Archive for the ‘Lateinamerika’ Category

Chavez: „Nach mir die Sintflut“

Oktober 7, 2012

Chavez plant den Sozialismus des 21. Jahrhunderts

Falls er die Wahl verliert, erwartet Hugo Chavez folgendes für Venezuela:

Bei einer eventuellen Niederlage würde das Land in eine Phase der Destabilisierung abdriften. Die Bourgeoisie wird versuchen, unser Gesundheitsprogramm und die Bildungs-und Sozialprogramme für die Armen zu streichen. Dies würde zu einem Bürgerkrieg führen, denn die Menschen würden aufbegehren. Niemand würde mit verschränkten Armen zusehen, wie die wichtigsten Errungenschaften meiner Regierung beseitigt würden.

Trotzdem demonstrierten in der Hauptstadt Hunderttausende gegen Chavez und trotzdem ist Antonio Ledezma, der Bürgermeister von Caracas überzeugt, dass Henrique Capriles mit 1 Million Stimmen Vorsprung gewinnen wird. Auch die Ermordung von Oppositionspolitikern oder die Beschimpfung des Konkurrenten Capriles können nichts daran ändern. Vielleicht wissen die Venezolaner einfach, was Chavez aus ihrem Land gemacht hat. Die Sintflut ist schon da, den meisten Venezolanern dürfte es schwerfallen zu glauben, dass es schlimmer kommen kann.

Das Wahlsystem gilt als zuverlässig und transparent. Insgesamt werden 3.435 nationale und 245 internationale Wahlbeobachter den Abstimmungsprozess überwachen. Eine Abordnung der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) hat die einwandfreie Funktion der 39.600 elektronischen Wahlmaschinen bestätigt, Wahlbetrug ist also unwahrscheinlich. Außerdem sorgen 139.000 Soldaten vor und innerhalb der Wahllokale für die Sicherheit der Wähler, Einschüchterungen sollen so verhindert werden. Im Klartext: Es gibt keine Ausreden. (more…)

Die sieben Plagen, die Hugo Chavez nach Venezuela brachte

September 6, 2012
Venezuela im Würgegriff des Sozialismus

Venezuela im Würgegriff des Sozialismus

Übersetzung des Artikels
Die sieben Plagen, die Hugo Chavez nach Venezuela brachte
von Carlos Salas
erschienen am 29. August 2012 in Todos Unidos Por Venezuela

Die sieben Plagen, die Hugo Chávez nach Venezuela brachte

Der spanische Journalist Carlos Salas publizierte auf der Website Lainformacion.com einen Artikel, indem er eine Nachzählung über diverse Fortschritte macht, die geschehen sind, seit dem Hugo Chavez im Jahr 1999 zum Präsidenten Venezuelas wurde. „Als Hugo Chavez 1999 der Präsident Venezuelas wurde, dachte ich, dass er das Land regeln würde“.

Als Hugo Chávez 1999 der Präsident Venezuelas wurde, dachte ich, dass er das Land regeln würde. Dreizehn Jahre später muss ich meine Worte zurücknehmen. Das sind die Plagen, die in diesem Land ausgelöst wurden.

1. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen. Vor einer Woche brach die Brücke, die Caracas mit dem Osten des Landes verband, zusammen. Die, die den Maracaibo-Fluss kreuzt, ist kurz vor dem Zusammenbruch. 2007 brach die, die Caracas mit dem internationalen Flughafen von Maiquetía verband, zusammen. Autobahnen und Brücken in Vierteln, Dörfern und Städten brechen zusammen. Schuld daran ist mangelnde Wartung. Ich sage das nicht. Die Ingenieurschule, die diese beklagenswerte Situation öffentlich gemacht hat, sagt das.

2. Die Ölindustrie ist veraltet und schlecht ausgenutzt. Venezuela ist das Land mit den größten nachweisbaren Ölreserven. Aber es importiert Öl aus den USA weil es eine schlecht organisierte Industrie hat. Es wurde kein Geld investiert um die Anlagen zu verbessern und deswegen hat es eine Explosion in Amuay gegeben, ehemals Teil der größten Ölraffinerie der Welt. 40 Personen sind gestorben. Ich sage das nicht. José Bodas, der Generalsekretär der Gewerkschaft von Ölarbeitern, sagt das.

3. Die Kriminalität tötet das Volk. Jedes Jahr werden zwischen 15.000 und 18.000 Personen ermordet. Die übergroße Mehrheit der Mörder wird nicht bestraft. Und die armen Leute werden ermordet um ihnen Motorräder, Handys oder Kleidung zu stehlen … Ich sage das nicht. Die Medien sagen das. Schreiben sie in Google „wurde in Caracas ermordet“ und ihr werdet die Nachrichten sehen. (more…)

Have a Coke!

August 1, 2012

Muss Bolivien bald ohne Coca-Cola auskommen?

Zu den größten Sorgen der Globalisierungsgegner gehört die angebliche Zerstörung der kulturellen Vielfalt durch den westlichen Kulturimperialismus. Die sozialistische Regierung in Bolivien teilt offenbar diese Sorge und hat nun angekündigt, Coca-Cola zu verbieten, um die Marktpräsenz seines eigenen traditionellen Getränks “Mocochinchi” zu stärken. Damit wäre Bolivien nach Nordkorea und Kuba die dritte Coca-Cola-befreite Zone. Im letzten Jahr hatte sich bereits McDonalds aus Bolivien zurückgezogen, die traditionelle Küche ist in dem Andenstaat tief verwurzelt. Das Verbot tritt am 21. Dezember in Kraft, dem Tag, an dem der Maya-Kalender den Beginn eines neuen Zeitalters ankündigt.

Der bolivianische Außenminister David Choquehuanca äußerte sich zum symbolischen Datum: „Diese Entscheidung passt super mit dem Ende des Maya-Kalenders zusammen und wird ein Teil der Feierlichkeiten anlässlich des Endes des Kapitalismus und des Beginns eines wahrhaft kulturellen Lebens. Der 21. Dezember soll zu einem Ende des Getränks Coca-Cola und zu einem Anfang für ‚Mocochinchi‘ werden. Die Planeten werden erstmals seit 26 000 Jahren in einer Reihe stehen; es ist das Ende des Kapitalismus und ein Anfang für den Kommunitarismus.“

Der Hass gegen Coca Cola und McDonalds hat eine lange Tradition. In Italien behaupteten Kommunisten, Coca-Cola bleiche das Haar und verursache die gefährliche Krankheit Coca-Kolitis. Im Jahr 1999 erlangte der französische Kleinbauer José Bové Bekanntheit und Bewunderung bei Globalisierungsgegnern, als er im Kampf gegen „McMerde“ („McScheiße“) ein McDonalds-Restaurant abfackelte. Der kulinarische Imperialismus aus Italien, Frankreich, Spanien, China, Mexiko oder Indien war dagegen nie ein großes Problem. Es handelt sich bei dem ganzen Hype also weniger um Globalisierungskritik, sondern eher um Antiamerikanismus.

Doch aufgepasst: Für die meisten Länder ist es besser, wenn Coca-Cola dort anwesend ist. Das britische Wirtschaftsblatt Economist hat nämlich in den 1990ern eine Studie durchgeführt, in der der Coca-Cola-Konsum zu den sozialen, gesundheitlichen und politischen Errungenschaften gesetzt wurde. Das Ergebnis: Desto mehr Coca-Cola die Menschen konsumieren, desto freier, reicher, gesünder und gebildeter sind sie. Natürlich ist Coca-Cola nicht die Ursache, sondern die Folge der Freiheit. Trotzdem kann man das Fazit der Studie empfehlen: Have a Coke!

Lateinamerika: Das Ende des Sozialismus

März 25, 2012
Che Jesus Guevara

Kommt Che Guevara in Lateinamerika langsam aus der Mode?

In Chile demonstrieren seit dem Mai 2011 Studenten, Professoren und Arbeiter gegen das Bildungssystem. Hauptkritikpunkte sind die zu hohen Studiengebühren, in Chile sind fast alle Schulen und Universitäten kostenpflichtig. Ein Studium kann umgerechnet 6.000 Euro jährlich kosten. Das chilenische Bildungssystem stammt zum Großteil aus der Pinochet-Diktatur. Die Demonstranten haben den großen Rückhalt der Bevölkerung hinter sich, die Popularitätswerte der ersten rechtsgerichteten Regierung seit dem Ende der Pinochet-Diktatur sind stark gesunken.

In den westlichen Medien wurde dabei eine kleine Ikone geboren: Camila Vallejo. Sie ist Mitglied in einem kommunistischen Studentenbund und wird von Ewiggestrigen im Westen bereits mit Rudi Dutschke verglichen. Sicherlich ist es legitim, gegen zu hohe Studiengebühren zu demonstrieren, doch sollte man nicht vergessen, dass- auch wenn Pinochets Verbrechen durch nichts zu entschuldigen sind- die liberalen Reformen aus seiner Zeit die Basis dafür legten, dass Chiles Wirtschaft zum allseits bewunderten Vorbild Südamerikas wurde. Eine kommunistische Umgestaltung ist das letzte, was Chile jetzt braucht.

Die gute Nachricht: Camila Vallejo ist in Lateinamerika ein Auslaufmodell. Die sozialistischen Staaten befinden sich seit Jahren im Niedergang und werden immer unbeliebter. Die Krebserkrankung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez ist ein schwerer Schlag für die sozialistische und antiamerikanische Achse in Lateinamerika (Venezuela, Kuba, Nicaragua, Bolivien). Jede Region der Welt musste den Sozialismus ausprobieren- jetzt haben ihn die Lateinamerikaner endlich satt. (more…)

Zum „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“

November 20, 2011

Chavez  plant den Sozialismus des 21. Jahrhunderts

In einigen Monaten könnte er tot sein. Die Diagnose lautet Krebs, seitdem hat er bereits drei Chemotherapien hinter sich und zeigt sich optimistisch. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Sein Tod wäre ein herber Rückschlag für so manchen Antikapitalisten. Denn der venezolanische Präsident Hugo Chavez ist die größte Hoffnung der Sorte von Sozialisten, die nach dem Kalten Krieg auf die Errichtung eines neuen, diesmal wirklich perfekten Sozialismus warten. Sein „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ soll das schaffen, was Lenin, Stalin, Mao und Fidel Castro nicht vergönnt war. Es findet schon seine Nachahmer in einigen mittel- und südamerikanischen Ländern.

Wenn Venezuela wirklich ein Beispiel für den Sozialismus des 21. Jahrhunderts sein soll, dann ist jetzt schon klar, dass er keine Besserung zu dem des 20. Jahrhunderts darstellt. Was er genau unter seinem Projekt versteht, hat er zwar noch nicht deutlich formuliert, doch man kann es in seinem Land besichtigen: Massive Enteignungen, Unterdrückung kritischer Medien und ein Führerkult mit brachialer Kampfrhetorik. Die Folgen davon sind Rezession, Hyperinflation, ein explodierender Anstieg der Kriminalitätsrate und politische Instabilität. (more…)

Bolivien: „La misma historia“

Juli 17, 2011

Die bolivianische Flagge

Die Copa America in Argentinien läuft schon seit zwei Wochen, aber für mich ist sie schon jetzt ein bisschen enttäuschend ausgefallen. „Ein bisschen“, weil ich zwar nur wenig Hoffnung hatte, aber eben doch ein bisschen. Für wen? Na, Bolivien natürlich. Ich bin dort nämlich migrationshintergründig, und das verpflichtet mich als Fußballfan zum „Mitfiebern“.

Trauer, Wut, Enttäuschung?

Als ich nach dem Aufwachen sofort den Computer aufmachte, um zu sehen, wie das Spiel ausgegangen war, hatte ich den Grundsatz im Kopf: Keine Hoffnung, keine Enttäuschung. Daran änderte auch das erste Ergebnis nichts: Bolivien hatte in Argentinien (!) gegen ihre erste Elf (!) in einem offiziellen Turnier (!) ein Unentschieden rausgeholt (!) und dabei mehr als 20 Minuten in Führung gelegen (!), mit einer vergebenen Chance auf das 2:0 (!) – eine Menge Gründe, um davon auszugehen, dass dieses Team die U-22-Mannschaft von Costa Rica besiegen könnte. Aber das war mir einfach nicht genug. Wir hatten ja schon mal Maradonas Elf mit 6:1 besiegt, nur um dann gegen Venezuela zu verlieren. Zum Glück bin ich tatsächlich dabei geblieben, denn meine „Schwarzseherei“ sollte sich bewahrheiten. Die „Ticos“ besiegten uns 2:0 und vernichteten damit alle Hoffnungen auf ein bisschen Ruhm für Bolivien, ein Land, dass man höchstens für den Koka-Anbau und den Inkas kennt. Die nächste Niederlage gegen Kolumbien (0:2) war zumindest weniger schmerzvoll.

In Bolivien nennt man das dann gewöhnlich „la misma historia“ (dieselbe Geschichte): „jugamos como nunca y perdimos como siempre“ (wir spielten wie nie und verloren wie immer). (more…)

Terroristen in Südamerika

Juni 23, 2011
Die Flagge der FARC

Die Flagge der FARC

In Südamerika gab es in der Vergangenheit eine ganze Reihe von terroristischen Organisationen, die etliche Menschen auf dem Gewissen haben. Es gab da z.B. die Mutter aller Stadtguerillas, die „Tupamaros“ in Uruguay (dass heute von einem ehemaligen Stadtguerillero regiert wird), die sich Anfang der 1970er mit Entführungen und Morden hervortraten. In Peru gab es die „Sendero Luminoso“ (Leuchtender Pfad), denen in den 1980ern Zehntausende zum Opfer fielen. In Kolumbien tummeln sich seit Jahrzehnten linke Guerillas und rechte Paramilitärs, denen schwere Menschenrechtsverletzungen angelastet werden. Und angeblich soll sogar die al-Qaida in Lateinamerika aktiv sein, in dem sie dort Glaubensbrüder rekrutieren und geheime Treffen abhalten. Der Rauschgifthandel mit Südamerika gilt als eine der wichtigsten Einnahmequellen von al-Qaida.

Grund genug, um Terroristen mit der vollen Härte der Justiz zu begegnen, könnte man meinen. Aber zwei Vorfälle lassen eine andere Sprache sprechen. (more…)