den Kopf zu stellen“?

Nun kommt aber noch hinzu: Todenhöfer hat mit seinen Zahlenspielchen absolut Unrecht! Die Geschichte des Islams war keineswegs weniger blutig als die des Christentums. Es waren nämlich keine Christen, die seit dem siebten Jahrhundert ohne Unterbrechung jahrhundertelang Krieg gegen Christen, Hindus, Buddhisten, Zoroastrier und animistische Völker in Afrika geführt haben. Man könnte dies auch „islamischen Kolonialismus“ nennen, offiziell sprechen Historiker jedoch von der „Islamischen Expansion„. In all den Kriegen in der islamischen Geschichte sind mehrere Millionen Menschen getötet worden. Man kann mit Sicherheit sagen, dass die islamische Geschichte mindestens genauso blutig war wie die christliche.

Es gibt Schätzungen von Historikern, dass während der muslimischen Eroberungen von 1000 bis 1525 zwischen 50 bis 80 Millionen Hindus getötet wurden. Die Sinti und Roma, die heute in Europa leben, sind Nachfahren von indischen Flüchtlingen, die vor muslimischen Eroberern geflohen waren. Der Historiker Will Durant sagte dazu:

The Mohammedan conquest of India is probably the bloodiest story in history. The Islamic historians and scholars have recorded with great glee and pride the slaughters of Hindus, forced conversions, abduction of Hindu women and children to slave markets and the destruction of temples carried out by the warriors of Islam during 800 AD to 1700 AD. Millions of Hindus were converted to Islam by sword during this period.

Das Buch „Der verschleierte Völkermord“ zeigt das ganze Ausmaß des muslimischen Sklavenhandels in Afrika. Die Gesamtzahl der Toten wird auf 17 Millionen geschätzt. Der europäische Sklavenhandel dauerte etwa 300 Jahre, der muslimische dagegen geht nun schon seit mehr als 1300 Jahren voran und hat bis heute (!) nicht aufgehört. In einem Ausschnitt des Buches heißt es: „Erschüttert zitiert man in Frankreich Augenzeugenberichte, nach denen im 19. Jahrhundert ein arabischer Bewohner der Stadt Oujiji auf die Frage eines Europäers, warum in deren Nähe so viele verwesende Leichen herumlägen, seelenruhig geantwortet habe: Normalerweise werfe man seine toten Sklaven an den Stadtrand, wo sie über Nacht von den Hyänen gefressen würden. Doch in diesem Jahr habe es so viele Tote gegeben, dass die Aasfresser wohl etwas in Verzug gekommen seien.“ (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 3

Mai 29, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die dritte These von Todenhöfer.

These 1, These 2, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 9, These 10

These 3: Islamisch getarnte Terroristen sind Mörder. Für christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskriege kann nichts anderes gelten.

Die von arabischen Terroristen seit Mitte der 90er-Jahre verübten Anschläge gegen westliche Einrichtungen sind aus deren Sicht eine Antwort auf den nicht endenden „organisierten Raubmord“ des Westens. Sie kosteten, einschließlich der Anschläge auf das World Trade Center, über 5.000 westliche Zivilisten das Leben. Sie sind moralisch völlig inakzeptabel. Der Zweck heiligt nie die Mittel. Die Anschläge auf das World Trade Center wurden daher von allen muslimischen Regierungen, von Syrien und dem Iran, ja sogar von Hisbollah und Hamas, verurteilt. In vielen muslimischen Ländern legten Menschen erschüttert Blumen vor der US-Botschaft nieder. Terroristen, die Unschuldige töten, sind keine Freiheitskämpfer, keine Widerstandskämpfer, keine heiligen Krieger und keine Märtyrer. Sie sind Mörder.

Sehr schön gesagt, Todenhöfer – bis auf die Sache mit Syrien, Iran, Hisbollah und der Hamas. Denn sowohl Syrien als auch der Iran sind „heimliche“ Unterstützer von terroristischen Organisationen: Die al-Quds-Einheit vom Iran hat u.a. im Irak schiitischen Gruppierungen leistungsfähige Sprengsätze geliefert, die mindestens 170 US-Soldaten töteten. Syrien „öffnet“ ständig seine Grenze zum Irak, damit selbsternannten „Märtyrer“ dort weiterhin Zivilisten abschlachten können. Überhaupt wird der sogenannte „irakische Widerstand“ im großen Stil vom Iran und Syrien organisiert. Die Hisbollah und Hamas wiederum sind selbst Terrororganisationen.

Die Beliebtheit von Osama bin Laden und anderen Terroristen in der muslimischen Welt ist ein ernsthaftes Problem. Einer Umfrage vom Pew Research Center zufolge hatten im Jahre 2005 60% der Jordanier, 51% der Pakistaner 35% der Indonesier und 26% der Marokkaner „Vertrauen“ in Osama bin Laden. Im Jahre 2003 hatten noch 58% der Indonesier und 49% der Marokkaner diese Meinung geäußert, in Pakistan aber nur 45%. In einer noch aktuelleren Umfrage vom Jahre 2010 gaben 48% der Nigerianer, 25% der Indonesier, 19% der Ägypter und 18% der Pakistaner und 14% der Jordanier an, dass sie „Vertrauen“ in den Terrorfürsten hätten. Das zeigt: Die Unterstützung für den Terrorismus geht offenbar zurück, vor allem in Jordanien, Indonesien und angeblich Pakistan – aber sie ist immer noch viel größer, als es Todenhöfer darstellt. Umfrageergebnisse in Saudi-Arabien, Jemen oder Palästina zeigen kaum einen Rückgang. Das Problem ist, dass viele Koranschulen nicht unter staatlicher Kontrolle sind und Hass-Propaganda sich dort frei entfalten kann. (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 2

Mai 27, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Die zweite These von Todenhöfer.

These 1, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 9, These 10

These 2: Angesichts der Kriegspolitik des Westens ist es nicht wirklich erstaunlich, dass muslimische Extremisten immer mehr Zulauf bekommen.

Der westliche Kolonialismus wütete in fast allen Teilen der Welt. Aber in den erdölreichen Staaten des Mittleren Ostens hat er bis heute nicht aufgehört. Das unterscheidet diese Region von anderen Regionen der Welt und macht sie zum Nährboden des Terrorismus.

Der Westen hat in den letzten 20 Jahren drei Mal im Nahen Osten interveniert, zwei Mal im Irak (1991, 2003) und in Afghanistan (2001). Die Fakten besagen jedoch, dass es Terrorismus schon lange zuvor gegeben hat, als die US Army noch keinen Fuß in diese Region gesetzt hatte. Vor dem 11. September hatte es gerademal eine militärische Intervention im Nahen Osten gegeben: Den Zweiten Golfkrieg 1991. Todenhöfer vergisst außerdem zu erwähnen, dass der Nahe Osten im Vergleich zu anderen Regionen, mit Ausnahme Ostafrikas, die mit Abstand kriegerischste Region der Welt ist und militärische Interventionen des Auslands in diesen Regionen deshalb nicht so verwunderlich sind. Die Amerikaner haben auch nicht nur im Nahen Osten interveniert, sondern in den 1990ern z.B. in Bosnien und Somalia, um die (hauptsächlich muslimische) Bevölkerung vor Massakern zu bewahren. Für Todenhöfer war aber auch das imperialistischer Kolonialismus.

Auch stelle ich mir die Frage: Warum macht es die Menschen in dieser Region proportional gesehen so viel wütender, wenn Nicht-Muslime Muslime töten, als wenn Muslime sich gegenseitig töten? Die 1 Million Opfer der Saddam-Diktatur waren kein Nährboden für den Terrorismus, aber der Sturz Saddams war es? Was ist der eigentliche „Nährboden“ für den Terrorismus? Könnte es nicht sein, dass die ständige Hetze in den muslimischen Medien und in Schulen und Moscheen einen Beitrag dazu haben? Könnte der radikale Hass auf den Westen im Nahen Osten nicht auch was damit zu haben, Herr Todenhöfer? (more…)

Der mit den Arabern leidet – Jürgen Todenhöfer und der Nahe Osten, Teil 1

Mai 26, 2011
Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Jürgen Todenhöfer (Bild: Hydro)

Wenn es einen wirklich perfekten Gutmenschen gibt – kulturrelativistisch, terrorverharmlosend, antiwestlich, ein notorischer Diktatorenversteher – dann ist es Jürgen Todenhöfer. Der ehemalige Top-Manager hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Westen für alles Übel der Welt die Schuld zu geben und sich mit den Opfern des europäischen Kolonialismus – besser gesagt, den Arabern – zu solidarisieren. Über den Irakkrieg schrieb er ein eigenes Buch mit dem Titel „Warum tötest du, Zaid?“, in dem er auch seine ganz eigenen zehn Thesen zur Weltpolitik zu Schrift getragen hat:

http://www.warumtoetestduzaid.de/de/mainmenu/10-thesen/alle-zehn-thesen.html

Todenhöfer ist für eine Zeit in den Nahen Osten gereist und will nun, wie es Henryk M. Broder treffend formuliert, „genauso wie beim Speeddating, wo man in kurzer Zeit alles über den Gegenüber erfährt, alles über den Irak wissen“. Und das heißt u.a.: „Im Irak gibt es nur 1.000 Terroristen, die zu 80-90% aus dem Ausland kommen, dafür aber 100.000 echte Widerstandskämpfer, die man mit der Resistance in Frankreich während der Nazi-Besatzung vergleichen kann.“ Was die rund 60.000 Angehörigen der islamistischen „Mahdi-Armee“ von Muqtada al-Sadr dazu sagen würden? Oder die Nachfahren der Resistance, die die zweifelhafte Ehre genießen, immer wieder mit Terroristen verglichen zu werden, die sich als „Widerstandskämpfer“ tarnen?

Und noch eine Frage: Wenn es diesen „resistanceartigen“ Widerstand gibt, weiß Todenhöfer auch, wie sie genau gegen die Besatzung kämpfen? Manipulieren sie die Reifen der US Army, verteilen sie Flugblätter, haben sie schon ein Komitee „Freies Irak“ gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, bei ihrer Machtübernahme die Zukunft des Landes zu gestalten? Man möchte manchmal wirklich nur noch in die Rolle von Zaid schlüpfen und ihm eine Antwort geben auf seine Frage: „Ich töte, weil ich ein Terrorist bin, Jürgen.“

Seine zehn Thesen sind unbestritten ein Meisterwerk gutmenschlicher Rhetorik. Immerhin gibt Todenhöfer zu, dass es nur Thesen sind und nicht etwa Fakten. Und da jede These eine Antithese hat, dachte ich mir, ich „kümmere“ mich um eben diese.

These 2, These 3, These 4, These 5, These 6, These 7, These 8, These 9, These 10

So, los geht’s. (more…)