Archive for the ‘Religion’ Category

Der Papst in Deutschland- Wenn ein theokratischer Diktator sein Heimatland besucht

September 22, 2011
Der Vatikan, die letzte westeuropäische Diktatur

Der Vatikan, die letzte westeuropäische Diktatur

Natürlich sind die iranischen Mullahs, die Taliban und sogar Pierre Vogel viel gefährlicher als der Papst. Und natürlich ist es ziemlich leicht, gegen den Papst zu demonstrieren, weil man nicht dieselben Reaktionen befürchten muss als wenn man eine Mohamed-Karikatur zeichnet. Und ja, die katholische Religion hat die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt und ihr gehören noch immer 1,2 Milliarden Menschen an. Aber müssen wir deshalb wirklich den Papst cool finden?

Nö. Wenn die Tatsache, dass andere Gruppierungen gefährlicher sind und von der Gesellschaft weniger Gegenwind bekommen, dann müsste man auch die NPD oder die Scientology cool finden. Es spielt auch keine Rolle, wie viel Menschen sie repräsentiert. Denn dann müssten die Schweizer ja auch stolz auf Sepp Blatter sein. Die katholische Religion hat den Westen mitgeprägt, aber ob dies nun gut für den Westen war, sei mal dahingestellt. Tatsache ist, dass die Kirche jeden sozialen Fortschritt bekämpft hat, da beißt die Maus kein Faden ab.

Es reicht nun mal nicht, dass die Linken ihn ablehnen, um ihn cool zu finden. Der Feind meines Feindes ist nicht mein Freund. Es gibt viele gute Gründe, den Papst abzulehnen. Obwohl er keine Schwulen steinigen lässt, glaubt er immer noch, sich auf Grundlage eines Buches, der vor mehr als 2000 Jahren entstand, in die Schlafzimmer von Milliarden Menschen einmischen zu müssen. Zu den Piusbrüdern braucht man wohl nicht mehr viel zu sagen. Die sind ganz und gar nicht cool.

Und überhaupt: Selbst wenn der Papst mehr für die Toleranz getan hätte als Henry Ford für die Verbreitung des Automobils- eine Person, der sich als unfehlbarer Repräsentant des Erschaffers des Universums betrachtet ist nun mal nicht mehr zeitgemäß. Und was soll man von einem Unternehmen halten, indem der Vize den Konzernchef nie zu sehen bekommt?

Keine Angst vor der Hölle

August 29, 2011
Gott bei der Erschaffung Adams

Gott bei der Erschaffung Adams

Vor einigen Tagen hatte ich wieder mal eine Gottesdiskussion. Obwohl mir das eigentlich immer Spaß macht, war es diesmal anders, denn sie endete mit einer „Höllendrohung“. Eine zivilisierte Diskussion wurde somit schlagartig beendet.

Wie ich schon in diesem Artikel gesagt habe, finde ich es ziemlich absurd, dass religiöse Fundamentalisten nach göttlicher Überlieferung glauben, dass alle, die nicht an denselben Gott glauben wie sie, in die Hölle kommen, ganz egal, wie sie sich im Diesseits verhalten haben. Das ist wohl das schlechteste, das Religionen den Menschen überliefert haben: Sie lehrten ihnen nicht, sich moralisch zu verhalten, sondern an sie zu glauben, völlig egal was sie sagen. Taten sind nicht richtig, wenn sie richtig sind, sondern wenn Gott sie absegnet. Mit toleranten oder säkularen Anhängern von Religionen habe ich kein Problem, aber über Fundamentalisten kann ich mich nie genug aufregen.

Die Höllendrohung ist für sie aber notwendig, denn nichts garantiert mehr, das Gläubige gläubig bleiben (und für sie ist Apostasie das Schlimmste aller Verbrechen), als die Angst, in die Hölle zu kommen. Nach dem Koran – der heiligen Schrift der Muslime – wird jeder Nichtmoslem nach seinem Tode in der Hölle auf ewig Eiter trinken müssen und sein Gehirn wird auf ewig geröstet. Ich persönlich würde zwar die Existenz einer Hölle befürworten, aber eben nur, wenn dort nur die „bösen“ Menschen reinkommen (und sie nicht so brutal gefoltert werden)- aber alle Atheisten dorthin deportieren, nur, weil sie nicht an Gott geglaubt haben? Was soll da gerecht sein? Als ob Atheisten alle automatisch ein verbrecherisches Leben geführt hätten. Diese Form der Missionierung hat sogar ein eigenes Argument hervorgebracht, die sogenannte „Pascalsche Wette“. (more…)

Terry Jones, der Koran und die Auswüchse religiöser Toleranz

August 1, 2011

Ein Koran aus Damaskus

Erinnern sie sich noch an Terry Jones? Wahrscheinlich schon, denn im Internet-Zeitalter gibt es wohl keinen leichteren Weg, auf schnellstem Wege Berühmtheit zu erlangen, als öffentlich anzukündigen, den Islam zu beleidigen (Beispiele: Salman Rushdie, Kurt Westergaard, Geert Wilders). Das wusste auch Jones, ein Pastor aus Florida, der im Jahr 2010 angekündigt hatte, am Jahrestag des 11.September öffentlich einen Koran zu verbrennen.

Es funktionierte: Plötzlich war er weltberühmt, und zwar so sehr, dass Puppen von ihm verbrannt wurden und 19 Menschen bei „Unruhen“ getötet wurden, die, so hieß es dann, von ihm höchst persönlich ausgelöst worden waren. Genauso wie ein Zoowärter ein Massaker auslöst, wenn er einen Tiger von seinem Käfig befreit, gingen die Reaktionen der Weltöffentlichkeit in die Richtung, nicht die schuldig zu sprechen, die eigenhändig 19 Menschen umgebracht hatten, sondern dem Pastor, der den Tiger- die leicht zu erregenden radikalen Muslime- losgelassen hatte.

Noch Schlimmeres geschah dann am 20.März dieses Jahres, als Jones seine Ankündigung in die Tat umsetzte und im Geheimen einen Koran verbrannte. Der Vorfall wurde zwei Tage später bekannt- dieses Mal starben 24 Menschen. Und wieder wurde die moralische Verantwortung dafür Terry Jones zugeschoben. Dass er selbst niemanden umgebracht hatte und auch nicht dazu aufgerufen, war jedem klar, aber es spielte keine große Rolle. Der Grund dafür ist das andere Toleranzverständnis, der in der „Islam-Debatte“ vorherrscht. (more…)

Gedanken zur Religionsfreiheit

Mai 10, 2011
Gott bei der Erschaffung Adams

Gott bei der Erschaffung Adams

Wir haben in unserer Gesellschaft viele Freiheiten errungen, die uns heute selbstverständlich vorkommen und die wir niemals in Frage stellen würden. Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Berufsfreiheit und auch Religionsfreiheit.

Die Religionsfreiheit erschien den ersten Menschenrechtlern als einer der, vielleicht sogar die wichtigste aller Freiheiten. Schließlich wurden in Europa jahrhundertelang Menschen aus religiösen Gründen verfolgt: Juden, Hexen, die Bilderstürmer, Ketzer, Protestanten und Katholiken massakrierten sich gegenseitig und am Ende war die Kirche selbst dran, als sie während der Französischen Revolution vom sich erhebenden, wütenden Pöbel gejagt wurde. Deswegen war es sicher ein Fortschritt, als beschlossen wurde, dass kein Mensch mehr wegen seiner Religion oder Nicht-Religion verfolgt oder diskriminiert werden sollte.

Wenn es so einfach wäre, wäre ich auch uneingeschränkt für Religionsfreiheit. Aber das ist ja nicht alles, was man unter „Religionsfreiheit“ versteht. Dazu sollten wir wissen, dass es auch andere Freiheiten gibt, die für mich eigentlich wichtiger sind, wie z.B. die Gleichberechtigung von Mann und Frau, von „nationalen“ oder „ethnischen“ Minderheiten, von Homosexuellen und das Recht auf freie Wahlen. Nun stelle ich die Frage: Ist die Religionsfreiheit eigentlich vereinbar mit diesen anderen Freiheiten?

Wie wir alle wissen und ich hier nicht noch mal erläutern werde, befinden sich in den heiligen Büchern der Religionen nicht selten Aufrufe zur Gewalt und zur Verfolgung von Minderheiten und Andersdenkenden, die sich, wenn sie nicht vor tausenden Jahren, sondern in unserer heutigen Zeit geschrieben worden wären, sofort zum Verbot dieses Buches geführt hätten. Warum also unterscheiden zwischen „Mein Kampf“ und dem Koran, der Torah oder der Bibel? Skurillerweise würde die Religionsfreiheit sogar mit sich selbst kollidieren, denn in den heiligen Büchern wird eben nicht immer zur Religionsfreiheit aufgerufen, sondern eher zum Gegenteil. (more…)

Religiöse Diskurslogik-oder: Wir brauchen eine neue Atheismus-Definition!

April 26, 2011
Die historische Entwicklung des Atheismus

Die historische Entwicklung des Atheismus

Es scheint immer mehr so, dass der Begriff “Atheismus” von vielen Personen missverstanden oder gar missbraucht wird. Das Hauptproblem dabei ist: Atheismus wird als eine alternative Religion angesehen und dann auch so “überprüft”. Man sucht nach einer vermeintlichen “Lehre” des Atheismus und vergleicht diese dann mit den Lehren der traditionellen Religionen. Der zweite Fehler ist der, das man Atheisten vorwirft, das sie sich für allwissend halten, da sie nicht an einen Gott glauben, obwohl das Universum doch zu kompliziert ist, um es ohne Gott erklären zu können- das neuste Dogma der Religiösen.

Diese beiden Denkfehler führen dazu, dass man nun sogar in Anlehnung an Richard Dawkins von einem “Atheismus-Wahn” spricht. Weil man Atheismus nicht versteht. Dabei kann man im Gegensatz zu Religionen Atheismus nicht “falsch interpretieren”.

Die Denkfehler der Gottesdebatte

Es geht beim Atheismus nicht darum, zu beweisen, dass es keinen Schöpfer gibt. Es geht darum, zu beweisen, dass es die menschengemachten Götter nicht gibt. Dies habe ich auch schon in meinem ersten Artikel klargemacht und werde es deshalb nicht wiederholen.

Deshalb sind Einwände wie diese hier

The first point I’d like to explore is that there really are no true atheists”…”It seems to me that in order to claim with certainty that there is no God you would have to have knowledge of the totality of the universe”…”and I don’t think any of you guys are ready to make that claim.

… völlig abwegig, da Atheisten nie behaupten, das sie alles über das Universum wissen (gefunden hier). (more…)

Einer der ersten Atheisten

April 6, 2011
Die historische Entwicklung des Atheismus

Die historische Entwicklung des Atheismus

Schon im 10./11. Jahrhundert lebte im Nahen Osten ein arabischer Dichter, der als Vorgänger des Atheismus bezeichnet werden kann.

Sein Name war Al-Ma’arri:

„Al-Ma’arri war ein Skeptiker und prangerte Aberglauben und religiösen Dogmatismus an. Er wurde daher als pessimistischer Freidenker bezeichnet.

Al-Ma’arri lehrte, dass Religion eine „von den Vorvätern ersonnene Fabel“sei, ohne Wert außer für Ausbeuter leichtgläubiger Massen. Zu Lebzeiten al Ma’arris waren in Ägypten, Bagdad und Aleppo mehrere Kalifate entstanden, welche alle die Religion zur Stützung ihrer Macht instrumentalisierten.Er wies den Wahrheitsanspruch des Islams wie auch anderer Religionen zurück: Man soll die Behauptungen der Propheten nicht für wahr halten; es sind allesamt Erfindungen. Den Menschen ging es gut, bis sie kamen und das Leben verpfuschten. Die heiligen Bücher sind nur Sammlungen nutzloser Geschichten, wie sie alle Zeiten hervorbringen konnten und auch hervorgebracht haben.

Al-Ma’arri kritisierte viele Dogmen des Islams, wie z.B. den Hadsch, den er einen „Heidenzug“ nannte

Eines seiner Gedichte gibt seiner Sichtweise Ausdruck:

Sie alle irren – Moslems, Christen, Juden und des Zoroaster Legion.
Die Menschheit kennt weltweit nur diese beiden:
Den einen, mit Verstand wohl aber ohne Religion,
Den andern, religiös, doch ohne Hirnarbeiten.

Er wies jegliche göttliche Offenbarung zurück. Seine Überzeugungen waren die eines Philosophen und Asketen, für den die Vernunft einen moralischen Leitfaden bereithält und Tugend Belohnung genug für sich selbst ist. (more…)

Gibt es einen Gott?

März 10, 2011
Gott bei der Erschaffung Adams

Gott bei der Erschaffung Adams

Gleich zu Anfang werde ich die Frage beantworten, die noch immer für einen großen Teil der Menschheit eine zentrale Bedeutung in ihrem Leben hat und meine Zielgruppe erheblich einschränken könnte. Und zwar: Gibt es einen allmächtigen Schöpfer, der uns vom Himmel aus beobachtet und nach unserem Tod unseren weiteren Wohnort bestimmt (Himmel/Hölle/Nirvana)?

Wenn man darüber diskutiert, enden die Diskussionen meistens im kruden “Bodycounting”. Man vergleicht, wer mehr Menschen getötet hat, die Religiösen (Inquisitoren, Kreuzritter, Terroristen) oder die Atheisten (Kommunisten, Nazis). Und wer am Ende die meisten Tote “übrig hat”, hat verloren. Wie beim Uno-Kartenspiel. Meistens trifft es dann die Atheisten, denn wenn es um Todesopfer geht, kann keiner mit den Kommunisten und Nazis mithalten.

Doch dieser Diskussionsansatz ist völlig falsch. Denn es spielt für die Frage, ob es einen Gott gibt, überhaupt keine Rolle, wer mehr Menschen getötet hat. Die einzig wichtige Frage ist, ob sich die Existenz Gottes, oder besser gesagt- die Existenz der menschengemachten Götter- wissenschaftlich widerlegen lässt. Ohne einen Blick in die Bibel oder den Koran zu werfen. (more…)