Archive for the ‘USA’ Category

Ayn Rand, Altruismus und Egoismus: Ein Missverständnis?

Februar 22, 2015
Der Grabstein von Ayn Rand

Ayn Rand ist tot, aber ihre Ideen werden auf ewig weiterleben

Ayn Rand ist eine der immer noch einflussreichsten Autorinnen in den USA. Sie vertrat politisch einen klassischen Liberalismus, basierend auf Individualrechten und der freien Marktwirtschaft. Dies begründete sie mit ihrer Philosophie, dem Objektivismus. Die Ethik des Objektivismus besagt, dass jeder Mensch sein Leben für sich selbst leben muss. Niemand sollte sich für andere aufopfern oder andere zwingen, sich für einen aufzuopfern. In ihren Schriften lobt sie den Egoismus und verdammt den Altruismus. Es gibt wohl nichts, was für Ayn Rand schlimmer ist als Altruismus. In ihrem Buch “Atlas Shrugged” (deutsch: “Der Streik”) sind die Helden Personen, die nur im Eigeninteresse handeln und dies auch gar nicht verschweigen, während die Bösewichte, die die Welt zerstören, alle vorgeben, völlig selbstlos im Namen der Allgemeinheit zu handeln.

Obwohl ich Ayn Rand meist zustimme und ich den Objektivismus zusammen mit dem Stoizismus für die faszinierendste Philosophie halte, denke ich, dass es bei der Betrachtung von Egoismus und Altruismus einige Missverständnisse gibt. Der Erste ist, dass die Gegner von Ayn Rand missverstehen, was sie mit Egoismus meinte. Heute steht Egoismus weitgehend für Rücksichtlosigkeit und Selbstsucht, für Ayn Rand bedeutete es dagegen einfach, die eigenen Interessen zu verfolgen. Gerade zu Ayn Rands Zeiten – Sowjetunion, Nazi-Deutschland, Zweiter Weltkrieg – war die Botschaft “Du gehörst dir selbst, niemand darf dich zum Sklaven machen” nicht selbstverständlich. Der Zweite ist Ayn Rands Verständnis von Altruismus. Für ihre Gegner bedeutet Altruismus, anderen Menschen zu helfen, sie verstand darunter, sich für niemanden aufzuopfern oder andere für sich zu opfern. Meiner Meinung nach liegen hier beide falsch.

Gibt es Altruismus?

Die Vorstellung, man könnte etwas tun, was völlig selbstlos ist, würden die wenigsten abstreiten. Menschen spenden für die Armen, sie helfen ihren Freunden und Familien beim Umzug, sie verzichten auf Reichtum, sie setzen als Feuerwehrmänner ihr Leben aufs Spiel, um völlig Fremden zu helfen. Selbstloses Verhalten schient umgibt uns überall. Wie kann man da abstreiten, dass es Altruismus gibt? Ganz einfach: Weil es absurd ist, zu glauben, man würde etwas tun, was nicht auch im eigenen Interesse ist. Wenn jemand Menschen hilft, die er mag, tut er das, weil er die Freundschaft erhalten will. Freundschaft ist meistens ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Würde man nur nehmen, ginge die Freundschaft wahrscheinlich kaputt, und man wäre traurig und hätte selbst niemanden, der einem später beim Umzug hilft.

Wer für Arme spendet oder Fremden das Leben rettet, macht das, weil ihn sein Gewissen dazu treibt. Daran ist nichts Schlechtes. Würden Menschen kein Mitleid empfinden, wenn sie Arme sehen oder keinen Wunsch, Fremden in Not zu helfen, wäre das katastrophal. Es ist also unser eigenes Interesse, unser Wunsch nach innerem Wohlbefinden, der uns dazu treibt, anderen zu helfen. Aber was ist mit Mönchen, die allem Besitz entsagen und nur für andere Menschen leben? Sind diese nicht zutiefst altruistisch? Im Gegenteil. Ein Mönch, der jede einzelne Handlung seines Lebens darauf prüft, ob sie mit Gottes Vorgaben zu vereinbaren sind, handelt zutiefst im eigenen Interesse. Er will in den Himmel kommen. Es gibt wohl kaum etwas Egoistischeres, als sein ganzes Leben ausschließlich dem Ziel zu dienen, sich für ein späteres Leben im ewigen Himmelsreich zu qualifizieren. (more…)

Der neue Paul

Februar 12, 2015
Rand Paul

Rand Paul

Seit dem letzten Präsidentschaftswahlkampf ist Ron Paul Geschichte. In den Jahrzehnten zuvor war er der wohl bekannteste Außenseiter im Kongress. Trotz seiner vernünftigen Positionen in wirtschaftlichen und sozialen Fragen machte er sich durch seine Kumpanei mit 9/11 Truthern und Rechtsextremen für viele liberal gesinnte Personen unwählbar. Noch bevor er sich vom Kongress verabschiedete, betrat bereits sein Sohn Rand Paul dieselbe Bühne. Er unterscheidet sich in vielen Positionen von seinem Vater, hat aber mehr Gemeinsamkeiten mit ihm als mit den anderen Kongressmitgliedern. Obwohl er erst seit 2011 im Kongress ist, hat er einen steilen Aufstieg hinter sich. Viele zählen ihn bereits zu einem ernsthaften Präsidentschaftskandidaten der Republikaner für 2016.

Der amerikanische Politikbetrieb wird nun schon seit Menschengedenken von den rechts-konservativen Republikanern und den links-sozialdemokratischen Demokraten beherrscht. Die größten Favoriten für die Republikaner dürften Leute wie Marco Rubio, Jeb Bush oder Ted Cruz sein. Auf Seiten der Demokraten gibt es eine große Favoritin: Hillary Clinton. Sie wäre eine Art Obama 2.0. Falls es Rand Paul gelingen sollte, Präsident zu werden, wäre er der erste liberale (im US-Sprachgebrauch “libertarian”) Präsident der USA. Rand Paul bezeichnete sich selbst als “libertarian”, lehnte jedoch später diesen Begriff ab. Man kann aber anhand seiner Positionen sehen, dass er sich vom Mainstream abhebt und einen neuen Schwung ins Weiße Haus bringen könnte.

Schauen wir uns Rands Ansichten mal genauer an. Der größte Unterschied zwischen Rand und seinem Vater ist wohl die Außenpolitik. Ron wollte alle ausländischen Militärbasen schließen, aus der NATO und UNO austreten und fiel oft mit anti-israelischen Kommentaren (“KZ Gaza”) auf. Rand dagegen will zwar die Ausgaben für das Militär reduzieren, was angesichts des Schuldenstands mehr als verständlich ist, aber einige ausländische Militärbasen beibehalten. Auch ist er eher pro-israelisch eingestellt und kritisierte Putins Ukraine-Politik. Das macht ihn jedoch nicht zu einem Neocon: Er lehnte den Irakkrieg ab, ist ein strikter Gegner von Folter, gegen die Drohnenpolitik und lehnte auch einen Einsatz in Syrien und die Sanktionen gegen Russland ab. (more…)

Zeit für mehr Saudi-Bashing

Februar 2, 2015
Abdullah, König von Saudi-Arabien, dem wichtigsten Verbündeten der USA im Nahen Osten

Verrecke in der Hölle, Abdullah!

Der Tod von König Abdullah hat Reaktionen hervorgerufen, die zeigen, wie normal es für Politiker ist, zu lügen, heucheln und alle seine Werte lächerlich zu machen. Von Deutschland über Ägypten bis zu Russland, alle äußerten ihr Beileid. Man könnte meinen, ein Philanthrop wäre gestorben. Jeder weiß, Abdullah war der Herrscher eines Königreiches, indem Menschen öffentlich geköpft, gesteinigt, ausgepeitscht und die Hände abgehackt werden. Die Strafen unterscheiden sich kaum von denen des IS in Irak und Syrien, nur dass sie derzeit wohl weniger häufig ausgeführt werden. Sich Sorgen über Salafisten oder Pegida zu machen und dann Abdullahs Tod zu betrauern zeigt, wie viel kognitive Dissonanz hinter offiziellen Verlautbarungen steht.

Ein Grund, warum man Saudi-Arabien weniger scharf angeht, ist sicher ihre im Vergleich zu einigen Nachbarn weniger destruktive Außenpolitik. Die offizielle Linie der saudischen Regierung ist eher der Status Quo oder Restauration, während Staaten wie der Iran und Organisationen wie die Hisbollah und Hamas eine neue Ordnung etablieren wollen. Vor allem aber: Die Saudis wollen mit dem Westen kooperieren. Der Westen würde auch mit den Mullahs im Iran kooperieren, wenn sie ihre feindliche Politik einstellen würden. Diese Punkte mögen zwar erklären, warum der Westen in Saudi-Arabien trotz dessen Ideologie keinen Feind sieht, aber es ist keine Rechtfertigung für einige Aspekte in den Beziehungen des Westens zu Saudi-Arabien.

Waffenlieferungen an Saudi-Arabien sind ein Skandal. Das Potential für deren Missbrauch ist sehr groß. Mit saudischen Panzern wurde der Aufstand in Bahrain 2011 niedergeschlagen. Bei einem möglichen Aufstand gegen die saudische Königsfamilie könnten Panzer benutzt werden, um ganze Wohnviertel in Schutt und Asche zu legen. Oder es kommen neue Herrscher an die Macht, die gerne die Waffen der Kuffar gebrauchen. Man stelle sich vor: Deutsche Panzer in den Händen des “Islamischen Staates”. Neben diesem Punkt kommt ein weiterer hinzu, der noch skandalöser ist: Von Saudi-Arabien aus wird die salafistische Ideologie, die Basis für den Dschihad, weltweit verbreitet, und der Westen nimmt es einfach hin. (more…)

Entschädigung für die Kolonialzeit?

Dezember 21, 2014

Wie viel schulden die Europäer den Indianern?

Im Jahr 1999 bezifferte eine ghanaische Organisation, die “African World Reparations and Repatriations Truth Commission”, die materiellen Schäden, die die Europäer und Amerikaner durch die Sklaverei und den Kolonialismus den Afrikanern verursacht haben, auf die Summe von 777 Billionen Dollar. Diese Summe sollte von den Schuldigen als Wiedergutmachung gezahlt werden. Diese Summe ist deutlich höher als das weltweite Bruttoinlandsprodukt, und zwar um das Zehnfache: Das weltweite BIP lag im Jahr 2014 bei 77 Billionen Dollar (1999 waren es noch etwa 30 Billionen), und dabei entfällt natürlich nicht alles auf Europa und Amerika, sondern “nur” etwa 35 Billionen. Folglich müssten Europa und Amerika mehr als das Zwanzigfache ihres BIP als Reparationen zahlen.

Die kranke Zahl von 777 Billionen wird zwar sonst von niemandem genannt. Allerdings fordern Vertreter von afrikanischen Ländern, amerikanische Ureinwohner und europäische Ethnologen immer mal wieder Reparationszahlungen für die Verbrechen der europäischen Kolonialmächte. Sie berufen sich dabei z.B. auf Reparationszahlungen, die Deutschland an Juden und andere Zwangsarbeiter oder die USA an Indianer gezahlt haben (und immer noch zahlen). Im Jahr 2008 gab es eine Debatte im Bundestag, ob Deutschland Reparationen für den Völkermord an die Herero und Nama in Namibia von 1904 bis 1908 zahlen sollte. Gaddafi forderte im Jahr 2009 bei einer Rede in der UNO Reparationen von 7,77 Billionen Dollar für Afrika.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen Reparationen. Manchmal ist es völlig richtig, die Opfer zu entschädigen. So war es Gaddafi, der den Hinterbliebenen der 270 Opfer des von ihm geplanten Lockerbie-Attentats 1988 insgesamt 2,7 Milliarden Dollar als Wiedergutmachung zahlte. Und es wäre völlig in Ordnung, wenn man mit dem Vermögen der SED, sofern man es je findet, die Opfer der Verbrechen in der DDR entschädigen würde. Auch Amerika könnte für begangene Verbrechen (z.B. My Lai, Haditha, unschuldige Opfer von CIA-Folter) Reparationen zahlen. Aber es gibt viele gute Gründe, die meisten Forderungen nach Reparationen kritisch zu sehen. (more…)

Make money, not war

Juli 31, 2014
Er würde sich im Grab umdrehen: Frédéric Bastiat

Schon er kannte die Vorteile des Handels: Frédéric Bastiat

Man kann über Ronald Reagan sagen, was man will, aber er war ein guter Redner. Dabei stand das, was er sagte, nicht immer im Einklang mit dem, was er tat. So gab sich Reagan als Verfechter von Freihandel, während er viele protektionistische Maßnahmen beschloss. Er konnte aber gut erklären, warum Protektionismus keinen Sinn hat, und zwar sogar dann, wenn die andere Seite ihren Markt gegen die eigenen Waren abschottet. Er meinte dazu treffend: “If one partner shoots a hole in the boat, does it make sense for the other one to shoot another hole in the boat?”

In der Realität reagieren die meisten Länder der Welt auf Handelsrestriktionen mit Handelsrestriktionen. Sie schießen also ein zweites Loch in das Boot, dass sie beide trägt. Das ist tragisch, da Freihandel nicht nur für wirtschaftlichen Wohlstand sorgt, sondern auch friedliche politische Beziehungen stärkt. Ein gutes Beispiel sind die amerikanisch-chinesischen Beziehungen. China und die USA brauchen sich gegenseitig als Handelspartner, es wäre furchtbar dumm, sich zu bekriegen. Dasselbe gilt für China und Taiwan (die abtrünnige Insel, die von China beansprucht wird).

Vom französische Ökonomen Bastiat stammt das Zitat “Wenn Waren nicht Grenzen überqueren, dann werden es Soldaten tun”. Das ist wohl übertrieben, hat aber einen wahren Kern. Desto weniger Handel zwischen zwei Ländern besteht, desto weniger Rücksicht haben diese vor einem Krieg. Bis zum Jahr 1999 hatte der “McDonalds”-Index bestand, der besagte, dass noch nie zwei Länder gegeneinander Krieg geführt hatten, in denen es McDonalds-Filialen gab – bis die USA und Jugoslawien die erstaunliche Pax McDonaldiana beendeten. (more…)

Kulturstaaten unter sich

Juni 27, 2014
Die Traumfabrik produziert auch mal Blödsinn

Großartiges Kino ganz ohne Regulierung

In letzter Zeit haben Gegner des geplanten Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA (TTIP) vielfach vor den negativen Folgen von Freihandel gewarnt. So befürchteten die Grünen die Invasion von amerikanischen Chlorhühnern. Ein noch viel schlimmeres Horrorszenario malte Klaus Staeck, der Präsident der Berliner Akademie für Künste, an die Wand: Das Ende der Kultursubventionen. Wenn durch TTIP die Filmförderung, den öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Buchpreisbindung abgeschafft werden, würden die Amerikaner kommen und die gesamte europäische Kultur zerstören.

Der EU-Kommissar Karel de Gucht “beruhigte” die Schwarzmaler und stellte klar, dass die Kulturförderung nicht Teil des Abkommens sein werde. Das ist in Europa offenbar Konsens, auch die Franzosen wollen ihre Kultur weiterhin “schützen” lassen. Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters meinte, es gehe dabei “um das große Ganze”, um die deutsche “Identität als Kulturnation”. Sie verweist auf die blühende deutsche Kulturlandschaft (?) und will das deutsche “Verständnis von Demokratie” schützen. Zu diesem Verständnis gehört also die zwangsweise Finanzierung von Theatern und Filmen durch Steuergelder. Der Deutsche Kulturrat hat ähnliche Ansichten:

Die USA und die EU sowie ihre Mitgliedstaaten pflegen unterschiedliche Vorstellungen von Kultur, kultureller und medialer Vielfalt sowie deren Erhalt und Förderung. Länder wie Deutschland und Frankreich beispielsweise verstehen sich ausdrücklich als Kulturstaaten und leiten daraus ihre Maßnahmen zur Kulturförderung ab.

Diese Worte sind eine Bankrotterklärung. Es wird völlig zurecht festgestellt, dass Europa und die USA ein anderes Verständnis von Kulturerhalt und -förderung haben (beim Rest ist das Verständnis auf beiden Seiten eher gleich), aber es wird nicht dargelegt, warum das europäische Verständnis besser sein soll. Ein Grund, warum dies der Fall sein könnte, wäre die Qualität der Kulturproduktion. Für Politiker könnte das eine Rechtfertigung für Zwangsgebühren sein (für mich wäre es das nicht), aber nun kann man beim besten Willen nicht behaupten, dass die europäische Kulturproduktion besser wäre als die amerikanische. (more…)

Waffengegner und Waffennarren auf Abwegen

Mai 13, 2014

Waffen für alle?

Wenn es um das Thema Waffen geht, zählen bei beiden großen politischen Lagern Emotionen meistens mehr als Fakten. Das ist auch bei einem jüngeren Fall deutlich geworden. Ende April wurde Diren Dede, ein Austauschschüler aus Hamburg, im US-Bundesstaat Montana erschossen. Die Reaktion der Waffengegner war zu erwarten: Das Waffenrecht wurde kritisiert. Es kann nicht sein, dass man einfach jemanden erschießen kann, der in ein fremdes Haus eindringt. Die Pro-Waffenlobby verteidigte dagegen den Täter, er habe sich ja nur gegen einen Einbrecher gewehrt.

Die linken Waffengegner stellen Fakten oft ziemlich verkürzt oder falsch dar, wenn es darum geht, ihre Anliegen darzustellen. Beim Fall Trayvon Martin hieß es, der Täter George Zimmerman hätte völlig grundlos auf Martin geschossen. Die Hintergründe der Tat waren freilich wesentlich komplizierter. Die deutsche Medienlandschaft vergaß auch zu erwähnen, dass das deutsche Notwehrrecht nicht gerade zimperlicher ist als das amerikanische, sondern dem in vermeintlicher Notwehr handelnden Täter genauso viele Freiheiten einräumt.

Beim Fall in Montana sind die Hintergründe noch nicht ganz klar. Es steht jedoch fest, dass Diren in ein fremdes Haus eingebrochen ist und daraufhin erschossen wurde. Angeblich soll der Täter Diren eine “Falle” gestellt haben. Viele Befürworter eines liberalen Waffenrechts verteidigten den Täter. Für mich ist das kaum nachzuvollziehen. Der Anti-Waffenhysterie wird einfach mit einer Pro-Waffenhysterie begegnet. Es gibt selbstverständlich kein “Recht”, jemanden zu erschießen, der ungefragt in sein Eigentum eindringt. (more…)

Whataboutism

Mai 8, 2014

Gefangene in Guantanamo

Whataboutism ist ein Begriff aus der Politik, welcher eine Propagandataktik bezeichnet, die von der Sowjetunion bei ihrem Umgang mit der westlichen Welt während des Kalten Krieges verwendet wurde. Die Taktik wurde angewendet, wenn Kritik an der Politik der Sowjetunion geäußert wurde, wobei „Was ist mit…“ erwidert wurde, gefolgt von der Benennung einer Begebenheit in der westlichen Welt, welche Ähnlichkeiten mit dem ursprünglichen Gegenstand der Kritik aufweisen sollte.

(Wikipedia)

Vielen dürfte diese Reaktion bekannt sein. Immer, wirklich immer, wenn man Menschenrechtsverletzungen von Staaten anprangert, die nicht zur westlichen Welt gehören, kommt der Verweis auf irgendeinen Missstand im Westen. Wird der Umgang mit Regimegegnern in China angeprangert, lautet die Antwort “Was ist mit Guantanamo?”. Wird die fehlende Meinungsfreiheit in islamischen Ländern angeprangert, lautet die Antwort “Was ist mit dem Verbot der Holocaustleugnung?”. Wird Russlands Kriegskurs angeprangert, lautet die Antwort “Was ist mit dem Irakkrieg?”.

Anstatt auf das Argument des Gegenübers einzugehen, wird dieses einfach ignoriert und ein anderes Thema aufgemacht. Dieses Argument nennt man “Tu quoque“. Es ist eine Variante des ad hominem, ein logischer Fehlschluss, denn die Verbrechen der einen Seite werden nicht besser, indem man sie mit den Verbrechen der anderen Seite aufrechnet. Es gibt viele aktuelle Beispiele für dieses Argument. Wie kann man auf diese Taktik antworten? Nun, es gibt drei einfache Wege. (more…)

Das Ende der Prohibition?

April 23, 2014

Fun fact: Die USA haben seit dem 20. Januar 1993 keinen Präsidenten, der nicht öffentlich zugegeben hat, Marihuana genommen zu haben.

Währenddessen geht der “War on Drugs” weiter. Millionen Menschen sitzen in Haft (allein 650.000 Menschen werden jährlich wegen Besitz vom Marihuana verhaftet) und in Mexiko geschieht ein Mord nach dem anderen. Doch wir befinden uns an einem Wendepunkt. Zwei US-Bundesstaaten, Washington und Colorado, haben Marihuana für den Konsum freigegeben, und weitere 20 haben es für den medizinischen Gebrauch freigegeben. In den kommenden Jahren planen Dutzende Staaten, Marihuana für den medizinischen Gebrauch oder für den Konsum freizugeben.

In Colorado ist Kiffen seit dem 1. Januar 2014 legal. Die Verbrechensrate ist seitdem nicht gestiegen, Eigentumsdelikte haben im Vergleich zum letzten Jahr sogar um 14,6% abgenommen. Nebenbei sind die Einnahmen des Staates um umgerechnet 2 Millionen Euro gestiegen. Natürlich wird es noch lange dauern, bis in den gesamten USA der “War on Drugs” beendet wird. Die derzeitigen Entwicklungen machen jedoch Hoffnung, dass wir das Ende der Prohibition in absehbarer Zeit erleben werden.

Nixons dümmster Krieg

März 11, 2014

Nixon machte Frieden mit China, aber nicht mit den Drogen

Im Jahr 1971 hatte Richard Nixon eingesehen, dass der Vietnamkrieg nicht mehr zu gewinnen ist. Er beschloss, den Rückzug vorzubereiten und die amerikanische Beteiligung an dem Krieg zu beenden. Aber er zog daraus nicht die Lehre, keine sinnlosen Kriege mehr zu führen, stattdessen rief er noch im selben Jahr einen weiteren Krieg aus: Den Krieg gegen die Drogen. Wenn man sich vor Augen führt, wie dieser Krieg rechtfertigt wurde und dass er noch bis heute andauert, war es wohl Nixons dümmster Krieg.

Auch die Prohibitionisten unserer Tage beweisen des Öfteren ihre Ahnungslosigkeit. Hier drei Beispiele:

1. Hillary Clinton sagt: “Es ist zu viel Geld im Spiel”

Reason.com erinnerte im Januar an eine Aussage von US-Außenministerin Clinton aus dem Februar 2011, mit der sie erklären wollte, warum Drogen ihrer Meinung nach nicht legalisiert werden dürfen. Sie sagte, es ist bei Drogen einfach “zu viel Geld im Spiel” (“because there is just too much money in it”). Nun, liebe Hillary, das ganze Geld bei den Drogen kommt zustande, weil durch das Verbot die Drogen in den Schwarzmarkt rutschen, wo dann Leute wie Al Capone und Pablo Escobar das Geschäft übernehmen. Was der Staat im “Krieg gegen Drogen” macht ist, ist im Grunde nichts anderes als die Drogenkartelle zu schützen, wie Milton Friedman feststellte.

2. Deutsche Ärzte sagen: “Es gab zwei Tote durch Cannabis”

Im Februar gaben deutsche Ärzte eine sensationelle Entdeckung bekannt: Es gab tatsächlich Tote durch Cannabis-Konsum. Bis jetzt hatte man, im Gegensatz zu legalen Drogen wie Tabak und Alkohol, weltweit noch keine gefunden. Cannabis hatte aber dennoch einen schlechten Ruf, weil es als “Einstiegsdroge” für härtere Drogen diene, obwohl diese These schon längst als widerlegt gilt. Im Magazin “Vice” wurde festgestellt, dass die neuen Entdeckungen bedeuten, dass Aspirin 1000-mal tödlicher ist als Cannabis. (more…)


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