Archive for the ‘Kapitalismus’ Category

Wie Naturvölker die Moderne meistern können

Juni 23, 2015

Können Naturvölker mit der Moderne in Einklang leben?

Die französische Politikerin Ségolène Royal sorgte kürzlich für Aufsehen, als sie im Fernsehen meinte, Nutella müsse boykottiert werden, da bei der Produktion von Nutella Palmöl verwendet wird, wofür wiederum Regenwälder in Südostasien gerodet und die dort lebenden Ureinwohner vertrieben werden. Doch der Geschmack von Nutella ist den Franzosen offenbar stark ans Herz gewachsen, Royal erntete nur Unverständnis und nahm ihre Aussage zurück. Es steht jedoch außer Frage, dass die Naturvölker in Südostasien, Zentralafrika und Südamerika durch die Abholzung des Regenwalds in ihrer Existenz bedroht werden, seitdem Konzerne angefangen haben, im Regenwald nach Rohstoffen zu suchen. Die Schuld für dieses Problem geben linke Aktivisten dem Kapitalismus.

Profitgierige Konzerne nehmen keine Rücksicht auf Menschen, auf die Natur und auf die zukünftigen Generationen, sie denken nur an ihre Gewinnmaximierung, und der einzige Weg, um die Zerstörung des Regenwalds zu verhindern, ist ein komplettes Verbot, im Regenwald Rohstoffe abzubauen. Warum das Problem der Zerstörung der Regenwälder aber nichts mit “zuviel freier Marktwirtschaft” zu tun hat, sollte klar sein: Freie Marktwirtschaft bedeutet nicht “Konzerne dürfen machen, was sie wollen” oder “Profit über alles”, sondern eine Rechtsordnung, indem das Eigentum geschützt ist und Vertragsfreiheit und Haftung gelten. Die Abholzung des Regenwaldes ohne die Zustimmung der dortigen Einwohner stellt ganz eindeutig eine Verletzung der Eigentumsrechte der Naturvölker dar.

Der peruanische Ökonom Hernando de Soto, der vielfach zu den Gründen für die Armut in der Dritten Welt geforscht hat, reiste im Jahr 2009 in den Amazonas, nachdem es kurz zuvor in Bagua ein Massaker mit mehr als 30 Toten gegeben hatte, bei dem es um Landnutzungsrechte ging. Er besuchte die Gemeinden der Indios und forschte nach ihren Problemen, dabei bestätigte er, dass fehlende Eigentumsrechte und nicht zuviel freie Marktwirtschaft das Hauptproblem der Naturvölker sind. Eine andere wichtige Feststellung seiner Reise dürfte gerade die linken Aktivisten im Westen überraschen, und zwar: Die Naturvölker lehnen die Moderne nicht grundsätzlich ab, sie begrüßen sie sogar. Er drückte es wie folgt aus: Der Amazonas ist nicht Avatar. (more…)

Die Ängste der Bürger ernst nehmen?

April 21, 2015
Freihandel und Protektionismus

Freihandel und Protektionismus

Tausende Deutsche demonstrierten am Wochenende gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Sie hielten Parolen wie “Freie Bürger statt freier Handel”, “Menschenrechte statt Handelsrechte” und natürlich “Menschen vor Profite” hoch. Die Ängste, die die TTIP-Gegner haben, sind: Durch TTIP würden europäische Standards im Umwelt- und Verbraucherschutz (Stichwort Chlorhühnchen) untergraben, Unternehmen mit Schiedsgerichten die Möglichkeit bekommen, eine Paralleljustiz zu errichten und den Staat auf Gewinne zu verklagen, außerdem würden die Verhandlungsrunden zu intransparent ablaufen. Immerhin wird das Vertragswerk ja in “dunklen Hinterzimmern” ausgehandelt.

Nun ist es so, dass absolut jeder Vertrag zwischen Staaten, der je in der Geschichte vereinbart wurde, in dunklen Hinterzimmern ausgehandelt wurde, und auch Verhandlungen zwischen Parteien im Parlament oder zwischen Unternehmen und Gewerkschaften werden für gewöhnlich nicht live im Fernsehen übertragen. Außerdem werden alle Verhandlungsunterlagen von der EU im Internet veröffentlicht. Komischerweise klicken nur sehr wenige Menschen die Dokumente an. Mag sein, dass sie es gar nicht mitbekommen haben. Aber: Wenn man bedenkt, dass 1,5 Millionen Menschen eine Petition gegen TTIP unterschrieben haben, sollte man doch ein größeres Interesse erwarten als 2300 Klicks in mehr als vier Monaten.

Die Angst vor der “Paralleljustiz” ist ebenfalls unbegründet. Erstens gibt es schon heute mehr als 3000 Investitionsschutzabkommen zwischen Staaten, und zweitens wird durch TTIP die Möglichkeit von Unternehmen, Staaten auf Gewinne zu verklagen, eingeschränkt. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat Deutschland nach dem Atomausstieg auf zwei Gerichte auf vier Milliarden Euro verklagt, mit TTIP wäre das nicht möglich (die beste Lösung wäre übrigens, dass der Staat sich gar nicht in die Wirtschaft einmischt und somit auch nicht Unternehmen aus rein politischen Gründen enteignet, so dass kein Unternehmen auf staatliche Entschädigungszahlungen pochen kann). Wer also gegen Milliardenklagen von Unternehmen gegen Staaten ist, sollte Pro-TTIP sein. (more…)

Profitgier – Das Übel der Menschheit?

April 8, 2015

Zu den legendärsten Aussagen des Ökonomen Milton Friedman gehört seine Verteidigung der Gier. Friedman meint, eine Wirtschaft könne nur florieren, wenn Menschen von Profitgier angetrieben werden, während Länder ohne Profitgier zu Armut verdammt sind.

Ziemlich bekannt und ununterbrochen zitiert wird auch Adam Smiths Aussage, wonach der Bäcker nicht aus Mitgefühl zu seinen Mitmenschen Brötchen backt, sondern einzig und allein aus Profitgier. Smith und Friedman gelten als wichtige Vordenker der freien Marktwirtschaft, und somit werden ihre Aussagen als Beweise dafür hervorgekramt, dass es im Kapitalismus nur um eines geht: Profitgier. Mehr Gewinnmaximierung, mehr Rendite, mehr Wachstum! Um was anders geht es in diesem System nicht, glauben die Gegner der freien Marktwirtschaft. Das finden sie verstörend. Ein System, indem es nur um Gier geht, ist unmenschlich, barbarisch, grausam. Nicht Profitgier sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Menschen, fordern sie.

Ein Wiener Hochschullehrer für Wirtschaft, Christian Felber, hat nun eine Alternative parat: Die Gemeinwohlökonomie. Unternehmen sollen gemäß Felber nicht mehr nur eine Profitbilanz haben, sondern auch eine “Gemeinwohlbilanz”, die messen soll, wie human die Arbeitsbedingungen sind, wie sehr die Umwelt geschützt wird, wie gerecht verteilt wird und wie solidarisch man sich gegenüber anderen Unternehmern verhält. Außerdem sollen auch “Gemeinwohlbanken” gegründet werden, deren Ziel es nicht sein soll, mehr Geld zurückzubekommen als man investiert hat. Des Weiteren soll es ein Maximaleinkommen geben (das Zehnfache des Mindestlohns), Privatvermögen sollen auf 10 Millionen Euro und Erben und Schenkungen auf 500.000 Euro pro Person beschränkt werden.

Eine Gesellschaft, in der nicht die Profitgier, sondern das Wohl der Menschen im Mittelpunkt steht – wer so argumentiert, hat einen bemerkenswerten logischen Denkfehler gemacht: Er versteht offenbar nicht den Unterschied zwischen Zielen, Methoden und Ergebnissen. Mit einem hat er immerhin Recht: Profitgier allein ist nichts Gutes. Gier kann der Antrieb sein, der zu den schlimmsten Verbrechen führt, die man sich vorstellen kann. Kriminelle rauben Banken aus, weil sie gierig nach Geld sind. Drogenkartelle töten Konkurrenten, damit sie ihnen ihre Gewinne nicht streitig machen. Erwachsene töten ihre eigenen Eltern, um an ihr Erbe ranzukommen. Die FIFA vergibt die WM an die Sklavenhalter-Scheichs in Katar, weil diese ihnen volle Geldkoffer gesendet haben.

Nun hat Friedman aber keine grenzenlose Gier ohne Rücksicht auf die Methoden, die dabei angewandt werden, gepredigt. Ihm geht es in keinster Weise nur um Renditeerhöhung. Das Wesen einer freien Marktwirtschaft, wie Friedman sie fordert, ist in allererster Linie Freiheit. Menschen sollen ohne Bevormundung vom Staat oder anderen Marktteilnehmern frei Arbeitsverträge abschließen, Unternehmen gründen, Handel treiben und über ihr Einkommen bestimmen dürfen, und die Aufgabe des Staates sollte sich weitgehend darauf beschränken, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Wenn sich jemand an diese Spielregeln (Methoden) hält, kann er jedes Ziel verfolgen, dass er will. Friedman sagt also nicht “Gier ist immer gut!”, sondern “Gier kann Wunderbares bewirken”. (more…)

Das Ende des Arbeitsleids

März 29, 2015

Es gibt viele Mythen darüber, wie Arbeitsplätze entstehen und zerstört werden. Die gängigsten Mythen über die Zerstörung von Arbeitsplätzen sind Konkurrenz durch ausländische Arbeiter, die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland und die Automatisierung durch Roboter. In dem Video “Humans need not apply” wird die Zukunft der Automatisierung beschrieben (mit deutschen Untertiteln):

Roboter werden in Zukunft in der Lage sein, immer mehr Arbeiten, die von Menschen gemacht werden, komplett zu übernehmen. Nicht nur bei solch offensichtlichen Fällen wie Call-Center-Mitarbeiter oder Kassierer, sondern z.B. auch in der Transportbranche. Selbstfahrende Autos und Züge werden Taxis und Lokführer ersetzen. Sie sind nicht nur billiger, sondern auch sicherer. Selbstfahrende Autos trinken nicht und schreiben keine SMS (ein weiterer Vorteil ist: selbstfahrende Züge streiken nicht). Was viele überraschen dürfte ist, dass auch viele Bürojobs, die Verwaltungsaufgaben übernommen, von Robotern gemacht werden könnten, und sogar im kreativen Bereich gibt es keine Sicherheit mehr.

Diese Entwicklungen machen vielen Menschen sehr viel Angst. Was soll mit den “überflüssigen Menschen” passieren, nachdem die Roboter alle ihre Arbeiten übernehmen? Werden sie alle arbeitslos und das war’s? Nicht wenige sind der Meinung, dass wir, um mit dieser Entwicklung fertig zu werden, ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) brauchen. Dabei wird offenbar vergessen, dass das BGE nicht aus dem nichts kommt, sondern zuvor erwirtschaftet werden muss (und wer soll das machen, wenn alle arbeitslos sind?), und dass die Erfindung von Autos oder Computern nicht zu Massenarbeitslosigkeit geführt hat. In Wirklichkeit müssen wir keine Angst vor Robotern haben, sie sind ein Segen für uns.

Eine Studie mit 14 ausgesuchten Ländern ergab, dass im Jahr 1870 die Menschen viel länger gearbeitet haben als heute, nämlich zwischen 55-72 Stunden pro Woche. In denselben Ländern arbeiten die Menschen heute überall weniger als 45 Stunden wöchentlich. Während die Menschen früher 58% ihrer Zeit mit Arbeit verbrachten, sind es heute 36%. Dafür verbringen sie viel mehr Zeit mit Freizeit. Warum ist das so? Weil die Menschen früher mehr Spaß an der Arbeit hatten als heute? Natürlich nicht. Durch die moderne Technik ist es möglich geworden, mit weniger Arbeitsstunden mehr zu produzieren. Ein Bauer konnte damals nur eine Handvoll Menschen ernähren, heute sind es Hunderte. Es hat niemandem geschadet. (more…)

Tradition und Kommerz

Januar 25, 2015

Wird der Fußball durch den Kommerz kaputt gemacht?

In letzter Zeit steht die Stadt Leipzig im Mittelpunkt der deutschen Medien und macht auch international Schlagzeilen. Deswegen dachte ich mir, ich berichte auch mal über wichtige Ereignisse aus der Stadt. Selbstverständlich meine ich damit den neuen Fußballverein Red Bull Leipzig. Der ist momentan in der zweiten Bundesliga auf dem siebten Platz, vier Punkte von einem Relegationsplatz entfernt. Für eine Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern, die seit 25 Jahren ohne Erstligapräsenz ist, eigentlich eine gute Nachricht. Zumal die “traditionellen” Leipziger Fußballvereine Lok und Chemie zuvor nur durch sportliche Talfahrten, Schuldenbergen, leeren Stadien, Hooligan-Gewalt und Neonazis auffielen.

Es gibt jedoch ein Problem: Red Bull Leipzig ist ein “Retortenverein”, d.h., nur dazu gegründet, um Geld zu machen. So sehen es zumindest die zahlreichen Kritiker des Projekts. Der Verein sei “zum Kotzen”, “Wettbewerbsverzerrung”, ein “Retortenverein” und würde “den Fußball zerstören”. Sogar die Ostklubs haben sich von RB Leipzig distanziert, obwohl er der einzige Verein aus der ehemaligen DDR ist, der eine Chance hat, in der Bundesliga zu spielen. Man kann schon jetzt davon ausgehen, dass RB Leipzig in der Bundesliga der meistgehasste Verein sein wird. Der Hass ist so groß, dass es in vielen Stadien Fan-Choreos gegen den Verein gibt und sogar die Tagesschau sich nach einem Shitstorm für ein Lob für RB Leipzig entschuldigen musste.

Nun ist es jedem selbst überlassen, was er von RB Leipzig hält, und alleinige Sache der Bundesliga, wie sie mit dem Verein umgehen. Es ist für mich jedoch völlig irrational, RB Leipzig so sehr zu hassen wie es die sogenannten Fans der “Traditionsvereine” tun. Unter Traditionsverein scheinen sie eine kleine, exklusive Gruppe zu verstehen, in die man nicht mehr hineinkommt, egal was man tut. Leipzig, Hoffenheim, Wolfsburg oder Leverkusen haben also keinen Eintritt, dafür aber jeder noch so sportlich abgestürzte Verein, der 100 Jahre alt ist, gewalttätige Fans hat und nur mithilfe von Steuergeld vor der Insolvenz bewahrt werden konnte. Denn RB Leipzig und co. machen etwas Unverzeihliches: Sie investieren Geld in einen Verein, und haben damit Erfolg. Ein Skandal. (more…)

Wer rettet die Pandas?

Dezember 12, 2014
Symbol für bedrohte Arten: Der Große Panda

Symbol für bedrohte Arten: Der Große Panda

Große Ohren, schwarz-weißer Fell, immer am Bambusfressen: Der in Asien beheimatete Panda ist zwar nicht gerade weit herumgekommen, hat es aber zu großer Bekanntheit gebracht. Auf dem Logo der Naturschutzorganisation WWF ziert sein Antlitz, in vielen Filmen spielt er eine Hauptrolle, und auch in Zoos kann man ihn, wenn auch sehr selten, bestaunen. Der Ruhm hat jedoch einen traurigen Hintergrund. Der Panda wurde als Symbol ausgewählt, weil er als bedrohte Tierart galt. Mittlerweile stehen viele andere Arten wie Elefanten, Löwen, Nashörner und Berggorillas auf der Liste der bedrohten Tierarten ganz oben. Wie kann man verhindern, dass wir in Zukunft nur noch in alten Geschichten von diesen Arten hören?

Naturschutzorganisationen haben meist nur einen Lösungsvorschlag: Das Verbot, bedrohte Tierarten zu jagen und Handel mit ihren Pelzen, Ledern und Elfenbeinen zu treiben. Es gibt jedoch schon lange international geltende Verbote, die nichts an der prekären Situation geändert haben. Die Elefantenpopulation in Afrika ist seit den 1970ern um zwei Drittel gesunken, obwohl der Handel mit Elfenbeinen verboten ist. Tatsächlich sind Handelsverbote kontraproduktiv, wenn es darum geht, bedrohte Arten zu beschützen. Der Handel mit Pelzen und Elfenbeinen war für die oft bettelarmen Einheimischen ein lukratives Geschäft. Das Problem war: Es fehlten geregelte Eigentumsrechte. Wir haben es hier mit einem klassischen Problem zu tun, den man die “Tragödie der Allmende” nennt.

Wenn es ein Gut gibt, der niemandem gehört, zu dem aber jeder Zugang hat – in diesem Fall die Wildtiere – neigen die Menschen zur Übernutzung. Die Wildtiere hatten keine Besitzer, also wurden sie rücksichtslos gejagt, bis viele von ihnen ausstarben. Um dieses Problem zu lösen, wurden jedoch die falschen Mittel gewählt. Die Verbannung in die Illegalität hatte zur Folge, dass die Wildtiere für die Einheimischen nun gar keinen Wert mehr hatten, da sie mit dem häuslichen Viehbestand konkurrierten und Land besetzten, dass bewirtschaftet, bebaut oder anderweitig benutzt werden konnte. Andere wiederum betrieben Wilderei, um die Elfenbeine und Pelze zu überhöhten Preisen im Schwarzmarkt zu verkaufen. Die Wildtiere wurden nun noch rücksichtsloser gejagt. Für die Einheimischen lohnte es sich schlicht nicht, sie zu beschützen. Ein klassischer Fall von “Gut gemeint ist nicht gut gemacht”. (more…)

Individualismus und Kooperation

Dezember 2, 2014
lk

Ist der freie Markt ein Ort von purem Egoismus?

Während des Wahlkampfs vor zwei Jahren hielt Barack Obama eine beachtliche Rede, von der am Ende vor allem ein Satz übrig blieb: “You didn’t build that”. Der Satz fiel in diesem Kontext: “Wenn du erfolgreich gewesen bist, bist du nicht allein so weit gekommen. Jemand hat geholfen dieses unglaubliche amerikanische System zu erschaffen, dass es dir erlaubt zu erblühen. Jemand hat in Straßen und Brücken investiert. Wenn du ein Unternehmen hast – du hast es nicht aufgebaut (“you didn’t build that”). Jemand anders hat es geschehen lassen. Der Punkt ist, dass, wenn wir erfolgreich sind, wir aufgrund unserer individuellen Initiative Erfolg haben, aber auch weil wir Dinge gemeinsam tun.”

Es gab harte Kritik an der Rede. Und das zurecht. Denn Obama sagte ja nicht nur, dass erfolgreiche Menschen nur mit Kooperation und der Hilfe von Anderen Erfolg haben, sondern dass daraus zu schlussfolgern sei, sie müssten höhere Steuern zahlen. Darum ging es in der Rede: Weil Unternehmen nur durch Kooperation und Hilfe von Anderen erfolgreich wurden, schulden sie dem Staat mehr Steuern. Hinter dieser Logik steht ein Denkfehler, den viele Kritiker des Liberalismus begehen: Sie setzen Liberalismus mit Egoismus und den Staat mit Kooperation und Solidarität gleich. Ein polemischer Satz, mit dem Liberale spöttisch bezeichnet werden, bringt es auf den Punkt: “Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht” (so bezeichnete z.B. Sigmar Gabriel die FDP-Politik).

In der New York Times erschien gestern ein Artikel, der schlussfolgerte, die Evolution hätte den Liberalismus widerlegt, weil der Mensch ein soziales Wesen ist:

Contrary to libertarian and Tea Party rhetoric, evolution has made us a powerfully social species, so much so that the essential precondition of human survival is and always has been the individual plus his or her relationships with others.

Günther Schabowski meinte in einem Interview zum Jahrestag des Falls der Berliner Mauer, der Sozialismus sei gescheitert, weil der Mensch zu egoistisch ist:

Ich bin der Meinung, dass wir alles falsch gemacht haben. Weil der Versuch, ein sozialistisches Gesellschaftskonstrukt zu schaffen, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Der Mensch ist nicht in der Lage, seine Egoismen auszuschalten, und deshalb ist Sozialismus immer ein falscher Versuch.

Diese Ansicht, wonach Liberalismus bzw. Kapitalismus nichts weiter als Egoismus ist, ist schon länger verbreitet, schon Martin Luther King will gewusst haben:

Historisch gesehen übersah der Kapitalismus die Wahrheit gemeinschaftlicher Unternehmen und der Marxismus erkannte nicht die Wahrheit individueller Unternehmen. Der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts beachtete die sozialen Aspekte des Lebens nicht und der Marxismus übersah und übersieht, dass das Leben individuell und persönlich ist.

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Das Monopol des Kartellamts zerschlagen

November 24, 2014
Google soll vergessen

Hat Google zuviel Macht?

Es wurde schon oft darüber spekuliert, nun ist es wieder aktuell: Das EU-Parlament will angeblich Google aufspalten. Google wird nicht namentlich erwähnt, doch sollen gemäß eines Antrags Suchmaschinen von anderen Kommerzdiensten getrennt werden. Es ist kaum davon auszugehen, dass dies gelingen wird, allein schon weil Google ja kein europäisches Unternehmen ist und man es nicht wagen wird, den europäischen Kunden Dienste von Google verbieten oder zensieren zu lassen. Es liegt außerdem gar nicht im Zuständigkeitsbereich des EU-Parlaments, Konzerne aufzuspalten oder zu zerschlagen. Dafür haben wir die EU-Kommission und die nationalen Wettbewerbsbehörden.

In Deutschland haben wir das Kartellamt. Da wir noch immer staatliche Monopole haben, hätten sie eigentlich viel zu tun, doch meistens beschäftigen sie sich mit privaten Monopolen. Wenn ein Unternehmen “zu groß” wird, soll es entweder Strafen an den Staat zahlen oder zerschlagen werden. Was als zu groß gilt, wird jedoch nicht definiert. Und es wird auch nicht begründet, warum es schädlich sein soll, wenn Unternehmen “zu groß” werden. Nehmen wir das Beispiel Google: Inwiefern schadet es dem Kunden, wenn Google “den Markt beherrscht”, wie man es ja ausdrückt? Es wäre etwas anderes, wenn Google seine Stellung mit Gewalt oder Betrug gewonnen hätte. Aber Google ist durch sein Produkt groß geworden. Wo ist das Problem?

Die Antwort darauf lautet: Weil Monopolisten sich nicht um Qualität kümmern müssen und die Preise diktieren, sprich die Kunden ausbeuten können. Dieses Problem ist aber durch den freien Markt am besten zu lösen. Ein Unternehmen, das keine Qualitätswaren anbietet, kann sich in einem freien Markt nicht auf Dauer als Monopolist halten, weil dann andere Unternehmen schnell die Lücke füllen. Jetzt werden einige einwenden: Aber neue Unternehmen können gar nicht entstehen, weil der Monopolist sie daran hindert. In einem freien Markt geht das eben nicht, denn die Gründung von Unternehmen wird hier von niemandem behindert. Deswegen verschwinden die meisten Monopole auch schnell. (more…)

Make holiday, not war

September 22, 2014
Humboldt und Bonpland am Fuß des Chimborazo

Humboldt und Bonpland am Fuß des Chimborazo

Es gibt nicht wenige Personen, die im modernen Massentourismus mehr ein Fluch sehen als ein Segen. Das ständige Reisen verursache hohe CO2-Emissionen, bedrohe die Kultur der “besuchten” Völker und zerstöre die unberührte Natur. Es sind also vor allem Menschen aus dem kapitalismuskritischen und grünen Umfeld, die eigentlich über jedes moderne Phänomen in westlichen Gesellschaften meckern. Andere wiederum preisen den Besuch fremder Länder als friedensfördernd an, denn schon Mark Twain war der Ansicht, dass Reisen “tödlich für Vorurteile” sei.

Ob Reisen bildet, darüber kann man geteilter Meinung sein. Alexander von Humboldt sagte: “Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben”, doch Konfuzius setzte dem schon zwei Jahrtausende zuvor entgegen: “Schick einen Banausen auf Weltreise, und er kommt zurück als – braungebrannter Banause”. Man kann nicht drumherum kommen zu sagen, dass Reisen allein niemanden automatisch zu einem weisen Mann macht. Che Guevara fand in seiner Lateinamerika-Reise zum Sozialismus, da wäre es besser gewesen, wenn er zu Hause geblieben wäre.

Aber wer vom Tourismus die Lösung solcher Probleme erwartet, hat nicht verstanden, worum es dabei geht. Touristen sind nur auf der Suche nach Entspannung, sie wollen eine Pause vom stressigen oder langweiligen Alltag, oder dieselben Abenteuer in einem anderen Land erleben. Nichts mehr als das soll das Reisen bringen. Aber schon diese Aufgabe zu erfüllen, kann sehr viele positive Nebenwirkungen haben. Es gibt gute Gründe, um in dem Massentourismus eine segensreiche Entwicklung zu sehen, und die ganzen Klagelieder über den modernen Touristen als unbegründet abzutun. (more…)

Wasser für alle!

August 18, 2014
Eine arme Arbeiterfamilie in Hamburg, 1902

Ob arm oder reich – jeder sollte Zugang zu Wasser haben

Das “Recht auf Zugang zu sauberem Wasser” ist ein unveräußerliches Menschenrecht. Der Staat muss die Wasserversorgung für die gesamte Bevölkerung garantieren. Wasser darf keine Ware sein. Wenn private Unternehmen die Wasserversorgung übernehmen, steigen die Preise und die Qualität wird schlechter. Das beste Beispiel ist die bolivianische Stadt Cochabamba, in der eine Wasserprivatisierung dermaßen hohe Preissteigerungen mit sich brachte, dass die Armen sich erhoben (die “Wasserschlacht” von 2000), bis die Privatisierung rückgängig gemacht wurde. So lauten zusammengefasst die Mythen der linken “Wasser ist ein Menschenrecht”-Aktivisten.

Aber was steckt dahinter? Wenn man sich die Fakten anschaut – recht wenig. In Deutschland funktioniert die Wasserversorgung recht gut, so dass dieses Thema nicht unbedingt an erster Stelle stehen muss, wenn es um Reformen geht. Aber weltweit gesehen stellt die Wasserversorgung noch immer ein großes Problem dar. Mehr als 1 Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Aber die “Wasser ist ein Menschenrecht”-Aktivisten haben keine Lösungen für dieses Problem anzubieten, sondern nur anti-kapitalistische Rhetorik und Hysterie (so hat die EU nie geplant, die Wasserversorgung zu privatisieren, und trotzdem gab es 1 Million Unterschriften dagegen).

Beginnen wir zuerst mit der Frage, ob Wasser ein “Menschenrecht” ist. Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, was man unter einem Recht versteht. Die “Wasser ist ein Menschenrecht”-Aktivisten verstehen darunter offenbar, dass der Staat die Wasserversorgung übernimmt. Warum? Weil sie glauben, dass niemand, also auch nicht private Unternehmen, Geld mit einer so wichtigen Ware verdienen sollen und für alle Menschen Wasser kostenlos zur Verfügung stehen muss. Das Problem an der Sache ist, dass die Linken unter “kostenlos” etwas anderes verstehen als ich. Für die Linken ist etwas “kostenlos”, wenn der Steuerzahler die Kosten übernimmt, für mich ist etwas kostenlos, wenn keine Kosten anfallen.

Wer baut die Wasserleitungen? Wer macht das Wasser trinkbar? Andere Menschen, die dafür bezahlt werden. Wer behauptet, dass Wasser keine Ware sein darf und allen Menschen kostenlos zur Verfügung stehen muss, belügt sich selbst: Natürlich ist Wasser eine Ware, denn die Wasserversorger arbeiten nicht umsonst, und natürlich steht sie nicht kostenlos zur Verfügung, denn die Steuerzahler haben sehr wohl Kosten zu tragen. Die Frage ist also nicht, ob es Kosten geben soll, sondern, wer sie übernimmt. Gerade in den Ländern der Dritten Welt, in denen fast immer die Regierung die Wasserversorgung in der Hand hat, hat sich gezeigt, dass private Unternehmen sie Lage verbessern können. (more…)


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