Archive for the ‘Sozialismus’ Category

Ausbeutung für den Antikapitalismus

Juli 3, 2015

Gegen den Kapitalismus kämpfen! Für eine bessere Welt und 2 Euro die Stunde!

Es ist nichts außergewöhnliches, dass kapitalismuskritische Organisationen ihren Mitarbeitern oft Löhne anbieten, die sie bei den Unternehmen, die sie pausenlos kritisieren, als Ausbeutung oder Sklaverei bezeichnen würden. Die Liste an Beispielen ist lang: Die SPD beschäftigte in Rostock Putzkräfte für 7,56 Euro die Stunde, als sie einen bundesweiten Mindestlohn von 8,50 Euro forderten. Die taz, die sich konsequent für Mindestlöhne einsetzt, beschäftigte Volontäre für 5,39 Euro. Nicht nur Löhne, auch die Arbeitsbedingungen bei antikapitalistischen Organisationen sind oft hart. So entließ die kommunistische Zeitung junge Welt einen Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen, als der um eine Festanstellung bat, da sein Gehalt mehr als verdoppelt hätte werden müssen.

Viele weitere Beispiele für diese Doppelmoral der Antikapitalisten ließen sich finden. Dieselbe Ausbeutung, die sie bei anderen so anprangern, wird von ihnen praktiziert. Nun sind mir zwei Beispiele aufgefallen, die besonders erwähnenswert sind. Das erste stammt von der globalisierungskritischen Organisation Attac. Sie sind erbitterte Gegner des Freihandelsabkommens TTIP und bieten ein Praktikum an, mit dem Titel “TTIP stoppen”. Die Entlohnung für die Arbeit liegt bei 200-250 Euro pro Monat zu je 25-30 Stunden in der Woche. Umgerechnet ist das ein Lohn von 1,67 bis 2,50 Euro die Stunde. Also ein Praktikum mit dem Angebot: Gegen den Kapitalismus kämpfen! Für eine bessere Welt und 2 Euro die Stunde!

Man kann sich ausmalen, was Attac von Unternehmen halten würde, die solche Löhne zahlen (das Lustigste an der Stellenausschreibung ist jedoch ohne Frage die Anforderung “grundlegendes Verständnis von wirtschaftspolitischen Zusammenhängen insbesondere zu Handelspolitik und Freihandel” – jeder, der so ein grundlegendes Verständnis hat, wüsste nämlich, dass Freihandel positiv ist, und würde sich deshalb gar nicht bei Attac bewerben). Der zweite Fall hat es ebenfalls in sich. Wie die taz (ja, die Volontären 5,39 Euro zahlende taz) gestern berichtete, hat die der Linkspartei nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung in New York im März 2015 eine Mitarbeiterin ohne Angabe von Gründen fristlos gekündigt. Der mutmaßliche Grund würde Luxemburg im Grabe umdrehen lassen. (more…)

Profitgier – Das Übel der Menschheit?

April 8, 2015

Zu den legendärsten Aussagen des Ökonomen Milton Friedman gehört seine Verteidigung der Gier. Friedman meint, eine Wirtschaft könne nur florieren, wenn Menschen von Profitgier angetrieben werden, während Länder ohne Profitgier zu Armut verdammt sind.

Ziemlich bekannt und ununterbrochen zitiert wird auch Adam Smiths Aussage, wonach der Bäcker nicht aus Mitgefühl zu seinen Mitmenschen Brötchen backt, sondern einzig und allein aus Profitgier. Smith und Friedman gelten als wichtige Vordenker der freien Marktwirtschaft, und somit werden ihre Aussagen als Beweise dafür hervorgekramt, dass es im Kapitalismus nur um eines geht: Profitgier. Mehr Gewinnmaximierung, mehr Rendite, mehr Wachstum! Um was anders geht es in diesem System nicht, glauben die Gegner der freien Marktwirtschaft. Das finden sie verstörend. Ein System, indem es nur um Gier geht, ist unmenschlich, barbarisch, grausam. Nicht Profitgier sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Menschen, fordern sie.

Ein Wiener Hochschullehrer für Wirtschaft, Christian Felber, hat nun eine Alternative parat: Die Gemeinwohlökonomie. Unternehmen sollen gemäß Felber nicht mehr nur eine Profitbilanz haben, sondern auch eine “Gemeinwohlbilanz”, die messen soll, wie human die Arbeitsbedingungen sind, wie sehr die Umwelt geschützt wird, wie gerecht verteilt wird und wie solidarisch man sich gegenüber anderen Unternehmern verhält. Außerdem sollen auch “Gemeinwohlbanken” gegründet werden, deren Ziel es nicht sein soll, mehr Geld zurückzubekommen als man investiert hat. Des Weiteren soll es ein Maximaleinkommen geben (das Zehnfache des Mindestlohns), Privatvermögen sollen auf 10 Millionen Euro und Erben und Schenkungen auf 500.000 Euro pro Person beschränkt werden.

Eine Gesellschaft, in der nicht die Profitgier, sondern das Wohl der Menschen im Mittelpunkt steht – wer so argumentiert, hat einen bemerkenswerten logischen Denkfehler gemacht: Er versteht offenbar nicht den Unterschied zwischen Zielen, Methoden und Ergebnissen. Mit einem hat er immerhin Recht: Profitgier allein ist nichts Gutes. Gier kann der Antrieb sein, der zu den schlimmsten Verbrechen führt, die man sich vorstellen kann. Kriminelle rauben Banken aus, weil sie gierig nach Geld sind. Drogenkartelle töten Konkurrenten, damit sie ihnen ihre Gewinne nicht streitig machen. Erwachsene töten ihre eigenen Eltern, um an ihr Erbe ranzukommen. Die FIFA vergibt die WM an die Sklavenhalter-Scheichs in Katar, weil diese ihnen volle Geldkoffer gesendet haben.

Nun hat Friedman aber keine grenzenlose Gier ohne Rücksicht auf die Methoden, die dabei angewandt werden, gepredigt. Ihm geht es in keinster Weise nur um Renditeerhöhung. Das Wesen einer freien Marktwirtschaft, wie Friedman sie fordert, ist in allererster Linie Freiheit. Menschen sollen ohne Bevormundung vom Staat oder anderen Marktteilnehmern frei Arbeitsverträge abschließen, Unternehmen gründen, Handel treiben und über ihr Einkommen bestimmen dürfen, und die Aufgabe des Staates sollte sich weitgehend darauf beschränken, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Wenn sich jemand an diese Spielregeln (Methoden) hält, kann er jedes Ziel verfolgen, dass er will. Friedman sagt also nicht “Gier ist immer gut!”, sondern “Gier kann Wunderbares bewirken”. (more…)

Pech beim Nachdenken

März 14, 2015

Das Gesicht der Bürokraten

“If socialists understood economics, they wouldn’t be socialists”, soll Hayek einmal gesagt haben. Tatsächlich scheint diese Bemerkung äußerst treffend zu sein, wenn man sieht, mit welchen Vorschlägen Politiker aus dem linken und grünen Spektrum die Wirtschaft retten wollen. Aber in manchen Fällen erkennt man, dass sie durchaus Ahnung haben, wie die Wirtschaft funktioniert. Donald Boudreaux brachte dazu in einem Brief an einem Kollegen eine nette Analogie. Viele Linke befürworten sogenannte CO2-Zertifikate, mit denen man “Verschmutzungsrechte” gewinnen kann, oder gleich die Einführung einer CO2-Steuer, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Es wird zwar über den Preis solcher Zertifikate oder die Höhe einer solchen Steuer gestritten, aber über den Sinn solcher Maßnahmen ist man sich einig.

Warum ist das so? Es ist wirklich sehr einfach: Wenn der Staat etwas künstlich verteuert (also ohne dass es eine höhere Nachfrage oder ein niedrigeres Angebot dafür gibt), werden die Unternehmer versuchen, dieses etwas während der Produktion gering zu halten. Eine hohe CO2-Steuer würde dazu führen, dass Unternehmer weniger CO2 ausstoßen, weil sie die höheren Kosten nicht tragen wollen. Soweit, so gut. Jetzt kommen wir zu Boudreauxs Analogie: Der Kollege, dem er den Brief geschrieben hatte, befürwortet gleichzeitig eine CO2-Steuer und den Mindestlohn. Seiner Meinung nach könnte der Mindestlohn leicht bezahlt werden, da die Unternehmen durch ihre hohen Gewinne genug übrig hätten, um diese zu bezahlen.

Beides kann offensichtlich nicht stimmen. Die CO2-Steuer verteuert den CO2-Ausstoß und führt dadurch zu weniger CO2-Ausstoß. Der Mindestlohn verteuert die Arbeit und führt dadurch zu … mehr Arbeit? Wenn Unternehmer den Mindestlohn einfach durch ihre hohen Gewinne bezahlen könnten, könnten sie auch die CO2-Steuer durch ihre hohen Gewinne bezahlen, und somit wäre die Maßnahme sinnlos. Nun könnte man sagen, dass der Mindestlohn billiger ist als eine CO2-Steuer. Allerdings ist nicht jeder Bäcker, Friseur oder jede Reinigungsfirma ein multinationaler Großkonzern mit Milliardengewinnen in Luxemburger Banken, so dass der Mindestlohn vielen Unternehmen die Arbeit sehr wohl erheblich verteuern kann. (more…)

Mythen und Fakten zu Kuba

September 17, 2014
Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

Das waren noch Zeiten: Che Guevara und Fidel Castro beim Revolutionieren

“Ich habe niemals jemanden getötet, aber ich habe oft Nachrufe mit großem Vergnügen gelesen”, sagte der amerikanische Rechtsanwalt Clarence Darrow einmal. Die meisten Menschen dürften diesem Satz zustimmen, auch wenn sie es nicht zugeben. Das Jahr 2011 war in dieser Hinsicht besonders gut: Osama, Gaddafi und Kim Jong-Il segneten das Zeitliche. 2012 war dann eher enttäuschend. 2013 gab es immerhin Hugo Chavez. 2014 läuft aber wieder mau. Kandidaten gibt es ja reichlich, so z.B. Robert Mugabe oder Ayatollah Chamenei. Und natürlich Fidel Castro.

Der Kalte Krieg ist seit 23 Jahren vorbei, aber Fidel Castro ist geblieben. Er herrscht seit 55 – in Worten: fünfundfünfzig – Jahren über Kuba. Dabei nimmt er sich immer mal wieder eine Auszeit, so war er zwischenzeitlich neun Monate lang nicht in der Öffentlichkeit zu sehen. Politische Ämter übt Fidel offiziell nicht mehr aus, sein Bruder Raul hat den Posten als Generalsekretär der Kommunistischen Partei übernommen. In seinem Land hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Die Führung versucht langsam, das Land zu öffnen, ohne dabei den Unterdrückungsapparat zu lockern.

Das linke Narrativ lautet: Kuba war unter dem amerikanischen Marionettendiktator Fulgencio Batista das “Bordell der Amerikaner”, dann wurde Batista durch einen Volksaufstand, angeführt von Fidel Castro, gestürzt. Castro errichtete ein sozialistisches Paradies, verteilte den Reichtum gerecht, versorgte seine Bevölkerung mit Bildung und Gesundheit, versäumte es aber leider, Freiheit und Demokratie einzuführen. Die sozialen Errungenschaften werden aber gewöhnlich höher bewertet. Wenn man sich die Realitäten in Kuba anschaut, wird schnell klar, dass es sich bei diesem Narrativ um einen Mythos handelt, der freilich geschickt am Leben erhalten wird. (more…)

Schlechte Aussichten für die Gauchos

Juli 17, 2014
Wie gehen die Gauchos? Die Gauchos, die gehen so!

Wie gehen die Gauchos? Die Gauchos, die gehen so!

Wir haben es geschafft. Mit einer grandiosen Leistung holten unsere Jungs den WM-Titel in Brasilien, als erste europäische Mannschaft in Südamerika überhaupt. Es war ein tolles Turnier mit guten Spielen, vielen Toren, Drama ohne Ende und einer geilen Stimmung. Die Brasilianer waren gute Gastgeber, obwohl die ganze Korruption natürlich zum Himmel stinkt und ihre Mannschaft am Ende lächerlich gemacht wurde. Aber sowas passiert im Fußball halt, und mit Deutschland erlebten die Brasilianer immerhin einen mehr als würdigen Weltmeister.

In Deutschland mischte sich neben der ganzen wunderbaren Freude auch etwas Unmut über die angeblich respektlose Behandlung der Argentinier durch den “Gaucho-Tanz”. Bei der Siegesfeier liefen Klose, Schürrle, Mustafi, Götze, Weidenfeller und Kroos tief gebückt und sangen “So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so”, dann richteten sie sich auf und sangen: “So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so”. In Argentinien hat man diesen Skandal bis jetzt jedoch noch nicht bemerkt.

Die Öffentlichkeit in Argentinien dürfte bald von einem anderen Thema beherrscht werden. Das Land ist drauf und dran, das neue Venezuela zu werden. Dabei war Argentinien eines der Länder, denen man Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Zukunft prophezeite. Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte Peron, der verehrte Nationalheld, den Spruch, von dem, was eine argentinische Familie wegwirft, könnten fünf europäische Familien leben. Aber die Zeiten änderten sich schnell und heute steht man mal wieder vor einem Bankrott. (more…)

Die schöne Zeit der Beschränkung

Juni 12, 2014

Wir erinnern uns: So sah im Jahr 1986 ein Lebensmittelgeschäft in Moskau aus:

Als der sowjetische Fußballer Igor Belanov 1989 nach Mönchengladbach wechselte, kaufte seine Frau gleich 15 Kilo Fleisch, weil sie damit rechnete, dass am nächsten Tag kein Fleisch angeboten wird. Schlimme Zustände, an die sich keiner zurücksehnt, könnte man meinen. Leider ist dem nicht so. Die slowenische Philosophin Renata Salecl meint, dass die neue Zeit mit den neuen Konsummöglichkeiten nicht so schön ist wie die alte Zeit. Sie spricht gar von der “Tyrannei der falschen Freiheit”. Früher war alles sozialer, gerechter und fortschrittlicher:

Ich selbst blicke gerne zurück auf diese Beschränkungen. Als Kinder hatten wir dadurch eine ganz intensive Freude am Konsum. Die Grenzen waren klar gesteckt, und keiner überlegte, ob es an seinem eigenen Versagen liegen könnte, wenn er nichts hatte.

Mit der neuen Freiheit können die Menschen einfach nicht umgehen:

Im Postsozialismus hat sich das dann sehr schnell gedreht, hin zum Massenkonsum. Viele verschwenden ihr ganzes Geld und ihre Freizeit beim Shopping. Sie verschulden sich, können aber nicht mit dem Einkaufen aufhören.

Aber es gibt einen Ausweg aus dieser schlimmen Misere:

Wir dürfen Konsumentscheidungen nicht so ernst nehmen und sollten möglichst wenig Zeit mit ihnen verschwenden. Aber dafür müssen wir erst einmal aufhören, das Individuum als Meister seines Lebens zu sehen.

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Ist der Neoliberalismus an allem Schuld?

Mai 3, 2014
Löst der Neoliberalismus Schiffsunglücke aus?

Löst der Neoliberalismus Schiffsunglücke aus?

Der Neoliberalismus ist Schuld an der Ausbeutung der Armen, an der zunehmenden Ungleichheit bei den Einkommen, an dem Hunger in der Dritten Welt, an der Schiffskatastrophe in Südkorea und am Aussterben der Dinosaurier. Nun gut, das letzte Beispiel dürfte zu viel des Guten sein. Aber die anderen vier genannten Missstände sind tatsächlich dem Neoliberalismus angelastet worden. In der FAZ meinte der südkoreanische Philosoph Byung-Chul Han, dass “der Neoliberalismus” Schuld an der Schiffskatastrophe in Südkorea ist, bei der über 200 Schüler gestorben sind. Er führt dafür drei Gründe an:

1. Schiffe mussten früher nach 20 Jahren ausgetauscht werden, die Frist wurde aber durch “neoliberale” Deregulierungen auf 30 Jahre verlängert, so dass das 18 Jahre alte Schiff nicht ausgemustert wurde.
2. Rettungsdienste bei Unfällen auf See wurden teilprivatisiert, deshalb geht er davon aus, dass es zu Koordinationsproblemen zwischen den privaten Rettungsdiensten und der Marine kam.
3. Der Kapitän hatte keinen festen Arbeitsvertrag, er war ein Zeitarbeiter und hatte deshalb keine Bindung an das Schiff, weswegen er auch nicht bereit war, sich für die Schüler zu opfern. Früher hätte kein Besatzungsmitglied überlebt.

Schauen wir uns die Argumente mal genauer an:

1. Han behauptet: “Die rein profitorientierte Unternehmenspolitik erhöht massiv das Unfallrisiko”. Diese Behauptung erklärt er aber nicht, er stellt sie einfach in den Raum. Eine Reederei will Profit machen – ist es da nicht viel rationaler, Schiffe zu benutzen, die sicher sind und über lange Zeit Gewinne einfahren, anstatt zu verunglücken? Außerdem bezweifle ich, dass eine Regel, wonach Schiffe nach 20 oder 30 Jahren ausgemustert werden müssen, wirklich die Unfallgefahr senkt. Wahrscheinlich würde man ein Schiff, das in 1 oder 2 Jahren sowieso vom Gesetz her ausgemustert werden muss, erst recht vernachlässigen. (more…)

Die Große Koalition gegen die soziale Marktwirtschaft

März 24, 2014

Was ist von Ludwig Erhard noch übriggeblieben?

Seit dem 1. Januar 2013 ist das Monopol der Deutschen Bahn für den Fernbusverkehr Geschichte. Was hat sich seitdem verändert?

– Das Angebot an Strecken hat sich verdreifacht.
– Die Preise sind billiger geworden, Studenten und Rentner können sich nun Fernreisen besser leisten.
– Es sind viele neue Arbeitsplätze entstanden.

Die Liberalisierung des Fernbusverkehrs machte es also tatsächlich möglich, dass Menschen aller Klassen zu billigeren Preisen schneller von einem Ort zum anderen reisen können, ohne einem Monopolisten ausgeliefert zu sein, der Wucherpreise und schlechten Service anbietet. Und dabei entstehen auch noch Arbeitsplätze. Wie furchtbar! Der freie Markt muss eingedämmt werden. Wo kommen wir denn hin, wenn sich Studenten und Rentner das leisten können, was sich die Reichen und Mittelständischen leisten können?

Das denkt sich offenbar auch die Große Koalition und will jetzt den freien Markt im Namen der sozialen Gerechtigkeit einschränken. Wenn ihre Vorhaben umgesetzt werden, stehen Deutschland harte Zeiten bevor. Das Wort “sozial” ist dabei ganz wichtig. Es ist aus sozialen Gründen wichtig, Neubauten und Renovierungen durch eine Mietpreisbremse unattraktiv zu machen. Es ist aus sozialen Gründen wichtig, Geringverdiener durch den Mindestlohn entweder in die Arbeitslosigkeit oder in die Schattenwirtschaft zu verdrängen.

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Die hohe Kunst der Diffamierung

Januar 9, 2014
Die "Pyramide des kapitalistischen Systems"

Wie Antikapitalisten den Kapitalismus sehen

Wenn man in Deutschland gegen zu hohen staatlichen Einfluss anschreibt und mehr Selbstbestimmung fordert, begegnen einem unweigerlich die Stimmen derer, die für mehr Staat und weniger Selbstbestimmung stehen. Es gibt sicher einige, mit denen man vernünftige Diskussionen führen kann. Aber in vielen Fällen wird man einfach diffamiert, während auf sachliche Argumente verzichtet wird. Ich habe vier Punkte gefunden, die mir aus Diskussionen besonders in Erinnerung geblieben sind. Eine kleine Anleitung für einen Antikapitalisten, um einen Kapitalisten zu diffamieren.

1. Bezeichne ihn als Lobbyisten.

Das ist das Allerwichtigste. Jeder, der für eine Sache schreibt, die nicht deine ist, ist ein Lobbyist. Wenn du ein Kapitalismuskritiker bist, sind alle deine Kritiker Konzern-Lobbyisten, wenn du dich gegen Atomkraft einsetzt, sind alle deine Kritiker von der Atomlobby, wenn du gegen Gentechnik bist, sind alle deine Kritiker von Monsanto bezahlt, wenn du für CO2-Obergrenzen bist, sind alle deine Kritiker von der Öllobby (du kannst auch einfach ein Wort nehmen, mit dem du deine Kritiker bezeichnest, wie z.B. “Neoliberaler”, dann wissen alle Bescheid). Du dagegen bist kein Solar- oder Windkraftlobbyist, nein, du setzt dich für die Allgemeinheit ein.

2. Nehme ein Argument, kritisiere es und stelle es so dar, als seien damit alle seine Argumente widerlegt.

Dein Kritiker sagt, Deregulierungen würden der Wirtschaft gut tun. Aber Deregulierungen haben zur Finanzkrise geführt, wie du weißt. Er erzählt also offensichtlich Unsinn. Und wenn er hier Unsinn erzählt, musst du alle seine anderen Argumente gar nicht beachten, denn sie sind auch Unsinn. Du musst dir also gar nicht anhören lassen, dass die Subprime-Krise in Wirklichkeit durch falsche staatliche Politik, nämlich durch die von der US-Notenbank betriebenen Politik des billigen Geldes, verursacht und durch die ebenfalls staatlichen Bankenrettungsprogramme verschlimmert wurde. (more…)

Bitte kein Schundkino mehr!

November 24, 2013
Die Traumfabrik produziert auch mal Blödsinn

Kreative Filmemacher brauchen keine Filmförderung

Wolfgang Röhl nimmt sich in der Achse den vom Spiegel als “erfolgreichen Regisseur” bezeichneten Christian Petzold vor, der zu den größten Profiteuren der deutschen Filmförderung zählt. Jedes Jahr schütten diverse Filmförderungsanstalten (FFA) 290 Millionen Steuergelder für meist schlechte Filme aus, die kaum irgendjemanden interessieren (tragischerweise soll auch bei einem möglichen Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA die Kultur ausgenommen werden). Röhls Artikel erinnerte mich an ein Interview mit dem Filmemacher Klaus Lemke, den er im Mai anlässlich der Filmfestspiele von Cannes dem Magazin “liberal” gab.

Hier ein paar lesenswerte Ausschnitte:

Ich versuche seit 40 Jahren den Leuten zu erklären, dass jede Form von Subventionen aus Steuermitteln für Film ein Tritt in die eigene Kreativität ist.

Nur ein Einziger ist der deutsche Film: Til Schweiger. Wenn’s Til Schweiger nicht gäbe, gäbe es keinen deutschen Film mehr. Man müsste nur Til Schweiger davon überzeugen, drei Jahre keinen Film mehr zu machen. Dann würde der deutsche Film nicht mehr da sein.

Meine Kollegen sind durch die Subventionen totgemacht. Das ist so wie Hamlet. Hamlet ist gelähmt durch das untergründige Einverständnis mit seinem Vater. Und hier ist es das untergründige Einverständnis, dass ein Staat etwas so kapitalistisches, urkapitalistisches wie Film, wie Entertainment fördert. Wenn man einmal damit einverstanden ist, kann man sich auch umbringen, was Film angeht.

Klare Worte. Til Schweiger wird übrigens auch von Röhl angesprochen, der anmerkt, dass Kinos in Deutschland nur aufgrund der von den Kritikern geschmähten Komödien-Macher wie Til Schweiger wirtschaftlich überleben können. Es ist leider nichts Ungewöhnliches, das gerade über die, die eine Branche am Leben erhalten, am meisten hergezogen wird. Lemke stellt fest, dass eine staatliche Filmförderung in den USA unmöglich wäre und amerikanische Filmemacher erkannt haben, wie die europäische Filmförderung eher ihre Filme bevorteilt (derzeit befindet sich jedoch nicht das Kino, sondern das amerikanische Fernsehen in einem goldenen Zeitalter). (more…)


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