Archive for the ‘Syrien’ Category

Die Zukunft der Christen in Syrien

Dezember 25, 2012

Christliche Gemeinschaften im Nahen Osten leiden unter zunehmender Verfolgung

„Wenn es euren Gott gibt, warum hilft er euch dann nicht?“

Diesen Satz hören verfolgte Christen seit über 2000 Jahren. In den letzten Jahren wurden Christen vor allem im Irak brutal verfolgt (mehr als die Hälfte von ihnen ist geflohen) und leben immer noch in ständiger Angst. In Libanon sank der christliche Bevölkerungsanteil durch Auswanderung und den Bürgerkrieg von 52% im Jahr 1950 auf 30% im Jahr 2012. In der Geburtsstadt Jesu Christi, Bethlehem, ist der christliche Bevölkerungsanteil von 60% auf 15% gesunken, in ganz Palästina von 5,3% auf etwa die Hälfte. Egal ob Nigeria, Ägypten, Indonesien oder Pakistan- das Los der Christen in der islamischen Welt ist bedrückend.

Die Juden haben das Problem gelöst, indem sie einen eigenen Staat gründeten. Diese Lösung ist für die Christen im Nahen Osten ausgeschlossen, da sich niemand dafür einsetzen würde und die Christen diese Lösung wahrscheinlich auch nicht anstreben. Die Frage, wie es Christen in Syrien nach Assad ergehen wird, ist einer der Gründe, warum der Aufstand gegen das Regime so kritisch beäugt wird. Syrien wurde im Jahr 1915 bereits Schauplatz von Massakern an Christen, als die Osmanen 1915 in der Stadt Deir ez-Zor, die als „Auschwitz der Armenier“ gilt, 150.000 armenische Christen umbrachten.

Die Christen in Syrien wurden unter Assad nicht verfolgt, hatten aber nicht dieselben Rechte wie die muslimische Bevölkerung. Missionierung war untersagt und Apostasie bei Muslimen wurde bestraft. Im Jahr 1944 waren noch 38% der Einwohner von Aleppo Christen, heute sind es nur noch 3,3%. Im November 2012 veröffentlichte Aymenn Jawad Al-Tamimi einen Artikel, der sich mit den Berichten über Christenverfolgungen in Syrien auseinandersetzte. Er kam zu dem Schluss, dass es momentan noch keine systematischen Christenverfolgungen gibt, aber dass durch das zunehmende Strömen von ausländischen Dschihadisten die Christen in große Gefahr geraten könnten. (more…)

Lincoln und Assad

November 28, 2012

Ist Abraham Lincoln der amerikanische Assad des 19. Jahrhunderts?

Lincoln hatte Glück, dass er nicht in unserer Zeit lebte. Twitter, Facebook, Al Jazeera, die NATO und die UNO würden dafür sorgen, dass er als brutaler Diktator wahrgenommen wird. Man würde Druck auf ihn ausüben, die Sezession der Konföderierten Staaten zu respektieren. Heute gilt Lincoln ein amerikanischer Nationalheld, er gilt als Freiheitskämpfer und Märtyrer. Was Lincoln damals tat, ist das, was Assad heute tut, wenn er versucht, zu verhindern, dass sein Land von Rebellen auseinandergerissen wird. Assad ist ein besorgter Landesvater, und es ist möglich, dass man ihn in Zukunft anders beurteilen wird als heute. Die Geschichte ist voller Überraschungen.

Das sage natürlich nicht ich. Das sagt Yevgeny Satanovsky, der Präsident des russischen Instituts für den Mittleren Osten.

Es gibt tatsächlich einige Parallelen zwischen Lincoln und Assad. Lincoln ist der amerikanische Präsident, der einen Krieg führte, indem mehr Amerikaner starben als unter Bush, Johnson, Nixon und Roosevelt zusammengerechnet. Der Krieg gegen die Konföderierten wurde äußerst brutal geführt, einige Unionsgeneräle verfolgten eine Politik der „verbrannten Erde“ und verwüsteten ganze Städte. Murray N. Rothbard behauptet sogar, dass Lincoln den „totalen Krieg“ erfunden hat. Außerdem führte Lincoln die Wehrpflicht ein, ließ Aufstände von Kriegsunwilligen blutig niederschlagen (Draft Riots) und schränkte die Bürgerrechte ein (Pressefreiheit, Schutz vor willkürlicher Verhaftung).

Aber dennoch ist der Vergleich unzulässig, denn es gibt große Unterschiede zwischen den beiden Präsidenten. (more…)

Die Nationale Koalition

November 12, 2012
Die syrische Flagge von 1932-58 und 61-63 ist das Symbol der Demonstrationsbewegung

Die syrische Flagge von 1932-58 und 61-63 ist das Symbol der Demonstrationsbewegung

Es hat nur 20 Monate, 36.000 Tote, 28.000 Vermisste, 700.000 Flüchtlinge und Millionen Binnenflüchtlinge gedauert, aber jetzt ist es soweit: Die syrische Opposition hat sich auf eine Interimsregierung geeinigt. In der katarischen Hauptstadt Doha hatten sich in der letzten Woche verschiedene Oppositionsgruppen getroffen und haben gestern eine gemeinsame Vereinbarung getroffen. Ursprünglich war das Treffen für Oktober vorgesehen, doch um mehr Oppositionsgruppen zu vereinen, wurde das Treffen verschoben.

Die Exilopposition war von den lokalen Aktivisten kritisiert worden, weil sie den Aufstand im Land „nicht richtig erfassen“ würden und weil sie untereinander zerstritten waren. Zu groß waren die Gegensätze zwischen den politischen, ethnischen und religiösen Gruppierungen, die lediglich die Feindschaft zum Assad-Regime gemeinsam haben. Außerdem wurde kritisiert, dass der größte Oppositionsblock, der Syrische Nationalrat (SNC) von den Muslimbrüdern dominiert wird. Frauen und Minderheiten würden benachteiligt.

Dies zeigte sich mal wieder, als der SNC vor 2 Tagen einen neuen Exekutivrat wählte, in der zwar ein Christ die Führung hatte, aber keine einzige Frau vertreten war. Rafif Jouejati, eine Sprecherin der Lokalen Koordinationskomitees (LCC), die die Demonstrationen in Syrien organisieren, kommentierte diesen Schritt so: „Ich bin absolut empört über diese Entscheidung. Es ist unmöglich, dass ein solcher Block die Ziele der syrischen Revolution verkörpert.“ Kurz darauf gaben die LCC ihren Rückzug von dem SNC bekannt.

Mit der neuen Vereinbarung wurde nun eine „Nationale Koalition der syrischen revolutionären und oppositionellen Kräfte“ (kurz: Nationale Koalition) gegründet, in der 55 Oppositionelle vertreten sind, darunter 22 SNC-Mitglieder. Der moderate Prediger Mouaz al-Khatib, der vor seiner Flucht im Juli der Imam der Umayyaden-Moschee in Damaskus war, wurde zum Führer der neuen Koalition ernannt. Die Bloggerin Suhair Atassi und der langjährige Demokratieaktivist Riad Seif wurden beide zu Vizepräsidenten ernannt. (more…)

Schwarzer Humor

Oktober 20, 2012

Reporter: „Wie heißt ihr Vater?“

Kind: „Bashar al-Assad.“

Reporter: „Und wie heißt ihre Mutter?“

Kind: „Asma al-Assad.“

Reporter: „Und noch eine letzte Frage: Was möchten Sie später werden?“

Kind: „Vollwaise.“

R2P: Aus der Geschichte lernen

August 28, 2012

Der Kampf gegen das Assad-Regime treibt Millionen Syrer in die Straßen

Syrien ist nicht Libyen. Dies ist nach 17 Monaten Blutvergießen in Syrien deutlich geworden. Während es in Libyen nur vier Wochen dauerte, bis ein internationaler Militäreinsatz die Responsibility to protect (R2P) wahrnahm, ist in Syrien bis jetzt kein  NATO-Einsatz in Sicht. Dies hat mehrere Gründe. Libyen verfügte im Gegensatz zu Syrien über keinen großen internationalen Rückhalt, wie Russland, China und dem Iran. Die Gaddafi-Gegner waren schnell geeint und bildeten einen international anerkannten Übergangsrat, die syrische Opposition dagegen ist zerstritten und war bis jetzt nicht in der Lage, eine Übergangsregierung zu bilden. Doch der eigentliche Grund für die Zurückhaltung des Westens dürfte ein anderer sein.

In der Vergangenheit wurden bei westlichen Militärinterventionen viele Fehler gemacht, so dass Interventionen unpopulär geworden sind. Im Irak wurde der große Fehler gemacht, alle staatlichen Institutionen, sogar die Polizei, nach Saddams Sturz abzuschaffen, wodurch dem Chaos Vorschub geleistet wurde. In den 1980ern machte man den Fehler, die radikalen Mudschaheddin in Afghanistan zu unterstützen, die ihr Land später in finsterste Barbarei verwandeln sollten. Aber nicht alle Interventionen waren falsch. Um den Erfolg einer Intervention beurteilen zu können, muss man sich zuerst im Klaren sein, was für ein Ziel man dabei eigentlich verfolgt. Es kann nur zwei legitime Gründe geben: Wenn ein Staat die Sicherheit seiner Bürger bedroht sieht oder um einen Völkermord zu verhindern (R2P).

Die westliche Intervention in Afghanistan hatte das Ziel, al-Qaida aus dem Land zu jagen, und das wurde erreicht. Der Einsatz in Libyen sollte ein kommendes Massaker in Bengasi verhindern, und das wurde erreicht. Ohne eine Intervention in Afghanistan wäre al-Qaida dort immer noch präsent, ohne eine Intervention in Libyen wäre Bengasi heute in einer Reihe mit Srebrenica oder Hama. Dass weder Afghanistan noch Libyen lupenreine Demokratien sind und viele Probleme haben, macht diese Verdienste nicht gleich schlecht. Eine Intervention in Syrien ist momentan nahezu unmöglich und könnte aufgrund von Assads Chemiewaffen in einem noch größeren Desaster enden. Aber es gibt andere Möglichkeiten, um R2P zu erfüllen. Man muss nur aus der Geschichte lernen. (more…)

Assadywood

August 8, 2012

Kann Assad in der Luft schweben? Dieses Foto vom Juli 2011 soll ihn und Anas Abdul-Razzaq Naem, den neuen Gouverneur von Hama, zeigen:

(Quelle: Guardian)

Assads Medienkrieg

Wie oft hört man den Spruch „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“? Dieser Spruch wird immer gern benutzt, wenn man Lügen entlarven will, die westlichen Militärinterventionen vorausgehen (vergewaltigte Brutkastenbabys in Kuwait, KZ’s in Kosovo, Massenvernichtungswaffen im Irak usw.). Nur wenige kommen auf die Idee, dass auch die andere Seite gezielt Lügen anwendet. Im Syrienkonflikt wird z.B. die mangelnde Glaubwürdigkeit der syrischen „Aktivisten“, allen voran der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, angeprangert. Dabei gibt es auch viele Hinweise für gezielte Propagandalügen des syrischen Regimes, die kaum beachtet werden. Einige davon sind harmlos, wie z.B. das im Juli 2011 von den syrischen Staatsmedien veröffentlichte Foto von Bashar al-Assad und dem neuen Gouverneur von Hama, Anas Abdul-Razzaq Naem, das erbärmlich gefälscht war.

Andere Tricks sind dagegen nicht so harmlos, weil mit diesen die Bevölkerung gezielt desinformiert wird. Im April 2012 kam heraus, dass ein “Komparse” in vielen Städten des Landes vor der Kamera die Rolle des Verteidigers des Assad-Regimes übernahm. Er wurde insgesamt 11-mal gefilmt. Der Mann ließ sich auch unmittelbar nach einem Selbstmordanschlag in Damaskus filmen. Die Opposition stellte dieses entlarvende Video ins Internet. Es war nicht das erste Mal, dass das syrische Staatsfernsehen Schauspieler engagierte. Zuvor wurde bereits ein Gefecht zwischen Soldaten und Rebellen gefaked. Im Februar 2012 entschloss sich der Anchorman des syrischen Staatsfernsehens, Hani al-Malathi, seine Stellung aufzugeben, weil er nicht mehr Teil der staatlichen Propaganda sein wollte. (more…)

Interview mit einem Diktator

Juli 10, 2012
Oriana Fallaci trifft Ayatollah Chomeini

Oriana Fallaci trifft Ayatollah Chomeini

Am 19. März gab Mahmud Achmedinedschad dem heute journal-Moderator Claus Kleber ein bemerkenswertes Interview. Achmedinedschad gelang es, Kleber in jedem Thema vorzuführen wie einen Amateur. Der Cicero fasste es so zusammen: „Kleber exerziert vor, wie und warum der Westen an Ahmadinejad scheitert. Souverän führt der iranische Präsident durch das Gespräch.“ Am Ende stand der Iran als armes Opfer einer Verschwörung des Westens dar, sowie bei seinem Interview mit Larry King. Kein Wort über die Brutalität gegen die Regimegegner, die Rechte von Minderheiten und Frauen, die jahrelange Unterstützung der Terrororganisationen in der Levante, den möglichen strategischen Umschwung in Syrien, die Rolle des Militärs im Nuklearprogramm, die Vernichtungsdrohungen gegen Israel oder die Millionen iranischen Flüchtlinge im Westen.

Vier Monate später führte Jürgen „Eigentlich-ist-der-Westen-an-allem-Schuld“ Todenhöfer ein Interview mit dem syrischen Präsident Bashar al-Assad. Wieder gelang es dem Diktator, jegliche Schuld für seine Verbrechen zu leugnen und „ausländische Mächte“ für die Unruhen in seinem Land verantwortlich zu machen. Todenhöfer war als Gesprächspartner gut ausgewählt, immerhin ist er seit Monaten auf Propagandamission in Syrien, was auch dem syrischen Regime wohlwollend aufgefallen ist. Kein Wunder, dass Todenhöfers Interview bei allen antiwestlichen Diktatorenhuldigern als großer Erfolg gewertet wurde.

Die Diktatoren-Interviews haben eine lange Tradition. Schon Stalin und Hitler hatten ihre großen Auftritte in ausländischen Zeitungen. Am 21. Februar führte der französische Journalist Bertrand de Jouvenel für die Paris Midi ein Interview mit Adolf Hitler, in der dieser sich über die deutsch-französischen Beziehungen äußerte. Hitler schaffte es, seine Friedensabsichten zu betonen und de Jouvenels Zweifel beiseite zu wischen. Auszüge aus dem französischen Original finden sich hier, in deutscher Sprache findet man Ausschnitte auf dieser Seite. Was Hitler damals sagte, könnte in jedem Rhetorik-Kurs für Diktatoren gelehrt werden. (more…)

Nachtrag zu Hula

Juni 25, 2012
Das geteilte Syrien

Die Suche nach der Wahrheit in Syrien ist oft ein schwieriges Unterfangen

Das Thema Hula nimmt kein Ende. Alfred Hackensberger schrieb vor zwei Tagen in der Berliner Morgenpost und in der WELT zwei Artikel, in der er die Täterschaft der Shabiha an dem Massaker von Hula anzweifelte. Die Artikel in beiden Zeitungen sind weitgehend gleich, bei der WELT ist er nur ein bisschen umfangreicher. Sie wiederholen die bisherigen “Zweifel” und nennen als Quellen Zeugenaussagen, die in einem Kloster nahe Damaskus (weit weg von Hula) aufgenommen worden sind. Hackensberger war also nicht selbst in Hula.

Zu seinen Quellen gehört auch die Nonne Agnès-Mariam de la Croix, die schon 9/11 Truthern wie Meyssan ein Interview gegeben hat und oft durch Regimepropaganda aufgefallen ist. Hackensberger hat sich wohl nicht mal die Mühe gemacht, die Zeugenaussagen, die bis jetzt vorliegen, durchzulesen. Die Zeugen berichteten nicht nur über Militärkleidung, wie Hackensberger einräumt, sie sagten auch dass die Opfer getötet wurden weil sie gegen das Regime waren. Hackensberger schreibt auch folgendes:

Wer Taldu einmal gesehen hat, dem kommen Zweifel an den Berichten, denen zufolge mehrere Hundert Soldaten und Assad-Anhänger ohne Gegenwehr ins Dorf gekommen seien. Hula ist seit Dezember 2011 in Rebellenhand. Taldu liegt auf freier Fläche, wo es kaum Möglichkeiten gibt, Deckung zu suchen. Das Dorf ist mit Maschinengewehren und Panzerfäusten leicht zu verteidigen. Die Armee würde Taldu gern zurückerobern, hat es aber bisher nicht geschafft.

Es gibt Satellitenbilder, die eindeutig Checkpoints der syrischen Armee in der Umgebung zeigen, in der das Massaker stattgefunden hat. (more…)

Das Massaker von al-Hula: Wer steckt dahinter?

Juni 18, 2012

Die Bilder der Leichen von den Opfern des Massakers von al-Hula gingen um die Welt. Die Empörung übertraf alle bisherigen Reaktionen zur Gewalt in Syrien

„Nicht einmal Monster können das gemacht haben.“ Das war Bashar al-Assads Stellungnahme zum Massaker von al-Hula. Am 25. und den frühen Morgenstunden des 26.Mai waren in der Stadt insgesamt 108 Zivilisten ermordet worden, 49 Kinder, 34 Frauen und 25 Männer. Die Opposition berichtete als erstes über die Vorgänge, am 26.Mai bestätigte dann auch die UNO, dass ein Massaker stattgefunden hätte. Die Bilder der Leichen von den Opfern des Massakers gingen um die Welt. Die Empörung übertraf alle bisherigen Reaktionen zur Gewalt in Syrien. Die syrischen Botschafter in Deutschland und Frankreich wurden ausgewiesen, der französische Präsident Hollande brachte sogar offen eine Militärintervention ins Gespräch.

Die UN-Beobachter gaben an, dass die Stadt zuerst bombardiert worden war und dann bewaffnete Männer in die Häuser eingedrungen waren und das Massaker verübt hätten. Die syrische Regierung gab an, dass die Free Syrian Army die Checkpoints angegriffen hätte, bevor dann „Terroristen“ in das Dorf eingedrungen wären und regimetreue Familien ausgelöscht hätten. Außerdem leugnete sie, dass die Stadt zuvor bombardiert wurde. In den Tagen nach dem Massaker sagte die UNO, dass es starke Hinweise gäbe, dass das Massaker von regimenahen Milizen verübt wurde. Etliche Augenzeugen bestätigten die Version der Opposition, auch die Namen der Opfer wurden bekannt- darunter waren vor allem die sunnitische Großfamilie Abd al-Razaq, die durch das Massaker 62 Mitglieder verlor, und Mitglieder der al-Sayed Familie.

Fest steht auf jeden Fall: Die Rebellen haben in al-Hula Checkpoints der syrischen Armee angegriffen, später kamen bewaffnete Männer und schlachteten die Bewohner ab. Die kleine russische Nachrichtenplattform „Anna News“ meldete vorerst als einzige, dass das Massaker von Anti-Assad-Milizen begangen worden war und wollte sogar die Namen der Täter kennen(!). Am 7.Juni machte die FAZ dann ein großes Fass auf. Rainer Hermann berichtete aus Damaskus: Neue, glaubwürdige Augenzeugenberichte, die der Zeitung vorliegen würden, sollen daraufhin deuten, dass das Massaker in Wirklichkeit von Anti-Assad-Milizen verübt wurde. Getötet worden sein sollen nahezu ausschließlich Mitglieder alawitischer und schiitischer Familien. (more…)

Assad, Syrien und der Nahe Osten: Stammesdenken verhindert Zivilisierung

Juni 7, 2012
Das geteilte Syrien

Das geteilte Syrien

Einer der Hauptgründe, die genannt werden, um vor einem Ende von Assads Herrschaft in Syrien zu warnen, ist die Angst vor der Rache der Sunniten an den Minderheiten, denen es unter Assad, mit Ausnahme der Kurden, für nahöstliche Verhältnisse relativ gut erging. Die Ängste der Alawiten, Schiiten und Christen sind verständlich. Die Urkatastrophe des modernen Nahen Ostens ist, dass nach dem Ende des Osmanischen Reichs die ethnischen und religiösen Komponenten völlig unbeachtet blieben. Staaten wie Syrien, Irak, Libanon und Jordanien sind reine Erfindungen der Franzosen und Briten, deshalb konnte sich in den meisten dieser Gebilde kein starkes Nationalgefühl entwickeln. Dasselbe trifft auch auf die meisten afrikanischen Staaten zu. Welche Lösung lässt sich für dieses Problem finden?

Eine Lösung wäre natürlich, alle Staaten gemäß ethnischer und religiöser Grenzen neu zu ordnen. Dies ist jedoch so utopisch, dass man gar nicht darüber nachdenken sollte. Der einzige Weg zu dieser „Lösung“ wären wohl jahrzehntelange Kriege und Vertreibungen. Die Lösung, die die Führer der neuen arabischen Staaten praktizierten, war, die Minderheiten in den neuentstandenen Staaten brutal zu unterdrücken (vor allem die Kurden) und einen extremen arabischen Nationalismus zu fördern, der als Nationalideologie diene sollte. Die Träume eines „Groß-Arabien“ erfüllten sich jedoch nicht, die Araber waren sich selbst untereinander zu uneinig. Nach dem verlorenen Sechstagekrieg befand sich der arabische Nationalismus im Rückzug, der Islamismus wurde als neue Lösung immer populärer, doch führte er dazu, dass die religiösen Minderheiten sich immer unsicherer fühlten.

Die Führer nutzen diesen Umstand gezielt aus, denn sie wollten natürlich den Status quo erhalten. Sie hetzten ihre eigene Bevölkerung gegeneinander auf, indem sie ihnen sagten: Wenn wir verschwinden, werden die neuen Herrscher euch verfolgen, “Wenn die Sunniten an die Macht kommen, töten sie alle Schiiten” bzw. “Wenn die Schiiten an die Macht kommen, töten sie alle Sunniten”. Aber: Ist der Status quo, also ein autoritären “Führer”, der eine Seite blutig unterdrückt und damit für “Stabilität” sorgt, wirklich eine dauerhafte Lösung? In Wirklichkeit legt die Unterdrückung nur die Samen für die zukünftige Rache der Unterdrückten. Die einzige Lösung ist: Beide Seiten müssen akzeptieren, mit- und nebeneinander zu existieren, so dass man keine Angst mehr vor gegenseitiger Rache haben muss. Das geht nur, wenn man endlich den Weg zu einer pluralistischen Demokratie beschreitet. Ein “Führer” kann einen nicht ewig vor der Rache der Unterdrückten schützen, das Aufheben der Unterdrückung schon. (more…)